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Essay

Der Euro-Islam als Brücke zwischen Islam und Europa

Von Bassam Tibi
20.03.2007. Beim Euro-Islam als Brücke zwischen Islam und Europa geht es um den Gegenstand, nicht um das Profil von Personen wie Tariq Ramadan und Ayaan Hirsi Ali oder um irgendeinen postmodernen Nihilismus. Selbst Muslim und Migrant, erkenne ich, dass Europa eine zivilisatorische Identität hat und das Recht hat, diese zu bewahren. Das ist nicht gegen die Muslime gerichtet, weil die Idee Europas inklusiv ist; sie kann die Identität der Zuwanderer berücksichtigen, jedoch mit der Erwartung einer Anpassung ohne Selbstaufgabe.
Gerade als ich aufgefordert wurde, meine Ideen zum Gegenstand in diese Debatte einzubringen, bin ich aus den USA zurückgekehrt. Dort fand ich Gefallen an der Frage "What are we talking about?", die ich auf diese Kontroverse anwenden möchte. Sie richtet sich an Personen, die außer Wortgeschwulsten wenig Inhaltliches zu bieten haben und fordert sie heraus. Das Thema "Europa und der Islam" ist in der Sache wichtiger als die Profilierung von Tariq Ramadan oder Ayaan Hirsi Ali, die inhaltsleer miteinander kontrastiert werden. Ebenso ist das Thema wichtiger als die Debatte von prominenten Autoren wie Timothy Garton Ash oder Ian Buruma, die außer Prominenz gemeinsam haben, ohne Kompetenz über den Islam zu reden. Ich schlage vor, diese für Europa außerordentlich wichtige Debatte zu entpersonalisieren und somit zu versachlichen: Sie ist gleichermaßen existenziell für Europa und für die Muslime, die in Europa leben, zu denen ich gehöre.

Trotz dieser Aufforderung zur Entpersonalisierung erlaube ich mir eingangs zwei Bemerkungen, zu Ayaan Hirsi Ali und Tariq Ramadan, an denen die Debatte inhaltsschädigend fixiert wird: Das, was Hirsi Ali über den Islam sagt, ist sowohl für Islam-Kenner als auch für Muslime schlicht eine Zumutung. Wenn sie etwa behauptet, dass unser Prophet und unser heiliges Buch, der Koran, eine Fiktion seien, beleidigt sie jeden Muslim und bringt jeden Islam-Historiker zum Schmunzeln. Hirsi Ali hat natürlich im Rahmen von Religionsfreiheit das Recht, dem Islam den Rücken zu kehren und dies hat sie auch getan. Doch darf sie diese Religion nicht missbrauchen, um sich auf eine sehr billige Art und Weise zu profilieren. Was ihren Kontrahenten in der beanstandeten Debatte, Tariq Ramadan, angeht, der sich selbst falsch als Oxford-Professor vorstellt (er ist dort nur zeitlich begrenzt als Fellow - eine Fellowship ist keine Professur; so geht er auch mit anderen Fakten um), so spreche ich ihm die "Islam-Reform", die ihm zugeschrieben wird, schlicht ab. Was hat er am Islam reformiert? Ist es etwa reformerisch, wenn er in seinem Buch seinen Großvater al-Banna schon im Titel als zentrale Quelle der "Renouveau Musulman" preist? In meiner Forschung komme ich zu dem Ergebnis, dass gerade al-Banna geistig und politisch die Quelle des djihadistischen Islamismus sei, der die neueste Form des Totalitarismus darstellt. Ich verweise hierzu auf meinen neuesten Aufsatz "The Totalitarianism of Jihadist Islamism and its Challenge to Europe and to Islam", erschienen in Totalitarian Movements and Political Religion (Heft 1/2007, Abstract), wo diese Ergebnisse jahrzehntelanger Forschungsarbeit enthalten sind. Ich frage weiter: Ist es eine islamische Reform, wenn Ramadan auf einer Konferenz in Schweden "The Mission of Islam for Europe" verkündet oder wenn er die Muslime in Jakarta belehrt, dass al-Islam Ya'lu/der Islam überlegen sei?

