Kinky Friedman ist tot. Sein Leben können eigentlich nur die Coen-Brüder verfilmen, ist Harry Nutt in der FR überzeugt. "Für deren Spaß an anarchischen Charakteren jedenfalls wäre der Countrysänger, Krimiautor und spätberufene Politiker Kinky Friedman eine unerschöpfliche Fundgrube. ... Dick auftragen und mit Sanftheit verblüffen - seit seiner frühen Karriere fiel Friedman dadurch auf, dass seine Gesamterscheinung nicht unter einen Hut zu bringen war. Mitte der 70er Jahre posierte er mit wechselnden Kopfbedeckungen, Schnauzer, dicker Zigarre, weit aufgerissenem Hemd und glitzerndem Ohrring und erschreckte als Outlaw die konservative Country-Szene." Auch in allen übrigen politischen Milieus eckte er an: "Seine Humorfarbe triebe heute noch Röte in die Gesichter seines Publikums, vor allem die Farbe der Empörung stiege vielen hoch", schreibt Karl Fluch im Standard: "Kinky Friedman war ein Allrounder auf dem weiten Feld der Satire."
Andreas Platthaus kann dem in der FAZ nur zustimmen: "Friedman war politisch stets seine eigene Partei." Mit gepfeffertem Sarkasmus wie in Songs wie "They Ain't Making Jews like Jesus anymore" stieß er auf "ein begeistertes Publikum - und schäumende Empörung. Denn Friedman betonte seine jüdische Herkunft mit einem Selbstbewusstsein, das unüblich war - selbst sein Vater mokierte sich darüber - und ihm diverse antisemitischeHassattacken zuzog. Aber so hart er auch austeilen konnte, so empfindsam kommen manche seiner Lieder daher. Sein Verständnis von Countrymusik berücksichtigte auch die melancholischeTradition des Genres."
Weiteres: Im taz-Gespräch mit Andreas Hartmann erinnert sich Fan Ernst Ludwig an die Metalszene in der DDR. tazler Johann Voigt plaudert mit Ron Schindler über das Splash, das größte Hiphop-Festival Deutschlands. Besprochen werden die Compilation "Tránsitos Sónicos" mit elektronischerMusikperuanischerKomponisten aus den Jahren 1964-1984 (The Quietus), die auf Paramount+ gezeigte Doku "How Music Got Free" über die Geschichte der Musikpiraterie im Netz (TA), ein Konzert des Geigers GuidoSant'Anna in Wiesbaden (FR), der Auftritt von KingsofLeon beim Lido Sounds Festival in Linz (Presse, Standard), RodStewarts Konzert in Zürich (NZZ) und neue Musikveröffentlichungen, darunter "Night Reign" von AroojAftab (Standard, mehr dazu bereits hier).
Jeffrey Arlo Brown dringt für VAN tief vor in den Klangkosmos von GeorgFriedrichHaas' "11.000 Saiten", bei dem fünfzig Klaviere, die je minimal abweichend voneinander gestimmt sind, gleichzeitig spielen: "Zum ersten Mal seit sehr langer Zeit erlebe ich einen Klang, den ich noch nicht kenne." Diese Klaviere "produzieren einen Klang, der in meiner Vorstellung dem nahekommt, was eine Arbeitsbiene im Inneren des Bienenstocks hört, mit dem Gewicht und der Gewissheit von etwa 120 Millionen Jahren Evolution auf dem kleinen pelzigen Rücken. Es fühlt sich an, als wäre man eine der 3.500 inneren Haarzellen des menschlichen Ohrs, ein winziger Teil eines komplexen Leitersystems, das Schwingungen in elektrische Signale umwandelt. Oder als sitze man mitten in einem Teilchenbeschleuniger und könne die Quarks mit der Hand berühren. Manchmal scheint es, als ob sich die klangliche Energie des Stücks genau in der Mitte des Gashouders, wo niemand sitzt, sammelt und in jedem Moment das Dach des imposanten Bauwerks wegblasen könnte."
