9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Wissenschaft

369 Presseschau-Absätze - Seite 19 von 37

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.12.2020 - Wissenschaft

Corona hat alles überschattet, aber 2020 war ein Jahr der Fortschritte, schreibt Michael Miersch bei den Salonkolumnisten. Der erste Fortschritt, der Impfstoff aus Gentechnik, hat direkt mit Corona zu tun. Als zweiten Fortschritt nennt Miersch die Entwicklung von Fusionsreaktoren, als dritten die erstmalige Zulassung von Fleischprodukten auf Basis von Zellkulturen. Sie könnten die Welt radikal verändern, so Miersch: ″Mehr als 60 Milliarden Nutztiere werden Jahr für Jahr geschlachtet, verkündet der 'Fleischatlas' der Heinrich-Böll-Stiftung, 58 Milliarden davon sind Hühner. Diese Tiere verbrauchen enorme Mengen Futter, Wasser und Landfläche. Sie hinterlassen Gebirge aus Kot und Seen aus Urin. Ihr Atem und ihre Darmgase tragen erheblich zum Klimawandel bei. Ganz zu schweigen von dem ethischen Dilemma, dass wir Menschen für unsere Ernährung andere Lebewesen töten, die Schmerz und Angst empfinden. Laborfleisch könnte unser aller Leben und die Ökologie des Planeten stärker verändern als das Auto, die Empfängnisverhütung oder das Internet."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.12.2020 - Wissenschaft

In einem epischen Interview mit Zeit online betont der Infektiologe Jeremy Farrar, wie wichtig es ist, bei einer Pandemie die Zahl der Neuinfektionen drastisch zu minimieren. Und er wünscht sich eine bessere Forschung dazu, wie Menschen sich verhalten: "In den letzten zwanzig Jahren haben wir Disziplinen wie die Anthropologie und die Verhaltenswissenschaften nicht genügend wertgeschätzt und finanziert. Wir brauchen in dieser Pandemie ganz dringend ein besseres Verständnis davon, wie Menschen leben. Wir müssen ihr Verhalten besser verstehen. Nur wenn uns das gelingt, wird man mit Verhaltensinterventionen auch Erfolg haben. Und wir müssen die Trennwände zwischen verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen einreißen, zwischen den Sozialwissenschaften, den Kommunikationswissenschaften und der Biomedizin etwa. Ein besseres Verständnis von Kultur und Verhalten wird nicht jedes Problem lösen. Aber genauso wenig schwimmt die Lösung für alles in einem Glasfläschchen mit der Aufschrift 'Impfung'."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.12.2020 - Wissenschaft

Künstliche Intelligenz kann die Faltung von Proteinen vorausberechnen und erweist sich dabei inzwischen als ebenso effizient wie die viel zeitaufwändigeren experimentellen Methoden - das ist die große Meldung über einen Erfolg von Googles KI-Ableger Deepmind in den heutigen Zeitungen. Bei golem.de schreibt Frank Wunderlich-Pfeiffer: "Die Fortschritte kamen. Langsam. Ausgehend von den experimentellen Methoden im Labor wird geschätzt, dass die Proteinstrukturen auf einer Skala von 100 Punkten mit einer Genauigkeit von etwa 90 Punkten bestimmt werden können. 1994 erreichten die besten Programme 20 Punkte in diesem 'Global Distance Test'. Bis 2016 verbesserten sich die Punktzahlen auf 30 bis 40 Punkte. 2018 stieg Deepmind mit Alpha Fold in den Wettbewerb ein und erreichte im Durchschnitt 58 Punkte. 2020 waren es fast 90 Punkte. Der KI von Alpha Fold gelang es, zwei Drittel der vorgelegten Proteine mit der Präzision von Labormessungen zu berechnen."
Stichwörter: Künstliche Intelligenz

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.11.2020 - Wissenschaft

250.000 Corona-Tote haben die USA inzwischen zu verzeichnen. In einem wichtigen Hintergrundtext legen Alexis C. Madrigal Whet Moser in Atlantic dar, dass die Sterberate von Corona-Infizierten in den USA zwar gesunken sei, die Zahl der Infizierten aber so stieg, dass demnächst trotzdem mit 2.000 Toten täglich oder mehr zu rechnen ist. Sarah Zhang ist in Atlantic aber mit Blick auf die kommenden Impfstoffe zuversichtlich: "Das Ende der Pandemie ist nun in Sicht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.11.2020 - Wissenschaft

