Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Literatur

3678 Presseschau-Absätze - Seite 16 von 368

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.08.2025 - Literatur

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Marie Schmidt plauscht in der SZ mit Denis Scheck über "Kafkas Kochbuch", das er gemeinsam mit Eva Gritzmann herausgegeben hat. Dabei handelt es sich um eine Neuausgabe einer Rezeptesammlung, die zu Kafkas Zeiten als "Hygienisches Kochbuch" bekannt war und mit dem der Schriftsteller von einem Kuraufenthalt nach Hause kam, um sich danach bekochen zu lassen. Im Original entsprang das Buch der Lebensreformbewegung und bot hunderte vegetarische Rezepte. Ob Kafka wohl wegen seiner Magenprobleme auf den Vegetarismus setzte, möchte Schmidt wissen. "Da wäre ich vorsichtig, wie jeder Mensch hatte er viele Motive. Ein Satz, der lange in uns nachhallte, stammt von Gilles Deleuze und Félix Guattari aus ihrem Buch 'Kafka: Für eine kleine Literatur', in dem es heißt, Kafkas Literatur sei eine einzige Hungergeschichte. Der Schlüssel für seine Ernährungsweise liegt für uns darin, dass Kafkas Großvater Metzger war, jüdischer Schlachter. Kafka schreibt einmal an Milena Jesenská: 'Ich muß soviel Fleisch nicht-essen, als er geschlachtet hat.' Eine unglaubliche Formulierung der Vorstellung eines karmischen Ausgleichs." In der NZZ wird das Buch besprochen.

Besprochen werden unter anderem Dorothee Elmigers "Die Holländerinnen" (NZZ), Thomas Melles "Haus zur Sonne" (taz), Max Goldts "Aber?" (Welt), Angela Steideles "Ins Dunkel" (FR),  Michael Maars "Das violette Hündchen" (SZ) und neue Sachbücher, darunter Patrick Olivelles "Ashoka. Indiens philosophischer Kaiser" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.

Außerdem präsentieren wir die vierte Folge unseres "Bücherbrief Live"-Podcasts. Benita Berthmann und Lukas Pazzini stellen wieder Bücher vor, die sie im Bücherbrief des Monats besonders interessant fanden: Angela Carters feministischen Horror-Klassiker "Die blutige Kammer" und Viktor Remizovs monumentalen Roman über den Bau der Stalin-Bahn in Sibirien, den Interview-Gast Franziska Zwerg ins Deutsche übertragen hat.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.08.2025 - Literatur

In der Irish Times gibt die Schriftstellerin Sally Rooney kund, die in Großbritannien nun als terroristisch eingestufte Palestine Action weiterhin unterstützen zu wollen. "Wenn mich das nach britischem Gesetz zu einer 'Terrorunterstützerin' macht, dann sei es so." Die Zeit hat Volker Weidermanns Porträt der Schriftstellerin Gerti Tetzner online nachgereicht. Der Schriftsteller John Niven ärgert sich in der SZ darüber, dass er zur Promo für jedes seiner neuen Bücher durch sämtliche Podcasts der westlichen Hemisphäre tingeln muss, wo er doch selber in seinem Leben kaum je einen Podcast gehört hat.

Besprochen werden unter anderem Thomas Melles "Haus zur Sonne" (online nachgereicht von der FAZ), Olivier Schrauwens Comic "Sonntag" (Standard), Roberto Savianos "Treue. Liebe, Begehren und Verrat - die Frauen in der Mafia" (Standard), Tatjana von der Beeks "Blaue Tage" (Freitag), neue Hörbücher, darunter Gert Westphals Lesung von Rainer Maria Rilkes "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge" (FAZ), und Max Goldts "Aber?" (SZ).