Im Folgenden lasse ich die Debatte über Ramadan und Hirsi Ali als irrelevant für die Diskussion über Europa und den Islam beiseite und unterlasse es, auf die hierbei entflammten Polemiken wie "Enlightenment Fundamentalism" zu antworten. Weiterhin zu diesem Begriff merke ich an: Wenn die an der Debatte beteiligten Personen die Aufklärung so deformieren, und Hirsi Ali als ihre Vertreterin darstellen, dann empfehle ich die Lektüre von Jürgen Habermas' "Der philosophische Diskurs der Moderne", um besser auf die Frage, worüber wir eigentlich reden, antworten zu können.

Nach diesem Vorspann gehe ich zur Problematik über: Ich empfehle eine Neuaufnahme der Henri-Pirenne-These "Sans Mahomet pas de Charlemagne". Das bedeutet, dass es ohne die Herausforderung des Islam das christliche Abendland Karls des Großen nicht gegeben hätte. Damit meint Pirenne dieses: Beide Größen, also Europa als Abendland und der Islam als Zivilisation, sind historisch gemeinsam entstanden und bilden eine Herausforderung füreinander. Dies charakterisiert sie seit ihrer Stiftung.

Die Migration der Muslime nach Europa (1950 nur 800.000 Muslime in Westeuropa, heute 20 Millionen) gehört in diesen Zusammenhang gegenseitiger Herausforderung und ist der zeitgeschichtliche Ausdruck der von Henri Pirenne beschriebenen klassischen Auseinandersetzung zwischen Islam und Europa. In meinem Buch "Kreuzzug und Djihad", worin ich diese Geschichte in acht Epochen rekonstruiere, versuche ich die Pirenne-These neu aufzunehmen und schlage vor, das Verhältnis des Islam zu Europa als ein solches der jahrhundertelangen gegenseitigen "Bedrohung und Faszination" zu deuten. Beide haben einander bedroht, sei es durch Djihad-Eroberung, Kreuzzüge oder Kolonisation, zugleich aber auch einander kulturübergreifend befruchtet, zivilisatorische Anleihen gemacht, sei es durch die Übernahme des Hellenismus im mittelalterlichen Islam, sei es durch den Einfluss des islamischen Rationalismus auf die europäische Renaissance. Wir können die Muslime, die heute in Europa leben, in diese Geschichte einordnen. So spricht der US-Islamexperte John Kelsay etwa von "islamischen Enklaven, die sich in Europa befinden, nicht aber zu seiner Kultur gehören". Lässt sich zwischen beiden eine Brücke finden, so wie Europa und der Islam es früher geschafft haben? Im Jahre 1992 habe ich als Reform-Muslim in Paris mein Konzept vom Euro-Islam (mehr hier und hier) vorgestellt, den ich als eine euro-islamische Brücke verstehe.

Ist es möglich, hierüber frei zu reden? Als Muslim, der als Immigrant in Europa lebt und in den USA forscht, habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich in Amerika bei diesem Thema mehr Redefreiheit habe. So habe ich in Projekten in Berkeley und Cornell zwischen 1998 und 2006 mein Konzept weiter entfalten können. Dagegen wurde mein Euro-Islam in Deutschland - etwa von einem Orientalisten in der Süddeutschen Zeitung als "Ein-Mann-Sekte des Prof. Tibi" verfemt. Worum geht es?

Bevor ich dies näher erläutere, möchte ich en passent richtigstellen, dass Tariq Ramadan heute von Euro-Islam ohne Quellenangabe spricht und aus meiner Perspektive das Konzept verfälscht. Für die islamische Zuwanderung habe ich in Berkeley die Formel "Muslim Europe or Euro-Islam?" geprägt. Dies ist auch der Titel des Buches, in dem die Ergebnisse des Projektes enthalten sind, und in dem die Spannung zwischen Islamisierung und Europäisierung erläutert wird. Der Euro-Islam, so wie ich ihn geprägt habe, beansprucht, diese Spannung durch kulturübergreifende Befruchtung zu überwinden. Worum es hierbei geht und wie und wo das Konzept Euro-Islam entstanden ist, bildet den Gegenstand der folgenden Ausführungen.