Ganz ähnlich geht es tazler Diedrich Diederichsen mit dem Album "In the Merry Month of May" des US-Dronekünstlers TonyConrad mit der irischen Komponistin JenniferWalshe: "Man wird weggeblasen - aber es ist keine Verstärkerwand in der Nähe, kein überblasenes Saxophon. Und zum anderen wurde eine Songform erfunden, deren textliche Seite nicht das Gedicht ist, sondern der einzelne Satz oder auch nur eine Interjektion: wie in der von britzelnden 'konkreten' Streichersounds voran getriebenen Panik-Studie 'Oh My God', in der Walshe ihre vokalen Schauspieltalente auf die Spitze treibt. Der Bass aber zerreißt uns in dem, nun ja, Rock-Hit 'Well You Would' und in 'Dance Dance' - eine Bassgitarre kann das jedoch nicht gewesen sein. ... Tatsächlich fragt man sich während dieses Sturms die ganze Zeit, was einem da einerseits vertraut und andererseits überwältigend unvertraut klanglich um die Ohren fliegt, ähnlich wie bei der Musique concrète instrumental eines Helmut Lachenmann."
Außerdem: Merle Krafeld warnt in VAN vor den Folgen des sich in den nächsten zehn Jahren wahrscheinlich noch deutlich verschlimmernden Musiklehrkräftemangels: "Der Klassik droht so eine weitere Zementierung des Status als elitärerEnklave." Dass die öffentliche Kulturförderung künftig an Honoraruntergrenzen geknüpft sein soll, ist für freieMusiker einerseits eine gute Nachricht, schreibt Anna Schors in VAN, andererseits könnten die dadurch steigenden Kosten auch dazu führen, dass insgesamt wenigerProjektegefördert werden. Franziska Dürmeier erzählt in der SZ von ihrer Begegnung mit dem Jazzmusiker MakayaMcCraven. Volker Hagedorn schreibt in VAN über Bruckner, der vor 200 Jahren geboren wurde. Tilman Krause reist für die Welt auf den Spuren von BedrichSmetana durch Tschechien. Hans Well schreibt in der SZ zum Tod des bayerischen Liedermachers Fredl Fesl. Andreas Platthaus schreibt in der FAZ zum Tod von KinkyFriedman, dessen Tod gestern Abend gemeldet wurde.
Besprochen werden Daniel Dreppers und Lena Kampfs Buch "Row Zero" über Gewalt und Machtmissbrauch in der Musikindustrie (NZZ), die Amazon-Doku "I am: Céline Dion" (Welt, Standard) und Mary Ocher Superstars Album "Your Guide to Revolution" (taz).
In der FAZ fasst Kira Kramer noch einmal das Hin und Her der Fusion zusammen, dem insbesondere für die Berliner Partyszene wichtigen Musik- und Workshopfestival in der mecklenburg-vorpommerschen Provinz: Zuerst hatte sich das Festival nach dem 7. Oktober eher solidarisch mit den Opfern gezeigt, dann aber doch zurückgerudert und, nach einer Folge zahlreicher Proteste von allen Seiten, einen lauwarmenKompromiss präsentiert, bei dem irgendwie alle umarmt werden sollen, auch diejenigen, die Israelis fast schon per se für Völkermörder halten. "'Ferienkommunismus' will die Fusion ihren Besuchern bieten, eine Parallelgesellschaft, die frei ist von Zwängen, so steht es seit vielen Jahren in den Statuten der Veranstaltung. Dabei war der gemeinsameEskapismus in Musik, Kunst, Performance (und Rauschmittel) immer schon auch ein politischer. Doch als Betreiber so kurz vor dem Festivalbeginn eine Kehrtwende in der Positionierung hinzulegen, die man selbst nicht einmal als solche erkennt, spottet all jenen, die im aktuellen politischen Klima um ihre Sicherheit bangen - und nicht zuletzt auch allen Besuchern, die sich auch auf der Grundlage der im Februar getroffenen Aussagen zu einem Festivalbesuch entschieden haben."