In der online nachgereichten Frankfurter Anthologie schreibt Julia Trompeter über Lydia Dahers "Mama ist aus Regen. Papa aus Metall":

"Als würde man unter Wasser
einen Stein anheben ..."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.08.2025 - Literatur

"Tagebuch zu schreiben, ist der fortgesetzte Versuch, sich für das eigene Ich zu interessieren", lautet das Fazit, das Paul Jandl zieht, nachdem er sich für die NZZ durch einen halben Regalmeter von Journalen von Weltrang-Literaten gearbeitet hat. Beim Verfertigen eines Tagebuchs kann man gerade ganz aktuell Rainald Goetz auf Instagram live zusehen. Bei der Lektüre der Einträge dort "fragt man sich, ob sie vor der gerade herrschenden Weltendämmerung kapitulieren oder ob sie eine Art subtiler Kampf sind: Rückeroberung von Gebieten, Aufwertung des Subjektiven gegen die Übermacht globaler anonymer Politik, die den Planeten noch viel schneller verändert, als man auf Instagram mitschreiben könnte. Was Rainald Goetz macht, hat etwas rührend Antiquiertes, und das passt in die Geschichte des Mediums namens Tagebuch, das immer paradox bleibt. Es will aktuell sein und kommt weltgeschichtlich trotzdem immer zu spät. Die Stärke des Tagebuchs sind die Ich-Geschichten. Auch Goetz ist ein von sich selbst Ergriffener, wie es viele Schriftsteller-Diaristen vor ihm waren."

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Daniela Dröscher und Christian Baron schreiben autofiktionale Romane über Menschen mit einer wenig privilegierten Herkunft. Christiane Lutz hat sich für die SZ mit den beiden zum Gespräch getroffen. Beide berichten von Folgen ihres Schreibens im Alltag: "Nach Abgabe dieses letzten Manuskripts habe ich eins zu eins die Symptome der Romanfigur entwickelt", sagt Dröscher. "Man reißt immer wieder alte Wunden auf. In sich, in anderen. Diese Art zu schreiben hat einen Preis." Und Christian Baron: Mittlerweile "versteht der Großteil meiner Verwandtschaft ... wo der Unterschied zur Realität liegt. Es kann ganz schön ernüchternd sein, wenn man nach fünf Jahren auf Leute trifft, die das nicht verstehen können oder wollen. Meine älteste Tante, die das Vorbild für die Figur der Ella war, ist gerade überraschend verstorben. In den Gesprächen um die Trauerfeier ging es immer wieder um diese literarische Figur. 'Was du schreibst, das ist ja eh alles gelogen' - solche Sätze kamen von entfernten Verwandten. Wie hab' ich mich da gefühlt? Ich kam mir vor wie ein dilettantischer Gott."

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Weitere Artikel: Für die WamS porträtiert Richard Kämmerlings die Comiczeichnerin Ulli Lust, die gerade für ihren Comic "Die Frau als Mensch" mit dem Deutschen Sachbuchpreis ausgezeichnet wurde. Die FAS spricht mit Thomas Melle über dessen neuen Roman "Haus zur Sonne", in dem dieser aus der Erfahrung seiner bipolaren Erkrankung schöpft. Im FAS-Kommentar ärgert sich Tobias Rüther über die offenbar hervorragenden Beziehungen, die das "Literarische Quartett" des ZDF und das Feuilleton der Zeit miteinander pflegen, während Marcel Reich-Ranickis historischer Beitrag zu der Sendung (und damit gewissermaßen auch der der FAZ) in Pressemitteilungen des Senders meist unterschlagen wird. Susanne Stephan erinnert in "Bilder und Zeiten" der FAZ an Rilkes Aufenthalte in Schweden. Sandra Kegel befasst sich in der FAZ mit den Sorgen und Nöten des Bücheraufhebens und Bücherweggebens.

Besprochen werden unter anderem Thomas Melles "Haus zur Sonne" (FR), Dorothee Elmigers "Die Holländerinnen" (taz), Howard Zinns "Eine Geschichte des amerikanischen Volkes" (taz), Percival Everetts "Dr. No" (FAZ) und Verena Keßlers Roman "Gym" (WamS). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.08.2025 - Literatur

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Birgit Schmid spricht für die NZZ mit dem Theaterautor, Kulturwissenschaftler und Psychologen Leon Engler über dessen Debütroman "Botanik des Wahnsinns". Lose autobiografisch eingefärbt, erzählt das Buch von einem jungen Mann, der den psychischen Erkrankungen in seiner Familie entfliehen will, dabei aber selbst in der Psychiatrie landet. Entsprechend dreht sich das Gespräch auch um Englers Einblicke in den Berufsalltag eines Psychologen - und er wehrt sich dagegen, psychische Erkrankungen bloß als tragisches Schicksal Vereinzelter abzutun: "Bürgerliche Familien haben eine andere Familiensaga, mit einer starken mündlichen Überlieferung, die zur Identitätsbildung beiträgt und den Selbstwert prägt. Die Geschichte von Arbeiterfamilien ist sprachloser." Deren "Kinder ... haben eine andere Art des Selbst- und Weltverständnisses, wo eben nichts selbstverständlich ist. Es muss um alles gefürchtet werden, die ganze Zeit, es geht um eine ganz andere Grundnot, ein Urmisstrauen." Ein weiteres Gespräch mit Engler resümierten wir bereits an dieser Stelle.