Im November 1992 tagten in Paris am Institut du Monde Arabe Experten, die neue Konzepte für den Umgang mit Assimilation und Integration suchten. Das bisherige Konzept der Assimilation als Voraussetzung für eine "Citoyennite" funktionierte nicht mehr aufgrund des Ansturms der neuen Migranten aus der Welt des Islam, die auf ihrer kulturellen Identität beharren und Geltung für sie in Europa forderten. Deshalb empfahlen diese Experten, die Assimilation zugunsten des in Paris vorgelegten neuen Konzeptes der Integration aufzugeben. Integration erfordert keine kulturelle Selbstaufgabe durch totale Anpassung, sondern lediglich die Teilnahme an der Werteorientierung der Zivilgesellschaft. Anders als bei der Assimilation wird die Integration hier lediglich auf die Annahme einer Bürgeridentität in einer Zivilgesellschaft beschränkt; es geht um die Rechte und Pflichten des "Citoyen". In Paris lautete die Frage deshalb: "Integration ou insertion communautaire?" Das ist auch der Untertitel des Buches, das mein Euro-Islam-Papier enthält, welches ein Integrationskonzept bietet. Der Islam stand im Mittelpunkt der Debatte, weil die Muslime inzwischen etwa zwölf Prozent der französischen Bevölkerung ausmachen und somit die größte Einzelgruppe unter den Migranten stellen.

Auf dieser Pariser Tagung legte ich erstmalig in Europa mein Konzept des Euro-Islam dar, das deshalb in dieser französischen Debatte zu verorten ist. Der Begriff Euro-Islam wurde in meinem Paper "Les Conditions d?une Euro-Islam" geprägt, und erschien später in dem politikberatenden Band "Islams d'Europe: Integration ou Insertion Communautaire". Über den Pariser Event berichtete die FAZ am 7. Dezember 1992 in einem Artikel "Euro-Islam oder Ghetto-Islam? Muslimische Einwanderer und Integration in die EU-Länder". Auch das Time Magazine erkannte 2000 die Herkunft des Euro-Islam.

Das Konzept beruht auf Beobachtungen, die ich in den achtziger Jahren in Westafrika machte. Dort stellte ich eine Afrikanisierung des Islam fest. Unter Berücksichtigung der Erkenntnis, dass der Islam in Westafrika trotz seiner arabischen Herkunft nicht fremd und autochthone Kultur geworden ist, fragte ich, ob nicht analog hierzu auch eine Europäisierung des Islam in Europa angestrebt werden könnte. Hierdurch würde man erreichen, was in Afrika Realität ist und in Europa fehlt, nämlich eine Indigenisierung, also ein Heimischwerden des Islam. Im Vergleich zu Afrika ist der Islam der Migranten in Europa äußerst fremd geblieben, weil er nicht europäisch ist. (Ich erlaube mir einen Literaturhinweis über die Vorgeschichte: sie ist in Kap. 12 der 2003-Neuausgabe meines Buches "Im Schatten Allahs" zusammengefasst.) Die zentrale Frage lautet also: Könnte der Islam durch eine Europäisierung in Europa heimisch, also europäisch werden, so wie er afrikanisch im Senegal oder südostasiatisch in Indonesien ist? Wie könnte dies bewerkstelligt werden?

Um es gleich zu Beginn klarzustellen: Ein Euro-Islam ist ohne eine kulturelle Anpassung, die religiöse Reformen erfordert, wohl nicht möglich. Diese Aufgabe leistet Tariq Ramadan nicht. Inzwischen wird - parallel zur inhaltlichen Entleerung - viel Unfug mit dem populär gewordenen Begriff Euro-Islam betrieben. Nicht nur Tariq Ramadan geht schwammig mit dem Konzept des Euro-Islam um, auch Olivier Roy gibt dem Begriff eine völlig andere Bedeutung, ohne mit einem Wort auf die Herkunft einzugehen.

