Bestellen Sie bei eichendorff21!FAZ-Kritiker Niklas Maak hat sich verschiedene Ausstellungen zum Thema "interaktive Game-Kunst" angesehen und nimmt das zum Anlass, sich aufs Neue mit dem Werk eines ihrer Pioniere zu beschäftigen: Michael Bielicky (dessen Werk man auch in einem jüngst erschienen Buch neu entdeckten kann), revolutionierte in den Achtzigern die Video-Kunst, erinnert Maak. Besonders toll findet Maak die Filmprojektion "Garden of Error and Decay" von 2010, "in der man gezeichnete, piktogrammhafte Figuren sieht, die wie in einem langsamen Fluss über die Wand treiben. Mit dem Joystick zielte man auf "vorbeiziehende Figuren, und dann gab es einen unterhaltsamen Knall; die Spieler schauten erfreut, dass ihre Befehle solche Effekte hatten, und die Figuren an der Wand schwollen auf das Doppelte ihrer Größe an." Zwar dachten die Besucher, ihre Aktionen hätten Einfluss auf das, was auf dem Bildschirm ablief, dabei waren "es vor allem Twitter-Feeds und Daten der New Yorker Börse, die in Echtzeit in das Werk eingespeist werden und mithilfe ausgeklügelter Algorithmen das vorbeiziehende Weltpanorama der animierten Piktogramme veränderten. So wurde im Spiel offensichtlich, was sonst unsichtbar bleibt: die globalen, übers Internet gesteuerten Bewegungen der Märkte und ihre politischen und ökologischen Folgen."
Weitere Artikel: Für alle, die nicht mehr wissen, was sie sich noch tätowieren können, hat Peter Richter in der SZ einen Tipp: Holm Friebe von der "Zentralen Intelligenz-Agentur" (ZIA) hat bildende Künstler und Künstlerinnen um Tattoo-Motive gebeten, darunter Olga Hohmann, Charlie Stein und "sozusagen als Doyen der Ganzkörper-Totalkunst, sogar Timm Ulrichs, der sich Anfang der Siebziger schon das Wort 'The' aufs eine Augenlid tätowieren ließ und aufs andere das Wort 'End'."
Besprochen werden die Ausstellung "Bonnard-Matisse, eine Freundschaft" in der Fondation Maeght in Saint-Paul-de-Vence (FAZ) und die Ausstellung "When We See Us - Hundert Jahre panafrikanische figurative Malerei" im Kunstmuseum Basel (NZZ).
Paul Goesch: Alter Mann beim Essen, ca. 1925. Collection d'Art Brut Lausanne. Die Ausstellung "Ich werde berühmt - Leben und Werk des Paul Goesch" im Stadtmuseum Brandenburg an der Havel ist aus mehreren Gründen bemerkenswert, hält Klaus Hillenbrand in der taz fest: Paul Goesch war "prägender Gestalter der Avantgarde in Deutschland", "bei vielen der Gemälde Goeschs strahlen auf dem Bild die Farben. Da sind Häuser in bunter Vielfalt zu sehen, Menschen und immer wieder Marienbildnisse." Aber Goesch wurde wegen einer psychischen Erkrankung mit schizophrenen Schüben im Rahmen des 'Euthanasie'-Programms der Nationalsozialisten getötet. Grund genug, der Ausstellung einen politischen Charakter zu geben, 20 ehrenamtliche Kuratorinnen und Kuratoren haben mitgestaltet: "Dazu zählten auch Menschen mit Behinderung, von denen einige als Guides in dem zur Gedenkstätte Opfer der Euthanasie-Morde umgewandelten ehemaligen Zuchthaus von Brandenburg arbeiten. (...) 'Dieser großartige Maler, der in der 'Euthanasie'-Tötungsanstalt Brandenburg ermordet wurde, darf nicht vergessen werden', schreibt etwa eine von ihnen auf einer Tafel. 'Interessant und faszinierend' findet ein anderer, dass Goesch auch in den Kliniken, in die er eingewiesen wurde, weitermalte: Karikaturen, abstrakte Ansichten von Gebäuden. 'Schmiertnur wertlose Sachen auf abgerissene Fetzen Papier', heißt es 1928 in Goeschs Krankenakte."
