Die jetzige
Hungerkrise in Gaza ist keine Erfindung der Medien oder der Hamas-Propaganda,
schreibt Manuel Störmer in der
Jungle World und nennt zahlreiche Belege für seine Feststellung, etwa: "
Anti-Hamas-Aktivisten in und aus Gaza
berichten zahlreich von Hunger, Hungertoten und dem Mangel an jeglichen Nahrungsmitteln. Es gibt eine starke Häufung von Fällen, wo Menschen angeben, in Ohnmacht zu fallen oder nicht mehr weiterarbeiten zu können, darunter Hilfsarbeiter und Ärzte, womit die Notlage noch schlimmer werden dürfte." Gaza-Bewohner sterben Hungers
berichtet eine Reportergruppe für die
New York Times: "Kinder mit eingefallenen Augen und skelettartigen Körpern liegen auf Krankenhausbetten oder werden von ihren Eltern gepflegt, die hilflos auf hervorstehende Rippen und Schulterblätter sowie abgemagerte Gliedmaßen blicken, die
wie zerbrechliche Stöcke aussehen."
Die Israelische Botschaft
antwortete gestern in einem Tweet auf die Vorwürfe: "Hilfslieferungen
werden nicht blockiert. Sie werden von den @UN ignoriert. Aktuell warten
950 Hilfstransporter im Gazastreifen, voll beladen und bereit zur Verteilung." Auch das
israelische Außenministerium wehrt sich in einem Tweet gegen die Vorwürfe, Israel hungere die Bevölkerung von Gaza systematisch aus, und weist darauf hin dass die "IDF Dutzende internationale Journalisten zum Kerem Shalom-Übergang innerhalb des Gazastreifens eingeladen habe, um sich selbst ein Bild zu machen".
Die mit der Hamas kooperierende UN-Flüchtlingsorganisation UNRWA
schreibt dagegen: "Wir warten
nur noch auf grünes Licht. Heben Sie die Belagerung auf und lassen Sie Hilfe in großem Umfang zu."
Der Blogger U. M. (bürgerlich Joey Hoffmann)
erklärt auf
Twitter, welche Rolle die
israelische Behörde COGAT bei der Lebensmittelverteilung spielt und wie die Hamas auf die Lebensmittelverteilungen der
Gaza Humanitarian Foundation (GHF) reagiert, mit der Israel verhindern will, dass die Hamas die Lebenmittel requiriert und hortet. "Die Hamas hat es inzwischen zum Teil der Verhandlungen gemacht, dass die GHF ihre unabhängige Lebensmittelverteilung einstellt. Wenn die UN das fordert: nachvollziehbar. Aber wenn die Hamas das fordert, sollte man doch endlich einmal Fragen stellen. Zudem hat die IDF
fünf alternative Routen angeboten, um Hilfsgüter in den Norden zu liefern. Dort, wo noch keine Verteilstellen der GHF sind. Und die IDF haben angeboten, Konvois innerhalb des Gazastreifens zu eskortieren. Das wurde von der UN abgelehnt, weil das die Souveränität der Palästinenser untergraben würde und zu gefährlich für die Zivilisten sei."
Auch eine Reportergruppe der
Times of Israel berichtet über die Frage, warum
Tausende Tonnen Lebensmittel, die bereits auf der palästinensischen Seite lagern, nicht ausgeliefert werden. Es scheitere daran, dass UN-Institutionen die Lebensmittel nicht ausliefern wollen, erklärt ihnen der Sprecher von COGAT, Abdullah Halabi: "'Der Staat Israel erlaubt die Einfuhr humanitärer Hilfsgüter über die Standards des Völkerrechts hinaus ohne Einschränkungen. Solange die internationale Gemeinschaft sich bemüht, die Hilfsgüter einzuführen, werden wir dies zulassen', fuhr er fort."
Jens Laerke, Sprecher der humanitären Organisation der Vereinten Nationen OCHA, bestreitet dies jedoch. "Unabhängig davon teilte UN-Sprecher
Stephane Dujarric Reportern während einer Pressekonferenz am Donnerstag mit, dass Israel am Mittwoch acht der 16 Anträge der UN auf Transport humanitärer Hilfe nach Gaza
abgelehnt habe. Zwei weitere Anträge seien zunächst genehmigt worden, aber UN-Mitarbeiter seien vor Ort auf Hindernisse gestoßen, sagte Dujarric. Ein abgelehnter Antrag betraf die Abholung von medizinischen Hilfsgütern durch UN-Mitarbeiter, die auf der Gaza-Seite der Grenze bereitstanden. 'Bürokratische, logistische, administrative und andere operative Hindernisse, die von den israelischen Behörden auferlegt wurden, anhaltende Feindseligkeiten und Zugangsbeschränkungen innerhalb des Gazastreifens sowie Fälle von
kriminellen Plünderungen und weitere Schießereien, bei denen Menschen getötet und verletzt wurden, die sich versammelt hatten, um Hilfsgüter entlang der Konvoirouten zu entladen', hätten die Bemühungen der UN zur Lieferung von Hilfsgütern behindert, sagte Dujarric."
