In einer Reportage für Zeit Onlineberichtet Christian Meier vom international ausgerichteten Film- und Serienboom in Spanien. Dort schickt man sich an, das "HollywoodEuropas" zu werden - eine Losung, die nicht aus der Branche, sondern aus dem Mund des Ministerpräsidenten Pedro Sánchez stammt. "Die internationale Filmindustrie ... erhält hier hohe Steuernachlässe (rund 30 Prozent), die Studiokapazitäten steigen genauso wie der im Land ausgebildete Talentpool, die Arbeitskosten sind vergleichsweise niedrig, dazu kommen die staatliche Unterstützung und nicht zuletzt die vielen Sonnenstunden, die auch bei Außendrehs wichtig sind. Allein zwischen 2020 und 2023 sei die Zahl der in Spanien bei Film und Fernsehen Beschäftigten um 93 Prozent auf 62.000 Mitarbeiter gestiegen, verkündete das Ministerium für digitale Transformation im Sommer des vergangenen Jahres. Was gleichzeitig die größere Zahl der Produktionen belegt. In Deutschland hingegen ist von einer solchen Aufbruchstimmung nicht viel zu spüren. Eine Steuererleichterung für Produktionen, die bereits von der Ampelkoalition geplant war, wird erst einmal nicht umgesetzt."
Weitere Artikel: Kais Harrabi schaut sich für die FAZ auf der PlattformLetterboxd um, wo sich die internationalen Cinephilen tummeln (mehr und etwas vertiefter zu diesem Phänomen siehe diese Diskussion in unserer Magazinrundschau). Maria Wiesner erinnnert in der FAZ (online nachgereicht) an den Monty-Python-Klassiker "Die Ritter der Kokosnuss". Mina Marschall schreibt ebenfalls in der FAZ über ChristopherNolans modernen Klassiker "The Prestige" von 2006. Clara Wutti und Isadora Wallnöfer sprechen im Standard mit der zwar in Österreich geborenen, lebenden und arbeitenden, rein formal aber serbischen Regisseurin OlgaKosanović, die darum kämpft, endlich die österreichische Staatsbürgerschaft zu erhalten.
Besprochen werden eine BluRay-Ausgabe von CarlosSauras aufwändig restauriertem Debüt "Die Straßenjungen" von 1959 (FD), EmmaBenestans "Animale" (critic.de), die Netflix-Serie "Black Rabbit" mit Jude Law (NZZ) und das Buch "Jetzt schon?" der Schauspielerin NaomiWatts über ihre Menopause (NZZ).
Besprochen werden PaulThomas Andersons "One Battle After Another", der laut SZ-Kritiker David Steinitz "sehr, sehr lose" auf ThomasPynchons Roman "Vineland" basiert (SZ), die ARD-Miniserie "Oktoberfest 1905" (FAZ) und die Netflix-Serie "Der Milliardärsbunker" über den DrittenWeltkrieg und dessen Folgen, die trotz dieses spektakulären Szenarios laut tazlerin Alice von Lenthe "hinter ihren Möglichkeiten zurückbleibt".
Hanns-Georg Rodek ist in der Welt - wie zuvor schon Rüdiger Suchsland auf Artechock - einigermaßen irritiert davon, mit welchen Windungen sich Institutionen des hiesigen Filmbetriebs davor zieren, den Aufruf "Fünf-Punkte-Plan gegen den Antisemitismus" mitzutragen. Die DeutscheFilmakadamie etwa verweist auf die Pluralität der Ansichten ihrer Mitglieder, die eindeutige Statements eines Dachverbands leider Gottes nun einmal verböten. "Denkt man diese Argumentation genauer durch, hält die Akademie anscheinend Antisemitismus für eine legitime Haltung, der man anhängen könne oder auch nicht; Hauptsache, dieVielfaltbleibtgewahrt." Ein anderer, ungenannt bleibender Verband will sich laut Rodek nicht an einem "Freibrief für die Regierung Netanjahu" beteiligen, doch "ist in den fünf Punkten ausdrücklich weder von der Regierung Netanjahu, noch von dem Hamas-Überfall noch von der israelischen Eroberung von Gaza die Rede". Bizarr findet Rodek auch den Hinweis dieses Verbands auf den semitischen Charakter arabischer Volksgruppen, weshalb sich ein Appell gegen Antisemitismus auch an Jüdinnen und Juden zu richten habe. "Was wohl nichts Anderes heißt, als dass die Juden erst einmal bei sich nachsehen sollen, ob sie nicht selbst antisemitisch sind."
