Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Musik

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 31.10.2024 - Musik

Maxi Broecking hat für die taz mit der südkoreanischen Musikerin Sun-Mi Hong gesprochen, die heute mit ihrem BIDA Orchestra beim Jazzfest Berlin auftritt. Joachim Hentschel porträtiert für die SZ die Influencerin Kayla Shyx, die nun auch Musik macht. Karl Fluch freut sich im Standard auf das Konzert des Rappers Nas in Wien am kommenden Samstag. Besprochen werden das neue Album von The Cure (Freitag, mehr dazu hier) sowie Konzerte von Kim Gordon (TA), Cécile McLorin Salvant (FR) und Robert Plant (TA).
Stichwörter: The Cure

Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.10.2024 - Musik

Henrik Schütz liefert in der taz Eindrücke aus Georgiens Clubszene, die sich nach dem (von Vorwürfen der Wahlmanipulation begleiteten) Wahlerfolg der prorussischen Regierungspartei "Georgischer Traum" in Schockstarre befindet. Als Zufluchtsorte für die queere Szene und andere Außenseiter sind die Clubs dort seit einigen Jahren immens politisiert. "Alle waren davon ausgegangen, dass sie gewinnen würden. Dass sie endlich wegkommen von Russland. Dass Georgien eine Zukunft in der EU hat. Jetzt haben sie Angst vor der Zukunft. Erst im Sommer 2024 hatte die georgische Regierung ein neues Anti-LGBT-Propaganda-Gesetz verabschiedet - auch nach russischem Vorbild. Seitdem ist es in Georgien unter anderem verboten, sich öffentlich zu versammeln, um 'queere Identität zu fördern'. In Russland werden auf Grundlage dieses Gesetzes immer wieder Clubs gestürmt." Zuvor hatte Schütz im Dlf Kultur seine Eindrücke mit zahlreichen, eindrücklichen O-Tönen geschildert.

Weiteres: Maxi Broecking stimmt in der taz auf das morgen beginnende Jazzfest Berlin ein. Dort spielt am 4. November auch der Pianist Alfredo Rodríguez, mit dem Andrian Kreye in der SZ unter anderem über dessen kubanische Heimat spricht, die er vor 15 Jahren hinter sich gelassen hat, um sich in den USA ein Leben in Freiheit aufzubauen. Außerdem melden die Agenturen, dass das Morgan-Museum in New York in seinen Beständen einen mutmaßlich bislang unbekannten Chopin-Walzer entdeckt hat. Besprochen wird eine Neuauflage von Bronski Beats 80s-Album "The Age of Consent" (Standard). Darauf findet sich auch dieser Klassiker des queeren Synth-Pop:

Efeu - Die Kulturrundschau vom 29.10.2024 - Musik

Christian Schachinger hält im Standard Rückschau auf das Schaffen der Gothicband The Cure, die dieser Tage passend zu Halloween ein neues Album veröffentlicht. "Am Ende dieser verlorenen Welt steht der elfminütige Brocken 'Endsong'. Er geleitet uns nach einem mehrminütigen Intro, in das junge Leute heute ihre ganze Tiktok-Karriere unterbringen könnten, ins unabwendbare Finale." Denn "auch heute und morgen wird gestorben werden: 'I'm outside in the dark, wondering how I got so old / It's all gone, nothing left of all I loved.' Mit einer Gesangsausbildung wäre es von da zu Gustav Mahlers spätromantischer Tondichtung 'Ich bin der Welt abhanden gekommen' nicht mehr weit. Die Halleffekte, die angezerrten Gitarren und das Schlagzeug im Trauermarschduktus der aus der Gothic-Zeit herübergeretteten Tribal-Beats muss man sich wegdenken. Dafür schmelzen die Streicher wie Analogkäse dahin."