Besprochen werden unter anderem Annie Ernauxs "Die Besessenheit" (Dlf Kultur), Thomas Melles "Haus zur Sonne" (Standard), Daniela Dröschers "Junge Frau mit Katze" (online nachgereicht von der FAZ), Victor Heringers "Die Liebe vereinzelter Männer" (Intellectures), Paul Maars Novelle "Lorna" (online nachgereicht von der FAZ), Clémence Sabbaghs und Magali Bardos' Kinderbuch "Kajak" (FR) und neue Sachbücher, darunter Karl-Markus Gauß' "Schuldhafte Unwissenheit. Essays wider Zeitgeist und Judenhass" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.08.2025 - Literatur

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Volker Weidermann porträtiert in der Zeit die DDR-Autorin Gerti Tetzner, deren Roman "Karen W." nun wieder aufgelegt wurde und die nach vielen Jahrzehnten des Schweigens im Alter von 88 Jahren wieder mit dem Schreiben begonnen hat (zuvor hatte auch Richard Kämmerlings für die Literarische Welt Tetzner besucht). Kirsten Küppers unterhält sich für die Zeit mit der New Yorker Schriftstellerin Lily Brett, über die aktuell ein Dokumentarfilm gedreht wird. Die SZ druckt einen Briefwechsel, in dem die junge afghanische Autorin Shamsia, die in Kabul lebt, und die italienische Schriftstellerin Francesca Melandri über Suizidgedanken, Identität und Melandris Long Covid-Erkrankung korrespondieren.

Besprochen werden Daniela Dröschers "Junge Frau mit Katze" (FR), Melanie Lüdtkes Comic "Hackenporsche" (FAZ.net), Chi Zijians "Das letzte Viertel des Mondes" (NZZ),  Susanne Kuhns von Nicolas Mahler illustrierter Bericht "Drei Wochen mit Thomas Bernhard in Torremolinos" (FAZ) und Helmut Lethens "Stoische Gangarten. Versuche der Lebensführung" (Zeit). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.08.2025 - Literatur

Ursula Poznanski findet es "wahnsinnig unmoralisch" und urheberrechtlich zweifelhaft, Bücher von einer KI schreiben und unterfüttern zu lassen, sagt die Jugendbuchautorin im FAZ-Gespräch mit Tilman Spreckelsen. Doch alles in allem ist sie "pessimistisch. Denn die Arbeit mit KI ist wahnsinnig praktisch, und alles, was kurzfristig den Menschen das Leben erleichtert, setzt sich durch, auch wenn wir langfristig damit nicht glücklich werden - jedenfalls die meisten von uns. Meine Hoffnung liegt weniger bei den Produzenten als bei den Konsumenten, die immer noch den Menschen hinter einem Werk spüren möchten. ... Ich bin mir ziemlich sicher, auch wenn es mich nicht glücklich macht, dass die KI eines Tages in bestimmten, eher simplen literarischen Genres nicht mehr wegzudenken ist. Und das andererseits das Persönliche, das Originäre als noch wertvoller angesehen wird."

Außerdem: Jannis Koltermann denkt in der FAZ über den anhaltenden Erfolg von literarisch-historischer Sachbücher seit Florian Illies' "1913" nach. Gerrit Wustmann schreibt auf 54books einen Nachruf auf den Dichter Axel Kutsch.