Nein, DonaldTrump ist kein smarter Dealmaker, kein verkanntes Genie, dessen Eskalationen einem genauen Plan folgen. Donald Trump ist einfach dumm - und um ihn herum hält ihn ein Hofstaat von Yay-Sayern am Leben, lautet Claudius Seidls Befund in der SZ. Und solche Dummen findet man vor allem in der Kinogeschichte zuhauf: CharlieChaplin, ChicoMarx, InspektorClouseau und viele weitere - "Amerika hat die Schwachköpfe und Idioten immer verehrt. ... Geliebt wurden diese Helden in der Geschichte der Dummheit, weil man ihre Ignoranz als Widerstand gegen die Sachzwänge verstehen durfte, ihre Dämlichkeit als Verweigerung des Gehorsams, ihre Beschränktheit als Treue zu sich selbst. Das Ergebnis war meistens eine Lust am Zerstören und Kaputtmachen... Und genau so handelt Trump, dessen Trotteligkeit ja meistens unterhaltsam ist. Er zerstört keine Mauern, keine Autos, Autoritäten schon. Vor allem zerstört er Regeln, Rechte, Institutionen. Er zertrampelt alles, was nicht in seine kindergartenkindhafte Vorstellung vom Herrscher und dessen Möglichkeiten passt." Aber ganz ehrlich: Das haben Chaplin, Chico und Clouseau nun wirklich nicht verdient.
Weiteres: Jörg Taszman spricht im Filmdienst mit dem Schauspieler EnnoTrebs, der aktuell in ChristianPetzolds "Miroirs No. 3" zu sehen ist (mehr zum Film in unserem Resümee). Renato Schatz erinnert in der NZZ an die Sitcom "How I Met Your Mother", die vor 20 Jahren auf Sendung ging und eine ganze Generation junger Zuschauer begeisterte. Dietmar Dath erzählt in der FAZ von seiner familiär schwer zerrütteten Jugend in den frühen Achtzigern, als mit "Tron" plötzlich das digitale Effektekino Einzug ins Kino und in Kindergehirne hielt. Besprochen werden DennisGansels Kriegsfilm "Der Tiger" (FAZ) und EmmaBenestans "Animale" (Standard).
Wolfgang Hamdorf schreibt im Filmdienst einen Nachruf auf den Filmhistoriker MichaelHanisch, der noch zu DDR-Zeiten einige sehr geschätzte Bücher veröffentlichte. Beim Branchentreff Seriesly diskutierten in Berlin Macher über die ZukunftderTV-Serie, berichtet Marie-Luise Goldmann in der Welt.
Besprochen werden DamianHarris' "Brave the Dark" (Perlentaucher), ChristianPetzolds "Miroirs No. 3" (FAZ, SZ, mehr dazu bereits hier), FlorianPochlatkos "How to Be Normal" (Standard), Freddy Macdonalds "Sew Torn" (NZZ), die Netflix-Serie "Black Rabbit" (FAZ) und RachelLeeGoldenbergs auf Disney+ gezeigter Film "Swiped" (SZ).
Symptom eines Stillstands: Paula Beer in "Miroirs No.3" Die Filmkritiker verabschieden sich in ChristianPetzolds lichtdurchfluteten Spätsommer-Film "Miroirs No. 3" von den letzten warmen Tagen dieses Jahres. Nach einem Unfall auf dem Land kommt eine junge Frau (Paula Beer) bei einer etwas älteren Frau (Barbara Auer) und ihrem Mann (Matthias Brandt) samt Sohn (Enno Trebs) unter. Zu erleben ist "ein Film des Hier und Jetzt, angesiedelt in der weiten spätsommerlichen Landschaft der Uckermark, luftig genug, dass man nach den Leitmotiven Wasser und Feuer in Petzolds 'Undine' und 'Roter Himmel' tatsächlich vom Abschluss einer Elemente-Trilogie sprechen könnte", schreibt Sabine Horst in der Zeit. Petzolds großartiger "Roter Himmel" steht derzeit übrigens in der Arte-Mediathek.