Weitere Artikel: Stefan Michalzik (FR) und Peter Kemper (FAZ) resümieren das 55. Frankfurter Jazzfestival in Frankfurt. Das Netz durchforstet diverse Popsongs nach verschlüsselten Botschaften auf den Skandal rund um den Rapper Sean "Diddy" Combs, der wegen massenhaften sexuellen Missbrauchs vor Gericht steht, berichten Heide Rampetzreiter und Eva Dinnewitzer in der Presse. Für die SZ porträtiert Sofia Paule den Berliner Indie-Musiker Berq, dessen "Sonnenfinsternis-Pathos" beim Hören zuweilen den Eindruck erweckt, "als bekäme man einen Dolch in den Gehörgang geschoben".



Besprochen werden Zaho de Sagazans Album "La symphonie des éclairs" (taz), ein Konzert des Elektronikfolk-Trios Gordan (taz), ein Auftritt von Alexandre Kantorow in Frankfurt (FR), ein Konzert des Klangforums Wien (Standard) und neue Popveröffentlichungen, darunter das neue Album der Pixies, das bei Standard-Kritiker Christian Schachinger auch nicht mehr verfängt als die anderen Alben der einst legendären Band in den letzten Jahren: "Austauschbarer Formatradio-Indiepop mit ein wenig Country- und Surf-Einschlag. Schade drum."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.10.2024 - Musik

Phil Lesh, der Bassist der Grateful Dead ist im Alter von 84 Jahren gestorben. Der klassisch ausgebildete Musiker, der vor seinem Bandeintritt nie einen Bass gespielt hatte, "entwickelte einen ganz eigenen singenden Bass-Sound", schreibt Detlef Diederichsen in der taz. Zudem "brachte er die Band auf ganz neue Ideen. ... Lesh spielte seinen Kollegen Charles Ives und John Coltrane vor, öffnete sie für die Vorstellung, dass Improvisation nicht nur reihum absolvierte Soli bedeuten muss, sondern auch im Kollektiv geschehen kann und dass die Regeln der Tonalität dazu da sind, gebrochen zu werden, wenn man neue Ufer erreichen will. Inspiriert von Berio hatte sich Lesh auch Kenntnisse in Tontechnik und Elektronik verschafft und prägte damit entscheidend 'Anthem Of The Sun', das 1968 veröffentlichte zweite Album der Band, das sich vom gängigen Songformat komplett verabschiedete."



Ohne Leshs Verdienst "hätte sich die Hippie-Kultur niemals bis heute auf den Konzertbühnen der westlichen Welt gehalten", ist Andrian Kreye in der SZ überzeugt. "Keine Band hat die endlos mäandernden Gedankenschleifen LSD- und gras-vernebelter Hippiehirne so kongenial in Musik umgesetzt." Und "ganz nebenbei und ohne darüber nachzudenken, revolutionierte Phil Lesh die Rolle des Bassgitarristen in einer Rockband. Im unteren Frequenzbereich eine neue harmonische und melodiöse Ebene zu eröffnen, mag heute selbstverständlich sein. Damals wagten das nur ganz wenige."

Außerdem: Daniel Gerhardt plaudert für Zeit Online mit Joy Denalane und Max Herre, die 25 Jahre nach ihrer gemeinsamen Hitsingle "Mit Dir" nun auch ein gemeinsames Album veröffentlichen. Jakob Biazza erzählt in der SZ von seiner Begegnung mit Bruce Springsteens Manager Jon Landau. Besprochen werden ein gemeinsames Konzert von Yuja Wang und Víkingur Ólafsson in Zürich (NZZ) und ein Mahler-Konzert des Orchesters Utopia unter Teodor Currentzis (VAN).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.10.2024 - Musik