Weiteres: Gerald Felber besucht für die FAZ die Proben von ConcertoKöln und den DuisburgerPhilharmonikern, die aktuell die erstmalige Aufführung der Urfassung von AntonBruckners vierter Symphonie auf historischen Instrumenten vorbereiten. Oliver Voß fasst im Tagesspiegel die urheberrechtlichen Kontroversen um musikgenerierende KI-Plattformen wie Uido (mehr dazu hier) zusammen. Manuel Brug erzählt in der Welt von seiner Begegnung mit dem gerademal 24 Jahre alten finnischen Dirigenten Tarmo Peltokoski. Joachim Hentschel schaut für die SZ auf die Renaissance von Folk- und Country-Music unter dem Vorzeichen einer Umdeutung zugunsten eher rebellisch-linker Haltungen, was wiederum manchen, eher konservativen Teilen des Publikums nicht immer gut mundet. Michael Zirnstein schreibt in der SZ einen Nachruf auf den bayerischen Liedermacher Fredl Fesl. Besprochen wird ein Konzert von TheNational in Wien (Standard).
Jakob Biazza ist in der SZ ziemlich umgehauen davon, was mit der neuen AI-PlattformUido in Sachen Musikgenerierung mittlerweile möglich ist - während alteingesessene Musikproduzenten bereits graue Haare und Zukunftsangst bekommen. Denn "buchstäblich jeder kann ab sofort ohne Vorwissen, Übung, Equipment oder irgendein Handwerk zu beherrschen Musik erschaffen, die um Welten besser sein wird als der Kram, den selbst semiprofessionelle Komponisten zustande bringen." Für die Produzenten von Gebrauchs- und Filmmusik kein gutes Omen. "Und der Pop? Der echte, in dem Künstler heute noch auf Bühnen stehen, verhaltensauffällige Personas in die Welt tragen und mit Schreibblockaden in muffigen Studios herumwimmern? Schwer zu sagen. Er könnte störrisch bleiben. Hängt auch von den Fans ab. Und von den Leuten, die heute schon Musikhören, ohneFanszusein. Die Playlists laufen lassen, ohne sich weiter um deren Inhalt zu scheren. Denen heute schon egal ist, ob da gerade Ariana Grande singt oder Dua Lipa."
Außerdem: Für die taz hat sich Johann-Vincent Slawinski mit der in Berlin lebenden französischen Popsängerin SofiaPortanet zum Gespräch getroffen. Reinhard J. Brembeck porträtiert in der SZ den Saxofonisten AndréSchnura, der aktuell den EM-Fanmeilen mit seinem Spiel einheizt und dabei die Herzen auf Social Media gewinnt. Thomas Mießgang erinnert in der Zeit an den Protestsänger SigiMaron, der dieses Jahr 80 geworden wäre.
Besprochen werden das Jazzalbum "Celebration" des MarkusStockhausenQuartetts (FR), das neue Album der KingsofLeon (Standard), ein Konzert der SmashingPumpkins in Wien (Standard) und StefanieSchranks EP "Schlachtrufe BRD", mit der sie sich nostalgisch an den DeutschpunkderNeunziger erinnert, aber gottlob ohne selber welchen zu spielen (Jungle World).