Es ist "ein selbstbewusst kleinformatiger Film", schreibt Lukas Foerster auf critic.de, "geformt aus natürlichem Licht, sanften, leicht gewellten Landschaften, ebenfalls nur leicht gewellten Emotionen und ein paar wenigen, handverlesenen Musikstücken, die, wie meist bei Petzold, keinen untermalenden Charakter haben, sondern sich mitsamt ihren Klangfarben in den textuellen Vordergrund schieben." Erneut "vernäht Petzold Profanes und Erhabenes und führt zugleich in einen deutschen Osten, der nicht weiß wohin mit seinem romantischenÜberschuss", hält Daniel Kothenschulte in der FR fest. Tazler Tobias Obermeier bemerkt "eine leise Fröhlichkeit". Perlentaucherin Alice Fischer ist fasziniert vom "eigentümlichen Sog dieses Erzählens", bleibt am Ende aber auch "ein bisschen ratlos" zurück. "Alles teilt sich potenziell mit, nichts drängt sich auf", schreibt Amelie Hochhäusler auf Artechock, die sich daselbst auch gemeinsam mit Dunja Bialas mit Petzold unterhalten hat.
Kameradschaft im Osten: "Der Tiger" von Dennis Gansel Tagesspiegel-Kritiker Andreas Busche fällt aus allen Wolken: DennisGansel will mit "Der Tiger" einen Antikriegsfilm über Wehrmachtsoldaten an der Ostfront gedreht haben. "Das ist - selbst wenn Gansel auf das Raunen der Geschichte verzichten würde - eine Verdrängungsleistung, die das deutsche Kino seit dem Führerkammerspiel 'Der Untergang' nicht mehr aufgebracht hat." Auch Lennart Sämann fragt sich in der taz: "Braucht es wirklich nochmal zwei Stunden Film, die illustrieren, wie sich Befehlsträger der Wehrmacht eine Opfer-Haltung schaffen?" Weitere Besprechungen in der Welt und auf Artechock.
Rüdiger Suchsland ärgert sich auf Artechock darüber, wie sehr sich hiesige Filminstitutionen, unter anderem die Deutsche Filmakademie, zieren, sich einem Aufruf "gegen Hass und jeden Antisemitismus" anzuschließen. "Mehrere mir bekannte Filmemacher hatten die Akademie um Beteiligung gebeten. Sie erhielten eine Absage. In einer mir vorliegenden Absage ... verweist die Akademie auf ihre 'mehr als 2.400 Mitglieder' und deren 'sehr unterschiedliche Perspektiven, Haltungen und politische Standpunkte unter einem gemeinsamen Dach.' ... Eine erstaunlíche Wortmeldung: 'unterschiedliche Perspektiven, Haltungen und politische Standpunkte' in der Frage des Antisemitismus?"
Weitere Artikel: Rüdiger Suchsland (Artechock), Hanns-Georg Rodek (Filmdienst) und Jenni Zylka (taz) schreiben zum Tod von Robert Redford (weitere Nachrufe hier). Besprochen werden EdgarReitz' "Leibniz - Chronik eines verschollenen Bildes" (critic.de, ArtechockTsp, Zeit, FAZ), LuisOrtegas "Kill the Jockey" (Artechock), ChanaGazits und JeffBiebers Dokumentarfilm "Hannah Arendt - Denken ist gefährlich" (Artechock, FR), die DVD-Ausgabe von LangYis "Escape from the 21st Century" ("Es ist wirklich erstaunlich, dass die chinesischeZensur diese hoffnungslose Düsternis durchgehen lässt", schreibt Ekkehard Knörer in der taz), der dritte "Downton Abbey"-Film (Standard), die Netflix-Serie "Long Story Short" (ZeitOnline) und die abschließende Staffel des "Sex and the City"-Ablegers "And Just Like That" (FAZ).
