Künstliche Intelligenz kann nicht denken, darum ist sie auch nicht intelligent, meint der emeritierte Germanistikprofessor
Lutz Götze in der
NZZ. Intelligent sind aber die Produzenten von KI und da wird ihm ungemütlich: "Die große Gefahr der Moderne besteht nun darin, dass Individuen in ihrem Größenwahn allen Ernstes glauben oder zumindest hoffen, mit der weiteren Entwicklung der 'generellen künstlichen Intelligenz' das menschliche Gehirn einzuholen oder gar zu übertreffen. Sie ahnen, gelegentlich, bei immer neuen Rückschlägen, dass sie das nie werden schaffen können. Also versuchen sie, den
Menschen der Maschine anzupassen, genauer: mit der Maschine den Menschen zu dominieren. Nicht umgekehrt, wie bislang gemeinhin üblich. Die Maschine soll das Leben des Menschen bestimmen, ihn steuern. Dabei geben die Protagonisten vor, dass auf diese Weise das
Alltagsleben erleichtert werde, mithin der Mensch von, in der Tat, lästigen Pflichten befreit werde: Saubermachen, Pflegedienst, Kommunikationsverbindungen. Das Reich der Notwendigkeit sei vorüber, jenes der Freiheit beginne. In Wahrheit wird der Mensch auf diese Weise abhängig gemacht, genauer:
entmündigt."

Sehr viel weniger pessimistisch sind einige Wirtschaftswissenschaftler, berichten Houssam Hamade und Christoph Sorg in einem sehr ausführlichen Artikel in der
Zeit. Ihre Hoffnung: KI könnte helfen, endlich eine
Alternative für den Kapitalismus zu schaffen. Das nennt sich dann "smarte Planwirtschaft". Zu den Anhängern dieser Theorie gehören etwa
Paul Adler, Professor für Management and Organization an der University of Southern California und die kanadischen Autoren
Leigh Phillips und
Michal Rozworski, die in ihrem Buch
"People's Republic of Walmart" erklären, warum gerade hyperkapitalistische Riesenkonzerne wie Amazon und Walmart auf geplantes Wirtschaften setzen. "Der frühkapitalistische Wettbewerb zwischen kleinen Familienunternehmen, den der Begründer der Nationalökonomie Adam Smith einst beschrieb, ist mittlerweile einer Dominanz
global agierender Konzerne gewichen. Diese nutzen modernste Technologien, um Arbeitsprozesse, transnationale Lieferketten und Ressourcenverbrauch präzise zu steuern. Nicht Angebot und Nachfrage, sondern die
Planung des Managements herrschen innerhalb dieser riesigen Institutionen. Der Ökonom und Wirtschaftsnobelpreisträger Herbert Simon formulierte es einmal sinngemäß so: Stellen wir uns vor, ein Wesen vom Mars hätte ein Teleskop, das soziale Strukturen offenbart, und würde damit auf die Erde schauen. Stellen wir uns weiter vor, dass dieses Wesen
Unternehmen als große
grüne Flächen und Märkte als
rote Striche zwischen den konkurrierenden Unternehmen sehen würde. Dieses Wesen, so Simon, wäre sicherlich überrascht, dass wir dieses mehrheitlich grüne, von dünnen roten Linien verbundene System Marktwirtschaft und nicht Organisationswirtschaft nennen."
Weiteres: Ebenfalls in der
Zeit ist Jakob von Lindern
wenig beeindruckt von den
Warnungen führender KI-Hersteller wie OpenAIs Sam Altman: Am Ende dient selbst das nur dem Lobbying, meint er. Und in der
SZ prophezeit Michael Moorstedt das "
Ende des Endes" mit dem Einzug der
KI in die Kunst, wenn jeder Film, jedes Buch, jedes Kunstwerk mit KI immer weiter geschrieben werden kann: "Nach beinahe zwanzig Jahren kontinuierlichen Medienkonsums wirkt ein Abbrechen des Content-Streams in den Nutzerhirnen wie der ultimative Affront. Bewegt man sich in dieser Deutungswelt, stellt ein Bilderrahmen oder ein
abgeschlossenes Narrativ nicht mehr als den
Egoismus des Schöpfers dar. Ein abgeschlossenes Werk wird in dieser Wahrnehmung zu einer
willkürlichen Zugangsverweigerung für das Publikum. Dass Kunstwerke selbstauferlegten Grenzen unterliegen, dass Geschichten ein Finale haben müssen, um überhaupt von Belang zu sein, lässt diese Menschen fassungslos zurück."