Im Falle von Tariq Ramadan wird ein orthodoxer Islam ohne Europäisierung, vermutlich als eine Art Täuschung, als Euro-Islam präsentiert. Um es klarzustellen: Der Islam kann nur dann europäisiert werden, wenn Konzepte des Salafismus wie etwa Schari'a und Djihad sowie die Vision einer Islamisierung durch Da'wa und Hidjra durch religiös-kulturelle Reformen aufgegeben werden. Nur ein Islam, der in Einklang mit den Grundinhalten der kulturellen Moderne (Demokratie, individuelle Menschenrechte, Zivilgesellschaft, Pluralismus) steht und die Werteorientierung des Pluralismus annimmt, verdient es, als Euro-Islam bezeichnet zu werden. Eine weitere Klärung besteht darin, dass sich das Konzept des Euro-Islam ausschließlich auf Europa bezieht, also anders als die frühere universelle Vision der Verwestlichung der Welt einschließlich der Welt des Islam kein Universalismus ist.

Muslime, die auf Dauer in Europa leben, sowie Länder (etwa die Türkei), die zu Europa gehören wollen, sind der Gegenstand des Arguments von der Europäisierung. Es handelt sich um eine Vision eines Euro-Islam, die noch nicht Realität geworden ist. Natürlich gibt es auch die islamische Umwelt Europas. Die EU betrachtet die Welt des Islam als "European Neighborhood". Positiv könnte die Integration der Muslime in Europa zur Demokratisierung dieser europäischen "Neighborhood" beitragen.

Selbst Muslim und Migrant, erkenne ich, dass Europa eine zivilisatorische Identität hat und das Recht, diese zu bewahren. Das ist nicht gegen die Muslime gerichtet, weil die Idee Europas inklusiv ist; sie kann die Identität der Zuwanderer berücksichtigen, jedoch mit der Erwartung einer Anpassung ohne Selbstaufgabe. Islam und Europa zusammen macht in diesem Sinne: Euro-Islam. Es ist dümmlich, wenn Garton Ash die Reform des Islam in Europa mit der Forderung an die Muslime verwechselt, ihre Religion aufzugeben. Dies würde niemand tun. Er dient sich so nur Ramadan an. Solche Europäer braucht Europa nicht.

Eine demokratische und aufklärerisch verstandene Identität Europas ist also als eine inklusive europäische Identität zu deuten, die eine Europäisierung für den Islam in Europa, auch bei einer EU-Erweiterung, vorsieht. Als Muslim habe ich die Wertschätzung Europas als "Insel der Freiheit in einem Ozean der Gewaltherrschaft" von meinem jüdischen Lehrer Max Horkheimer gelernt. Horkheimer war ein Überlebender des Holocaust und kennt die andere Seite Europas. Hier geht es nur um das Europa der Freiheit.

Mit der Europäisierung des Islam wird eine kulturelle Synthese angestrebt. Diese Euro-Islam-Debatte hat durch den Mord an dem Filmemacher van Gogh, die Terroranschläge von Madrid und London sowie die islamische Intifada von Paris und schließlich den Karikaturenstreit eine Aktualität bekommen, die nicht durch Personifizierung und Polemiken deformiert werden darf. Die Islamisten haben mehrfach eine Kriegserklärung an Europa ausgesprochen. Die Presse hat verschwiegen, dass im an der Leiche van Goghs befestigten Brief der Satz stand: "Europa, jetzt bist du dran". Diese Information verriet der niederländische Ministerpräsident Balkenende in Rotterdam im Dezember 2004 bei einem Europa-Treffen.

