Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

966 Presseschau-Absätze - Seite 32 von 97

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.07.2021 - Design

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Die Pinakothek-Ausstellung "Ki.Robotik.Design" des Robotik- und Systemintelligenz-Professors Sami Haddadin macht SZ-Kritiker Andrian Kreye begreiflich, wie sehr man in München "im Mahlstrom der sich exponentiell beschleunigenden Zukunftskräfte lebt". Zu erleben gibt es unter anderem, wie sich die "Symbiose aus Robotik und künstlicher Intelligenz gerade vollzieht. Das beginnt mit der Entwicklung eines Designs für einen Stütz- und Bewegungsapparat, inspiriert von der Idee des Menschen als Homunkulus, der einen Großteil seiner Hirnkapazität für die Motorik der Hände einsetzt. Ist das geregelt, folgt die Körperwahrnehmung, die auch eine Maschine braucht, um im Raum agieren zu können. Dazu kommt dann die Fortbewegung. Das alles führt zur Fähigkeit, die Umwelt zu manipulieren, was auch eine Hand-Auge-Koordination erfordert. Ganz am Schluss steht dann die Symbiose von Mensch und Maschine über die Interfaces." Allerdings "ist der Grundtenor ein Optimismus, der fundiert in einer Philosophie wurzelt, die davon ausgeht, dass die moderne Gesellschaft es in der Regel schon hinkriegt, sich die Maschinen untertan und vor allem zu Diensten zu machen."

Außerdem erinnert Claudia Mäder in der NZZ an die Erfindung des Regenschirms im 18. Jahrhundert, der seinerzeit vor allem Frauen vorbehalten war, da anderenfalls die Auflösung der Geschlechtergrenzen im Schwange lag.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.07.2021 - Design

Peter Shire: Sessel "Bel-Air" (1982). Foto: Vitra Design Museum


In der NZZ erinnert Gabriele Detterer an das Designerkollektiv Memphis Milano, dessen buntes Design die achtziger Jahre prägte und dem das Vitra Design Museum gerade eine Ausstellung widmet. Die Gruppe um Ettore Sottsass wollte eine Gegenposition zur "Guten Form" und Minimalismus schaffen. Kitsch, Eleganz und viel Plastiklaminat waren ihr Wahrzeichen: "Mit der locker-lässig wirkenden Entwurfspraxis, die sich um guten Geschmack nicht scherte, verband sich eine klare Ansage. So gebärdet sich auf der Einladungskarte zur Premiere der Memphis-Kollektion im September 1981 ein wildes Tier, das vor einer Gewitterfront hell zuckender Blitze das Maul weit aufreißt. Durchaus als angriffslustig wollte Memphis Milano wahrgenommen werden. Bildhaft deuten die Gewitterwolken auf eine lange aufgestaute Energie, die sich mit einem Knall entladen musste."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.07.2021 - Design

Freischwinger Modell S 43, Entwurf von Mart Stam von 1926/27, hier in der DDR-Ausführung der 60er. (Bild: Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Sammlung industrielle Gestaltung/Johannes Kramer)

Bettina Maria Brosowsky führt in der NZZ durch Leben und Wirken des niederländischen Produktgestalters Mart Stam, der den Freischwinger-Stuhl mit auf den Weg brachte. Im Berliner Museum der Dinge ist derzeit eine ihm gewidmete Ausstellung zu sehen, die mit vollen Händen aus seinem Archivfundus schöpft. In der jungen DDR schuf er das Institut für industrielle Gestaltung: "Es sollte mustergültige Entwürfe erarbeiten und durch Belegexemplare dokumentieren sowie als Zertifizierungsstelle die gesamte Gebrauchsgüterindustrie kontrollieren. Die Bedingungen in Berlin, der jungen Hauptstadt der DDR, schienen günstig, Stams Utopie zum Greifen nah: eine Produktkultur qualitativ hochwertiger Gebrauchsgüter für den elementaren Lebensalltag - der 'Volksbedarf' im Geiste Hannes Meyers - als kollektiver Ausdrucksträger einer sozialistischen Gesellschaft." Doch "arbeitete die ideologische Indoktrination der Staatspartei SED gegen Mart Stam: Im Zuge der 'Formalismusdebatte' zu Beginn der 1950er Jahre wird er des rückwärtsgewandten Beharrens auf der ornamentlosen Form sowie des 'Kosmopolitismus' geziehen und seiner Posten enthoben."