Besprochen werden unter anderem Silke Scheuermanns Lyrikband "Zweites Buch der Unruhe" (taz), Jane Gardams "Tage auf dem Land" (FR), Constance Debrés "Play Boy" (Jungle World), Mieko Kawakamis "Das gelbe Haus" (online nachgereicht von der LitWelt), Oleg Jurjews Gedichtband "Verse vom himmlischen Drucksatz" (online nachgereicht von der FAZ), Martina Clavadetschers "Die Schrecken der anderen" (NZZ),  Helmut Lethens "Stoische Gangarten. Versuche der Lebensführung" (FAZ) und Thomas Melles "Haus zur Sonne" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.08.2025 - Literatur

Thomas-Mann-Jubiläumsjahr, zweite Runde. Im vergangenen Juni jährte sich der Geburtstag des Schriftstellers zum 150. Mal, heute ist sein 70. Todestag. Hilmar Klute erinnert in der SZ an Thomas Manns Exiljahre in den USA, wo er im Zuge der aufkeimenden politischen Paranoia wegen seines Engagements für Demokratie und Freiheit bald in Verdacht geriet, mit dem Kommunismus zu sympathisieren. "Als der FBI seine Drohkulisse derart groß werden ließ, dass die Library of Congress einen Vortrag Thomas Manns aus Furcht vor Repressalien absagte, begann für den amerikanischen Staatsbürger der allmähliche Rückweg nach Europa. Von dort aus starrte Mann auf das sich wandelnde Amerika, die Botschaft, die er in dessen Wandel zu erkennen glaubt, ist uns heute auf bedrückende Weise vertraut: 'Öffentliche Vorstellung eines neuen, blitzblanken Amerika, mythische Idee des Anbruchs neuer Zeit des Glücks.' Verheißungen in diesem Sound bedeuten für demokratisch gestimmte Nationen nichts Gutes. Dieser Tage hört man ihn wieder."

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Mehr Mann: Die "Neu- und Wiederentdeckung des Schriftstellers als Redner gehört zu den auffälligen Akzenten" dieses Jahres, schreibt Marc Reichwein in der Welt, denn beim letzten Gedenkjahr vor 50 Jahren seien es noch Manns literarische Werke gewesen, die im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit standen. Die Japanologin Nicole M. Mueller gibt in der FAZ Einblick in den regelrechten Kult, der im literarischen Japan um Manns "Tonio Kröger" herrscht. Michael Hesse erinnert in der FR an Manns Leidenschaft für das Meer. Andrea Fried erzählt im Standard von ihrer Reise an den Fischerort Sanary-sur-Mer, wohin einst die literarische Bohème zur Sommerfrische kam und so in den 1930er-Jahren ein Hotspot des literarischen Exils entstand, an dem auch Thomas Mann und seine Familie bei ihrer Flucht Station machten. Und Lothar Müller und Gustav Seibt (beide SZ) lesen neue Buchveröffentlichungen zum Jubiläumsjahr, darunter Tilmann Lahmes neue Mann-Biografie.

Besprochen werden unter anderem Regina Dürigs Erzählungsband "Frauen und Steine" (taz), Chaim Nachman Bialiks "Wildwuchs" (NZZ), Helmut Lethens "Stoische Gangarten. Versuche der Lebensführung" (online nachgereicht von der Literarischen Welt), Maria Judite de Carvalhos "Leere Schränke" (online nachgereicht von der Zeit) und Oleg Jurjews "Verse vom himmlischen Drucksatz" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Stichwörter: Mann, Thomas

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.08.2025 - Literatur

Die Autorin Clarissa Stadler erzählt im Standard von ihren Reisen zu Thomas Manns wichtigsten Wirkungsstätten. Außerdem gibt das Standard-Team Lesetipps für den offenbar doch noch kommenden Sommer.

Besprochen werden unter anderem Ann Schlees "Die Rheinreise" (Welt), Milica Vučkovićs "Der tödliche Ausgang von Sportverletzungen" (online nachgereicht von der FAZ), Benjamin Woods "Der Krabbenfischer" (FR), Curt Blochs "Das Unterwasser-Cabaret 1943-1945" (NZZ) und Georgi Gospodinovs "Der Gärtner und der Tod" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.08.2025 - Literatur