Im Schatten des Schächter-Mordes von Amsterdam hat das niederländische Nexus-Instituut ein großes europäisches und transatlantisches Dialog-Projekt mit Unterstützung der Niederländischen Regierung über die Europa-Idee durchgeführt (die Niederlande hatten 2004 den EU-Vorsitz inne). In diesem Rahmen wurden in mehreren europäischen Städten zwischen Berlin, Warschau und Rotterdam Dialoge durchgeführt. Die Idee eines Euro-Islam wurde in das Projekt mit dem einladenden Titel "Europe, a Beautiful Idea?" aufgenommen.

Europa hat trotz seiner hässlichen Kolonialgeschichte, der zwei Weltkriege und der NS-Verbrechen auch eine andere Seite: Das ist das Europa der Freiheit, der individuellen Menschenrechte, der Demokratie, des Pluralismus und der Zivilgesellschaft; das ist eine schöne Idee, die auch von Nicht-Europäern, also auch von Muslimen, geteilt werden kann. Wie bereits angeführt, habe ich als muslimischer Immigrant diese Idee bei einem Holocaust-Überlebenden, Horkheimer, kennengelernt. Das Konzept des Euro-Islam ist ein Versuch, die Europa-Idee für Muslime als "europäische Identität" im Rahmen einer Synthese mit dem Islam schmackhaft zu machen. Auf Holländisch fragte ich in meiner Präsentation in Rotterdam, ob Muslime nicht nur juristisch europäische Bürger werden, sondern darüber hinaus - also durch Aneignung der europäischen Werte, Orientierung am Rahmen eines Euro-Islam - "Citizens of Heart" werden können?

Bei dieser Diskussion müssen Islam und Islamismus voneinander unterschieden werden. Islam ist eine Religion und ein kulturelles System, dagegen ist der Islamismus eine totalitäre Ideologie. Europa hat auf der Basis seiner kulturellen Moderne die Aufklärung als "Entzauberung der Welt" und in diesem Rahmen einen Werte-Universalismus hervorgebracht, der weder ethnisch noch religiös und somit inklusiv ist. Ich wiederhole, dass die angeführte Inklusivität darin besteht, offen für die Aufnahme anderer zu sein. Das ist kein akademisches Gerede im negativen Sinne, sondern eine zivilisatorische Realität, die ich als Muslim und Araber aus meinem eigenen Leben in Europa kenne. Die Inklusivität ist die europäische Leistung im Kontext der Migration. Die Leistung der Migranten könnte in dem Versuch bestehen, ihre Identität mit Europa und dem dazugehörigen kulturellen System in Einklang zu bringen. Der Euro-Islam ist eine Vision, die beansprucht, diese Leistung zu erbringen. Trotz vieler anderslautender Behauptungen ist die Europa-Idee nicht christlich, sie ist säkular und hat im Hellenismus ihre Quellen. Derselbe Hellenismus gehörte auf dem Höhepunkt der islamischen Zivilisation zu den Quellen des mittelalterlichen islamischen Rationalismus. Somit liegt eine Brücke vor.

Ein Muslim kann Europäer werden, ohne Christ zu sein und ohne eine ethnische Verwurzelung zu haben. Voraussetzung hierfür ist alleine, die europäischen Werte, die im Kontext von Renaissance, Reformation, Aufklärung und Französischer Revolution als Werteorientierung entstanden sind, zu übernehmen; dabei kann man Muslim bleiben. Wie können Muslime vollen Herzens europäische Bürger werden und für das Projekt "Europe, a Beautiful Idea?" eintreten, ohne aufzuhören, Muslime zu sein? Die Islamisten, die sich in die Islam-Diaspora eingenistet haben, teilen diese Auffassung vom "schönen Europa" nicht: sie propagieren, dass Integration in Europa eine Tarnung für Christianisierung ist und lehnen sie ab. Die Islamisten wollen nicht Integration, sie wollen Europa durch Djihad islamisieren. Die Europäer können dies nur zusammen mit den Euro-Muslimen verhindern. Und in diesem Konflikt ist es von zentraler Bedeutung, inhaltlich genau zu bestimmen, was Euro-Islam ist.

