Wie haben die "
Neocons" einst die antiamerikanischen Leidenschaften in Europa entfesselt. Nun sind zumindest diese amerikanischen Rechten in Trumps nationaler Sicherheitsstrategie
komplett abgemeldet,
notieren Leon Holly und Tanja Tricarico in der
taz: "Die Handschrift der neokonservativen US-Transatlantiker fehlt fast gänzlich. Im Gegenteil: In der Präambel der Sicherheitsstrategie rechnet die US-Regierung ab mit den heimischen '
außenpolitischen Eliten', die sich eingeredet hätten, 'dass eine dauerhafte amerikanische Herrschaft über die ganze Welt im besten Interesse unseres Landes liege'." Die
taz-Autoren plädieren dafür, "an die
Errungenschaften der EU zu erinnern und an ihnen festzuhalten: eine wertebasierte Ordnung in allen Mitgliedstaaten, stabile Ökonomien, die Macht der Diplomatie. Alles Aspekte, die die EU als Organisation attraktiv machen. Doch bislang sieht man nicht, dass diese Strategie mit Verve gespielt wird."
Auch
Sylvie Goulard, ehemals französische Verteidigungsministerin, und
Wolfgang Ischinger, ehemals Merkel-Berater, suchen in der
FAZ eine Antwort auf die "
Herausforderung der US-NSS" und finden sie in Wolfgang Schäubles alter Idee eines "
Kerneuropa": "Eine solche Gruppe könnte zeigen, dass es möglich ist, mit einer Stimme zu sprechen. Das wäre nicht nur ein starkes Signal an Washington, sondern auch genau die richtige Botschaft an Moskau und Peking. Zudem könnte sie insbesondere im Technologiebereich eine neue Ebene der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit fördern."
Am Montag wird
Wolodimir Selenski in Berlin sein. Und mit ihm wohl eine ganze Menge europäischer Staatslenker. Und vielleicht
sogar die Amerikaner?, fragen Jochen Buchsteiner und Konrad Schuller in der
FAS. "Niemand weiß es. Intensiv verhandeln die Ukrainer gerade mit ihnen und versuchen, die
fragwürdigen Friedensideen, die zwischen Washington und Moskau erarbeitet wurden, in ein für sie akzeptables Format zu bringen. Gelänge es, würde also ein Kompromiss gefunden, den die Amerikaner glauben Russland vorlegen zu können, könnte der Montag zu einem historischen Tag werden. Missglückt es, wollen die Europäer zumindest Solidarität mit Selenski demonstrieren; einmal mehr."
Gerade wurden
neue Epstein-Bilder veröffentlicht. Eine Riesenkoalition von Demokraten und Republikanern hatte dafür gestimmt, weil sich keiner eine Blöße geben konnte. Auch Trump musste einlenken. Harald Staun erblickt darin in der
FAS ein
Dilemma Trumps, das auf eine Schwächung dieses bösen Clowns hoffen lässt: "Als Mann an der Spitze der Macht funktioniert die Strategie, das Handeln der Mächtigen als
ein einziges Komplott darzustellen, nicht mehr. Zwar greift Trump immer noch routinemäßig auf die Waffe bizarrer Desinformation zurück... Aber als Verschwörungstheoretiker-in-chief muss Trump eben immer auch damit rechnen, dass solche Lügen von jenen hinterfragt werden, die ihm
ins Amt geholfen haben."
Stefanie Hennig, Redenschreiberin im Staatsministerium Baden-Württemberg, analysiert in der
SZ Trumps Rhetorik: "Seit dieser Redner zum ersten Mal die politische Bühne betreten hat ... hängt er
einen Hauptsatz an den anderen, Wortwiederholungen wie zurückgespult, Nebensätze finden sparsam Einsatz. Relativ-, Kausal-, Konditionalsätze würden nur den Verdacht aufkommen lassen, die Dinge könnten komplizierter liegen und doch eine Erläuterung vertragen. Wer nicht umwirbt, braucht auch in der Sprache keinen Ausfallschritt ins Gewinnende, ins Spielerische, ins Ornament, ins Schöne. Eine so verstandene Politische Rhetorik braucht - und das macht den Bruch ultimativ - nicht einmal Fakten." Ebenfalls im
SZ-Feuilleton untersucht Sonja Zekri die innige Verbindung zwischen Politik und persönlichem wirtschaftlichem Interesse bei Trump.
Ein Massenmörder wurde exhumiert: Überall wo sie in Syrien unterwegs war, leuchtete ihr das Gesicht
Saddam Husseins auf riesigen Plakaten entgegen, schreibt
Ronya Othmann in ihrer
FAS-Kolumne. Das neue syrische Regime stellt sich schamlos in Traditionen. Vom Westen wird es hofiert, auch von Deutschland: "Als ich die Bilder aus Syrien und Berlin sah, habe ich
eine große Einsamkeit verspürt. Die Deutsche Botschaft in Syrien postete auf Instagram ein groteskes Reel voller Fotos, auf denen den neuen Machthabern - verantwortlich für den Tod von Drusen, Jesiden, Alawiten und Christen - die Hände geschüttelt werden. Wir haben verloren, dachte ich. Wir, das sind alle Syrer oder Nichtsyrer, die auf Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit gehofft hatten. Vor ein paar Tagen zählte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte 11.439 getötete Menschen in Syrien seit dem Sturz des Assad-Regimes, darunter
8.835 Zivilisten."