Außerdem: Für das von Olivier Saillard produzierte Modeperformanceprojekt "Embodying Pasolini" hat sich Tilda Swinton in Danilo Donatis für Pasolini entstandene Filmkostüme geworfen, berichtet Dominique Sisley in Another Mag. Zahlreiche Eindrücke gibt es aktuell hier auf Instagram:

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.07.2021 - Design

In einem langen interessanten Essay in Monopol zum Thema Fakes schreibt Alia Lübben über die neuen Kollektionen von Gucci und Balenciaga, deren Chefdesigner Alessandro Michele und Demna Gvasalia sich auf ein "Hacker-Projekt" (Bilder hier) geeinigt haben, bei dem jeder vom anderen klauen darf - was sich im wesentlichen offenbar auf das Klauen der Logos beschränkte: "Das Kapern der anderen Marke wird beim 'Hacker-Project' zur Inspirationsquelle: 'Das, was nicht erlaubt ist, triggert auch Kreativität auf eine Weise'", zitiert Lübben Gvasalia. "'Bei Luxusmode gibt es immer die Kopie, etwas, das so sein will, das aber sehr oft sehr hässlich und schlecht verarbeitet ist. Aber manchmal sehe ich auch billige Kopien von meinen Entwürfen oder von Alessandros, die wirklich interessant sind. Und ich denke mir: Es braucht Kreativität, um so etwas zu machen, auch wenn sie es nur machen, um nicht verklagt zu werden. Ironischerweise entsteht hier durch das Kopieren Kreativität.'" Lübben bemerkt aber auch, dass mit dieser Art von Hacks - auch wenn sie nicht abgesprochen sind - nur große Labels durchkommen. Die kleinen werden immer noch verklagt.

Hier die Schau von Balenciaga:



Außerdem: In der NZZ analysiert Tilman Allert die Tattoos der Fußballstars.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.07.2021 - Design

Marion Löhndorf hat für die NZZ die Sneakers-Ausstellung des Design Museum London besucht und dort unter anderem erfahren, "dass in der Hip-Hop-Szene die Schuhe weißer als weiß und 'boxfresh' sein müssen, während die Skater ihre Treter gern so abgenutzt wie möglich haben. Oder welche Vielfalt es beim Binden und der Pflege der Schnürsenkel gibt. ... Die Ausstellung fragt aber nicht, wer außerhalb bestimmter urbaner Stämme und ultracooler Kids diese Schuhe sonst noch trägt." Dabei "boomt das Geschäft auch, weil die Sneakers, die ein schnelles Fortkommen versprechen, inzwischen fast von allen Gesellschaftsklassen und Altersstufen getragen werden. Man gibt sich bescheiden, fühlt sich jung, dynamisch und zeigt sich quasi solidarisch: Männer und Frauen, Ghettokinder und Konzernvorstände reihen sich ein und tragen das Ideal einer Gleichheit an den Füßen - oder wenigstens den Anschein."
Stichwörter: Mode, Sneakers, Sneaker, Ska, Skater, Pflege

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.07.2021 - Design

Das Fishnet kehrt zurück, beobachtet tazlerin Elisabeth Wagner: Gefühlt kaum ein aktueller Entwurf, kaum ein Kleidungsstück und Accessoire, das ohne auskommt. "Im Netz ist die Beute. Der Fang. Dieser offensichtliche Zusammenhang macht das Fishnet für die bürgerliche Mode kompliziert. Denn worüber sie lieber schweigen möchte, zeigt das Netz vor aller Welt her." Somit ist "das Risiko der Blamage in Bezug auf das Fishnet maximal hoch. Umso interessanter ist er ja, der Trend. Könnte es nicht sein, dass er nach eineinhalb Jahren tiefer Krise besonders geeignet ist, um über Angst und Verlust zu sprechen? Die spannenden Inszenierungen von Fishnet nehmen die Herausforderung an. ... So sehr wie kein anderes Textil in der Mode ist das Fishnet ein Phänomen der Grenze. Es gehört dazu, und auch wieder nicht. In diesem Spannungsverhältnis wird es zu einer List der Mode."