Jørgen Buch: Little Boy, 1981. Kunsthalle Rostock. Dauerleihgabe des pro kunsthalle e.V., seit 2017. Foto: Kunsthalle Rostock Ein interessantes Kapitel DDR-Geschichte beleuchtet Jens Malling (taz) nach dem Besuch der Ausstellung "Jørgen Buch. Black & White" in der Kunsthalle Rostock: Zwischen 1965 und 1989 fanden vor Ort die Ostseebiennalen statt, insgesamt über tausend Künstler aus Skandinavien kamen in jenen Jahren zusammen, die DDR-Regierung wollte so Einfluss im nordischen Raum nehmen und kontrollierte daher auch kaum die Vorgaben über die auszustellende Kunst, lernt Malling: So "kam künstlerisch ein breites Spektrum zustande: von klassischer figurativer Malerei bis zu experimentellen Formaten. Auch abstrakte Kunst fand dort Platz, obwohl sie im Realsozialismus als spätbürgerlich, westlich und dekadent galt. ... Künstler aus der DDR, Polen und der Sowjetunion einerseits und aus Schweden, Finnland, Island, Norwegen, Westdeutschland und Dänemark andererseits trafen während der Ostseebiennalen aufeinander." Darunter der titelgebende Künstler Jørgen Buch: "Die Malerei von Buch ist figürlich, provokant und oft satirisch. Auf seinem Gemälde 'Black & White' posiert ein Mitglied des Ku-Klux-Klan mit einer doppelläufigen Schrotflinte vor der Freiheitsstatue. Eine solche Kritik an den USA und ihrem Rassismus kam in einer offiziellen Kunstschau der DDR gut an."
Weitere Artikel: Frauke Steffens berichtet in der FAZ, dass die Enkel des Ärztepaares Ernst und Helene Papanek, die selbst vor den Nazis flohen, Egon Schieles Zeichnung "Sitzende nackte Frau" nun an die Nachfahren des Wiener Kunstsammlers und Varieté-Sängers Fritz Grünbaum zurückgegeben haben. Besprochen wird die Ausstellung "Ellen Berkenblit: Flugelhorns" in der Berliner Contemporary Fine Arts Galerie, Berlin (monopol).
Außerdem: Georg Imdahl berichtet in der FAZ über einen Vortrag Michael Lüthys über Kunstfreiheit im Zentralinstitut für Kunstgeschichte. Die Heinrich-Campendonk-Sammlung in Penzberg droht Werke zu verlieren - an die Enkelin des Künstlers, wie Ursula Scheer in der FAZ berichtet.
Besprochen werden die Schau "Welttheater Wolfsschlucht - Werner Tübkes Bühnenarbeiten für den 'Freischütz'" im Schloss Elisabethenburg und im Theatermuseum Meiningen (FAZ) und "Holy Fluxus" im Kirchenraum von St. Matthäus am Berliner Kulturforum (Berliner Zeitung).
Emmett Williams: Buntglasfenster für die Fluxus-Kathedrale, 1988. Courtesy von Archivio Conz Berlin. Fotos: Giorgia Palmisano und Giulia Baresi. Christiane Meixner (Tagesspiegel) ist ganz hingerissen: Weitgehend unbekannt war ihr die Berliner Sammlung Archivio Conz, die, benannt nach dem 2010 verstorbenen Sammler Francesco Conz, mehrere tausendFluxus-Kunstwerke beherbergt. Die chaotische Sammlung gehört heute einem privaten Unternehmer, der sie seit 2016 aufarbeiten lässt, so Meixner, die eine Auswahl unter dem Titel "Holy Fluxus" ausgerechnet in der Berliner St. Matthäus-Kirche sieht: "Man vergisst glatt, dass dies eine Kirche ist. Im Längsraum von St. Matthäus am Berliner Kulturforum steht jetzt ein langer Tisch, Predigten finden am Herd statt. Sämtliche Stühle orientieren sich statt zum Altar zu der monumentalen Tafel im Raum, auf der sich Kunst von Daniel Spoerri, Emmet Williams, Alison Knowles oder Yoko Ono ausbreitet. (…) Ihre aktuelle Auswahl von 200 Highlights mischt konkrete Poesie mit Partituren und Arbeiten, die sich ohne größeren Respekt dem Fetisch künstlerischer wie kirchlicher Herkunft widmen. Reliquien werden produziert und zerstört, es gibt Aufrufe zum Widerstand gegen alles, Konventionen interessieren ohnehin nicht."
