Nacht über Soho
Roman

DuMont Verlag, Köln 2025
ISBN
9783755800156
Gebunden, 528 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Anette Grube. England 1926: In einem Land, das sich noch immer vom Ersten Weltkrieg erholt, ist London zum Mittelpunkt eines neuen, ausgelassenen Nachtlebens geworden. In den Clubs von Soho tummeln sich Adelige neben Starlets, Prinzen neben Gangstern, und Mädchen verkaufen Tänze für einen Schilling. Im Zentrum dieser glitzernden Welt steht die berüchtigte Nellie Coker. Rücksichtslos und ehrgeizig kontrolliert sie die wichtigsten Clubs der Stadt. Doch der Erfolg schafft Feinde: Nellies Imperium wird von außen und von innen bedroht. Da sind ihre sechs Kinder, die alle eigene Ziele verfolgen, rivalisierende Straßengangs, ein Mafioso mit guten Manieren und schlechten Absichten … Und da ist Inspektor John Frobisher. Seine Mission: herauszufinden, was mit den vielen Mädchen geschieht, die im Sohoer Nachtleben spurlos verschwinden. Mithilfe einer jungen Bibliothekarin, die er in Nellies Clubs einschleust, beginnt er, der Königin von Soho das Leben schwer zu machen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 25.06.2025
Rezensentin Sylvia Staude hat großen Spaß an Kate Atkinsons Roman, der tief in die Londoner Zwanzigerjahre eintaucht. Nacht über Soho erzählt von Mord, Korruption, Familienbanden - und von Figuren, die mit ungewöhnlicher Klarheit gezeichnet sind. Besonders die Clubbesitzerin Nellie Coker bleibt im Gedächtnis, ebenso wie ihre Tochter Edith, die "Universität und Ehe zugunsten eines Kurses in Buchhaltung und Rechnungswesen gemieden" hat. Überhaupt setzt Atkinson auffällig auf starke Frauenfiguren: Da ist etwa Florence, die "an Engel und Feen und das Gute im Menschen" glaubt, oder Gwendolen Kelling, eine vermeintlich harmlose Bibliothekarin, die undercover für die Polizei arbeitet, staunt die Kritikerin. Neben der gut komponierten Handlung schätzt Staude auch Atkinsons Gespür für historische Details - sogar ein QR-Code mit originalen Cocktailrezepten aus dem Jahr 1926 ist enthalten. Der Ton des Romans ist mal sarkastisch, mal zart ironisch - unterhaltsam ist er fast durchweg, lobt die Kritikerin zuletzt.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 07.06.2025
Nellie Coker ist in den "roaring twenties" die Königin des Londoner Nachtlebens - und die Heldin von Kate Atkinsons neuem Krimi, der dem Rezensenten Tobias Gohlis großes Lesevergnügen beschert hat. "Episch im Breitwandformat" findet er, wie Nellie nach einer Haftstrafe zurückkehrt in diese zumindest oberflächlich glänzende Welt, in der allerdings einige tote Mädchen aus der Themse gefischt werden und ein kluger Ermittler ihr eine Spionin auf den Hals hetzt. Die "schwirrende Oberfläche" aus schönem Schein und düsterem Verbrechen erzählt für Gohlis eine spannungsreiche Geschichte aus der Zwischenkriegszeit, die er kaum aus der Hand legen kann.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.06.2025
Als eine durchfeierte Großstadtnacht in Buchform beschreibt Rezensentin Katrin Doerksen diesen Krimi. Der dreht sich um Nellie Cocker, erfahren wir, eine Nachtclubbesitzerin, die ihr Imperium gegen Polizeirazzien, ihre Kinder und allerlei bunt schillernde Konkurrenz zu verteidigen hat, all das im Jahr 1925 und in London. Es tauchen Frauenleichen auf, Inspektor John Frobisher ermittelt und auch sonst, fasst Doerksen zusammen, ist ziemlich viel los, jede Menge Figuren treiben sich in diversen Handlungssträngen herum, auch sprachlich platzt das Buch aus allen Nähten, wobei Atkinson gleichzeitig gelegentlich etwas arg gediegen schreibt und die krasseren Härten ausspart. Auch leiden die Figurenzeichnungen gelegentlich unter der Ambition, möglichst viel von einer vergangenen Zeit zwischen zwei Buchdeckel zu pressen,moniert die Rezensentin. Dennoch gefällt das Ergebnis Doerksen insgesamt gut, nicht zuletzt, weil Atkinsons rauschhaft anmutendes Buch sich für Aspekte der Vergangenheit interessiert, die in der Geschichtsschreibung ansonsten oftmals ausgespart bleiben.