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Anna Prizkau kam im Alter von sieben Jahren aus Russland nach Deutschland, landete in den Feuilletons von FAZ und FAS, 2021 las sie beim Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt, jetzt liegt ihr Debütroman "Frauen im Sanatorium" vor, der in einer psychiatrischen Klinik spielt. "Vielleicht sieht man in meinem Buch etwas von unserer schönen, todunglücklichen Wohlstandsgesellschaft", sagt sie im NZZ-Gespräch mit Michael A. Gotthelf. "Und vielleicht hört man auch das heranziehende Grollen einer neuen dunklen Zukunft, die uns leider bevorsteht." Politische Literatur lehnt sie allerdings ab: "Wer eine Agenda hat, will etwas verändern. Aber Literatur, selbst die größte, selbst die allergrößte, kann die Welt nicht verändern. Sie kann im besten Fall Erfahrungen, die wir alle kennen, in Worte und Sätze fassen, die uns vorher fehlten, sie kann uns Vertrautes neu zeigen. Und sie kann überleben - Zensur, Diktaturen und Unterdrückung!" Und außerdem "kenne ich keinen einzigen gelungenen Roman, der einer politischen Agenda folgt. Denn wenn man ein Aktivist ist, dann glaubt man zu wissen, wer gut ist und wer böse." Bernhard Heckler berichtet in der SZ von einem Mittagessen mit der Schriftstellerin, die ihr mit ihrer Leidenschaft für den Boxsport und Zigaretten merklich imponiert.

Weitere Artikel: Der Historiker Jochen Gmehling plädiert im Literarischen Leben der FAZ dafür, die zur Zeit der Machtübernahme der Nationalsozialisten entstandenen Tagebücher der Berliner Reporterin Bella Fromm wiederzuentdecken - nicht nur, aber auch wegen ihrer "in dieser Form nur selten anzutreffenden politischen Urteilsfähigkeit, die den Vergleich mit heute viel bekannteren jüdischen Intellektuellen und Totalitarismusforschern wie Hannah Arendt oder Raymond Aron nicht zu scheuen braucht". Mara Delius blickt für die WamS in Debatten in den USA (hier und dort), die beklagen, dass kaum noch junge, weiße Männer Bücher schreiben und, ja schlimmer noch, die Öffentlichkeit jegliches Interesse an großen Romanwürfen verloren habe. Roman Bucheli wägt in der NZZ das Für und Wider von KI in der Literatur ab. Derweil liefert der Berliner Schriftsteller Moshe Sakal in "Bilder und Zeiten" der FAZ den nächsten Teil seiner Gesprächsreihe mit einer KI. Heike Holdinghausen spricht für die taz mit der Bestsellerautorin Katharina Hagena. Die Juristin und Schrifstellerin Elisa Hoven erklärt Marc Reichwein in der Literarischen Welt (online nachgereicht), was das Strafrecht aus der Literatur lernen kann. Malte Osterloh erinnert sich in der FR an eine Begegnung mit dem Thomas-Mann-Herausgeber und Schriftsteller Peter de Mendelssohn. In den "Actionszenen der Weltliteratur" erzählt Jan Röhnert, wie Marlene Dietrich einmal im Kalten Krieg nach Moskau gereist ist, weil sie nach der Lektüre der Erzählung "Das Telegramm" unbedingt deren Autor Konstantin Paustowski kennenlernen wollte. In der FAS liest sich Bettina Hartz durch neue Kinderbücher über den Tod. Und die taz dokumentiert den Aufruf einer Handvoll Autorinnen und Autoren, das Tucholsky-Museum in Rheinsberg zu retten.

Besprochen werden unter anderem Christian Barons "Drei Schwestern" (taz), der Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Heinrich Böll (online nachgereicht von der FAZ), Simon Schwartz' Comicadaption von Alfons Kaisers Biografie über Karl Lagerfeld (taz), Gaea Schoeters' "Das Geschenk" (FR) und Sayaka Muratas "Schwindende Welt" (FAS). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.

In der Frankfurter Anthologie schreibt Frieder von Ammon über Goethes "Veni creator spiritus!":

"Komm heilger Geist du Schaffender
Komm Deine Seelen suche heim;
Mit Gnaden-Fülle segne sie ..."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.08.2025 - Literatur

Nadine A. Brügger porträtiert in der NZZ die Krimiautorin Donna Leon. Besprochen werden unter anderem Uketsus "Hen na e - Seltsame Bilder" (taz), Heinz Strunks Erzählungsband "Kein Geld, kein Glück, kein Sprit" (Dlf), Fiona Sironics "Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft" (online nachgereicht von der FAZ), Elin Lindells "Der süßeste Bruder der Welt" (FR) und der Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Heinrich Böll (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.