Wassily Kandinsky, Entassement réglé, 1938. Centre Pompidou, MNAM- CCI/Bertrand Prévost/Dist. RMN-GP Gelungener Neustart, freut sich Kerstin Schweighöfer in der FAZ: Nach dem die ehemalige "Hermitage Amsterdam" ihre Verbindungen zum Mutterhaus in Sankt Petersburg abgebrochen hatte und mit "H'ART" einen neuen Namen fand, wurden mit dem British Museum in London, dem Smithsonian American Art Museum in Washington und dem Pariser Centre Pompidou auch neue Partner gefunden. Letzteres stellt dem Haus nun für die Ausstellung zur Neueröffnung mehr als die Hälfte seiner 120Kandinsky-Gemälde zur Verfügung, und die Kritikerin lässt sich gern ein auf eine Reise durch fünf Zeitspannen: "Zu Beginn die figurativen Arbeiten, die während Kandinskys Reisen durch Europa und Nordafrika entstanden, darunter selten gezeigte Ansichten von Rotterdam oder Scheveningen, die von einem Hollandaufenthalt 1904 zeugen. Dann die Jahre in Bayern, wo er als Mitbegründer der Künstlergruppe 'Blauer Reiter' zur Abstraktion fand und farbenprächtige Werke wie 'Improvisation III' oder 'Mit dem schwarzen Bogen' entstanden. Es folgen die Rückkehr nach Russland während des Ersten Weltkriegs, die Bauhaus-Zeit und schließlich die letzten Lebensjahre in Paris. Zu den Höhepunkten der Ausstellung zählt die Rekonstruktion des Empfangssaals für eine Ausstellung in Berlin, der 'Juryfreien Kunstschau' 1922."
Besprochen wird außerdem die Ausstellung "Careers by Design - Hendrick Goltzius & Peter Paul Rubens" in der Staatlichen Graphischen Sammlung München in der Pinakothek der Moderne (Tsp).
FR-Kritikerin Lisa Berins sieht im MKK-Tower in Frankfurt die erste Retrospektive zum Werk von Gustav Metzger. Der hielt sich Zeit seines Lebens vom Kunstbetrieb fern und lebte "bis ins hohe Alter in einem Atelier ohne Heizung". Und ja, das hier ist keine beschauliche Kunst, die man sich einfach so ansehen kann, findet Berins. Metzger setzt die Besucher "leisen Irritationen aus, er nutzt ihre Körper, bedrängt sie mit seiner Kunst. Er will, dass man mitmacht". In der Ausstellung "ist ein Modell einer nicht realisierten Installation zu sehen, die aus fünf neun mal zwölf Meter großen Stahlwänden bestehen sollte, deren jeweils 10 000 Einzelelemente per Computerschaltung zufällig aus den Wänden herausgeschleudert werden sollten. In dieser Zeit experimentierte Metzger auch mit Flüssigkristallen, die mit Wärme reagieren und ihre Farbe ändern. Ein kleines Objekt mit changierend blau-grünen Flügeln ist im Tower zu sehen. Metzger hatte es in der Londonder Buchhandlung 'Better Books' ausgestellt, einem Treffpunkt der Londoner Underground- und Kunstszene. Er ließ Kristalle auch in Glasobjektträger einsetzen und in Projektoren drehen. Auf sieben Leinwänden kann man im Tower das Resultat ansehen: Es sind zufällig entstandene, bunte, abstrakte Bilder."
Eine kleine, aber beeindruckende Ausstellung mit den Werken der Malerin Galli sieht Benjamin Paul im Berliner Palais Populaire. Galli gehörte der Künstlergeneration der "Jungen Wilden" der achtziger Jahre an, so Paul, ihre Werke unterscheiden sich aber deutlich von denen ihrer männlichen Kollegen. Ihre Körperdarstellungen zeugen von "Gefühlen der Eingeengtheit, Gefesseltheit, sozialer und physischer Unterdrückung", so Paul: "Auf einem monochromen, meist pastellfarbenen Untergrund malt sie mit bewundernswert sicherem Strich die Konturen ihrer komplexen Konfigurationen, die sie dann ohne nennenswerte Schattierungen farbig ausmalt. Diese Fokussierung auf die Zeichnung und den Körper in einem neutralen Raumsetting erinnert durchaus an Michelangelo. Auch dessen Figuren sind von unkontrollierbaren Kräften bewegt, allerdings gleichzeitig ins Ideale gesteigert. Bei Galli fehlt Michelangelos Pathos. Ihre Körper sind verstümmelt, auf die expressiven Teile reduziert oder bestehen gar nur aus Armen und Beinen. Oft verschränken sie sich auf undurchsichtige Weise mit anderen Figuren oder scheinen gar mit ihnen verwachsen."
