Magazinrundschau - Archiv

The Spectator

157 Presseschau-Absätze - Seite 7 von 16

Magazinrundschau vom 17.06.2008 - Spectator

"Le chevalier de Sainte-Hermine" heißt ein Buch, das Alexandre Dumas nie geschrieben hat, das aber nach seinen Aufzeichnungen rekonstruiert worden und nun auch als "The Last Cavalier" auf Englisch erschienen ist. Gerald Warner liebt diese Mantel-und-Degen-Literatur und schreibt ihr sogar charakterverbessernde Wirkung zu. "Romane dieser Schule des Verwegenen boten ganz unangestrengt eine Erziehung in Manieren und Moral, geschmückt mit befederten Hüten, Rapiers mit Glockengriffen und wogenden Busen. Jungs, die im Geiste efeuumrankte Mauern mit einem Schwert zwischen den Zähnen hochgeklettert sind, den Burggraben von Zenda durchschwommen, eine Piratengaleone gestürmt haben oder mit einer geretteten Heldin quer über dem Sattel im Galopp entkommen sind, brauchten keine Unterweisungen mehr in Ehre, Mut und Respekt vor Frauen. Von modernen Computerspielen bekommt man diese Werte nicht mehr vermittelt." Der würdige Nachfolger von Dumas war laut Warner Anthony Hope Hawkins, dessen "Gefangener von Zenda" um 1890 erschien.

Magazinrundschau vom 03.06.2008 - Spectator

In Deutschland dürfen Internet- und Telefondaten maximal sieben Monate lang auf Vorrat gespeichert werden. In Großbritannien ist man bald schon ein bisschen weiter, wie Edie G. Lush berichtet. "Letzte Woche hat die Labour-Regierung ihren Plan enthüllt, eine nationale Cyber-Datenbank zu erschaffen, die Details eines jeden Telefonanrufs, jeder SMS, jeder Email und jeden Besuchs des Internets enthält. Es geht um die Bekämpfung von Terrorismus und Kriminalität. Internetprovider und Telefonunternehmen werden verpflichtet, ihre Daten an das Innenministerium zu übermitteln, wo die Daten für mindestens ein Jahr lang gespeichert werden. Die Polizei und andere Sicherheitsorgane können darauf zugreifen, nachdem die Richter ihnen das erlaubt haben. Die Regierung behauptet, dass der Vorschlag sich an einer Direktive der EU ausrichtet, die nach den Londoner Bombenanschlägen vom 7. Juli eine untereinander kompatible Datenspeicherung der Mitgliedsstaaten anregte. Der Vorschlag bringt Menschenrechtler und Datenschützer auf die Barrikaden. Der Datenschutzbeauftragte Jonathan Barnford warnte, dass die Datenbank 'ein Schritt zu weit' sei und Großbritannien dabei sei, 'unbewusst zur Überwachungsgesellschaft' zu werden." (Wieso unbewusst????)

Magazinrundschau vom 20.05.2008 - Spectator

Tim Walker unterhält sich mit der Schauspielerin Greta Scacchi über das schöne Alter und die prekäre Jugend. Wer jung, attraktiv und weiblich ist, ist in Hollywood recht verwundbar, wie Scacchi anschaulich erklärt. "Ich erinnere mich an Castings in Hotelzimmern und immer waren da lauter Männer, die mich anguckten. Bei einem war dieser Typ dabei, der bei Ghostbuster mitgespielt hat. Ah ja, Bill Murray. Er fragte mich vor allen anderen nach meiner Telefonnummer und ich gab sie ihm. Es war wichtig, dem Team zu zeigen dass es funkte zwischen den zwei mutmaßlichen Stars. 'Ja klar, komm heute abend vorbei', sagte ich und tat damit, was von mir erwartet wurde. Und natürlich kam Murray vorbei. Ich hatte eine recht eklektische Mischung an Freunden in meiner Wohnung versammelt und wir kochten, spielten Musik und tanzten, alle völlig zugedröhnt. Er saß einfach auf einem Sofa, völlig von den Socken. Er trug seine dämlichen Farmerstiefel und ein Holzfällerhemd und sah aus wie das Landei aus dem Mittleren Westen das er ja tatsächlich immer gewesen ist. Er ging schließlich, kopfschüttelnd, und ich sah ihn nie wieder."