SZ-Kritiker Andrian Kreye ist ganz in den Bann gezogen von der Stimme der aus Pakistan stammenden, in Brooklyn lebenden und arbeitenden Sängerin AroojAftab. Diese ist "rauchig, von einer Melancholie getragen, die sich weder auf den Blues noch auf die Romantik bezieht, und vor allem mit einer Tragweite, die aus einer ganzen Strophe eine in sich geschlossene Melodielinie formen kann." Aus ihrer Heimat "brachte sie eine Musiktradition in ihr Studium an der Jazzhochschule Berklee mit, die sich im Zeitgefühl und Melodieverständnis nicht an den Taktungen und wohltemperierten Skalen des globalen Nordens orientierte." Ihr neues Album "Night Reign" versammelt zahlreiche Gastauftritte von unter anderem VijayIyer über MoorMother bis ElvisCostello und bietet "Musik, die Flächen liefert, keine Grooves, die entschleunigt, nicht treibt. Da kann eine Idee schon reichen, um mitzuhalten."
Joachim Hentschel erinnert in der SZ an das vor 40 Jahren erschienen Album "Purple Rain" von Prince: "Hier war alles von Anfang an da, tief und sofort spürbar, mit voller Absicht. Die existenzielleZukunftslust, zugleich das Bewusstsein für die Vergangenheit. Die Raserei, Geilheit, Spiritualität, der explosive Wille zur wilden ästhetischen Zeitenwende. Das Fegefeuer der Ehrgeizigkeiten. Es liegt an dieser unfassbarenGegenständlichkeit, an der Kühnheit der künstlerischen Intentionen, dass jede einzelne von ihnen heute noch zündet, wenn diese Platte läuft."
Weitere Artikel: Susanne Lenz fasst in der Berliner Zeitung die peinliche Seifenoper um die Fusion zusammen, die sich bei der Positionierung zum 7.Oktober und den Hamas-Anschlag auf das ihr durchaus wesensverwandte Supernova-Festival allseitig in Nesseln gesetzt hat. Stephanie Caminada porträtiert in der NZZ den Schweizer Musiker DinoBrandão. Besprochen werden das Konzert in Bautzen der Beatsteaks, die aktuell durch die alternativen Jugendzentren der Republik touren (taz), der Auftritt von AC/DC in Wien (Presse), DIIVs neues Shoegaze-Album "Frog In Boiling Water" (FR), ein Konzert des russischen Pianisten ArcadiVolodos in Wien (Standard) und Sumacs neues, experimentelles Metal-Album "The Healer" (Pitchfork),
Dorothea Walchshäusl porträtiert für die NZZ den seit 2022 im Schweizer Exil lebenden, ukrainischen Pianisten AlexeyBotvinov, der vor zehn Jahren das Festival OdessaClassics gegründet hat, das zum nunmehr dritten Mal im Ausweichort Tallinn stattfinden muss. Klaus Walter erzählt in der FR die Geschichte, wie die britischen und amerikanischen Soldatensender den Nachkriegsdeutschen den Pop nahebrachten. Bernhard Uske (FR) und (FAZ) schreiben zum Auftakt des RheingauMusikFestivals.
Besprochen werden das Konzert von AC/DC in Wien ("geil", jubeltStandard-Kritiker Karl Fluch), die Arte-Doku ""Finlandia - Sibelius' Hymne der Freiheit" (FAZ) und zwei neue Alben von K.I.Z. (SZ).
Der PauBrasil, Brasiliens Nationalbaum, ist vom Aussterben bedroht. Das hat auch mit der Klassikbranche zu tun, schreibt Ulrich Haider in VAN: Das Holz des Baums, Fernambuk, wird vor allem "im mittel- bis hochklassigen Bereich" für den Instrumentenbau verwendet. Nun könnte der Artenschutz für den Baum hochgestuft werden - was einige Orchester bereits auf den Plan ruft, um dies zu verhindern. "Aber was, wenn genau diese Forderung zum Aussterben der Art beiträgt? Wenn wir Fernambuk schützen wollen, wenn es uns wirklich und aufrichtig um diesen besonderen Baum geht, muss die Frage anders gestellt werden: Wie können Orchester und Bogenbauer mit der notwendigen Listung in Anhang I umgehen und gleichzeitig ihre Traditionbewahren? Und wäre es nicht ein großartiges Zeichen, wenn die Kultur mit ihrer Strahlkraft als Vorbild auftritt und die eigenen Befindlichkeiten dem Artenschutz unterordnet?" Natürlich ist zunächst mit einem organisatorischen Mehraufwand zu rechnen. Auch die Bürokratie wird zunehmen, denn ohne ein Zertifizierungsverfahren und eine transparente Lieferkette wird der illegale Holzhandel nicht einzugrenzen sein. ... Wir stünden vor der Aufgabe, im Dialog mit den politischen Entscheidungsträgern Lösungen zu finden, die einer überbordenden Bürokratisierung entgegenwirken."
