Nadine A. Brügger porträtiert in der NZZ die KrimiautorinDonnaLeon. Besprochen werden unter anderem Uketsus "Hen na e - Seltsame Bilder" (taz), Heinz Strunks Erzählungsband "Kein Geld, kein Glück, kein Sprit" (Dlf), Fiona Sironics "Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft" (online nachgereicht von der FAZ), ElinLindells "Der süßeste Bruder der Welt" (FR) und der Briefwechsel zwischen IngeborgBachmann und HeinrichBöll (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Im Zeit-Gespräch gibt Thriller-AutorMarcElsberg Einblick in seine Schreibwerkstatt, in der er wie selbstverständlich auch KI nutzt - nicht um von der KI ausgespuckte Resultate zu redigieren, sondern als stützende Feedback- und Recherchemaschine: "Nehmen wir eine Szene auf einem indischen Markt. Ich will Atmosphäre: Gerüche, Stände, Geräusche, Fisch, Fleisch, Früchte. Ich war selbst schon dort, aber man merkt sich ja nicht jedes Detail. Früher habe ich gegoogelt, stundenlang Reiseberichte gelesen, YouTube geschaut, für fünf Zeilen Text war ich oft zwei Stunden beschäftigt. Heute frage ich die KI und habe nach einer Minute eine Antwort", aber "natürlich überprüfe ich das danach noch". Restlosen Enthusiasmus verspürt er dennoch nicht: "KI darf nicht nur in Konzernhand liegen - in den USA sehen wir gerade, was passiert, wenn solche Technologien politisch instrumentalisiert werden. Vielleicht brauchen wir unabhängigeöffentlicheKIs, so wie einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk."
Weitere Artikel: Der niederländische SchriftstellerArnonGrünbergmacht sich in der NZZ mäandernde Gedanken zu GegenwartsliteraturundZeitgeist. Die Literarische Welt hat Richard Kämmerlings' Porträt der DDR-Autorin GertiTetzner online nachgereicht. In der FAZgratuliert Kerstin Holm dem russischen Exil-AutorWladimirSorokin zum 70. Geburtstag. Juliane Liebert liest sich für die SZ durch die aktuellen Ratgeber-Charts. Katrin Hörnlein spricht in der Zeit mit dem US-JugendbuchautorAdamSilvera, der über BookTok bekannt geworden ist.
Besprochen werden DietmarDaths "Skyrmionen oder: A Fucking Army" (Intellectures), NellZinks "Sister Europe" (FR), AlexanderSollochs Biografie über HarryRowohlt (online nachgereicht von der FAZ), TylerWetheralls "Amphibium" (Welt), ThibaultVermots und AlexW. Inkers bislang nur in Frankreich erschienener Comic "Krimi" über FritzLangs Film "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" (FAZ.net), Jean-RemyvonMatts Memoir "Am Ende" (NZZ), WolfgangEnglers "Brüche. Ein ostdeutsches Leben" (FAZ), Maria Judite de Carvalhos "Leere Schränke" (Zeit) und ClariceLispectors "Die Passion nach G. H." (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Mit dem Roman "Botanik des Wahnsinns" legt der Kulturwissenschaftler, Psychologe und Theaterautor Leon Engler sein Debüt als Schriftsteller vor. Die teils auf eigenen Erfahrungen basierende, teils fiktionalisierte Geschichte handelt von einem Protagonisten, der den in seiner Familie kursierenden psychischen Störungen entkommen will, dabei aber doch ein Fall für die Psychiatrie wird. Im Gespräch mit Lena Karger (Welt) spricht er über den aktuellen Stand der Psychologie. Der Titel verweist auf die Geschichte der Disziplin: "Diese psychischen Kategorien sind nicht klar. Das sind gesellschaftliche Konstrukte, die sich seit tausenden Jahren wandeln. Die Botaniker haben angefangen, das alles so schön und fein in großen Ordnungssystemen voneinander trennen zu wollen, wie in der Pflanzenwelt. Aber das ist eben nicht möglich. Die Seele ist eine vage Angelegenheit, und im Grunde sind Diagnosen Hilfskonstruktionen, mit denen Fachleute sich verständigen und Betroffene dem Ganzen einen Namen geben können."