Weiteres Stefan Trinks gratuliert dem Bildhauer Erwin Wurm in der FAZ zum Siebzigsten. Besprochen werden die Ausstellung "Careers by Design - Hendrick Goltzius & Peter Paul Rubens" in der Pinakothek der Moderne in München (Tsp), die Ausstellung "Human in Motion" im Projektraum der Galerie Barbara Thumm (Tsp) und die Soloschau "Wir bestehen zu 70% aus Wasser" von Lars Theuerkauff in der Berliner Galerie Tammen (Tsp).
Sophie Wagner lernt für monopol den amerikanischen Fotografen Abdulhamid Kircher kennen, der deutsch-türkischer Herkunft ist und in der Carlier Gebauer Galerie in "Rotting from Within" die schwierige Beziehung zu seinem Vater verarbeitet: "Eine Wand, geflutet mit Archivbildern, biografischen Artefakten, Fragmenten aus der Kindheit, Tagebucheinträgen sowie Kirchers eigenen ausschließlich analogen Fotografien der letzten zehn Jahre." Auch Videomaterial findet Eingang in die Ausstellung und "wirft Fragen zu Gewalt und Zugehörigkeit, Familie und Fremdsein auf und erzählt die Geschichten hinter einigen ausgestellten Fotografien. Nach einer längeren Streitsequenz zwischen dem Künstler und seinem Vater sitzt Kircher mit seiner Partnerin auf einer Mauer und spricht darüber, dass man bei einem schwierigen Elternteil die Wahl hat: Entweder akzeptiert man ihn so, wie er ist, oder man muss ihn aus seinem Leben ausschließen. Beim Betrachten von Abdulhamid Kirchers fotografischer Dokumentation scheint die Möglichkeit einer Versöhnung oder zumindest Akzeptanz auf."
Weiteres: Der Tagesspiegel begibt sich auf Entdeckungsreise, was Kunst in Brandenburg angeht. Jan van Eycks "Madonna des Kanzlers Rolin" kann jetzt restauriert im Louvre bestaunt werden, meldet die NZZ.
Besprochen werden: Die Frans Hals-Ausstellung "Meister des Augenblicks" in der Berliner Gemäldegalerie (FR), Teboho Edkins' Ausstellung "Ghosts of Katara" in der Galerie Kai Middendorff (FAZ) und "Andy Warhol & Keith Haring. Party of Life" im Museum Brandhorst (FAZ).
Jakob Lena Knebl, Cordula's Sister, sculpture, 2023. Courtesy de l'artiste, Galerie Loevenbruck (Paris) & Georg Kargl Fine Arts (Vienne) Diese Ausstellung ist eine "Zumutung für den guten Geschmack", freut sich FAZ-Kritiker Georg Imdahl nach der Schau "Passage" in der Hamburger Sammlung Falckenberg, wo das queere Glamour-Duo Jakob Lena Knebl und Ashley Hans Scheirl derzeit nicht nur "Urinstrahlen zu Körperteilen" mutieren lässt. Stets geht es ihnen um "Transformationen des sozialen, geschlechtlichen, individuellen Ichs", so Imdahl:"Spiegelnde Paravents suggerieren eingangs ein Flair von Lifestyle-Shopping, man bewegt sich hier in einem Passagenwerk der erotischen Anspielungen, wähnt sich zwischen Boudoir und Badezimmer, trifft auf Pelziges, Phallisches, auf allerlei Fetischobjekte von der Hand Knebls, und selbst der unverdächtige Kleiderhaken gebärdet sich plötzlich obszön, transformiert sich zum Spielzeug für Erwachsene. Knebl huldigt dem entblößten, fülligen Körper in fotografischen Selbstbildnissen und in großen, mit Cord ummantelten Soft-Sculptures; auf Couchtischen von Maison Charles präsentieren sich Skulpturen, deren Rundungen auf Hans Arp zurückgehen sowie auf Barbapapa, älteren Semestern als possierliche Zeichentrick-Figur aus den Siebzigern erinnerlich - angeblich ist das Kapitalismuskritik."