Robert Redford am Set von "Der Clou", 1972 (Bild: Ken Dare, UCLA Library Digital Collections, CC BY 4.0) Eine Legende tritt ab: RobertRedford ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Er war "der größte Star von allen, als Stars noch Ikonen waren", schreibt Susan Vahabzadeh in ihrem großen, schwelgerischen Nachruf, für den die SZ die Seite Drei freigeräumt hat. Schon in jungen Jahren wollte Redford seine Persona nicht als Interpretationsfläche verstanden wissen. "Stattdessen wurde der Schauspieler das, was Redford in ihn hineininterpretierte. Ein paar der unvergesslichsten Momente in seinen Filmen sind jene, in denen ganz klar war, dass er meint, waserspielt. Wenn sein Joe Turner in 'Die drei Tage des Condor' die CIA bei einer Verschwörung erwischt hat, und er sagt: Ihr glaubt doch, beim Lügen nicht erwischt werden und die Wahrheit sagen sei dasselbe. Oder wenn 'Der elektrische Reiter' Sonny Steele ein teures Rennpferd klaut und in die Freiheit entlässt, weil 'hart vielleicht, aber einfach' eine gute Devise im Leben ist. ... Tatsächlich sind die Momente der von jeder Aktion unbefleckten Präsenz, die Szenen, in denen Redford einfach nur da ist, zu so einer Art Markenzeichen geworden."
Mit diesem Tod ist eingetreten, was nie hätte passieren sollen, seufzt Katja Nicodemus in der Zeit. "Dieser kalifornische Surferboy mit dem linken Gewissen, dieser erdbeerblonde Bilderbuchamerikaner, mit dem man sofort in jedem Nationalpark zelten und vor jedem Lagerfeuer sitzen würde, dieser Gentleman und Gauner mit den toll sitzenden Hemden, er sollte lang und gut leben! Weil er loslief, hinfiel, wieder aufstand, weitermachte. Er war ein Mann, der immer wieder voller Hoffnung die Widersprüche seines Landes auf die Leinwand brachte." Ewig leben sollte er aber auch, weil er "für etwas Einmaliges stand, für etwas, das nur die Kamera verstand und das Licht, das seine Erscheinung auf die Leinwand warf. Sein bester Kumpel Paul Newman brachte es auf den Punkt. Er sprach von Redfords unkorrumpierbarerMännlichkeit. Man könnte auch von seiner unkorrumpierbaren Schönheit sprechen."
Andreas Busche erinnert (Tagesspiegel) an Redford als Förderer eines kleinen, aufrichtigen Kinos: Redford war ein Gesicht New Hollywoods, als New Hollywood später dann zum Blockbusterkino wurde, drehte Redford auf eigene Faust Filme der kleinen Gesten, schließlich gründete er mit dem SundanceFestival ein Forum für den Independentfilm. Es "wurde zur Initialzündung für eine neue Generation von Filmemachern, nicht unähnlich des New-Hollywood-Booms zwanzig Jahre zuvor. Redford machte Sundance zur BrutkammerHollywoods, jedes Jahr im Januar pilgerte die Branche plötzlich nach Park City, um das nächste große Regietalent unter Vertrag zu nehmen. Die Ausbeute war beträchtlich: Quentin Tarantino, Steven Soderbergh, Robert Rodriguez, Darren Aronofsky, Barry Jenkins, Ryan Coogler, Chloé Zhao und Ava DuVernay starteten hier ihre Karrieren." Weitere Nachrufe schreiben Daniel Kothenschulte (FR), Jana Janika Bach (NZZ), Jan Küveler (Welt) und Jürgen Kaube (FAZ). Zeit und Tagesspiegel bringen Bilderstrecken. Arte hat eine Doku über Redford online.
Außerdem: Fabian Tietke (taz) und Esther Buss (FD) empfehlen eine Berliner Reihe mit Filmen der ungarischen Regisseurin JuditElek, die 1956 als erste Frau ein Filmstudium in Budapest aufnahm. Besprochen werden LuisOrtegas "Kill the Jockey" ("ein überragendes Meisterwerk", jubelt Bert Rebhandl in der FAZ, einen "eigenwilligen Galopp" erlebtetazler Dennis Vetter), EdgarReitz' "Leibniz: Chronik eines verschollenen Bildes" (SZ), DennisGansels Kriegsfilm "Der Tiger" (SZ), der auf Sky gezeigte Film "The Retirement Plan" mit NicolasCage (FAZ), FrancisLawrencesStephen-King-Adaption "Todesmarsch" (Standard) und die neue Staffel der Apple-Serie "The Morning Show" (taz).
