
Thomas Jones hat sich wunderbar
amüsiert bei der Lektüre von
Andre Bernards "Madame Bovary, c'est moi", das vielerlei
Legenden um die Entstehung der
großen literarischen Figuren versammelt. "Es gibt mehrere Geschichten darüber, wie
Becketts Godot zu seinem Namen gekommen sein soll. Eine davon besagt, dass Beckett sich in einer Stadt aufhielt, durch die die
Tour de France gerade hindurchgefahren war, und einer Gruppe von Menschen begegnete, die erwartungsvoll an einer Straßenecke standen, lange nachdem die Radfahrer bereits verschwunden waren. Er fragte sie, was sie da tun.
'Nous attendons Godot', antworteten sie und erklärten ihm, dass Godot der
älteste und langsamste Fahrer des Rennens sei."
Im Diary
erzählt Sophie Harrison,
Medizinstudentin im ersten Semester, wie seltsam die erste
Leichenöffnung sein kann - wenn es im sonnendurchfluteten Labor riecht wie irgendetwas zwischen
Nagelstudio und Fleischerei, und die zeremonielle Befangenheit das Denken auf Irrwege schickt: "Als wir mit dem Auspacken fertig sind, ist es uns unverständlich, was wir da sehen. Die Haut ist glänzend, altersgefleckt und leicht gelblich. Wie Marmor - kalt und sanft lasiert. Da ist eine Reihe von Beulen - die Rippen - doch der Oberkörper scheint einen
seltsamen Winkel zu haben - er sieht gebeugt aus. Keiner traut sich, das zu sagen, was er denkt.
Wo sind seine Brustwarzen? Einen verrückten Moment lang überlege ich, ob das vielleicht beim Sterben passiert, oder im hohen Alter. Vielleicht ist es wie mit
Ruskins Schock und dem Schamhaar, aber umgekehrt - das schockierende Verschwinden der Brustwarzen. Alle sind zu nervös um noch vernünftig denken zu können. Es dauert eine ewige Sekunde bis wir merken, dass unser Toter auf dem Bauch liegt." (Der viktorianische Kunstkritiker
John Ruskin erlitt in der Hochzeitsnacht einen schweren Anfall, als er entdeckte, dass Frauen Schamhaare haben.)
Für Jonathan Lanchester
ist Rupert Murdoch nichts anderes als ein
Bildnis der modernen Welt, mit anderen Worten: Er ist "der Medienmmagnat, den wir verdienen." Doch verdient, so Lanchester, haben weder wir noch Murdoch die
Murdoch-Porträts, die zu Hauf geschrieben werden (einzige Ausnahme:
Neil Chenoweths "Rupert Murdoch: The Untold Story of the World's Greatest Media Wizard").
Nobelpreisträger Amartya Sen vertieft sich in die Argumente der
ökologischen Literatur. Und Peter Campbell hat bei
Philip Guston, der in der Londoner
Royal Academy ausgestellt wird, die gesamte
Dialektik der amerikanischen Malerei im 20. Jahrhundert
erblickt.
Leider nur in der Printausgabe zu lesen, der Artikel mit dem schönen Titel
"Zu spät, um früh zu sterben": Ruth Bernard Yeazell liest
Krankheitsreflexionen von Virginia Woolf und Harriet Martineaun.