Weiteres: Im Tagesspiegelgratuliert Lars von Törne dem ComiczeichnerRalfKönig zum 65. Geburtstag. Besprochen werden unter anderem IsabelAllendes "Mein Name ist Emilia del Valle" (Welt, Dlf Kultur), BernardineEvaristos "Blondes Herz" (Dlf Kultur), SylvieSchenks "In Erwartung eines Glücks" (FR), Heinz Strunks Erzählungsband "Kein Geld Kein Glück Kein Sprit" (FAZ) und MikuSophieKühmels "Hannah" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Felix Stephan blickt für die SZ auf die Technik- und Mobilitätsgeschichte der Literatur aus Perspektive des Autounfalls: Camus, Sebald, Brinkmann, Fauser - sie und weitere kamen im Straßenverkehr ums Leben, kaum zu beziffern, was der Literaturgeschichte durch das Automobil verloren gegangen ist. Aber Unfälle haben auch befruchtend gewirkt, im Fall der Schriftstellerin Anna Seghers etwa, die einen Unfall in Mexiko schwerstverletzt dann doch überlebte: "Als sie Monate später wieder einigermaßen auf den Beinen war, schrieb sie die vielleicht schönste Erzählung, die in jenem Jahrzehnt überhaupt in deutscher Sprache verfasst wurde: 'Der Ausflug der toten Mädchen'. Der Abschied vom Leben, den sie gedanklich offenbar schon vollzogen hatte, ist in die Faserstruktur des Textes auf eine Weise eingewoben, deren seidige Feierlichkeit geradezu Sehnsucht nach der anderen Seite weckt. Nicht allzu lange vor dem Unfall hatte sie erfahren, dass ihre Mutter in einem KZ gestorben war, und danach kamen ihr nun all die Freundinnen aus ihrer Mainzer Schulzeit in den Sinn, die im achten Jahr der Nazi-Herrschaft ebenfalls schon nicht mehr lebten."
Außerdem: Yelizaveta Landenberger erzählt in der taz von ihrem Besuch im Museum der Schriftstellerin OlhaKobyljanska in Czernowitz. In den "Actionszenen der Weltliteratur erinnert Thomas Wegmann daran, als MaxFrisch einmal ein Schwimmbad baute. Besprochen werden unter anderem GuyDelisles biografischer "Für den Bruchteil einer Sekunde" über EadweardMuybridge (taz), GaeaSchoeters' "Das Geschenk" (NZZ) und IsabelAllendes "Mein Name ist Emilia del Valle" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Die FAZ hat Jona Krützfelds und Martin Schults Gespräch mit der SchriftstellerinUlrikeDraesner über AstridLindgren online nachgereicht. Der SchriftstellerStefanKutzenbergerumkreist in einem Standard-Essay das Verhältnis von HansChristianAndersen zu Österreich. Katharina Granzin macht sich in der taz anlässlich der neuen Romane von KateAtkinson ("Nacht über Soho") und SaraParetsky ("Wunder Punkt") Gedanken übers Altern im Krimi. In der Weltverweist Matthias Heine in einer kurzen Notiz darauf, wie liebenswürdig Astrid Lindgren ihre Vaterfiguren stets anlegte.
