Magazinrundschau - Archiv

New York Magazine

129 Presseschau-Absätze - Seite 13 von 13

Magazinrundschau vom 15.05.2012 - New York Magazine

Mark Zuckerberg wird heute 28 Jahre alt. In dieser Woche bringt er Facebook an die Börse, das dann um die 100 Milliarden Dollar wert sein wird. Sein eigener Anteil an Facebook wird etwa 25 Milliarden Dollar wert sein. Die Frage ist jetzt: Kann Zuckerberg ein börsennotiertes Unternehmen steuern? Kann er, meint Henry Blodget bewundernd. Zuckerberg lernt nur von den Besten, er ist gut im Leute heuern und feuern, und sein Motto "Move fast and break things" hat sich bewährt: "Statt unendlich an neuen Möglichkeiten zu basteln, haut Facebook sie einfach raus. Dann hört es dem Geschrei der User zu und macht die Änderungen, die es angemessen findet. Diese Technik hat viele Blindgänger produziert. Sie hat dazu geführt, dass Zuckerberg sich oft bei seinen Usern entschuldigen musste. Und sie hat dazu geführt, dass dabei Features entstanden, die nach Ansicht vieler User heute Facebook sind - zum Beispiel News Feed. Kritiker, die Facebooks Fehler anprangern, verstehen nicht, dass das Absicht ist. Und es funktioniert."

Benjamin Wallace erzählt die hollywoodreife Geschichte des Weinfälschers Rudy Kurniawan, der auf Auktionen gefälschte Romanée-Contis, Roumier Musignys und Pétrus für Millionen von Dollar verkaufte und nebenbei die Crème de la Crème der amerikanischen Wein-Experten und -Sammler bis auf die Knochen blamierte. Nun steht sein Prozess bevor - mit einer Strafdrohung von hundert Jahren. Wie fälscht man eigentlich einen Wein? Kleiner Trick: "Man nehme zwei Jahrgänge, sagen wir einen 81er Pétrus (durchschnittlicher Auktionspreis 1.194 Dollar) und einen 83er Pétrus (1.288 Dollar), um daraus zwei Flaschen 82er Pétrus (4.763 Dollar pro Flasche) zu machen. Es ist der richtige Wein, er schmeckt nach seinem Alter, auch wenn er ein bisschen vom typischen 82er abweicht, aber er schmeckt ja auch nicht wie ein 81er oder 83er."

Magazinrundschau vom 27.03.2012 - New York Magazine

Die Republikaner führen einen Krieg gegen Frauen - und zwar alle Republikaner, nicht nur ein paar Irre wie Rush Limbaugh, meint Frank Rich. Sowohl Mitt Romney also auch Rick Santorum wollen beispielsweise "Title X abschaffen, das bundesstaatliche Familienplanungsprogramm, das bei seiner Einführung 1970 von Nixon und dem damaligen Abgeordneten Bush unterstützt wurde. Title X beugt laut staatlicher Studien jedes Jahr hunderttausenden von Abtreibungen und unerwünschten Schwangerschaften vor. Neben der Geburtenkontrolle bezahlt es außerdem für Krebsvorsorgeuntersuchungen, Tests zu sexuell übertragbaren Krankenheiten wie HIV und sogar Abstinenzberatung für Teenager. [...] Republikaner in Länderregierungen warten nicht auf die Präsidentschaft Romneys, um Title X zu demontieren. Rick Perry hat bereits Geld für Title X in Texas zurückgewiesen und so sichergestellt, dass zahllose arme Frauen in seinem Gebiet keinen Zugang zu frauenärztliche Gesundheitsvorsorge haben - von Verhütungsmitteln wie der Pille bis zum gynäkologischen Abstrich."