Viele europäische Politiker bekennen sich in ihren Reden zur Idee Europas, aber nehmen sie sich und ihre eigenen Aussagen auch ernst? Viele Muslime, die in Europa als europäische Bürger leben, zweifeln an Europa als einer Wertegemeinschaft und somit an der Vision eines Euro-Islam, weil die Europäisierung der islamischen Herausforderung als Inklusion propagiert wird; Taten folgen dieser Rhetorik aber nicht.

Nun ist es als positiv einzuschätzen, dass heutige Europäer sich vom bisherigen Eurozentrismus abwenden, jedoch leider nicht immer zum Besseren, denn viele von ihnen verleugnen heute die Geltung der europäischen Werte. Die Debatte im Perlentaucher, bei der eine Verfemung der Aufklärung als Fundamentalismus zu beobachten ist, zeigt nicht nur eine geistige Verwirrung, sondern auch eine Orientierungslosigkeit. Ein postmoderner Werterelativismus ist nicht die Öffnung, die Europa benötigt. Die Vision eines Euro-Islam steht im Kontrast zum Werte-Relativismus der heutigen Europäer: Erstens, auf Ebene der EU als Wertegemeinschaft. Dies unterstellt eine Verbindlichkeit für die Geltung europäischer Werte, die vom Islamismus nicht geteilt werden. Der gemäßigte Islamist Hasan Hanafi hat auf einem Europa-Treffen in Madrid richtig erkannt, dass Europa in einer Krise sei und unter Orientierungslosigkeit leide. Er schlug den Islam als Lösung für Europa vor! Ist das die Lösung, die Europäer und Muslime verbinden kann? Ich fürchte nein!

Im Rahmen des Zustroms von Muslimen aus Asien und Afrika, aber vor allem aus dem südlichen und östlichen Mittelmeerraum nach Europa, die zivilisatorisch als Identitätspolitik ein Kollektivbewusstsein entfalten, stellen manche Muslime in der Moscheevereinskultur den Anspruch auf eine Erweiterung des Dar al-Islam/Haus des Islam auf Europa. Im orthodoxen Islam dient Hidjra/Migration der weltweiten Verbreitung des Islam, so schreibt die Doktrin es vor.

Die faktische Entstehung von Parallelgesellschaften ist die erste Stufe in diese Richtung und es muss möglich sein, hierüber der Political Correctness zum Trotz offen zu sprechen. In diesem Zusammenhang entstehen Täuschungen. Wenn Tariq Ramadan, den Die Zeit als "Der Doppelagent" bezeichnet, Europa als Dar al-Schahada bezeichnet, dann tut er nichts anderes, als den Begriff für Dar al-Islam/Haus des Islam auf Europa als Territorium der islamischen Zivilisation zu übertragen. Die Implikation ist mehr als klar: Europa wird als ein Teil des Dar al-Islam gesehen und somit praktisch vereinnahmt, nur weil es sich für Muslime geöffnet hat. Auch der Londoner Imam Zaki Badawi, den die Königin ausgezeichnet hat, argumentierte auf dieser Linie, als er auf dem World Economic Forum in Davos sagte, dass ein Territorium, in dem Muslime leben, zu Dar al-Islam gehört. Gegen naive Europäer, gegen orthodoxe Salafisten, und gegen Islamisten versucht der Euro-Islam zu erreichen, dass der Islam ein Teil Europas wird und entsprechend seine Identität teilt, und nicht umgekehrt Europa islamisch wird.

Nun spricht auch der Chef der türkischen AKP, Tayyip Erdogan, von einer "gemeinsamen Werte-Gemeinschaft". Was ist das? Was sind die europäischen Werte, und was macht die Identität Europas aus? Muss die Aufgabe des Universalismus der Verwestlichung mit der Aufgabe einer europäischen Werte-Orientierung im Rahmen eines Werte-Relativismus für Europa selbst einhergehen? Dies sind Fragen, die im europäischen Diskurs von heute verschwiegen, ja tabuisiert werden. Ich nehme das Recht auf Redefreiheit in Anspruch, um zu enttabuisieren, wenn ich als Muslim, der Wahleuropäer geworden ist, über Europa spreche.

