Magazinrundschau - Archiv

L'Express

109 Presseschau-Absätze - Seite 4 von 11

Magazinrundschau vom 04.10.2005 - Express

In einem Interview spricht Salman Rushdie (mehr) über sein neues Buch "Shalimar the Clown", den er seinen aus Kaschmir stammenden Großeltern gewidmet hat. Über die aktuelle Situation Kaschmirs sowie die Rolle Pakistans und Indiens für die Konflikte des Landes sagt er: "Die gegenwärtige Tragödie besteht darin, dass sich beide Seiten sehr schlecht verhalten und damit die Gräueltaten noch vermehren. Meine Sympathie gehört Indien, aber ich habe vor Ort die Feindseligkeit der Bevölkerung gegenüber jenen gespürt, die als indische Besatzung betrachtet werden. Dennoch weigern sich selbst die linken Intellektuellen Indiens, diese Wahrheit zu hören. Weil ich sie vertrete, werde ich als islamistischer Sektierer beschimpft. Der kaschmirische Islam ist im Wesentlichen sufistisch, mystisch, nicht doktrinär und gutmütig. Das plötzliche Auftauchen der Pakistani hat es den Djihadisten ermöglicht, die Bewohner so lange zu terrorisieren, bis sie diese extreme Spielart des Islam akzeptierten."
Stichwörter: Rushdie, Salman, Clowns, Kaschmir

Magazinrundschau vom 12.07.2005 - Express

Auch der Express bringt ein Interview zu den Anschlägen in London. Darin stellt der Islamexperte Dominique Thomas (jüngste Veröffentlichung: "Londonistan: la voix du djihad", Edition Michalon) fest, dass die Methoden der Terroristen immer perfekter werden. "Im Fall London hoffen die Islamisten ohne Zweifel ebenfalls, die ablehnende Haltung der öffentlichen Meinung jenseits des Ärmelkanals gegenüber der Intervention im Irak zu schüren. Die internationale Djihad-Bewegung hat in der Zwischenzeit bessere Kenntnisse über die westliche Welt. Sie verfügt über weltweite Strukturen und ihre Techniken haben sich verfeinert. So stellen heute Filmfirmen Videos von Attentaten im Irak her, in der Hoffnung, dass ihre Bilder von Fernsehkanälen weltweit ausgestrahlt werden. Die 2004 auf der Bildfläche aufgetauchte Front islamique internationale d?information ist ein bevorzugtes Instrument der Prediger geworden. All das passt natürlich in einen globalen Plan. Die Organisation selbst ist allerdings nicht so strukturiert, dass man von einem Unternehmen sprechen könnte. Darin liegt ihre Stärke."
Stichwörter: Irak, Westliche Welt

Magazinrundschau vom 28.06.2005 - Express

Dominique Lagarde ist durch Marokko und das Atlasgebirge gereist und beschreibt eine erstarkte Berberbewegung in Marokko, die durch Kommissionen, in lokalen Initiativen und mit Kulturfestivals für die Anerkennung der eigenen Kultur und Sprache in der marokkanischen Verfassung wirbt. Etwa zehn Millionen Marokkaner gehören zu den Berbern, erklärt Lagarde, das seien etwa 40 Prozent der Gesamtbevölkerung. Dass die Sprache der Berber auch in den Schulen unterrichtet werden soll, ist keine Frage mehr - man streitet allerdings über das Wie. "Denn bevor man die Lehrbücher überarbeiten will, muss man sich für eine Schrift entscheiden. Der Kampf war hart. Die einen, eine Strömung innerhalb der Berberbewegung, die aus der islamistischen Bewegung hervorgegangen ist, plädieren für die arabische Schrift; die anderen, militant laizistische Organisationen, sind für die lateinische. Der Verwaltungsrat der IRCAM (einer vom Staat eingesetzten Kommission, .d. red.) empfahl einen dritten Weg, um diese Debatte zu durchbrechen: die marokkanischen Schüler werden in Tifinagh schreiben lernen, der ursprünglichen Berberschrift." (Mehr dazu hier)
Stichwörter: Marokko

Magazinrundschau vom 21.06.2005 - Express

Pünktlich zum allgemeinen Aufbruch in die Sommerfrische unternimmt Amandine Hirou eine soziologische Rundreise zu den Stränden der Welt - an denen je nach Land ganz unterschiedliche Sitten und Gebräuche herrschen. Der Anthropologe Didier Urbain etwa behauptet in seinem Buch ("Balneaire. Une histoire des bains de mer", Ed. LBM) Folgendes: "Der Strand ist ein großartiges Beobachtungsterrain, das viel über die Lebensweisen, die Gewohnheiten unserer Zeitgenossen erzählt, selbst über die politische, sozialen oder religiöse Situation des jeweiligen Landes." Das seltsame Phänomen, dass gerade viele westliche Urlauber an Massenstränden unbeirrt "Ruhe" suchen und diese dort auch zu finden glauben, erklärt Urbain so: "Zweifellos weil der 'Strandurlauber' im Grunde seines Herzens die Gesellschaft Gleichgesinnter sucht. Er geht nicht dorthin, um einfach nur ein Bad im Meer zu nehmen, sondern sich ins Bad der Geselligkeit zu stürzen." Neben vielen anderen erstaunlichen Details erfährt man unter anderem, dass an einigen chinesischen Stränden eine nach sozialem Rang gestaffelte "Liegeordnung" besteht, je nach dem, ob man Chef, Angestellter oder Arbeiter ist.
Stichwörter: Bait, Urlaub, Sitte