Außerdem: Emily Nussbaum ist hin und weg von der neuen HBO-Serie "Girls" - geschrieben, gedreht und gespielt von der 25-jährigen Lena Dunham. "Es ist eine Sexkomödie aus dem weiblichen Blickwinkel, die Themen wie sexuell übertragbare Krankheiten und Abtreibung mit einem radikalen savoir faire behandelt und einer visuellen Schlampigkeit, die selbst schon ein Statement ist. Noch bevor die republikanischen Kandidaten 'Die Geschichte der Dienerin' zu ihrem Fundament gemacht haben, ist Dunhams schlaue, dreiste, grafische Komödie mit ihrer Betonung weiblicher Freundschaft, ihrem Vergnügen an der geschmacklosen Pointe und ihrem Verständnis für die Notwendigkeit, Fehler zu machen, eine scharfe Erwiderung auf eine Kultur, die weibliche Abenteuer pathologisiert." Hier ein Trailer.

Magazinrundschau vom 06.03.2012 - New York Magazine

Jesse Green porträtiert den 1931 in Berlin geborenen Filmregisseur und -produzenten Mike Nichols, der gerade Arthur Millers "Tod eines Handlungsreisenden" für den Broadway inszeniert. Die Hauptrolle spielt Philip Seymour Hoffman. Nichols hatte das Stück 1949 gesehen, in der Inszenierung von Elia Kazan, den er als seinen "Helden" bezeichnet. "Wenn Kazan eine Art spiritueller Vater war, dann war er ein fehlerhafter - auch wenn Nichols sagt, es sei unmöglich über Kazans Entscheidung zu urteilen, Kollegen an das Kommittee für unamerikanische Umtriebe zu verraten, ohne in dessen Haut gesteckt zu haben. Zumindest sind Kazans Fehler bekannt und können 'untersucht' werden. Nichols' wirklicher Vater war dagegen die meiste Zeit nur eine Vorstellung. Um seine Arztpraxis einzurichten, zog er ein Jahr vor seiner Familie von Berlin nach New York, um dann, fast unmittelbar nach ihrer Ankunft, Mike und seinen vier Jahre jüngeren Bruder Robert nach Long Island zu schicken, wo sie bei einem Patienten leben sollten. Danach kam die Verbannung ins Internat und zwei Jahre später starb sein Vater an Leukämie, eine Folge der radiologischen Tests, denen er sich unterzog. Die Anerkennung eines Menschen zu brauchen, dessen Aufmerksamkeit man nicht mal erregen kann, ist, nun ja, eine Tragödie. Während die meisten Kritiker den 'Handlungsreisenden' also als eine Anklage gegen den amerikanischen Traum verstehen, sieht Nichols das zwangsläufig ganz anders. Für ihn geht es darin um etwas fundamental Menschlicheres, das heute noch relevanter ist als in der Zeit, in der Miller das Stück schrieb: die Sehnsucht, erkannt zu werden."

Magazinrundschau vom 31.01.2012 - New York Magazine

Unter der Überschrift "Die neuen Dekabristen" porträtiert Michael Idov einige der Organisatoren der großen Demonstrationen in Moskau, denen ihr Erfolg bereits unheimlich zu sein scheint. "'Oh, wir sind völlig durchgedreht', sagt Katja Krongauz über Tee und Eiern in der winzigen Küche ihres Einzimmerappartements, das sie und Ilija Krasilshchik über einem Schönheitssalon in einem sowjetischen Gebäude teilen. Ihr zehn Monate alter Sohn Leva krabbelt vom Wohnzimmer in die kleine Küche und wieder zurück, regelmäßig den Weg der Familienkatze Couscous und des Hundes Fena kreuzend. 'Wir bei der Zeitschrift Bolshoi Gorod quengeln seit zehn Jahren: Wir müssen uns selbst respektieren, wir müssen unsere Rechte respektieren, blah blah blah. Und plötzlich stellt du fest, dass Leute dir zuhören und Zehntausende auf die Straße gehen. Und du hast keine Ahnung, was du tun sollst, denn die Wahrheit ist, dass du total zufrieden damit warst, dir deine Rechte nur selbst zuzubrummeln.'"