Die
BBC und Agenturen wie
Reuters bekunden in einem Aufruf ihre Sorge um
palästinensische Stringer, die ihnen Berichte aus Gaza zuliefern: "Wir sind zutiefst besorgt um unsere Journalisten in Gaza, die zunehmend nicht mehr in der Lage sind, sich und ihre Familien zu ernähren. Seit vielen Monaten sind diese unabhängigen Journalisten die Augen und Ohren der Welt vor Ort in Gaza. Sie sind nun mit
denselben schrecklichen Umständen konfrontiert wie diejenigen, über die sie berichten."
In der
Times of Israel berichten Lazar Berman und Jacob Magid, dass Verhandlungen über einen Austausch von
zehn lebenden Geiseln und 18 Leichen ermordeter Geiseln gegen palästinensische Häftlinge vorerst gescheitert sind. Der ehemalige Verteidigungsminister Benny Gantz
kommentiert diese Meldung auf
Twitter: "Der internationale Druck auf Israel, insbesondere durch verzerrte Behauptungen über eine absichtliche Aushungerung oder einen 'Völkermord', wird von der Hamas als Verhandlungshebel wahrgenommen,
bewusst inszeniert und ausgeschlachtet. Dies beeinträchtigt die Aussichten auf ein Waffenstillstandsabkommen, das die Geiseln nach Hause bringen und die Stabilität im Gazastreifen wiederherstellen würde, erheblich."
Der französische Präsident
Emmanuel Macron hat angekündigt, einen palästinensischen Staat anerkennen zu wollen,
berichtet unter anderem Michael Thaidigsmann in der
Jüdischen Allgemeinen: "Die jüngsten Zusagen von Mahmud Abbas, dem Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde, ihm gegenüber hätten ihn ermutigt, Abbas nun mit diesem Schritt entgegenzukommen. Macron postete seinen Brief an Abbas im Wortlaut und lobte diesen für seine Zusagen im Juni. Abbas hatte versprochen, die palästinensische Autonomiebehörde zu reformieren und
erstmals seit 2006 wieder Wahlen abzuhalten."
Hier Macrons auf
Twitter geposteter Brief an Abbas.
Mehr in der
Times of Israel.
Die
FAZ veröffentlicht eine Mahnung des israelischen Schriftstellers
Etgar Keret ans israelische Publikum: "Jede Nacht, wenn ihr ins Bett kriecht und die Augen schließt, atmen Menschen, die ihr nicht kennt,
nicht weit von euch entfernt, ihren letzten Atemzug, ganze Familien. Wenn ihr morgens die Augen öffnet und das Handy anschaltet, um zu erfahren, dass eine israelische Delegation zu Verhandlungen nach Qatar reist oder unser Land in einer neuen innenpolitischen Krise steckt - dann denkt daran, dass noch ehe ihr auf den Bildschirm schaut, ein weiterer Tag angebrochen ist, an dem Menschen sterben werden,
unsere Nachbarn."
Israel begeht in Gaza
Kriegsverbrechen, sagt im Interview mit dem
Spiegel der frühere israelische Premierminister
Ehud Olmert. Die Armee habe im Gazastreifen außerdem längst erreicht, was sie erreichen könne. Olmert skizziert noch einmal den Friedensplan, den er kürzlich zusammen mit
Nasser al-
Kidwa, dem Neffen Jassir Arafats, vorgestellt hatte: "Es gibt nur eine Lösung, und das ist die
Zweistaatenlösung. Wir müssen den Krieg in Gaza beenden und alle Geiseln zurückholen. Wir müssen mit unseren Partnern Ägypten, Jordanien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und anderen eine vorübergehende Sicherheitsverwaltung aufbauen, die die militärische Kontrolle übernimmt. Sie muss ein
Wiedererstarken der Hamas verhindern. Es gibt für die potenziellen Partnerländer kein größeres Interesse, als gegen diese islamistischen Kräfte anzuarbeiten und für Stabilität zu sorgen. Danach braucht es in Gaza eine
Zivilverwaltung, die organisch mit der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) verbunden ist. Diese muss unabhängig den Wiederaufbau in die Hand nehmen, weil die PA dazu nicht in der Lage sein wird. Die Emirater und Saudi-Araber können die Mittel bereitstellen. ... In der zweiten Phase beginnen die Verhandlungen über eine Zweistaatenlösung."