Besprochen werden unter anderem IsabelAllendes "Mein Name ist Emilia Del Valle" (online nachgereicht von der FAZ), GeorgiGospodinos "Der Gärtner und der Tod" (FR), der Roman "Furye" von KatErynRubik, die früher unter dem Namen KatKaufmann Bücher veröffentlichte (online nachgereicht von der Zeit), ConstanceDebrés "Play Boy" (online nachgereicht von dertaz), GhayathAlmadhouns Lyrikband "Ich habe dir eine abgetrennte Hand gebracht" (online nachgereicht von der FAZ), TanTwanEngs "Das Haus der Türen" (NZZ), GerhardMelzers "Das lange Leben der Bücher" mit ausgesuchten Rezension zur vorrangig österreichischen Literatur (Standard), JuleWellerdieks Bilderbuch "Kalle will nicht knuddeln" (online nachgereicht von der FAZ), GaeaSchoeters "Das Geschenk" (Standard), neue Krimis, darunter TomHillenbrands "Thanatopia" (FAZ), und ChristianBarons "Drei Schwestern" (SZ).
Bestellen Sie bei eichendorff21!Isabella Caldart spricht in der FAS mit dem in den USA lebenden Schriftsteller JiamingTang über dessen Debütroman "Cinema Love", der von schwulen chinesischen Männern in China und in New York handelt. Autobiografisch ist der Roman zwar nicht, auch wenn er selbst homosexuell ist, erzählt er. Inspiriert hatte ihn eine Beobachtung: "Als ich 16 oder 17 war, sah ich in China einen Freund meiner Mutter, der mit einem Mann auf den Bus wartete, und beobachtete, wie er dessen Arm berührte. Dazu muss man wissen, dass dieser Freund verheiratet und Vater von drei Kindern ist. Natürlich ist eine Berührung nur eine Berührung, aber in seinen Augen lag ein Ausdruck von Zärtlichkeit, VerlangenundAngst. Und gerade weil er Angst hatte, musste er auch ein gewisses Maß an Mut aufbringen. Das war lange Zeit der Kern meines Romans. Wer sind diese Männer? Was bedeutet es, schwul zu sein an einem Ort, wo Queerness gesellschaftlich und kulturell nicht existiert? Als ich mit dem Schreiben nicht weiterkam, begann ich, über seine Ehefrau nachzudenken. Sie ist für mich die unerklärlichere Person. Was ist mir ihr, warum ist sie bei ihm geblieben? Das wollte ich ergründen."
Der SchriftstellerMarkoMartin erzählt in der Literarischen Welt von seinen Begegnungen mit der Intellektuellen- und Literatenszene in Estland. Dabei trifft er unter anderem auf den Schriftsteller, Japanlogen und früheren Universitätsrektor ReinRaud, der von der estnischen Erfahrung unter der russischen Knute und danach erzählt: "Meine Romangestalten suchten wie wir alle nach einem freien Leben ohne staatliche Willkür", erzählt Raud. "Fast jeder von uns hat Vorfahren, die 1940 nach dem Ende des unabhängigen Estland oder dann 1944 nach Weltkriegsende ermordet oder nach Sibirien deportiert worden waren, immerhin circa 14 Prozent der Bevölkerung. Wir wissen also bereits aus den eigenen Familienbiografien, was 'russki mir' heißt - das nicht zufällig sowohl russische Welt als auch russischer Frieden bedeutet. Und dass Putins Reich in den eroberten und ethnisch gesäuberten Gebieten der Ostukraine nichts anderes anzubieten hat als strafloses Morden und Vergewaltigen und das Klauen von Kühlschränken, das wissen natürlich auch die hiesigen Schriftsteller und Intellektuellen, über die Generationen hinweg, jenseits aller politischen oder literarischen Differenzen."
