Bernhard Malkmus
Himmelsstriche
Vom Leben der Vögel und Überleben der Menschen

Matthes und Seitz, Berlin 2025
ISBN 9783751840231
Gebunden, 246 Seiten, 34,00 EUR
ISBN 9783751840231
Gebunden, 246 Seiten, 34,00 EUR
Klappentext
Herausgegeben von Judith Schalansky. Der englische Nordosten ist eine Landschaft, an der sich die systemische Veränderung der Biosphäre durch 250 Jahre technischer und sozialer Revolutionen ablesen lässt: Hier wurden bis vor kurzem die reichsten Kohlevorkommen Großbritanniens abgebaut, hier lagen um 1900 die größten Werften der Welt, hier verändern immer noch riesige Chemieagglomerate den Stoffwechsel der Erde. Umsäumt von der geheimnisvollen Nordseeküste im Osten und düsteren Heidegebirgen im Westen ist dieses englisch-schottische Grenzland, um das schon römische Truppen, irische Missionare, Wikinger, berüchtigte Grenzräuberbanden gekämpft haben, auch ein wichtiges Brutgebiet für zahlreiche Vogelarten. Die "Himmelsstriche" der Seevögel - so bezeichnet Bernhard Malkmus sowohl die Gegenden, in denen diese Flugkünstler zuhause sind, als auch die Kalligrafien, die sie in die Lüfte zeichnen. Doch seit einiger Zeit wütet in diesem Vogelparadies das Grippevirus, das in der industriellen Tierhaltung hochgezüchtet und von Zugvögeln auf der ganzen Welt verbreitet wurde. Als Malkmus auf seinen Streifzügen immer mehr Kadaver findet, beginnt er, den Tieren ein literarisches Denkmal zu setzen.Himmelsstriche ist die reizvolle Verbindung von Reisetagebuch und Essay, in der Natur- und Kulturgeschichte verwoben werden: Ein Gesang auf das Meer, eine Hymne auf die Anmut und Widerstandskraft der Seevögel, eine Meditation über Heimat und Migration, eine Suche nach Worten der Trauer angesichts der Artenausrottung um uns.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info)
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.08.2025
Rezensent Christian Schwägerl lernt genau hinzuschauen mit diesem Buch von Bernhard Malkmus, insbesondere, wenn es um die Farbpracht der Seevögel Nordenglands und Schottlands geht. In Tagebuchform erzählt ihm der in Oxford Germanistik und Environmental Humanities lehrende Autor von seinen Wanderungen, flicht dabei Landschaftsbeschreibungen, etwa zur Geologie des britischen Nordens, ebenso ein wie Referenzen aus Kunst und Literatur und blickt nicht zuletzt hinter die "Fassaden inszenierter Natur", lobt der Kritiker. Bisweilen gerät Schwägerl das Buch allerdings zu pathetisch, auch nicht jeden kulturellen Verweis hätte es gebraucht, meint er. Wenige Fehler in der allgemeinen Naturwissenschaft kreidet der Rezensent Malkmus außerdem an, am Wert der Lektüre dieses durch Farbreichtum und exakte ornithologische Beschreibungen bestechenden Buches ändert das für den Rezensenten allerdings nichts.
Rezensionsnotiz zu Die Welt, 06.08.2025
Der hier rezensierende Zoologe Josef H. Reichholf rät dazu, dieses Buch in kleinen Dosen zu lesen, damit das Vergnügen sich länger zieht. Denn wenn ihn der in Oxford Germanistik und Environmental Humanities lehrende Autor in Tagebuchform ein Jahr lang an seinen Naturbeobachtungen, Begegnungen und Gedanken zu den Seevögeln an der nordenglisch-schottischen Küste teilhaben lässt, profitiert der Kritiker nicht nur von der großen Kenntnis des Autors. Anders als in zahlreichen Publikationen zum Naturschutz, bombardiert Malkmus nicht nur mit Fakten, sondern spricht im Stil des Natur Writings die Empfindungen der Leser an: So schön, bild- und klangreich wie der Autor hier Himmelstriche der Vögel oder die umliegende Geologie beschreibt, ist die Natur im Deutschen zuletzt von Ernst Jünger in seinen "Subtilen Jagden" beschrieben worden, staunt der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.04.2025
Ein wunderschönes, aber keineswegs hoffnungsvolles Buch hat Bernhard Malkmus laut Rezensentin Sylvia Staude geschrieben. Es geht darin, anders als der Titel vermuten lässt, nicht vorrangig um Vögel, sondern um Lebewesen schlechthin, vor allem um die Verminderung der Artenvielfalt durch den Menschen und unser aller Gleichgültigkeit demgegenüber. Menschen handeln egoistisch, davon ist Malkmus überzeugt, und das wird die Menschheit am Ende ihren Kopf kosten. Malkmus will zwar wachrütteln, aber er schreibt keineswegs wissenschaftlich nüchtern, freut sich die Rezensentin: Vielmehr verbinden sich tagebuchartige Passagen mit Reflexionen über Figuren der Geistesgeschichte wie den chinesischen Dichter Zhuangzi und den Mönch John Duns Scotus. Es ist gerade eine Stärke des Buches, dass es in Natur und Literatur eintaucht und dass Malkmus immer wieder die passendsten Formulierungen sucht, so Staude. Gleichwohl bleibt Malkmus' Perspektive eine pessimistische, resümiert die Kritikerin: Dass die Menschheit wieder Achtung für die Natur findet, daran glaubt der Autor dieses schönen Buches nicht mehr.
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