Sade hat sich nach sechs Jahren Funkstille (14 Jahre sind es seit ihrem letzten Album) mit einem neuen Song "Young Lion" zurückgemeldet, freut sich Dirk Peitz auf Zeit Online. Das Stück ist ihrem Sohn gewidmet, der in den letzten Jahren seine Geschlechtsanpassung öffentlich dokumentiert hat, und "eine zutiefst menschliche Geste", denn hier zeigt sich "eine Mutter, die sich im Gegensatz zu vielen anderen Eltern nicht abwendet von ihrem einzigen Kind". Noch mehr haut ihn jedoch etwas anderes um, das "Wiederhören dieser Stimme ... Die Musik selbst ist zugleich anders als früher bei Sade, nämlich pompöser, und doch unverkennbar die von Sades Band. Deren anfangs unterschätzte Qualität (man hielt ihre Musik für irgendwie überkandidelten und zugleich dünnen Jazzpop) lag schon immer darin, vergleichsweise minimalistische Instrumentierungen extrem tight zu spielen: Sades Stimme, die alles übertönte, übertönen sollte, brauchte nur ein gutes Fundament aus Soul und Funk."



Jan Brachmann wundert sich in "Bilder und Zeiten" der FAZ, wie sehr Max Weber in seinen musiktheoretischen Schriften einen Sinn für "den Eigenreiz des Klaviers" vermissen lässt, wiewohl er sie in der "goldenen Ära" der Klavierkultur um 1900 herum verfasst hat. "Virtuosen wie Leopold Godowsky, Eduard Schütt, Moritz Moszkowski oder Adolf Schulz Evler entdeckten damals - in der Nachfolge Franz Liszts zwar, diesen aber an Finesse weit übertreffend - die Paraphrase auf Vokal- und Orchestermusik als Genre von eigenem Reiz. Ihre Beliebtheit allerdings ist gebunden an spieltechnische Kenntnisse des Publikums, das die manuelle Kunstfertigkeit nachvollziehen konnte, und an eine Kultur der Konversation, die geistvollen Austausch jenseits von Bekenntnissen oder Bekehrungsversuchen genoss. Der Radikalismus der klassischen Moderne mit ihren Manifesten und Visionen hatte für diese Kultur kein Verständnis mehr."

Weiteres: Julian Weber berichtet in der taz vom Elektro-Festival Insomnia im Norden Norwegens. Manuel Brug hat für die WamS einen gemeinsamen Tag mit dem Pianisten Kit Armstrong verbracht. Stefan Michalzik resümiert in der FR das 55. Jazzfestival in Frankfurt. Besprochen wird Thom Zimnys im Lauf mehrerer Jahre enstandene Tour-Doku "Road Diary: Bruce Springsteen and the E Street Band" (Zeit Online).

In der FAZ gratuliert Philipp Krohn dem Experimentalmusiker Hans-Joachim Roedelius zum 90. Geburtstag. Gemeinsam mit Dieter Moebius und Michael Rother schuf er in den frühen Siebzigern "Meilensteine des Krautrocks", darunter diesen zeitlosen:

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.10.2024 - Musik

Lars Fleischmann porträtiert in der taz die Freejazz-Drummerin Valentina Magaletti, die gegen allzu männliche Auffassungen des Schlagzeugspiels anspielt: "Es gibt ein feministisches Schlagzeugspiel", sagt Magaletti. Und "sie hat es selbst bereits vorgemacht: 2020 erschien ihr Debüt-Soloalbum mit dem Titel 'A Queer Anthology of Drums'." Darauf "begibt sie sich auf eine acht Stücke umfassende Improvisationsreise, die versucht, die Geschichte des Free Jazz und der experimentellen Musik neu zu erzählen. Schwirrende Glocken, krachende Becken, ein Tröpfeln, der Einfluss von (männlichen) Ikonen wie Sven-Åke Johansson, Han Bennink und Milford Graves sind deutlich zu hören, obwohl Magaletti gerade ihre eigene Geschichte avantgardistischer Solokünstler*innen erzählt."