Weitere Artikel: Julia Hubernagel ärgert sich in der taz darüber, dass immer mehr namhafte deutsche Verlage ihre Buchcover mit KI-Einsatz gestalten. Richard Kämmerlings hat für die Literarische WeltGertiTetzner besucht, die in der DDR 1974 als Schriftstellerin erfolgreich war, dann aber im Zuge der Biermann-Proteste von der Obrigkeit abgesägt wurde und nun im hohen Alter wieder zu schreiben beginnt. Die FAZ dokumentiert in "Bilder und Zeiten" die Rede "Sei eine Ameise der Kinderlyrik", die der DichterArneRautenberg in der Goethe-Universität Frankfurt im Rahmen der Reihe "Frankfurter Autor*innenvorträge zur Kinder- und Jugendliteratur" gehalten hat. Im Literarischen Leben der FAZ sprechen Jona Krützfeld und Martin Schult mit der Schriftstellerin Ulrike Draesner anlässlich von 75 Jahren Friedenspreis des Deutschen Buchhandels über AstridLindgren, die den Preis im Jahr 1978 erhielt. Der SchriftstellerHans Christoph Buch erzählt in "Bilder und Zeiten" der FAZ davon, wie er in jungen Jahren nach Stockholm trampte, um bei PeterWeiss an die Tür zu klopfen. Rüdiger Schaper eröffnet im Tagesspiegel das Rilke-Jahr. Ronald Pohl erinnert im Standard an ErnstJandl, der vor 100 Jahren geboren wurde. In der Langen Nacht des Dlf Kulturwidmet sich Hans Bräunlich KurtTucholsky. Außerdem veröffentlicht (PDF) die Jury von Dlf Kultur die Krimibestenliste des Monats. Auf Platz Eins: "Die Verpflichtung" von GregoryGalloway.
Besprochen werden unter anderem TorUlvens "Grabbeigaben" (online nachgereicht von der FAZ), Katharina Köllers "Wild wuchern" (FAZ), Jan Costin Wagners "Eden" (FR), Richard Overys "Hiroshima. Wie die Atombombe möglich wurde" (FR), SylvieSchenks "In Erwartung eines Glücks" (FAZ), MiekoKawakamis "Das gelbe Haus" (LitWelt) und zahlreiche weitere Bücher, darunter "Garstiger Morgen" von HiromiIto (Dlf Kultur). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
In der Frankfurter Anthologie schreibt Joachim Sartorius über MiroslavHolubs "Atlantikfahrt":
"Es ist peinlich, aber noch sind zu viel Wasser, zu viel Luft ..."
Die Literarische Welt hat Jan Küvelers Gespräch mit ClemensJ. Setz über KünstlicheIntelligenz aus ihrer Ausgabe vom Samstag online vorgereicht. Der Schriftsteller steht der ganzen Forschung mit äußerster Skepsis gegenüber, nicht nur, aber auch, was die Literatur betrifft: "Bald wird es Menschen geben, die nie gelernt haben, lange Texte zu lesen, aber trotzdem Texte produzieren. Weil sie sie erzeugen lassen. Sie werden lernen, besser zu prompten, besser zu kuratieren. Das Schreiben wird zur Wunschtechnik. Und vielleicht wird es irgendwann niemanden mehr geben, der diese Texte noch menschlich prüft. Dann zirkulieren sie nur noch zwischen Maschinen. ... Es ist ein Mythos, dass man erst durch Lesen und Schreiben zum Menschen wird. Das ist veraltet und wird auch gar nicht mehr gelebt. Die nächste Phase der Alphabetisierung wird sich auszeichnen durch einen Tunnelblick: Du musst diese Texte irgendwie erzeugen. Jeder weiß, sie kommen nicht von dir, aber trotzdem wird es noch aus deiner Richtung kommend verlangt: 'Bitte reichen Sie Ihr Ansuchen ein.' Sie müssen das irgendwie wünschen, dann wird es geliefert."