Wie beim Fall Guttenberg war es bei der Doktorarbeit von Franziska Giffey die "Vroniplag"-Community, die die Plagiate in Giffeys Doktorarbeit dingfest machte, schreibt Constanze Kurz bei Netzpolitik. Giffey hat nun verkündet, auf ihren Doktortitel verzichten zu wollen und dafür viel Schulterklopfen von der SPD bekommen, aber Kurz macht da nicht mit: "Dass sie ihr Amt mit so etwas wie Einsicht aufgibt, ist nicht mehr zu erwarten. Leider scheint damit der Fall zu Guttenberg doch das geworden zu sein, was viele im Jahr 2011 nicht wahrhaben wollten: ein negativer Präzedenzfall. Auch wenn sein 'Monsterplagiat' voller kopierter Textstellen aus Zeitungen und Büchern am Ende zu seinem Rücktritt führte, so hat doch die Diskussion darum die absichtliche Täuschung bei Doktorarbeiten stark bagatellisiert. So stark, dass sich eine Ministerin bisher im Amt halten kann, obwohl ihr die 'objektive Täuschung' unzweifelhaft nachgewiesen wurde."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.11.2020 - Wissenschaft

Als die Firma Biontech  bekanntgab, mit innovativer Technologie - nämlich Gentechnik - einen Impfstoff gegen Corona gefunden zu haben, veröffentlichte die Grünen-Vorsitzende des Landes Rheinland-Pfalz ein Statement über "Vorsprung in Rheinland-Pfalz". Ludger Wess erinnert bei den Salokolumnisten daran, dass die Grünen seit Jahrzehnten eigentlich gegen Gentechnik opponieren: "Man könnte sich auch daran erinnern, dass die in Rheinland-Pfalz schon länger mitregierenden Grünen 2011 den BASF-Standort in ihrem Land zur 'gentechnikfreien Zone' erklärten und dem Konzern die Forschung so sehr erschwerten, dass er seine Forschungsabteilung in die USA verlagerte - ein Schritt, den die grüne Umweltministerin Ulrike Höfken ebenso wie die grüne Wirtschaftsministerin Eveline Lemke öffentlich begrüßte. Oder daran, dass die grüne Partei, hätte sie sich durchsetzen können, 2001 die Gründung von Ganymed, dem ersten Biotech-Unternehmen der BioNTech-Gründer, untersagt hätte. Dann wären Özlem Türeci und Ugur Sahin heute vermutlich in den USA."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.11.2020 - Wissenschaft

Finn Mayer-Kuckuk profiliert in der taz das Unternehmerpaar Özlem Türeci und Ugur Sahin, die beide türkischer Herkunft und in Deutschland aufgewachsen sind. Mit ihrer Firma Biontech und dem Partner Pfizer haben sie nun den ersten aussichtsreichen Corona-Impfstoff an den Start gebracht. "Der Zweck der Firma ist die Anwendung von Boten-Ribonukleinsäure (mRNA) zur Therapie und Verbeugung zahlreicher Krankheiten. Medikamente von Biontech enthalten nicht den eigentlichen Wirkstoff, sondern seine Blaupause. Die Zellen des Patienten stellen die Zielsubstanz her. Türeci und ŞSahin hatten ursprünglich erwartet, dass die erste Praxisanwendung eine maßgeschneiderte Krebstherapie sein würde. Jetzt ist es die Corona-Impfung."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.11.2020 - Wissenschaft