Weitere Artikel: Manuela Enggist porträtiert für den Tagesanzeiger die Schweizer Musikforscherin Mirjam Wirz. In der Frankfurter Pop-Anthologie schreibt Jan Wiele über "Mmm Mmm Mmm Mmm" von den Crash Test Dummies.

Besprochen werden der Dokumentarfilm "Road Diary" über eine Tour von Bruce Springsteen (NZZ), ein Konzert von Víkingur Ólafsson und Yuja Wang in Wien (Standard) und die neuen Popveröffentlichungen der Woche, darunter "Cartoon Darkness" der australischen Punkband Amyl & The Sniffers (Tsp).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.10.2024 - Musik

Eleonore Büning resümiert für VAN die Donauerschinger Musiktage, bei deren Diversifikationstrategie unter der neuen Leiterin Lydia Rillng zwar durchaus "erste Gewinne zu verzeichnen sind". Andererseits wurde bei dem bewusst politisch gesetzten Anspruch auch "kein Tagesschauthema der Gegenwart ausgelassen". Ein "Unikat" gelang jedoch dem Pianisten Pierre-Laurent Aimard mit der Aufführung von Mark Andres Requiem "... selig ist...": "Man muss die Geschichte, die sich in diesem elektronisch generierten und live-elektronisch performten Klavierwerk verbirgt, nicht kennen, um von der Ausdruckskraft dieses multipel zusammengesetzten Machwerks erfasst zu werden. Was der Pianist aus dem offenen Korpus des Flügels an elektronisch erzeugten, aus O-Tönen extrahierten Klängen aufgreift und umsetzt, tönt im Ergebnis entzückend altmodisch, ergreifend brutal. Die Musik umkreist d-moll, Tonart der Finsternis. Es tropft Lamentosekunden, wie Spuren im Schnee. Es dröhnt verzweifelt, wie von Posaunen. Eine Tour de Force und ein Triumph." In der Zeit resümiert Hannah Schmidt das Festival.

Josephine Bastian unterhält sich für VAN mit der Geigerin Maiko Kawabata, die zu Rassismus in westeuropäischen Orchestern gegenüber Menschen aus asiatischen Ländern forscht: "Wir sehen das immer wieder: Wenn man die Lebensläufe bestimmter ostasiatischer Musiker mit denen weißer Kollegen aus einer ähnlichen Klasse oder mit ähnlichem universitären Hintergrund vergleicht und dann schaut, wer zum Probespiel eingeladen wird, dann sieht man, dass Ostasiaten viel, viel seltener eingeladen werden. Besonders auffällig ist, dass ostasiatische Frauen, die heirateten und einen europäischen Nachnamen annehmen, plötzlich öfter eingeladen werden." Auch "ist es in Deutschland nicht Standard, hinter einem Vorhang zu spielen. In der ersten Runde schon, aber in der zweiten und dritten dann nicht mehr. Und es ist bezeichnend, dass diejenigen, die in der ersten Runde die höchste Punktzahl haben, ausscheiden, sobald sie hinter den Vorhang treten - die Asiaten."

Jens Balzer porträtiert für die Zeit den französischen Superstar Zaho de Sagazan. In ihrer Heimat wird sie gefeiert, "weil sie die Tradition des Chansons so entschlossen modernisiert" und zugleich "das nach der Pandemie wieder so dringend gewordene Bedürfnis nach Enthemmung, Rausch und wenigstens temporärem Sich-selbst-Vergessen befriedigt." Aber auch, "weil sie sich allen Konventionen der körperlichen Zurichtung und Standardisierung entzieht, denen selbst die feministisch gelesenen Superstar-Sängerinnen unserer Gegenwart sich sonst so selbstverständlich unterwerfen." Sie könnte "das beste Role-Model werden für eine Generation, die des Zwangs zur Optimierung und zur stetigen Selbstneuerfindung überdrüssig geworden ist." In ihrer Kunst "siegt die Heiterkeit noch in den finstersten Augenblicken. Es ist eine Musik, die Widersprüche zum Tanzen bringt und die alles, was sich dem zu widersetzen versucht, im Gelächter vergehen lässt und in der Schönheit des Rausches und der Ambivalenz."