Weiteres: Die SchriftstellerinTeresaPräauer (SZ), der DichterArneRautenberg (FAZ), Björn Hayer (FR) und Thomas Schmid (Welt) erinnern an Ernst Jandl, der heute 100 Jahre alt geworden wäre. Auf Queer Nationsverteidigt Till Randolf Amelung die SchriftstellerinJ.K. Rowling, die gestern 60 Jahre alt geworden ist, vor dem Vorwurf der Transphobie. Besprochen wird unter anderem AnnettePehnts "Einen Vulkan besteigen" mit "minimalen Geschichten" (FR). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Bestellen bei Eichendorff21Bestellen bei Eichendorff21Sandra Kegel liest für die FAZ die aktuellen Romane von RachelKushner und NellZink, zwei Amerikanerinnen, die darin reizvollerweise beide auf Europa blicken - im Falle von Zink freilich aus der Perspektive einer Autorin, die seit vielen Jahren bei Berlin lebt. "In Kushners abgeschiedener Gesellschaft Südfrankreichs, die sich der Zivilisation entzieht, um so etwas wie einen spirituell-politischen Urzustand zu erreichen, wird Europa zu einem Archiv alter Möglichkeiten. Nell Zinks Berlin ist das Gegenteil: urban, dekadent, übercodiert. 'Sister Europe' zeichnet ein Europa der Preisverleihungen, Milieublasen, Wokeness-Diskurse und migrantischen Identitäten und zieht es durch den Kakao, ohne herablassend zu werden. Wir alle finden uns wieder in dieser Nacht, die zur Projektionsfläche nicht nur amerikanischer Selbstverortung wird." Unser Podcast-Team sprach in der zweiten Folge des "Bücherbriefs Live" mit Zink.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Für die Zeit unterhält sich Julia Voss mit der SchriftstellerinIsabelAllende, deren aktueller Roman "Mein Name ist Emilia del Valle" vom Militärputsch in Chile im 19. Jahrhundert handelt. An der Geschichte reizte sie "die Tatsache, dass es Parallelen zu 1973 gibt. 1891 und 1973 hatten" die Chilenen "einen progressiven Präsidenten, der im Rahmen der Verfassung und des demokratischen Prozesses Veränderungen im Land herbeiführen wollte. Er stieß auf großen Widerstand, vor allem von den Konservativen. In beiden Fällen eskalierte der Konflikt so weit, dass das Militär eingriff. In beiden Fällen beging der Präsident Suizid, weil er beschlossen hatte, weder aufzugeben noch ins Exil zu gehen." Auch um Unseld, der auf der Frankfurter Buchmesse einst buchstäblich vor ihr auf die Knie ging, geht es in dem Gespräch: Die Suhrkamp-Kultur "hatte nichts mit meiner Realität zu tun. Ich hatte keine Ahnung, dass Suhrkamp ein solches Prestige hatte, dass Siegfried eine solche Ikone in der Verlagswelt war. Ich versuchte nur zu überleben. Meine Ehe war am Zerbrechen, mein Mann war bankrott. Wir zahlten seine Schulden mit dem 'Geisterhaus' ab."
Weitere Artikel: Andreas Platthaus stellt auf FAZ.net das neue französische ComicmagazinCharlotte vor, bei dem vieles darauf hindeutet, dass es "sich moralischen Skrupeln bewusst verweigert", es damit nach Platthaus' Ansicht aber auch übertreibt: "Die Freiheit, die es sich nimmt, sollte kein Freibrief für jegliche Form von Geschmacklosigkeit sein." Paul Jandl erinnert in der NZZ an den LyrikerErnstJandl, der vor 100 Jahren geboren wurde. Bettina Müller erinnert in der taz an den Schriftsteller GottholdLehnerdt, der sich in den 1920-ern für stigmatisierte Gruppen einsetzte, schließlich aber in die NSDAP eintrat. Else Laudan schreibt in der taz einen Nachruf auf die KrimiautorinDorisGercke.
Besprochen werden unter anderem die von SergejLebedews herausgegebene Anthologie "Nein! [njet]". Stimmen aus Russland gegen den Krieg" (FAZ), MarleneStreeruwitz' "Auflösungen" (Zeit) und JonasHassenKhemiris "Die Schwestern" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Ronald Pohl ist im Standard beeindruckt von der Figur, die SerhijZhadan bei der Verleihung des Österreichischen Staatspreises machte: "Seine ernste, gesammelteErscheinung erstickt jeden Anflug von Pathos zuverlässig im Keim. Serhij Zhadan verändert schon jetzt das Bild, das sich unsereiner von der Kunst des Dichtens macht. Bekam man es in der Reformära Bruno Kreiskys mit Dichtern zu tun, bestimmten schrilleKostüme ihr Erscheinungsbild."
