
Der Anthropologe und Islamexperte
Malek Chebel, Verfechter eines aufgeklärten Islam, engagiert sich in seinem jüngsten Buch gegen die in vielen islamischen Staaten herrschende Form moderner Sklaverei ("L'Esclavage en terre d'Islam. Un tabou bien garde", Fayard). Das Thema der vor allem aus Asien stammenden "
Wirtschaftssklaven" etwa in Saudi-Arabien oder Dubai haben vor ihm schon andere thematisiert, Chabel glaubt aber, dass seine Stimme mehr Gewicht habe, weil er selbst Muslim ist. Im Gespräch
erklärt er : "Das Thema ist ein
Tabu im Islam. Die Sklaverei ist darin derartig
verinnerlicht, dass sich die Versklavten selbst weigern zuzugeben, dass sie es sind. (...) Die Sklaverei steht im Widerspruch zu den Grundsätzen der islamischen Religion. Man könnte sagen, dass der Islam ein Opfer seiner Kultur der Sklavenhalterei
ist. Es wird Zeit, die
Heuchlerei derer anzuprangern, die sich zum Islam bekennen und gleichzeitig seinen Geist verletzen, indem sie andere Menschen auf
Knechte reduzieren."
Auch im aktuellen
Nouvel Observateur stellt Chebel seine Thesen vor,
ergänzt um einen
Appell an die muslimischen Führer, den "grauen" Markt der Sklaverei in ihren Ländern zu beenden. "Sie sollten wissen, dass wir viele sind, Intellektuelle und muslimische Bürger, entschlossen, Sie in Ihren Initiativen zu unterstützen."
Bernard-Henri Levy
meldet sich aus der Sommerpause zurück und räsoniert in seinen Bloc-notes über den eigenwilligen
Republikanismus-Begriff, den
Regis Debray in seinem neuen Buch "L'obscenite democratique" (Flammarion) ausbreitet. Demnach sei dessen Traum eine Welt, "in der man endlich gemeinsam träumen, lachen und schaudern kann,
Millionen Köpfe, ein Körper". Levy schaudert es tatsächlich: "Bei der Vorstellung von 'einem Körper' für 'Millionen Köpfe', diesem Gehabe, um jeden Preis 'gemeinsam träumen' zu wollen, also einer für den anderen, dieser Manie, unsere irreduzibelste Privatheit um jeden Preis
kollektivieren zu wollen, läuft es mir
kalt den Rücken runter."