Christina Kubisch: Die Konferenz der Bäume (1988/89), Klagenfurt 2014. Foto: Christina Kubisch Das Künstlerhaus Bethanien gratuliert sich mit der Ausstellung "Sounds of Bethany" zum 50-jährigen Jubiläum - und verabschiedet zugleich seinen Chef Christoph Tannert. In der Berliner Zeitunglässt sich Ingeborg Ruthe aus diesem Anlass gern mitnehmen auf eine Reise in die Klangkunst von den Achtzigern bis heute: "Die auf unsere Zeit voller Krisen und Konflikte bezogene, inhaltlich wie formal wohl radikalste Klanginstallation ist die des gebürtigen Dresdners Via Lewandowsky, einst ein Subversiver im DDR-Kunstbetrieb. Sein 'Chor der Seelen' von 2024 beginnt in einem Gang aus Filzwänden. Vorbei an einem Rollstuhl gelangt man in ein Zimmer mit Krankenbett, medizinischen Geräten, einem Käfigwagen voller Kopfkissen, Kugellampen, Lautsprechern, 8-Kanal-Playern, FM-Sendern. Und dazwischen liegen, stecken, hängen abstrakte Körpergebilde. Aus allen Richtungen kommen kakophonische Klänge. Stöhnen, Wehklagen, Jammern, Seufzen? Sind es die armen Seelen der Corona-Zeit? Oder die armen Seelen des notorischen Pflegenotstands im Wohlstandsstaat Deutschland?"
Weitere Artikel: In Japan sind gleich zwei von Wolfgang Beltracchis Fälschungen in Museen aufgetaucht, meldet Tobias Timm in der Zeit. In der tazberichtet Erik Peter, dass das ukrainische Künstlerzentrum "Hotel Continental - Art Space in Exile" in Berlin ein Werbeevent einer ukrainischen Sturmbrigade mit direkten Bezügen zur faschistischen Asow-Bewegung ausgerichten will.
Besprochen wird außerdem die Ausstellung "Anne Imhof: Wish You Were Gay" im Kunsthaus Bregenz (FAZ).
Außerdem: Marcus Woeller entdeckt für die Welt in einer Ausstellung in der Scuola Grande San Giovanni Evangelista, Venedig einen der großen Unangepassten der jüngeren Kunstgeschichte. Der Jude Boris Lurie überlebte als Kind die nationalsozialistischen Konzentrationslager und wurde später zu einem Provokateur der amerikanischen Kunstszene. Lurie "konterkariert auf künstlerisch hohem Niveau die verhassten Mittel der Pop-Art, spielt mit der Agitprop von Dada-Collagen und der Mehrdeutigkeit von Readymades, wofür Scheißhaufen aus Keramik ein Beispiel sind."Daniel Völzke portraitiert in monopol die Künstlerin Linder, deren Werk nächstes Jahr in der Londoner Hayward Gallery ausgestellt wird.
Um die Menschen - und vor allem Frauenrechte ist es in Saudi-Arabien nicht gut bestellt - das hindert die internationale Kunstwelt nicht daran, "dem Ruf der saudischen Regierung scharenweise zu folgen", schreibt Ingo Arend in der taz. Das jüngste Beispiel ist der Kunsthistoriker Hartwig Fischer, unter dessen Leitung 2000 Objekte aus dem Archiv des British Museum verschwanden und illegal verkauft wurden (unsere Resümees). Er soll nun Direktor des Museum of World Cultures in Riad werden. Arend zitiert dazu Beral Madra, die "Doyenne der türkischen Kunstszene": "Einige der Künstler und Kuratoren glauben vielleicht, dass Saudi-Arabien ein aufgeklärtes Land ist und eine demokratische Vision bis 2030 hat. Wir, die in der islamischen Soziogeografie leben, wissen sehr gut, dass dieses Ziel zu weit entfernt ist"
Besprochen werden die Ausstellungen "Meret Oppenheim & Friends" im Kunsthaus Avantgarde Apolda (tsp), "(Un)seen Stories. Suchen, Sehen, Sichtbarmachen" im Kupferstichkabinett in Berlin (tsp), "Ari Benjamin Meyers. Always Rehearsing Never Performing" in der Kunsthalle Mainz (taz), "Virtual Beauty" im Haus der elektronischen Künste in Münchenstein (NZZ), "Tyler Mitchell: Wish This Was Real" im C/O Berlin (SZ) und die Werkschau "Bilder im Kopf, Körper im Raum" des Künstlers Franz Erhard Walther in der Bundeskunsthalle Bonn (FAZ).