Die zweite gute Nachricht innerhalb einer Woche! Die Mainzer Firma BioNTtech und ihr amerikanischer Partner Pfizer haben gestern angekündigt, dass sie einen aussichtsreichen Impfstoff gegen den Corona-Virus entwickelt und bereits erfolgreiche Tests absolviert haben. Der Impfstoff basiert auf der neuen mRNA-Technologie, deren Vorteile der Mediziner Ugur Sahin, der zusammen mit seiner Frau, der Ärztin Özlem Türeci, BioNTech gegründet hat, in einem Interview mit Fanny Jimenez von businessinsider.de erklärt: "Für übliche Impfstoffe muss man Viren im Labor hochzüchten und dann mit diesen Viren Zellen infizieren in riesigen Zellkulturen, dafür braucht man sehr große Einheiten. Und der Prozess, der danach folgt, ist sehr, sehr aufwendig. Das können nur Firmen stemmen, die groß angelegt sind. Für einen mRNA-Impfstoff aber brauche ich, vereinfacht gesagt, zunächst einmal nur einen Bioreaktor von 50 Litern, mit dem ich die mRNA herstellen kann. Das ist das Tolle, weil es sehr gut skalierbar ist. Die Herstellung geht über Nacht. Man kann im Prinzip einen mRNA-Impfstoff innerhalb einer Woche herstellen. Hinzukommen die Qualitätsprüfungen, die noch einige Wochen Zeit in Anspruch nehmen." Bei heise.de erklärt Nike Heinen, wie ein mRNA-Impfstoff funktioniert.

Der Impfstoff hat allerdings einen Nachteil, der die Verteilung zur Herausforderung machen wird, merkt Ingo Arzt in der taz an: "Massen von Impfstoff müssen bei minus 70 Grad gelagert werden. Selbst ein Industrieland wie Deutschland kann ihn nicht einfach ins bestehende System kippen. Das macht eine globale Verteilung umso komplizierter. In Ländern des Globalen Südens drohen Hunderte Millionen Menschen in extreme Armut zu fallen, wenn dort die Pandemie nicht schnell gestoppt wird."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.11.2020 - Wissenschaft

Thomas Reiter ist gerade Astronaut auf der ISS-Station. Im Gespräch mit Pamela Dörhöfer von der FR gibt er Tipps fürs Schlafen in Schwerelosigkeit. Den Schlafsack sollte man an der Wand festmachen, damit man nicht im Raum herumschwebt. Er schläft senkrecht schwebend, scheint ja egal zu sein: "Ich habe hervorragend in Schwerelosigkeit geschlafen. Man liegt nicht auf dem Rücken oder Bauch, wälzt sich nicht herum. Ich empfand das als ausgesprochen entspannend und habe sogar etwas weniger Schlaf benötigt als auf der Erde. teilweise nur fünf oder sechs Stunden, Trotzdem war ich morgens immer gut ausgeruht. In der Schwerelosigkeit regeneriert sich der Körper offenbar schneller. Manche Kollegen haben aber auch das Gefühl gebraucht, beim Schlaf gegen etwas gedrückt zu werden. Die spannen dann elastische Bänder über den Schlafsack, welche sie leicht an die Wand pressen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.09.2020 - Wissenschaft

Susanne Lenz unterhält sich für die Berliner Zeitung mit der Soziologin Michaela Pfadenhauer über die Kultur in Zeiten von Corona und die Sehnsucht nach Experten, die es nicht nur bei Corona, sondern auch bei Fridays for Future gibt: "Vorweg möchte ich sagen: Die 'Fridays for Future'-Bewegung hat ein enges Verständnis von Wissenschaft. Das Feld der Kultur- und Sozialwissenschaften taucht in diesem Kosmos kaum auf. Hier geht es um Science im engen naturwissenschaftlichen, sogar positivistischen Sinn. Einen Glauben an Objektivität, ohne den Konstruktionscharakter von Objektivität in Betracht zu ziehen. Um auf Ihre Frage zu antworten: Meine Vermutung ist, dass es mit dem Thema zu tun hat. Mit Krankheit sind wir alle vertraut, der Klimawandel ist abstrakt. Aber am Ende sind auch die Corona-Statistiken abstrakt, und deshalb hat es diesen Umschwung gegeben. Anfangs hatte man ja wirklich das Gefühl, man dürfe nicht zur Tür hinausgehen, weil da draußen das Virus lauert. Und erst allmählich hat man begriffen, dass die Maßnahmen ergriffen wurden, damit nicht zu viele Menschen auf einmal erkranken und unser Gesundheitssystem nicht unter Druck gerät."