Magazinrundschau vom 13.05.2008 - Spectator

Theo Hobson erlebt eine Messe mit Gene Robinson, dem einzigen offen schwulen anglikanischen Bischof aus den USA, der bei den britischen Kollegen nicht gerade willkommen ist. An der kommenden Lambeth Conference darf er nicht teilnehmen. Aber Robinson hat in England auch viele Fans. "Er bekommt stehenden Applaus. Das habe ich in einer Kirche noch nie erlebt - außer im Fernsehen, beim Begräbnis von Prinzessin Diana. Die Prinzessin hat auch etwas mit dem Ganzen zu tun. Bei der anglikanischen Schwulenbewegung geht es um Verletzlichkeit, emotionale Ehrlichkeit, die Verbrüderung mit den Ausgestoßenen. Robnson setzt diese sanften Tugenden mit prophetischer Kraft um. In seiner Predigt zitierte er die Passage aus dem Johannesevangelium, in der Jesus seinen Jüngern erklärt, sie seien noch nicht reif für die ganze Wahrheit des Christentums und dass der Heilige Geist später Erweiterungen verkünden wird. 'Das passiert gerade. Letzten Endes geht es um das Patriarchat - und den Anfang von seinem Ende. Die Stärke des Widerstands bedeutet, dass wir da einen Nerv getroffen haben.'"

Magazinrundschau vom 06.05.2008 - Spectator

Die feministische Fawcett Society fordert, dass die Finanzwelt der Londoner City sich mit ihren Klienten nicht mehr in Strip Clubs treffen soll. Finanzen und Testosteron vertrügen sich nicht. Die Exbrokerin Venetia Thompson hält das für Unsinn. "Als ich in der City arbeitete, waren Strip Clubs außerordentlich praktisch. Nutzt man sie richtig, können sie die Trumpfkarte des City-Mädchens sein, denn sie sorgen für belästigungsfeie Unterhaltung nach dem Abendessen. Für mich waren sie immer eine Art After-Hour-Krippe, in der ich mich zurücklehnen und entspannen konnte, während ein nerviger Kunde herumhüpfte wie ein Cocker-Spaniel, mit seinem Kopf sicher zwischen zwei Brüsten verstaut. Der überwältigende Geruch nach Talkumpuder und seltsamen Feuchtigkeitscremes - wegen des Rauchverbots nun noch deutlicher - ist wirklich der einzige Nachteil."

Stichwörter: Geruch, Rauchverbot

Magazinrundschau vom 15.04.2008 - Spectator

Salman Rushdie erklärt Matthew d'Ancona, dass es durchaus universelle Werte gibt und dass sie verteidigt werden sollten, und zwar mit allem, was wir haben. "Wir müssen dickhäutiger werden. Wenn wir weiterhin so dünnhäutig sind, werden wir uns schließlich gegenseitig umbringen. Wir müssen lernen, uns ungenießbares Zeug anzuhören. Wir würde denn ein 'respektvoller' Cartoon aussehen? Die Form selbst verlangt nach Respektlosigkeit, also entscheidet man sich für diese Form oder man lässt es... Ich finde wir sind unglaublich feige wenn es um unsere Überzeugungen geht. Leute müssen gegen Angriffe auf ihre Person geschützt werden. Aber man kann Leute nicht gegen Attacken auf ihre Überzeugungen schützen - andernfalls war's das für uns alle."
Stichwörter: Cartoons, Rushdie, Salman

Magazinrundschau vom 01.04.2008 - Spectator

Mit seinem letzten Buch "On God" sei Norman Mailer endlich bei einem Thema angekommen, dass groß genug für sein Ego gewesen sein müsste, ätzt Roger Lewis. "Weil das Leben des Literaten nichts wirklich Männliches anzubieten hatte, zettelte Mailer zeitlebens blödsinnige Streitereien und Wettkämpfe an, und falls wirklich niemand mit ihm in den Ring steigen wollte, schlug er sich schon mal selbst k.o. In 'On God' aber spricht er mit solchem Selbstbewusstsein über Dinge, die niemals bewiesen werden können, dass sein Seelenverwandter nicht Richard Burton oder vielleicht noch Oliver Reed ist, sondern die ehemalige Priesterin am Hof des Tutankhamen und Einwohnerin des sagenumwobenen Atlantis, die überkandidelte Shirley MacLaine."