Weitere Artikel: Für die WamSspricht Max Dax mit dem isländischen Pianisten Víkingur Ólafsson über Bach. Die Festivals, die im Sommer das Feierpublikum mit Kulturangeboten in die Natur locken, stehen unter immer größerem wirtschaftlichem Druck, schreibt Jonas Wahmkow in der taz. Jessica Ramczik schreibt in der Jungle World über das lange Hin und Her, das sich das Ende Juni in Mecklenburg-Vorpommern stattfindende Fusion-Festival nach dem 7. Oktober leistete, um letzten Endes doch bloß vor der israelkritischen Partymeute einzuknicken. Gunnar Meinhardt spricht für die WamS mit Leslie Mandoki. Besprochen wird ein Konzert des Jazzgitarristen Max Clouth in Frankfurt (FR).
In der NZZ freut sich Christian Wildhagen darüber, dass zwar immer mehr Komponistinnen dem Vergessen entrissen werden. Bislang ist diese Bewegung aber noch sehr akademisch und beschränkt sich oft bloß auf Abhandlungen. "Eine lebendigeRezeption in den Konzertprogrammen, in der sich der Nachlass früherer Epochen auf seine Repertoiretauglichkeit befragen liesse, findet zu wenig statt." Das ist "kein Wunder, solange die heutzutage gespielten klassischen Werke immer noch zu weit über neunzig Prozent von Männern stammen - die Beharrungskräfte des Musikbetriebs sind immens. ... Der Musikbetrieb wird sich folglich über kurz oder lang einer Selbstrevision unterziehen müssen. Sie ist ihm schon einmal geglückt: bei der barocken und vorbarocken Musik." Dazu passend befasst sich Georg Beck in einem großen VAN-Essay ausführlich mit der Komponistin MariaHerz, auf deren vor ein paar Jahren wiederentdeckte Arbeiten sich im Betrieb gerade viele stürzen (mehr dazu bereits hier, im Archiv des Dlf Kultur findet sich außerdem ein großes Feature über sie).
Außerdem: Maxi Broecking porträtiert für die taz den südafrikanischen Jazzmusiker NduduzoMakhathini, der gerade ein neues Album auf Blue Note veröffentlicht hat. Axel Brüggemann wirft für BackstageClassical einen Blick auf die Lage nach den Vorwürfen gegen François-XavierRoth. Der Geiger RenaudCapuçonspricht in der FAZ mit Jan Brachmann über die Musik von GabrielFauré, dessen Kammermusik er gerade mit eingespielt hat. In der FAZgratuliert Edo Reents Kinks-Musiker RayDavies zum 80. Geburtstag. Julian Weber schreibt in der taz einen Nachruf auf den No-Wave-Musiker JamesChance. In der Frankfurter Pop-Anthologie schreibt Jens Balkenborg über Beiruts Song "Nantes":
Besprochen werden CharliXCXs Album "Brat" (NZZ, mehr dazu bereits hier), ein Konzert von MikePattons Band Mr. Bungle in Berlin (Tsp), eine neue CD von OscarVerhaar mit Händel-Aufnahmen (VAN), ein Konzert der CamerataSalzburg mit HélèneGrimaud in Berlin (VAN), ein von HerbertBlomstedt dirigiertes Mozart-Konzert des Tonhalle-OrchestersZürich (NZZ), DIIVs neues Shoegaze-Album "Frog in Boiling Water" (taz) und das zweite Album der StaplesJr. Singers nach nur 50 Jahren (ZeitOnline).