Magazinrundschau vom 07.06.2005 - Express

Weise Worte findet Adam Michnik, Ex-Dissident und heute Herausgeber der Gazeta Wyborcza, im Interview mit dem Express zum "Nein" der Franzosen: "Die Erweiterung der EU war eine gute Sache, aber ich will den psychologischen Schock nicht unterschätzen. In den Augen der Franzosen gehören wir nicht zum Westen. Wir sind Barbaren (lacht). Paradoxerweise waren die Polen in Frankreich vor der EU-Erweiterung besser gelitten. Heute sind wir Opfer einer Allianz rechtsextremer Nationalisten und linker Souveränisten, die glauben, dass der Moment der Weltrevolution naht. Ich beklage es, aber wir müssen den weiteren Aufbau Europas verlangsamen. Wenn ein Wagen eine Panne hat, muss man erst mal seinen Motor inspizieren." Michnik wendet sich auch gegen eine spezifisch französische Europa-Vision: "Jacques Chirac hat die Verfassung als das beste Mittel verteidigt, um sich dem amerikanischen Modell entgegenzustellen. Und ich dachte, Europa sei als Gegenmodell zum Totalitarismus entstanden!"

"Ausnahmslos alle Religionen sind frauenfeindlich" erklärt die Schriftstellerin Taslima Nasreen in einem Interview aus Anlass ihrer Teilnahme an der Semaine mondiale de l?education. "Sie widersetzen sich der Freiheit und den Rechten der Frauen, die sie mit dem gleichen Anspruch unterdrücken wie es auch die Kultur, die Sitten und das patriarchale System tun. Ich beziehe mich dabei besonders auf den Islam, weil er sich der Demokratie, den Menschenrechten und der Emanzipation der Frau entgegenstellt. In islamischen Ländern ist die Lage schlimmer als anderswo, weil die klare Trennung von Religion und Staat fehlt. Das Recht fußt auf der Religion und das ist die Quelle allen Übels für die Frauen."

Magazinrundschau vom 29.03.2005 - Express

Ganz anders als in Deutschland, wo die Presse weiterhin entschlossen schläft, sorgt das Google-Projekt der Digitalisierung ganzer Biblioheken in Frankreich weiterhin für Debatten. L'Express präsentiert ein kleines Dossier zumThema. Die Frage ist jetzt nicht mehr so sehr, ob durch die Digitalisierung amerikanischer Bibliotheken ein angelsächsisches Weltbild propagiert wird, sondern ob private Unternehmen derart die Hand auf das Weltkulturerbe legen können sollen: "Lädt die Tatsache, dass diese Unternehmen durch Werbung finanziert sind, nicht zu Missbrauch ein? Ist das Versprechen, dass diese Unternehmen, die Autorenrechte respektieren und Raubkkopien verhindern, glaubhaft?" Jacques Chirac will nun ein öffentliches, europäisch finanziertes Projekt der Digitalisierung präsentieren, meldet der Express.

Magazinrundschau vom 11.01.2005 - Express

In dieser Woche erscheint eine Biografie über Bernard-Henri Levy, eine von L'Express als französischer "Intello-Star" und "zentrale Persönlichkeit des öffentlichen Lebens" geführte intellektuelle Institution Frankreichs ("BHL, une biographie", Fayard). Ihr Autor Philippe Cohen zeigt sich, laut Rezensent, allerdings wenig beeindruckt von BHLs institutionellem Charakter, sondern führt ihn vor. "Kapitel um Kapitel" werde BHL darin "mit seinem Werk, seinem Einfluss, seinen Erfolgen und Irrtümern" konfrontiert, die Bilanz fällt "ätzend" aus.

In einem langen, "nicht ohne Kalkül" gewährten Interview, das äußerst ausführlich auf die gegen seine Bücher und vor allem seine politischen Einschätzungen erhobenen Vorwürfe eingeht, bezieht BHL Stellung. In einer Passage erklärt er, warum er zunächst überlegt hatte, gegen die Biografie vorzugehen, es dann aber lieber sein ließ: "Sie kennen den Satz von Cioran: 'Ich habe mich immer gefragt, wieso das Risiko, einen Biografen zu haben, uns nicht vom Leben abschreckt.' Ein bisschen ist es so. Die Vorstellung, dass sich irgendein Typ an deine Fersen heftet, hat etwas ziemlich Unerträgliches, dass er dein gesamtes Tun und Treiben belauert, und vor allem, was das Schlimmste ist, hartnäckig versucht, allem einen Sinn zu geben. ... Als ich kapiert habe, dass ich alles tun sollte, um ihm die Arbeit ein bisschen schwerer zu machen, habe ich beschlossen, ihn zu treffen, um ihn wenigstens daran zu hindern, bestimmte Dummheiten zu sagen." Die Veröffentlichung allerdings habe er nicht zu verhindern versucht: "Ich bin kein Zensor. Und ich bin, Entschuldigung, der bessere Stratege."
Stichwörter: Levy, Bernard-Henri