Rod Liddle behauptet: "Ich weiß, warum die Regierung Homosexuelle in den Iran zurückschicken will, damit sie dort gehängt werden."

Magazinrundschau vom 25.03.2008 - Spectator

Bis zum Jahr 2005 war Amerika ein Land von Kunstkäufern. Seitdem fließt die Kunst aus dem Land heraus, stellt Susan Moore fest, und zwar nicht nach Europa, sondern in die neuen Zentren in Asien und dem Nahen Osten. "Niemals zuvor haben so viele Menschen aus so vielen Orten rund um den Globus um Kunstwerke konkurriert. Der Markt ist nicht mehr nur international, sondern global, und er wächst mit außergewöhnlicher Geschwindigkeit. Fünf Jahre zuvor kamen die besten Kunden von Sotheby - die über eine halbe Million Dollar im Jahr dort lassen - aus 36 Ländern, mittlerweile sind es 58. Der Bericht der European Fine Art Foundation konstatiert ein Wachstum sowohl bei der Zahl der Transaktionen als auch von deren Wert, letzterer stieg von 2002 bis 2006 um erstaunliche 95 Prozent an, von 26,7 Milliarden Euro weltweit auf 43,3 Milliarden Euro. Erstaunlich ist auch die Tatsache, dass China die Schweiz von ihrem langjährigen vierten Platz der nationalen Kunstmärkte verdrängt hat und nur noch ein Prozent hinter Frankreich liegt. Chinas Binnenmarkt für Auktionen wuchs um unglaubliche 983 Prozent von 2005 bis 2006."

Magazinrundschau vom 18.03.2008 - Spectator

Ex-Brokerin Venetia Thompson (mehr hier und hier) langweilt sich in Chelsea. Sie tanzt lieber Kizomba in Harlesden, einem Londoner Stadtteil, der für seine vielen Waffen berüchtigt ist - und gerät im Jet Set Club prompt in eine bewaffnete Auseinandersetzung. Thompson sucht Rat auf der Website von Trident und klickt auf den Link "Way out": "Mir wird gesagt, ich solle 'aufhören wie ein Gangster zu reden, wie ein Gangster zu handeln und mit Gangstern rumzuhängen'." Keine befriedigende Lösung für Ms. Thompson. Sie macht einen anderen Vorschlag: "Bring den Gangster aus seinem Gangland und du hast eine schlanken, fiesen Bürgerschreck, den du in Chelsea ausführen kannst. Er wäre besonders nützlich, um die koksdealenden Privatschüler zu vertreiben, die in den bevorzugten Tränken der jungen Royals akzeptiert werden."

Und: Douglas Murray berichtet über den kommenden Skandal in den Niederlanden - Geert Wilders Film über den Koran.
Stichwörter: Wilders, Geert

Magazinrundschau vom 11.03.2008 - Spectator

Was sind das für Zeiten! Früher waren Helden wie Beowulf mit Schwertern gegen Monster unterwegs. Die Heroen, die heutzutage besungen und bewundert werden, tragen Nadelstreifenanzüge und kämpfen in den Wirtschaftskriegen dieser Welt. Margareta Pagano jedenfalls versucht übermütigen Managern ganz ernsthaft mit Hilfe der Beowulf-Saga Demut einzubläuen. Beowulfs "großer Fehler war sein Glaube, sie alle bezwingen zu können, auch die Mutter des Monsters, das er getötet hatte. Sie rächt sich, in dem sie Beowulf einen Drachen als Sohn gibt. Indem er den Drachen tötet und selbst stirbt, beweist Beowulf sein wahres Heldentum. Zur Legende wird er, weil er sich nach den Erfordernissen der Lage richtet und nicht nach seinem eigenen Ego. In dieser blutigen Schlacht gegen das Ungeheuer namens Suprime-Kreditverknappung, wie viele Bankmanager können von sich sagen, das getan zu haben?"

Abgedruckt ist ein Auszug aus Martin Rowsons Buch "The Dog Allusion", dem der Spectator die schöne Überschrift "Wenn Gott seine Existenz bewiese, würde ich immer noch nicht an ihn glauben" verpasst hat.
Stichwörter: Mons, Mutter