Manuel Brug hält in der Welt spürbar wenig von der anhaltenden Kritik an TeodorCurrentzis, der sich zu Putins Krieg weiterhin nicht äußern will und gerade mit dem SWR-Symphonieorchester auf Abschiedstour ist. Aber auch ohne das SWR-Symphonieorchester "macht er einfach weiter - als freierGeist, nur sich selbst, seiner Musik und einem Publikum verpflichtet, das zum Glück selbst entscheiden kann, ob es ihn hören möchte. ... Und wenn, wie jetzt beim 'War Requiem', immer noch ein bohrender Zweifel über die 'Rechtmäßigkeit' wie 'Verhältnismäßigkeit' eines Currentzis-Konzerts bleibt, wenn man nicht weiß, ob man bedenkentragend sich doch einfangen lassen kann vom Ernst dieser Musik und ihrer exzellenten Ausführung, ob man befangen, distanziert oder emotional gerührt reagiert - diese Klänge und die Situation, sie zwingen zu einer Haltung. Oder zumindest zur genaueren Reflexion, zur Positionsbestimmung. Kann man in solchen Zeiten von Klassik mehr erwarten?"
Bestellen Sie bei eichendorff21!Weitere Artikel: Jens Uthoff spricht für die taz mit der Punk-Feministin KathleenHanna, die gerade ihre Autobiografie veröffentlicht hat. Im Tagesspiegelfreut sich Andreas Busche auf einen Aufritt der Postpunk-Feministin GünerKünier in Berlin. Jakob Thaller ist für eine Standard-Reportage nach Lignano gereist, wo der österreichische "Volks-Rock'n'Roller" AndreasGabalier vor 6000 Fans am Strand spielte. Philipp Bovermann hat sich für die SZ mit der Sängerin Leony getroffen, die den EM-Song "Fire" singt. Thomas Kramar schreibt in der Presse einen Nachruf auf den No-Wave-Musiker JamesChance.
Besprochen werden das Debütalbum des Rappers Pashanim(Zeit) und ein Auftritt von Ice-Ts Metalband BodyCount in Zürich (NZZ).
Die Kompositionen von MariaHerz lagen über 50 Jahre im Keller, bevor sie 2005 dort aufgestöbert wurden. Jetzt kann auch der Hörer sie auf zwei neuen CDs entdecken, freut sich Elmar Krekeler in der Welt. Sie sind "der Zukunft gegenüber aufgeschlossen, aufregend konservativ, trotzig und selbstbewusst, sich an nichts und niemand anbiedernd, des Populismus völlig unverdächtig, des Aufbrausens und der spröden Zartheit fähig. ... Das Klavier-, das Cellokonzert, die vier Orchesterstücke, die Orchestersuite, die jetzt vom Rundfunksinfonie-Orchester unter ChristianeSilber eingespielt worden sind, werden angetrieben vom Aneinanderreiben gegensätzlicher Linien und von einem rhythmischen Furor, einer emotionalen Energie, die man sich schwer entziehen kann." Zu hoffen bleibt dem Kritiker da nur, dass die Arbeiten nun "noch den Sprung aus den Reservaten der Raritäten-Alben in die Konzertprogramme schaffen". Wir hören rein:
Außerdem: Paul Jandl porträtiert für die NZZ den Wiener Liedermacher VoodooJürgens. Besprochen werden neue Veröffentlichungen von alten Platten der australischen Band Crime and the City Solution (Standard) und das neue Album von LennyKravitz, der für Standard-Kritiker Christian Schachinger "eine bodenständigeHacklerversionvonSuperstarPrince" darstellt.
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