Weitere Artikel: Dorothea Walchshäusl spricht in der NZZ mit Daniil Trifonov über dessen neues Album. Jacob Greenberg widmet sich im VAN-Essay Raritäten von Charles Ives. Christoph Amend und Jochen Wegner sprechen für die Zeit mit Bryan Ferry.

Besprochen werden die Wiener Ausstellung zu 150 Jahre Arnold Schönberg (VAN), ein Berliner Konzert des Countertenors Carlo Vistoli mit der Akademie für Alte Musik (VAN), Nick Caves Auftritt in Zürich (NZZ, TA), Charli XCX' Neuauflage ihres aktuellen Albums "Brat" mit zahlreichen Gastauftritten (TA) und ein Auftritt von Lindsey Stirling (FR).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.10.2024 - Musik

Beinahe hätte ein Flugzeugschaden dem Debütkonzert des Lucerne Festival Orchestra unter Riccardo Chailly in der Elbphilharmonie einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nicht einmal eine Stunde vor Konzertbeginn traf das Orchester im Hause ein, berichtet Christian Wildhagen in der NZZ. Eine Hypothek angesichts der strengen Raumakustik des Saals, die jeden Fehler erbarmungslos transparent ans Publikum weitergibt? "Es ist faszinierend, zu hören, wie schnell und subtil das sonst im KKL Luzern beheimatete Ensemble auf den Saal reagiert: indem es nicht nur dynamische Härten im Tutti umgehend abmildert, sondern auch die Vorzüge des Raums spielerisch für sich zu nutzen beginnt, etwa die herrlich satten Bassresonanzen oder die außergewöhnliche Plastizität der einzelnen Instrumentengruppen. Dem schwerblütigen Ton des Violinkonzerts von Jean Sibelius kommt das sehr zugute. Gleichzeitig tritt der Solist, Daniel Lozakovich, fast mühelos aus den hoch aufbrandenden Klangwogen der Orchesterbegleitung hervor."

Außerdem: Wolfgang Sandner erinnert in der FAZ daran, wie der Jazzer Dizzy Gillespie 1964 US-Präsident werden wollte. Besprochen werden Alan Sparhawks Album "White Roses, My God" (taz), ein Jazzkonzert von Brad Mehldau in Wien (Standard), ein Konzert von Arooj Aftab in Heidelberg (FAZ.net), das neue Coldplay-Album (FR) und das neue Album der australischen Punkband Amyl & the Sniffers ("So herzhaft hat schon länger niemand gegeifert", schreibt Karl Fluch im Standard). Eine vom Online-Puritanismus unzensierte Version des unten eingebundenen, aktuellen Videos gibt es auf der Website der Band.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.10.2024 - Musik

Die Musikkonzerne fahren in Sachen KI merklich zweigleisig, beobachtet Benjamin Fischer (FAZ). Einerseits beschwört man den kreativen Funken im menschlichen Schöpfungsakt, ist aber auch den Vorzügen einer von KI zumindest gestützten Musikproduktion durchaus zugewandt: "Klare Regeln ja, aber bloß nicht als purer Blockierer dastehen, lautet die Devise."