Benjamin Wallace-Wells porträtiert den ägyptischen Google-Mitarbeiter Wael Ghonim, der die Revolution mit seiner Facebookseite We are all Khaled Said, die er auch heute ständig aktualisiert, nicht unerheblich beeinflusst hat. Ghonim ist etwas enttäuscht, wie wenig sich verändert hat. Gleichzeitig bekennt er sich absolut zur Demokratie. "'Vielleicht irre ich mich, aber wenn die Menschen sich entscheiden, dass die Muslimbrüder das Land regieren sollen, dann muss man diese Entscheidung respektieren. Das ist die Wahl der Menschen, das ist Demokratie.' Manchmal überrascht ihn der Konservatismus seiner Mitglieder. Im Dezember, als die Militärführung den Ex-Premierminister Kamal Ganzouri zum neuen Premierminister ernannten, dachte Ghonim, sein Publikum diese Wahl hassen. Aber als er eine Umfrage machte, waren 55 Prozent seiner Leser für Ganzouri."

Magazinrundschau vom 03.01.2012 - New York Magazine

Bernard-Henri Levy mag ja zu prächtiges Haar haben, um von Eierköpfen akzeptiert zu werden. Aber 2011 hat er wirklich was gerissen: Er hat Sarkozy und damit indirekt die UN dazu gebracht, die libyschen Rebellen gegen Gaddafi zu unterstützen, und sogar im Fall DSK sah er am Ende ganz gut aus, muss Benjamin Wallace-Wells zugestehen. "Was soll man schließen aus Bernard-Henri Levys bemerkenswertem Jahr? Vielleicht ist Heroismus manchmal an Ichbezogenheit gekoppelt. Vielleicht ist das manchmal sogar dasselbe. Die moderne Linke hat Levys Lust am radikalen Individualismus lange abgelehnt: Wir wissen, dass ein Individuum nicht außerhalb eines sozialen Kontextes agieren kann; dass, wenn der IWF-Chef Sex mit einem Zimmermädchen hat, es nicht einfach nur um zwei Menschen geht; dass, wenn westliche Militärs in einem afrikanischen Bürgerkrieg intervenieren, sie eine dunkle imperiale Vergangenheit heraufbeschwören. Aber diese Perspektive mag gelegentlich selbst einen blinden Fleck haben: Das Gefühl, dass die Gegenwart vielleicht etwas nahezu Unveränderliches ist, oder zumindest jenseits der Fähigkeiten eines einzelnen, sie zu ändern. Ganz selten kann die gegensätzliche Auffassung - Levys Auffassung - etwas Reales erreichen."

Magazinrundschau vom 05.07.2011 - New York Magazine

Steve Fishman schreibt fürs New York Magazine das traurige Porträt des Bradley Manning, eines jungen, einsamen, seines Geschlechts unsicheren Soldaten und begabten Hackers, der angeklagt ist, Wikileaks mit Zehntausenden amerikanischen Geheimdokumenten beliefert zu haben. Manning war fasziniert von Julian Assanges Nimbus unter Hackern, meint Fishman: "Hacker liebten ihn. Für sie verkörperte er all ihre besten Motive. Sie sahen sich selbst als 'hochkritische Geister, die Autoritäten infragestellen und bürgerliche Freiheiten schätzen', erklärte mir ein Hacker. Und Assange tat den ganzen Tag lang nichts anderes. But Assange war kein typischer Hacker... Assange war ein Denker. Eine seiner Hauptideen war, dass Geheimnisse Korruption züchten. Darum schuf er Wikileaks, das es teuflisch einfach machte, Geheimnsse zu verraten. Einfach SEND klicken und ab gingen sie zu Wikileaks." Manning drohen jetzt 52 Jahre Gefängnis oder gar die Todesstrafe - und Assanges Nimbus ist sogar noch größer: "Vor Manning war er ein Störenfried, mit Verdiensten, aber kaum gewürdigt. Nach Manning war er für die Linke ein Held, 'die wichtigste Person, die je lebte' wie es in seinem Umkreis hieß."