Magazinrundschau vom 13.12.2004 - Express

In einer Reportage berichtet der Express über diverse laizistisch orientierte islamische Gruppierungen in Frankreich. Angesichts der Fundamentalisten, welche derzeit die Debatte "monopolisierten", engagieren sie sich gegen die "Einmischung der Religion in die Politik" und für einen "liberalen, republikanischen Islam". Ihre Intentionen seien durchweg "löblich", die Probleme jedoch vielfältig. Zunächst ein rein numerisches: Die meisten Gruppierungen steckten noch in den Kinderschuhen, jede habe lediglich zwischen 500 und 2000 Mitgliedern; viele verfügten über keine eigene Website und ihr Mobilisierungskapazitäten beschränkten sich derzeit auf Treffen, von denen die islamische "Basis" nur selten etwas erfährt. Darüber hinaus gebe es aber auch ein "inhaltliches Problem: weil sie die Begriffe laizistisch und islamisch miteinander verknüpfen, gelten diese Erben der Integration als oberlehrerhaft" und sehen sich "innerhalb ihrer eigenen Gemeinschaft dem Vorwurf der Begriffsverwirrung ausgesetzt." Ihre teilweise unterschiedliche Zielsetzung, so das Fazit, lässt einen Zusammenschluss schwierig erscheinen. "Eine Synthese zwischen jenen, die vor allem den Kampf gegen den Islamismus betonen, jenen, welche die Diskussion erweitern wollen, und solchen, denen selbst Muslime propagandistische Ziele unterstellen, scheint schwierig. Dennoch: der Weg ist eingeschlagen."
Stichwörter: Integration, Islamismus

Magazinrundschau vom 18.10.2004 - Express

In einem Dossier zum Thema "USA" vor der Wahl gibt es ein Interview mit dem nach rechts neigenden Schriftsteller Tom Clancy, der, wie zu erwarten, George W. Bush prima findet und John Kerry gar nicht ("he is an idiot", im Original zitiert). Nur den Irak-Krieg, den will auch er nicht verteidigen: "Krieg soll man nur dann führen, wenn es unumgänglich ist. George Bush ist ein klasse Typ. Aber mit dem Irak hat er einen Fehler gemacht. Dieser Krieg war nicht notwendig, denn es gab keinen casus belli. Der Präsident hat nicht das Recht, Truppen in die Schlacht zu schicken, wenn er dem Mann auf der Straße nicht klar machen kann, warum sein Sohn sterben muss. Wir hatten keinen guten Grund, diesen Krieg zu beginnen." Außerdem werden im Dossier unter anderem neue Bücher über die USA besprochen, die Rolle der US-Presse vor, im, zum Irak-Krieg erklärt und der religiöse Fundamentalismus nicht nur, aber auch des George W. Bush beschrieben.

Außerdem: Anlässlich seines zwanzigsten Todestags gibt es ein großes Francois-Truffaut-Revival. Sein Debütfilm "Sie küssten und sie schlugen ihn" kommt wieder in die Kinos, es gibt ein neues Fotobuch und ein Truffaut-Lexikon. Jean-Pierre Dufreigne schreibt über die folgenden Themen, in Form eines Akrostichons: Truffaut au travail, Rencontres du troisieme type , Une certaine tendance du cinema francais, Facherie, Femmes ou films?, Antoine Doinel, Un oscar, Tirez sur le pianiste. Auch besprochen, kurz aber freundlich, das Oxford Dictionary of National Biographies, das es übrigens auszugsweise auch im Netz gibt.

Magazinrundschau vom 06.09.2004 - Express

Haben wir das Gespräch letzte Woche übersehen, oder ist es jetzt erst online? Dominique Simonnet unterhält sich mit Alain Finkielkraut, der in gewohnter Brillanz gegen den Antirassismus als "Ideologie unserer Zeit" wettert, welche Lizenzen an den Antisemitismus durchaus einschließt (das Gespräch stand im Express vom 30. August). Die antitotalitäre Linke hat gegen die "progressive Linke" verloren, schließt Finkielkraut bitter. "Man hätte glauben können, dass der Mauerfall die Illusionen der progressiven Linken zum Einsturz gebracht hätte. Aber das Gegenteil ist der Fall. Der Antitotalitarismus ist im selben Moment verschwunden wie die totalitären Systeme. Das Wort 'Totalitarismus' ist dabei allerdings nicht in Vergessenheit geraten. Damit bezeichnet man heute die 'Hypermacht' Amerika, die so böse ist, dass sie nicht nur ihre eigenen bösen Taten ausheckt, sondern auch noch die der anderen: Ist bin Laden nicht ihr Produkt, hat sie Sadddam Hussein nicht bewaffnet? Dieser Gebrauch des Totalitarismusbegriffs besiegelt die Niederlage des antitotalitären Denkens und die Rückkehr der absoluten Politik."