Besprochen wird Nina Holleins und Philipp Schweigers Ausstellung "Palindrome - Mode und Malerei" im Kunstverein Familie Montez in Frankurt am Main (taz).
Stichwörter: Fishnet, Mode

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.07.2021 - Design

"Beuys Dress" aus der Kollektion "Suit Up" der Modedesignerin Nina Hollein. Bild courtesy Nina Hollein; Kunstverein Familie Montez


Silke Hohmann unterhält sich für monopol mit der Modedesignerin Nina Hollein, die ihre neue Kollektion gerade zusammen mit Kunstwerken ihres Bruders, dem Wiener Maler Philipp Schweiger, im Frankfurter Kunstverein Familie Montez zeigt: "Mir ist der Anspruch wichtig, dass der ethische Hintergrund eines Kleidungsstückes richtig und vernünftig ist. Nachhaltigkeit und Upcycling sind enorm relevant. Das ist aber nicht genug für ein starkes Modestatement. Man muss auch eine gewisse Lust und Extravaganz verspüren, die Mode für mich auslösen kann. Deshalb habe ich versucht, besondere Stücke hervorzubringen und den ökologischen Aspekt in etwas ästhetisch Spannendes, Unerwartetes, vielleicht auch Verspieltes zu entwickeln." Das gilt auch für ihr Beuys-Kleid, das mit großen Taschen besetzt ist: "Beuys' Anglerweste ist eine klare Referenz, aber es ist auch ein Kleid, das getragen tolle Schultern macht, ein bisschen wie eine Rüstung."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.07.2021 - Design

Sich in der Öffentlichkeit über sichtbare Männerwaden zu echauffieren, ist auf Social Media eine so beliebte wie günstige Strategie, über das Sommerloch zu kommen und sich vor seiner Community als geschmackssicherer Mensch von Welt in Szene zu setzen. In seinem 54books-Essay über die subversive Sprengkraft von kurzen Hosen für Männer deutet Oliver Pöttgen die Lage allerdings sanft um: Nicht die Meckerer sind das Problem, sondern all die Männer, die aus schierer Angst vor Unmännlichkeit auch bei unmenschlichen Temperaturen in lange Hosen schlüpfen. "Die kurze Hose provoziert, vor allem die sehr kurze, die nicht an der Demarkationslinie Knie endet, sondern Mitte der Oberschenkel oder noch höher, noch näher am darunter vermuteten Penis. Denn das sind Hosen ja auch: Penisverhüller und Penisschützer. Die lange Hose als Burg des Mannes, die kurze Hose als Burgruine? Wie soll, mögen sich manche denken, der Mann seiner tradierten Geschlechterrolle als 'Beschützer' nachkommen, wenn die kurze Hose ihn und seine Geschlechtsteile selbst schutzloser macht, ihm einen Teil seiner Rüstung nimmt?"

Besprochen wird eine Ausstellung in Chemnitz über den DDR-Designer Karl Clauss Dietel (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.06.2021 - Design

Warum ist die Kleidung von Politikern eigentlich so konventionell, während Politikerinnen mit jedem Auftritt Statements setzen können, fragt sich Claudia Mäder in der NZZ. Früher kleideten sich die Mächtigen beiderlei Geschlechts prunkvoll, erfährt sie in einer Ausstellung im Textilmuseum St. Gallen. "Solche Zurschaustellungen aber verschwanden bei den Männern im bürgerlichen Zeitalter. Nicht mehr der Körper des Herrschers stand jetzt für die Stärke des Staats, die Souveränität lag nunmehr im Volk, das heißt: Sie war verteilt auf die Gesamtheit der rechtlich gleichen Männer. ... Aus dem neuen Raum der Gleichheit blieben die Frauen bekanntlich ausgeschlossen, und folglich haben sie auch die Abkehr von der adligen Tradition der Körperinszenierung nicht gleich wie die Männer vollzogen. Eher wurden sie in der geschlechtergetrennten Ordnung des 19. Jahrhunderts verbreitet darauf festgeschrieben: Sich schön zu präsentieren, die Reize zu betonen, Sorgfalt auf den Auftritt zu verwenden."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.06.2021 - Design

Das japanische Modelabel Comme des Garçons greift für einige Entwürfe seiner neuen Herrenkollektion die Schweizer Type Helvetica auf, freut sich Sabine von Fischer in der NZZ. Ein Katalog des Schweizer Verlegers Lars Müller hatte den Designer Junya Watanabe auf die Idee gebracht: "Aber waren die Helvetica-Schriftzüge nicht in erster Linie dem Alltag verpflichtet? Wenn die Haute Couture sich nun ihrer bedient, kommt einiges durcheinander. ... Die Gemengelage ist unübersichtlich: Die Haute Couture lässt sich inspirieren vom Gewöhnlichen, der Alltag wird als exklusives Sujet zur Attraktion. So schräg dies nun alles erscheinen mag: Die Kollektion von Comme des Garçons mit den Text- und Bildcollagen verschiedener Helvetica-Applikationen demonstriert in skurril-charmanter Weise eine jüngere Errungenschaft, nämlich die Durchlässigkeit zwischen 'high' und 'low', und darüber hinaus auch eine ältere, die zwischen Ost und West."