Suhrkamp Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783518432747 Gebunden, 158 Seiten, 22,00
EUR
Klappentext
Frustriert von den Mühlen der Bürokratie, trifft Franz Fiala eine "Lebensentscheidung" und wirft seinen Job bei der Europäischen Kommission hin. Als er seine Mutter zum 89. Geburtstag in Wien besucht, verschweigt er ihr jedoch seinen vorgezogenen Ruhestand. Und auch das Gespräch mit Nathalie, mit der er seit vier Jahren in Brüssel eine Beziehung führt, über die gemeinsame Zukunft misslingt. Dann treten wiederkehrende Schmerzen auf, die sich nicht länger ignorieren lassen. Der Befund: Krebs, unrealistisch, dass er noch ein Jahr lebt. Und mit einem Mal geht es allein darum, seine Mutter darüber zu täuschen, ihr den Schmerz zu ersparen, ihren Sohn sterben zu sehen: "Überleben konnte für ihn nur heißen, seine Mutter zu überleben. Vor ihr, bis zu ihrem Tod, seine Krankheit zu verheimlichen. Es ging jetzt um einen Überlebenswettkampf. Das war jetzt die Lebensentscheidung." Kann man über sein Leben entscheiden? Nicht über das Ende, sondern mit Willenskraft über das Weiterleben, länger, als erwartbar wäre?
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.02.2026
Rezensent Paul Jandl ist begeistert von dieser Novelle des, wie er ihn nennt, "Balzac der EU". Diesmal erzählt er die Geschichte von Franz Fiala, einem Mann Ende fünfzig, der in Brüssel in der Generaldirektion Umwelt der EU arbeitet, lässt uns Jandl wissen. Als Fiala jedoch die konkreten Pläne seiner Abteilung immer wieder an dem ziellosen Pragmatismus der Politik zerschellen sieht und dazu noch eine schlimme Krankheitsdiagnose erhält, kündigt er, erfahren wir. Zu den grandios beschriebenen Strukturen der Union, die durch die Sprache des Autors zu einem Zerrspiegel menschlicher Irrungen werden, gesellt sich eine gelungene Variation, freut sich der Kritiker. Fiala ist nämlich auch der Name des Protagonisten der 1927 erschienenen Franz-Werfel-Novelle "Der Tod des Kleinbürgers", beobachtet der Rezensent und findet eine Gemeinsamkeit in der tödlichen Krankheit beider Protagonisten, die sich sogleich auf eine letzte Lebensinventur begeben. In diesem Fall trennt sich Franz Fiala von seiner Partnerin und besucht seine Mutter, die wiederum ihre lebensbedrohliche Erkrankung vor ihm geheim hält, wodurch der Text zu einer immens dichten Ergründung von "Hirngespinsten der Zuneigung" wird, jubelt Jandl.
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