So müsste man leben: "Gaucho Gaucho" Georg Seeßlen (Jungle World) gerät nach MichaelDwecks und GregoryKershaws Dokumentarfilm "Gaucho Gaucho" ins schwelgerische Träumen von einem Leben als Rinderhirt in der argentinischen Prärie. Es ist "ein Film, der einen radikalen Gegenentwurf zum kleinbürgerlichen Leben in einer westlichen Großstadt zeigt. Keine Idylle, weiß der Himmel, keine Utopie, keine Rührseligkeit. Nur eine Konzentration auf das Einfache und das Naheliegende. ... Das alles in Schwarzweiß und in Kameraeinstellungen, die wie Fotografien oder sogar wie Zeichnungen komponiert sind. Und in einem Format, das die Autoren und Regisseure bescheiden als 'Beautiscope' bezeichnen - Breitwand im Dienst der Schönheit. ... Panoramatisches, Expressives und Idyllisches, dazwischen nun eben die zweifellos harte Arbeit auf den Pferden und mit den Kühen. Dass wir uns am Rand einer Existenzform befinden, erfahren wir indirekt, dadurch, wie schrecklich der Verlust einer Kuh ist."
Außerdem: Bei der Emmy-Verleihung hat sich der für seine Serie "The Studio" mit einem Preisregen gesegnete Komiker Seth Rogen mal wieder als der Mensch mit dem ansteckendsten Lachen der Welt erwiesen, freut sich Daniel Gerhardt auf ZeitOnline. Bert Rebhandl resümiert in der FAZ das FilmfestivalToronto. In der FRgratuliert Daniel Kothenschulte der FilmhistorikerinHeideSchlüpmann zur Auszeichnung mit der Ehrenplakette der Stadt Frankfurt. Reinhard Kleber bringt für den Filmdienst in Erfahrung, ob sich Kino-Abokarten tatsächlich lohnen.
Besprochen werden ChristianPetzolds "Miroirs No. 3" (Tsp) und PaoloCognettis Dokumentarfilm "Fiore mio" über einen Sommer auf dem Monte Rosa (SZ).
Mittlerweile über 4.000 Filmschaffende ("Filmworkers for Palestine") haben einen in Hollywood kursierenden Aufruf unterschrieben, jegliche Zusammenarbeit mit israelischen Filminstitutionen abzulehnen, schreibt Andreas Busche im Tagesspiegel. Nach dem 7. Oktober waren es in der Branche gerade einmal 700, die sich solidarisch mit Israel zeigten. Dies markiert unmissverständlich einen maßgeblichenRichtungswechsel in Hollywood, wo man jahrzehntelang fest an der Seite Israels stand, hält Busche fest. Dabei waren schon "in den vergangenen zwei Jahren vor allem israelische Filme auf internationalen Festivals weitgehendunsichtbar." Und "wer sich heute in der amerikanischen Unterhaltungsindustrie für Israel ausspricht, riskiert inzwischen die beruflicheÄchtung. Das haben die Branchenmagazine zuletzt immer wieder - meist unter Verweis auf anonyme Quellen - berichtet." Unter anderem Dlfkultur meldet unterdessen, dass der Hollywood-Major Paramount den Aufruf deutlich kritisiert hat. Alle Links und Namen des Aufrufs der "Filmworkers for Palestine" hier.
Außerdem: Das Team von critic.de - darunter auch einige Perlentaucher-Filmkritiker - resümiert in Notizen die Entdeckungen, die sich beim auf den italienischenGenrefilm der Sechziger bis Achtziger spezialisierten Festival TerzaVisionein Frankfurt machen ließen. Robert Pfaller denkt im Standard über das aktuelle Slapstick-Revival in Filmen wie "Die nackte Kanone" und "Das Kanu des Manitu" nach. Dierk Saathoff schreibt in der JungleWorld zu 40 Jahren "GoldenGirls". Andreas Kilb gratuliert in der FAZ der Schauspielerin Carmen Maura zum 80. Geburtstag. Besprochen werden FrancisLawrencesStephen-King-Verfilmung "Todesmarsch" (Welt) und Kai WesselsArte-Film "An einem Tag im September" über die Begegnung zwischen KonradAdenauer und CharlesdeGaulle (taz).