Trotz der Eskapaden von Bush bleibt Amerika das Land der Freiheit. So war es mir als Muslim möglich, in den USA die gestellten Fragen offener als in Europa selbst zu diskutieren. Das Konzept der Europäisierung des Islam beansprucht, Antworten auf die gestellten Fragen zu geben. Ich möchte das an der Berkeley University an den Zentren für Nahost- und für Europastudien erarbeitete Projekt "Islam and the Changing Identity of Europe" anführen, bei dem festgestellt wurde, dass der über Migration nach Europa eindringende Islam die zivilisatorische Identität Europas verändert. Die beiden Amerikaner, die dies feststellten, haben eine euro-islamische Herkunft: der Ägypter Nezar AlSayyad durch Nahost-Studien, der Spanier Manuel Castells durch Europa-Studien. Auf der Suche nach Lösungen des Konfliktes ohne eurozentrische Dünkel luden beide mich vor Jahren ein, mein Konzept des Euro-Islam als interzivilisatorische Brücke in ihr Projekt einzubauen. Das Ergebnis war das von den beiden Wissenschaftlern 2002 herausgegebene Buch "Muslim Europe or Euro-Islam?". Die mit einer Frage formulierte Formel bringt deutlich und unzweideutig die Perspektive von zwei konkurrierenden Optionen zum Ausdruck: Entweder europäisiert Europa den Islam oder der Islam islamisiert Europa. Zwei Universalismen stoßen aufeinander. Vor diesem Wettkampf der Modelle dürfen die Europäer die Augen nicht durch Schweigen und Zensur in Form von Political Correctness verschließen. Die Entwicklung findet ohnehin statt und würde auch weitergehen, wenn durch Schweigen und andere Methoden verboten wird, darüber zu reden.

Bei dieser Debatte über real stattfindende Prozesse geht es keineswegs um eine Konfrontation und erst recht nicht um eine Anfeindung des Islam. In Kenntnis dieser Gefahr habe ich als Muslim mit dem einstigen deutschen Bundespräsidenten Roman Herzog das Buch "Preventing the Clash of Civilizations" gegen Huntington mitverfasst.

Europäer können die bestehende Herausforderung durch eine Europäisierungspolitik beeinflussen. Anders als die universalistisch orientierte Ideologie der Verwestlichung beschränkt sich das Konzept der Europäisierung alleine auf die Geltung europäischer Werte und Standards für Europa selbst, also innerhalb des europäischen Territoriums. Anders als Islamisten oder orthodoxe Muslime behaupten, gehört Europa gewiss nicht zu Dar al-Islam; es hat seine eigene Identität, die nicht-islamisch ist. Die damit verbundene Forderung lautet: Wer nach Europa will, muss zu seinem Gemeinwesen und der entsprechenden Werteorientierung als demokratischem Konsens gehören wollen, also europäisch werden und somit an der zivilisatorischen Identität teilhaben, nicht umgekehrt: also Europäisierung, nicht Islamisierung. Wenn dies zu einem politischen Konzept der EU wird, verbunden mit dem politischen Willen es auch durchzusetzen, dann würden die islamischen Enklaven der Moscheevereinskultur oder Parallelgesellschaften in Stadtteilen mit türkischen oder anderen vernehmbar nicht-europäischen Flaggen nicht mehr geduldet werden. Die Alternative zu dieser kulturellen Segregation ist die inklusive Europäisierung, nicht Ausgrenzung. Dies gilt auch für die islamische Türkei, die in die EU will.