Besprochen werden ein Konzert von Heinz Holliger mit dem Ensemble Modern (FR) und ein in Berlin gezeigtes Programm von Meret Becker mit Chansons von Barbara (FAZ).
Stichwörter: Musikproduktion

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.10.2024 - Musik

SZ-Kritiker Egbert Tholl staunt im Münchner Bergson-Kraftwerk über das dort installierte Vivace-Klangsystem. Diesem gelingt mithilfe eines ausgeklügelten Verhältnisses zwischen tonabnehmenden Mikrofonen und im Saal platzierter Lautsprecher unter Berücksichtigung der spezifischen Nachhallzeit "die perfekte klangliche Simulation eines Raums, der gar nicht da ist". Beim Konzert gab es etwa "eine Idee von einer Symphonie Gustav Mahlers, weit aufgefächert, perfekt transparent. Jedes einzelne Instrument ist deutlich zu hören, bleibt aber nicht individualistisch, wird Teil des Ganzen. ... Das ist auch deshalb so beeindruckend, weil man nie das Gefühl hat, hier käme Musik aus den Boxen. Das Ohr wird überlistet, man erlebt einfach nur ein anderes akustisches Raumgefühl. Aber Vivace kann noch mehr", denn "rüstet man einzelne Instrumente mit Mikrofonen aus, so kann Vivace deren akustische Position im Raum verschieben. Unfassbar nah kann so einem die Musik kommen."

Unter der neuen Leiterin Lydia Rilling herrscht bei den Donaueschinger Musiktagen "Aufbruchsstimmung", freut sich Lotte Thaler in der FAZ. "Eine Entdeckung brachte das SWR-Vokalensemble mit seinem Dirigenten Yuval Weinberg" mit: Claudia Jane Scroccaros "On the Edge" (hier beim SWR nachzuhören), dies "ein Werk, das die Zuhörer wahrscheinlich am emotionalsten berührte. Einmal durch die Schönheit der Klangräume, die sich durch die Verteilung der Sänger um das Publikum herum und die auf Luigi Nonos 'Prometeo' verweisende Feinarbeit des SWR-Experimentalstudios auftaten. Zum anderen durch den musikalischen und sozialen Bezug: Wiegenlieder aus europäischen Ländern, die die Komponistin in mündlicher Überlieferung von Frauen am Rande der Pariser Gesellschaft aufgezeichnet hat. Und schließlich formal: Das Publikum kommt in den Saal, während die Musik schon angefangen hat, als wäre sie schon immer da gewesen, und am Schluss zieht der Chor als Erster wieder nach draußen, 'verlässt' seine Zuhörer und macht sie als Gemeinschaft einsam." Marco Frei resümiert das Festival für die NZZ.

FR-Kritiker Stephan Klemm ist völlig hingerissen beim Kölner Konzert von Zaho de Sagazan, die in ihrer Heimat mit 25 Jahren bereits ein Superstar ist: "Frankreich hat sich völlig verknallt in diese junge blonde Frau mit dem großen Charisma. Dort erschien ihr Gesicht auf den Titelseiten der wichtigsten Magazine, sie rockte die nationalen Festivals, sie trat bei den Filmfestspielen in Cannes auf und war der erste Akt bei der Schlussfeier der Olympischen Spiele von Paris. ... Auf der Kölner Bühne lebt sie ihren Bewegungsdrang sehr offensiv aus, sie ruft: 'Tanzt. Seid glücklich. Macht, was ihr wollt.' Und knallt dann rhythmische Elektro-Hymnen in den Saal."



Im Standard sprechen Kruder & Dorfmeister mit Karl Fluch über ihre vor 25 Jahren erschienenen "K&D Sessions". In der taz erklärt Giorgia Grimaldi, warum sich im Netz gerade alle bei Beyoncé bedanken. Michael Pilz denkt in der Welt anlässlich der neuen Tocotronic-Single "Denn sie wissen, was sie tun" über "das alte Wir" und das "neue Wir" in den Liedern der Band nach.



Besprochen werden ein Konzert von Pat Metheny in Frankfurt (FR), das Debütalbum von The Blessed Madonna (Standard) und diverse neue Platten, darunter "The Way" des Joachim Kühn French Trio (Standard-Kritiker Ljubiša Tošić hört "Stücke, in denen das Wesentliche rasende und abstrakt nachdenkliche Gestalt annimmt").