Der Unterschied zwischen Philosophie und Kunst: Edgar Selge in "Leibniz - Chronik eines verschollenen Bildes" Kommenden Donnerstag startet EdgarReitz' "Leibniz - Chronik eines verschollenen Bildes". Er "wollte nicht über Leibniz erzählen, sondern aus ihm heraus", sagt der 92-jährige deutsche Autorenfilmer im taz-Gespräch gegenüber Chris Schinke und spricht im Weiteren über die Herausforderungen beim Dreh: Historische Motive in der Wirklichkeit waren ihm zu "museal, steril", er suchte nach Authentizität. Aber "im Studio ist alles so, wie man es sich ausgedacht hat. Alles ist Wille. Und das genügt mir nicht. Ich brauche Widerstände, Zufälle. ... Das Licht muss glaubwürdig sein", denn "in der Zeit von Leibniz gab es nur Tageslicht. ... Intimität entsteht auch durch die Wahl des Objektivs. Ich wählte ein 40-mm-Objektiv, denn das entspricht ziemlich genau den Abbildungsproportionen des menschlichen Auges. Ein weiteres Mittel war die Wahl der Farben. Unsere Wände sind in einem grün-blauen Farbton gehalten, der mehrfach übermalt wurde, bis er eine eigene Haptik hatte. Die Farbigkeit musste aus der Zeit von Leibniz stammen oder zumindest so wirken."
Für die FAS hat Bert Rebhandl mit dem Regisseur gesprochen, dem es mit diesem Film ein Anliegen war, auch auf den Unterschied zwischen Kunst und Philosophie hinzuweisen. "Es gibt eine Wahrheit, die gibt es nur in der Wissenschaft, und dann gibt es eine andere, nämlich eine künstlerische Wahrheit. Ob eine Person in ihrer ganzen inneren Wahrhaftigkeit und Tiefe in einem Gemälde dargestellt werden kann, ist eine enorm wichtige Frage. Wir werden heute ja überflutet von Bildern. Alle behaupten mehr oder weniger, wahr zu sein. Umso größer werden unsere Zweifel. Für mich als Filmemacher gilt es, diese letzte Bastion zu verteidigen: die Wahrheit in der Kunst jenseits aller Manipulierbarkeit."
Weiteres: Mariam Schaghaghi spricht in der FAS mit Kaouther Ben Hania, der Regisseurin des beim Filmfestival Venedig heftig diskutierten Gazakrieg-Films "The Voice of Hind Rajab". Besprochen werden EthanCoens "Honey Don't" (FAZ, Welt, mehr dazu bereits hier und dort), Isabella Brunäckers in Österreich startender Debütfilm "Sugarland" (Standard), LuisOrtegas argentinischer Film "Kill the Jockey" (FAS), der dritte "Downtown Abbey"-Film (SZ), eine Netflix-Doku über den Schauspieler CharlieSheen (NZZ) und die auf Disney+ gezeigte, deutsche Variante der französischen Erfolgsserie "Call My Agent" (FAS).
Nur noch "ermüdend" findet es SZ-Kritiker Gerhard Matzig, nachdem er aus der Scheidungskomödie "Die Rosenschlacht" kommt, wie Hollywood sich Architekten vorstellt: "Man fragt sich mittlerweile, ob in Hollywood keine Architektinnen leben, die den Drehbuchautoren der Architektenfilme mal mit ein bisschen Lebenswirklichkeit aushelfen könnten. ... Die Filmstudios in aller Welt präsentieren immer wieder die gleichen Klischees aus dem verstaubten Fundus." Auch der Kritikerliebling "Der Brutalist" (unsere Kritik) aus dem letzten Jahr hat im übrigen gepatzt: "Die 'Bauhaus'-Architektur darin hat leider wenig bis nichts mit dem Bauhaus zu tun. Die Skizzen könnten fast von einer KI stammen. Aber nicht alles, liebes Chat-GPT, was weiß und orthogonal ist, ist Bauhaus."
Besprochen werden eine Margarethe von Trotta gewidmete Ausstellung in Berlin (FD), HendrikLöbberts Dokumentarfilm "Memory Wars" über die US-Psychologin ElizabethLoftus, die zum False-Memory-Syndrom im Zuge fehlgeleiteter Traumatherapie forscht (Welt), AndrewRenzisNetflix-Doku über den Schauspieler CharlieSheen (Standard) und die Sky-Serie "Task" (FAZ).
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