Mein Denken über die Europäisierung des Islam in der europäischen Diaspora wurde an der Elite-Hochschule Cornell University weiter entfaltet. Unter der Leitung des deutschstämmigen Prof. Peter Katzenstein haben wir das Projekt "Transnational Religion and Accession" durchgeführt. Darin geht es nicht nur um den Islam, sondern auch um das östlich-orthodoxe Christentum. Zu den Annahmen des Projektes gehört, dass "accession", d.h. Aufnahme in die politische Kultur der EU, eine "Europeanization" in dem beschränkten beschriebenen Sinne, also nur für das Territorium der EU, erfordert. Nach säkularen Maßstäben wird Europäisierung von Religion und Ethnizität getrennt und allein an die Werte der Demokratie, der individuellen Menschenrechte und Zivilgesellschaft gebunden.

Dass dieses Konzept nicht eurozentrisch ist, zeigt bereits die mögliche Synthese von Islam und Europa im Rahmen eines europäisch interpretierten Islam zu einem Euro-Islam, für den ich seit anderthalb Jahrzehnten eintrete. Wenn es dabei einen europäischen Dünkel gäbe, hätte die türkische, in Istanbul erscheinende Zeitschrift Turkish Policy Quarterly meinen Aufsatz aus dem angeführten Cornell-Projekt mit der hier vertretenen These über Europäisierung als Kriterium nicht nur für die Aufnahme der Diaspora-Türken als europäische Bürger, sondern auch der Türkei in die EU, nicht veröffentlicht. Aber der Text erschien in Istanbul und fand dort Zustimmung. Aber weder die heutige, von AKP-Islamisten regierte Türkei noch der von Milli Görüs beherrschte Islam-Rat Deutschlands mögen diese Idee; sie erfüllen dieses Kriterium der Europäisierung nicht - dies sehen aufgeklärte Türken auch so, mit denen ich bei mehrfachen Besuchen in Ankara kommuniziert habe.

Bei der Diskussion über eine euro-islamische Wertegemeinschaft und den politischen Willen zur Europäisierung des Islam möchte ich mit einem Rückgriff auf den letzten großen islamischen Philosophen, der vor 600 Jahren verstorben ist, zurückgreifen. Dieser islamische Denker Ibn Khaldun prägte den Begriff Asabiyya (das ist der Esprit de Corps), um daran die Stärke und Schwäche jeder Zivilisation zu messen. Nach Ibn Khaldun ist Asabiyya das Werte-Bewusstsein einer Zivilisation.

Wie stark ist die europäische Assabiya? Nur wenn eine Europäisierung als demokratischer Weg zur Bewältigung der islamischen Herausforderung gelingt, kann man von einer starken europäischen Asabiyya im Sinne Ibn Khalduns sprechen. Es geht um die Einbindung Europas in eine pluralistische Welt als zivilisatorische Entität, die eine eigene Asabiyya hat, das heißt, die weiß, was sie zivilisatorisch ausmacht und die dadurch für andere offen bleibt, dass sie sie inklusiv mittels Europäisierung in ihr Gemeinwesen aufnehmen kann. Europa ist in der Tat mehr als eine Wirtschafts- und Handelsgemeinschaft, Europa als "beautiful idea" ist es wert, bewahrt zu werden. Dies ist auch mit islamischer Beteiligung möglich, wenn die Vision vom Euro-Islam zum Politikkonzept wird. Die Arbeit an der Bewahrung Europas mit islamischer Beteiligung ist eine Friedenspolitik für das 21. Jahrhundert.

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Bassam Tibi, 1944 in Damaskus geboren und seit 1976 deutscher Staatsbürger, lehrt Internationale Beziehungen in Göttingen und ist parallel A.D. White Professor-at-Large an der Cornell University. Er ist Autor des in vielen Auflagen erschienenen Buches "Europa ohne Identität?" (Siedler Verlag)

Pascal Bruckner hat mit seiner Polemik gegen Ian Burumas Buch "Murder in Amsterdam" und einen Artikel Timothy Garton Ashs eine internationale Debatte ausgelöst. Alle Artikel zu dieser Debatte finden Sie auf Deutsch hier, auf Englisch hier.

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