Kulturstaatsminister
Wolfram Weimer knickt vor den
Streamingdiensten ein, lautet der Befund der Analyse von Thomas E. Schmidt und Katja Nicodemus auf
Zeit Online. Ein aktuell kursierendes Papier zum Stand der Verhandlungen - sollen Netflix und Co. per Gesetz zur Investition in die deutsche Filmproduktion gezwungen werden oder nicht - lasse keinen anderen Schluss zu. Die hohen Beträge, die dem deutschen Film künftig dennoch zukommen würden, seien "eher
Blenderei". Im anvisierten Freiwilligenmodell stellen die Streamer "1,83 Milliarden Euro für fünf Jahre in Aussicht. Das entspricht bloß in etwa dem bisherigen Investitionsaufkommen." Laut Produktionsallianz "sind Weimers Zahlen zudem veraltet (Stand von 2022) und würden
das prognostizierte Wachstum der Streamingdienste nicht berücksichtigen".
Barbara Schweizerhof ist sich im
Freitag uneins, was sie von der geplanten Übernahme von
Warner durch
Netflix halten soll. Droht damit wirklich das Ende des Kinos, wie manche bereits rufen? Ein Blick auf die Zahlen: "Zwölf bis 13 Filme bringt Warner jedes Jahr in die Kinos", zumindest in diesem Jahr war "
ein Großteil der umsatzstärksten Filme dabei. Was sich in den ersten Antworten von
Netflix-Chef Ted Sarandos abzeichnet, scheint die Neuverhandlung der '
Auswertungsfenster', also darüber, ob ein Film zwei, drei oder zehn Wochen nach Kinostart über Streaming erhältlich ist. ... Andererseits ist das Kino ein so wichtiges Standbein von Warner, dass die Übernahme keinen Sinn ergibt, wenn man an diesem Geschäftszweig so gar nicht interessiert ist. Oder macht sich hier tatsächlich der Vampir zum Blutbankverwalter?"
David Steinitz spricht in der
SZ mit
James Cameron über dessen neuen "Avatar"-Film. Was den Einsatz von
künstlicher Intelligenz in der Filmproduktion angeht, zeigt er sich als Pionier der Tricktechnik tiefenentspannt: "Ich glaube, kaum jemand" wird arbeitslos und noch habe die VFX-Branche selbst in der Hand, ihre Jobs zu retten: "Die großen Studios müssen sparen, also machen sie weniger große, effektlastige Filme. Das spüren die Unternehmen schon jetzt brutal. Wenn sie mit KI einen Weg finden, die Sache günstiger hinzubekommen, fliegen sie nicht aus dem Geschäft, sondern kommen dadurch überhaupt erst wieder rein." Denn "um KI fürs Kino zu verwenden, braucht es
filmspezifische Lösungen. Das ist den großen KI-Firmen aber, pardon, scheißegal. Die interessieren sich nicht für Hollywood, weil das
ein kleiner Markt ist. Die haben
die komplette Menschheit als Kunden im Visier."
Weitere Artikel: Tobias Sedlmaier
erinnert in der
NZZ anlässlich der Literaturnobelpreisverleihung an
László Krasznahorkai an das "formstrenge, radikale Kunstkino", das der ungarische
Schriftsteller als Drehbuchautor gemeinsam mit
Béla Tarr realisiert hat. Fabian Tietke
blickt im
Filmdienst zurück auf das einjährige Experiment des geschichtsträchtigen Berliner
Kino Arsenals, das die Zeit zwischen Verlust der alten und Eröffnung der neuen Spielstätte damit überbrückt hat, Programm in anderen Kinos zu machen. Ausgehend von einer Schreibblockade angesichts eines nichtssagenden Film
macht sich Patrick Holzapfel in einem großen
Filmdienst-Essay Gedanken über
Sprache und Filmkritik. Die
Welt hat Hanns-Georg Rodeks
Bericht darüber, wie
Achim von Borries Wolfgang Beckers letzten, in der
taz besprochenen Film "Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße" vollendet hat, online nachgereicht.
Besprochen werden
Christian Marclays in der Neuen Nationalgalerie in Berlin gezeigte Filmcollage "The Clock" (
taz, mehr dazu
hier), die
Ausstellung "
Claude Lanzmann. Die Aufzeichnungen" im Jüdischen Museum Berlin (
SZ, mehr dazu bereits
hier) und der
NDR-Film "Prange - Man ist ja Nachbar" mit
Bjarne Mädel (
FAZ).