Wir haben es gestern schon gemeldet: Der
Osteuropahistoriker Karl Schlögel bekommt den Friedenspreis des deutschen Buchhandels. In der
SZ ist Sonja Zekri mehr als einverstanden. Sie lobt Schlögels "uneingeschränkte Begeisterung für das
frisch vereinte Europa" - dessen Feind Russland sei: "Seine Ausführungen über Russland aber haben gelegentlich einen deterministischen Unterton, der alle frühere Euphorie, alle Begeisterung für eine anderes Zusammenleben auf dem Kontinent, auch: alle in Jahrzehnten gewachsenen Beziehungen nach dem Ende der Sowjetunion im Grunde negiert. Die russische Geschichte müsse
neu gedacht werden, so Schlögel, mehr Mongolen-Herrschaft und autokratischer Sonderweg, weniger Westlertum und Blick nach Europa, so ließe sich das zusammenfassen. Ergänzend dazu beschwört er die Ukraine als leuchtendes Beispiel eines osteuropäischen Landes, das historisch die richtige Abzweigung genommen hat und dem man jede erdenkliche militärische Hilfe zukommen lassen müsse."
In der
FAZ ist Andreas Platthaus hochzufrieden: Der "brillante" Schlögel "ist eine
hervorragende Wahl. Seine Expertise für osteuropäische, speziell russische Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts ist unerreicht, und er gehörte zu den Ersten in Deutschland, die vor Putins Politik warnten: Mit den seit 2014 laufenden russischen Angriffen auf die Ukraine wurde der
große Liebende der russischen Kultur zum publizistischen Gegenspieler Russlands." Gleichzeitig kritisiert Platthaus, dass kein Preisträger gewählt wurde, der mit dem Nahostkonflikt zu tun hat, obwohl ihm selbst kein entsprechender Preisträger einfällt (David Grossman hat ihn schon, "auf arabischer Seite wiederum fehlen versöhnlich argumentierende Stimmen").
"Kaum einer hat diesen Preis so verdient wie der Historiker und Essay ist Schlögel, der Intellektueller und Wissenschaftler in einer Person ist",
jubelt auch Michael Hesse in der
FR. Schon vor allen anderen warnte der Historiker vor Putin und hielt damit nicht hinterm Berg: "Schlögel hielt sich nie mit seiner Meinung über Putin zurück. Fast schon legendär ist sein Auftritt im Fernsehen, als er
Sahra Wagenknecht zurechtwies, als sie sich zu einer Verteidigungsrede für Russland aufschwang." Und auch Yelizaveta Landenberger ist in der
taz erfreut: "Beeindruckend ist nicht nur
Schlögels Spagat zwischen Akademie und Publizistik. Er ist auch als entschiedene Stimme in der deutschen Öffentlichkeit präsent, die sich solidarisch zeigt mit all denjenigen in Ost- und Mitteleuropa, die für Freiheit und Menschenrechte einstehen. Und das
lebt er."