Magazinrundschau vom 21.06.2011 - New York Magazine

Die NYT fragt diese Woche, ob gläubige Schwule besser kein Coming-out haben sollten. Man sollte ihnen Carl Swansons Artikel über Hüsker-Dü-Frontman Bob Mould, der gerade seine Autobiografie veröffentlicht hat, in die Hand drücken. Was könnte gottgefälliger sein als dieses Leben? "Heute lebt ein milderer Mould im milden San Francisco. Er besitzt ein Haus, hebt Gewichte und isst sechs Mahlzeiten am Tag. Er umgibt sich mit einem Set von liebenswürdigen, robusten, bärtigen Männern in Flanellhemden, die Bier trinken und nicht vor dem Dessert zurückschrecken. Als ich ihn Sonntag nachmittags beim Biertrinken in der Schwulenbar Lone Star treffe, steht er mitten in der Menge und begrüßt seine Freunde. 'Wir sind ganz normale Stammkunden', sagt er. 'Wir sind maskulin und identifizieren uns mit einem bestimmten Teil der Community, und wir alle lieben Musik und gutes Essen.'"

Außerdem: Michael Idov schreibt einen Song mit Miranda July.

Magazinrundschau vom 03.05.2011 - New York Magazine

Geoffrey Gray schreibt ein schönes Porträt des New Yorker Avantgarde-Duftmeisters Christopher Brosius, der eine neue Tendenz zu Independent-Parfumeuren verkörpert. Seine Inspirationen sind manchmal recht drastisch und gehen bis zu (sauberen) Männerärschen. Sein letzter Duft soll "unsichtbar" sein. Ganz aus dem Häuschen gerät Gray aber bei "Soaked Earth", für das sich Brosius vom Dreck inspirieren ließ, in dem er als Kind spielte: "Als ich daran schnupperte, roch es nicht nach gewöhnlichem Dreck, Es war magischer Dreck. Sofort vertraut. Erinnerungen stiegen in mir hoch - starke emotionale Ströme. Ich sah die klapprige Tankstelle meiner Kindheit oben im Staat New York vor mir. Ich sah mich auf dem Beifahrersitz im Pickup truck meines Großvaters, der mit Hundehaaren übersät war." Gray empfiehlt Michelyn Camens Blog Cafleurebon, in dem es mehrere Artikel über Brosius gibt.
Stichwörter: Duft, Tankstellen

Magazinrundschau vom 23.09.2008 - New York Magazine

In einem epischen und faktenreichen Artikel schildert Boris Kachka die prekäre Situation amerikanischer Buchverlage. "Einer der Hauptvorteile des traditionellen Verlagswesens schien seine Marketingkraft zu sein: Man publiziert vielleicht nicht genau die Bücher, die einem am Herzen liegen, aber die Bücher, die publiziert werden, bekommen dafür die Aufmerksamkeit, die sie verdienen. Doch in den letzten Jahren haben genauere interne Verkaufszahlen gezeigt, was Verleger längst ahnten: Traditionelles Marketing ist nutzlos. 'Medien spielen keine Rolle, Kritiken spielen keine Rolle, blurbs spielen keine Rolle', sagt ein einflussreicher Agent. Niemand weiß, wo die Leser sind und wie man sie erreicht. Vor fünfzehn Jahren glaubte Philip Roth, es gebe etwa 120.000 ernsthafte amerikanische Leser - das sind die, die jede Nacht lesen - und dass ihre Zahl sich alle fünf Jahre verringert. Andere bestreiten das vehement. Aber wer weiß es wirklich? Gezielte Konsumentenforschung gibt es im Verlagswesen praktisch nicht. Was Leser wollen - und ob es besser ist, ihre Wünsche zu befriedigen oder zu formen - bleibt ein heiß diskutiertes Thema. Man muss nicht weiter gucken als auf die Seiten der New York Times Book Review oder die Regale von Border, um zu sehen, dass der Markt für Literatur schrumpft. Sogar bislang verlässlicher Schmonzes wie die Memoiren von Fernsehprominenten verkaufen sich nicht mehr so gut. Und 'das nächste große Ding', wie Sara Nelson von Publishers Weekly trocken bemerkt, 'sind nicht Bücher schreibende Blogger'."