Außerdem: In der FAZgratuliert Andreas Platthaus dem LiteraturnobelpreisträgerPatrickModiano zum 80. Geburtstag. Besprochen werden unter anderem SimonMasons Krimi "Ein Mord im November" (FR), KavehAkbars "Märtyrer!" (online nachgereicht von der Zeit), DetlevSchöttkers "Die Archive des Chronisten. Ernst Jüngers Werke und Korrespondenzen" (FAZ) und EvaH. D.s Lyrikband "Wenn alle deine Freunde vom Felsen springen" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Aktuell: Karl Schlögel erhält den Friedenpreis - mehr dazu in 9punkt.
Martina Wagner-Egelhaaf berichtet in der FAZ vom alle fünf Jahre (und diesmal in Graz) stattfindenden 25. Kongress der Internationalen Vereinigung für Germanistik, bei dem es um "Sprachen und Literatur in Krisenzeiten" als Herausforderung für die geisteswissenschaftliche Disziplin ging. "Dass man die drängenden Fragen der Zeit nicht aufgegriffen hätte, kann man dem rund 1100 Vorträge umfassenden Kongressprogramm nicht vorwerfen: Die Veränderung der Lesekultur im Zeichen der Digitalisierung, Künstliche Intelligenz zwischen Generativität und Kreativität, Migration, Flucht und Krieg als Themen in der Literatur, Folgen der Pandemie, Diskurspraktiken sozialer Fremdpositionierung, Diversität im Sprachunterricht, sprachliche Intensivierung in Krisenzeiten - die Erkenntnis, dass dabei kleine Wörter wie 'so' oder 'wie' eine dramatisierende Wirkung haben können, ist das Privileg philologischen Fragens. ... Die politischen, sozialen und ökologischen Krisen der Gegenwart wird das Fach auch nicht bewältigen können, doch erschöpft sich seine Zuständigkeit nicht in der sprachkritischen Analyse, vielmehr befördert es im Umgang mit komplexen ästhetischen Sprachformen das, was Robert Musil den 'Möglichkeitssinn' genannt hat."
Bestellen Sie bei eichendorff21!In der Perlentaucher-Kolumne "Wo wir nicht sind" stellt Benita Berthmann Lai Wens Roman "Himmlischer Frieden" vor, der vor dem Hintergrund des Massakers auf dem Tiananmen-Platz spielt: "Lai ist unzufrieden, weiß aber natürlich, dass sie kaum eine Chance hat, sich gegen die Übermacht der Diktatur zu wehren. Genau deswegen kann man sich allerdings auch gut mit ihr identifizieren, würde ich sagen, sie ist keine große Widerstandskämpferin, traut sich insbesondere nach der Episode in ihrer Kindheit nicht, den Mund aufzumachen und steht so für die breite Masse an jungen Leuten, die keine Lust auf ihre Regierung haben und ebenso wenig Lust darauf, für ihre Meinung eingesperrt zu werden,und die sich deshalb entschließen, einfach auszuharren. Sie nimmt keine exponierte Sonderstellung ein. Und so erzählt Lai Wen die Geschichte einer ganz gewöhnlichen Person und nicht die hundertste Heldengeschichte, in der wieder jemand ganz unvorstellbare Dinge vollbringt."
Außerdem: Kindercomic-Verleger Michael Groenewald spricht sich im SZ-Interview mit Christine Knödler (wohl nicht völlig uneigennützig) dafür aus, dass Kinder mehr Comics lesen sollten. Die Agenturen melden, dass die KrimiautorinDorisGercke gestorben ist. Besprochen werden unter anderem Philipp Dorestals Monografie über FrantzFanon (FR) und MichaelStavaričs Langgedicht "spüren" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
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