Außer Atem: Das Berlinale Blog

Stichwort: Spanien - 15 Artikel

Gefühlte Geschichte: Neus Ballus' 'The Plague' (Forum)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 14.02.2013 In ihrem Film "La Plaga" erzählt die junge spanische Filmemacherin Neus Ballús von einer Reihe ganz normal faszinierender Menschen, die sich am Stadtrand von Barcelona durchs Leben schlagen: Raul ist Gabelstapelfahrer und führt den Baunernhof seiner Eltern, dessen Existenz grundsätzlich bedroht ist, im Moment der großen Hitze aber besonders durch einen Schädlingsbefall. Bei der Ernte hilft der Moldawier Iurie Timbur, der nach der Arbeit als Ringkämpfer trainiert. Von Thekla Dannenberg

Gedrosselte Ambitionen: Sebastian Lelios 'Gloria' (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 10.02.2013 Eine Kamerafahrt über zu fröhlichem Radiomainstream tanzende Menschen. An der Bar und am Ende der Kamerafahrt steht eine Frau fortgeschrittenen Alters, mit einem irgendwie nervösen, irgendwie auch verschmitzten Lächeln im Gesicht. Einige Momente verharrt sie noch am Tresen, dann stürzt sie sich ins Getümmel, in den Tanz, an dem sie sich, etwas linkisch und self-conscious, aber durchaus mutig beteiligt. Gloria, sagt einem der Film schon in der ersten Szene, ist eine Frau, die sich aufs Leben einlässt, auch dann, wenn einiges gegen sie zu sprechen scheint. Ihr Alter vor allem, ihre leicht, aber dann doch wieder nicht allzu sehr verfahrenen familiären Umstände außerdem: Sie lebt geschieden, der Ex hat längst eine andere, die Kinder halten mal mehr, öfters weniger Kontakt. Von Lukas Foerster

Fantasieambitioniert: Anja Salomonowitz' 'Spanien' (Forum)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 11.02.2012 "Spanien", der Titel von Anja Salomonowitz' Spielfilmdebüt ist ein Täuschungsmanöver. Filme, die die Namen ferner, glückversprechender Orte in sich tragen, dann aber in Wien und Umgebung spielen, partizipieren in der Regel an demselben (nennen wir es das "österreichische") Gefühl, so dehnbar diese Gestimmtheit im Einzelnen auch sein mag - vom Melancholischen ("Indien") übers Schicksalhafte ("Antares") bis zum Dystopischen ("Der siebte Kontinent"). Von Nikolaus Perneczky

Risse im Mädchentraum: Benoit Jacquots 'Les Adieux à la Reine' (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 10.02.2012 So nahe wie die junge Dienerin Sidonie (Léa Seydoux) kommt an Marie Antoinette (Diane Kruger) im Hofstaat von Versailles sonst nur Gabrielle de Polignac (Virginie Ledoyen), die lesbische Maitresse der Königin. Wohl jeden Morgen, darf man mutmaßen, findet dieses intime, zärtlich alberne Spiel zwischen der Vorleserin Sidonie und der Monarchin statt: Die Dienerin um Form und Haltung bemüht, wie alles steif und zugerichtet ist an diesem Hof, Marie Antoinette, als erste und - beinahe - einzige in diesem Film, körperlich ausgelassen, verspielt, fast kindisch herumtollend, wenn Sidonie ausgesucht Frivoles aus der Königlichen Bibliothek vorliest. Von Thomas Groh

Minimalster Minimalismus: 'Fin' von Luis Sampieri

Außer Atem: Das Berlinale Blog 17.02.2010 Wenn es so etwas wie einen identifizierbaren "Sundance-Stil" gibt, dann gibt es sicher ebenso "den Forumsfilm" (und diese geflissentlich neutrale Bezeichnung meint nicht immer positives). Ein "Forumsfilm" ist langsam und spröde, nicht sonderlich um herkömmliche Strategien des Erzählens bemüht, eher diffus oder naturalistisch ausgeleuchtet und schließlich auf der Tonspur dem akustischen Ambiente seines Drehorts offen zugewandt (im Gegensatz zur zugerichteten, komplex manipulierten Tonspur eines Hollywoodfilms). Es steht völlig außer Zweifel, dass eine solche Filmkonzeption großartig sein kann (nur ein Beispiel: "Los Muertos" von Lisandro Alonso). Auf der anderen Seite gerinnen solche Merkmale auch schnell zur Zugehörigkeitsbehauptung. Von Thomas Groh