Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Film

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.01.2026 - Film

Harte Schale, fürsorglicher Kern: "Heated Rivalry"

Diese Serie ist "großer subversiver Pop", schreibt Rabea Weihers, die auf Zeit Online darüber nachdenkt, warum die demnächst auch in Deutschland startende HBO-Serie "Heated Rivalry" über die romantische und sexuelle Annäherung zweier homosexueller Eishockeyspieler insbesondere von Frauen zu so einem Erfolg gemacht wurde. "Kampfmaschinen" sind diese Männer nur auf dem Eis, aber "privat entwickeln sie sich im Laufe der Serie zu Idealtypen, wie liberale, progressive Heterofrauen sie sich wohl vorstellen: umsichtig, fürsorglich, aufrichtig, bei sich." Damit "führt die Serie ein neues Narrativ von Männlichkeit in die Popkultur ein. ... Sie zeigt Männer in so leidenschaftlicher Tiefenschärfe, wie" Frauen "sie selbst gern erleben würden."

Tobias Sedlmaier steht der Serie in der NZZ skeptisch gegenüber. Nicht nur stört ihn, wie "erstaunlich klinisch und mechanisch" hier "makellos-muskulöse Männerkörper" inszeniert sind. Auch wundert ihn, dass kaum problematisiert wird, dass die Serie mit queeren Inhalten vor allem auf ein heterosexuell-weibliches Publikum schielt, was in der schwulen Szene durchaus für Stirnrunzeln sorgt. "Die omnipräsente Euphorie über 'Heated Rivalry' überdeckt die Kritik an Stereotypen, die leise auch aus der queeren Community zu hören ist: Echte Homophobie ist nur angedeutet, das Versteckspiel der beiden hingegen romantisiert. Die Vielfalt homosexueller Lebensweisen wird stellvertretend in ein abgenutztes Romance-Schema gepresst. Womöglich liegt es an der Sympathie für die gute Sache, dass "Heated Rivalry" oft mit Samthandschuhen angefasst wird."

Die Spielszenen überzeugen: "Astrid Lindgren - Die Menschheit hat den Verstand verloren"

Tazler Wilfried Hippen kann Wilfried Haukes auf Grundlage von Astrid Lindgrens Tagebüchern aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs entstandener Doku-Fiction "Astrid Lindgren - Die Menschheit hat den Verstand verloren" zwar einiges abgewinnen: Die Spielszenen sowie das Archivmaterial überzeugen. "Allerdings problematisch" wird der Film oft dann, wenn sich die Erben der schwedischen Kinderbuchautorin "in arg gestellten Gesprächsszenen" ins Bild drängen. "Da wird auch deutlich, dass dies ein von der Familie autorisierter Film ist (Urenkel Johan Palmberg wird im Abspann als executive producer genannt). So wirken diese Sequenzen zu oft wie Homestorys, in denen all die schön restaurierten Wohnungen und Häuser der Lindgren-Familie vorgestellt werden. Spätestens bei den werbespotartigen Aufnahmen vom Vergnügungspark 'Astrid Lindgrens Värld' kann man schon von Product-Placement sprechen." Zuvor hatte der Filmdienst mit dem Regisseur gesprochen (unser Resümee).

Weiteres: Der Tages-Anzeiger übernimmt aus La Republicca ein Gespräch mit Gwyneth Paltrow über ihr Kino-Comeback in Josh Safdies "Marty Supreme" an der Seite von Timothée Chalamet. Besprochen wird Thilo Mischkes ZDF-Dokuserie "German Guilt", in dem der Journalist gemeinsam mit Ronja von Rönne und Katja Riemann die eigenen Familiengeschichten aus dem Nationalsozialismus zu rekonstruieren versucht (NZZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.01.2026 - Film

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Reinhard Kleber spricht für den Filmdienst ausführlich mit Wilfried Hauke über dessen dokumentarische und fiktionale Elemente kombinierenden Porträtfilm "Astrid Lindgren - Die Menschheit hat den Verstand verloren". Für den eng mit Lindgrens Erben entstandenen Film ließ er sich von den zur Zeit des Zweiten Weltkriegs entstandenen Tagebuch-Aufzeichnungen der schwedischen Kinderbuchautorin leiten. "Überrascht hat mich Lindgrens analytische Begabung, wenn sie die Kriegsereignisse verfolgt und erkennt, was da mental falsch läuft. ... Warum es in Norwegen eine starke Nazi-Fraktion gibt" oder "wie sich die Finnen so tapfer gegen die Russen wehrten, während die Dänen bis zum Abwinken mit den Nazis kollaborierten. ... Diese Analysen stammen von einer Mutter mit zwei Kindern, die als Sekretärin ausgebildet ist. Sie ist keine Historikerin, keine Kulturwissenschaftlerin, sondern eine Frau, die vom Bauernhof kommt, die viele Bücher liest und ein Talent fürs Erzählen hat. ... Der entscheidende Punkt, darüber einen Film zu machen, war jedoch ein anderer. Hier versucht jemand, einen literarischen Stil zu finden" und "das gelingt Lindgren in wachsendem Maße. Hier schreibt sich jemand frei."

NZZ-USA-Korrespondent Marc Neumann staunt, dass die "South Park"-Macher Trey Parker und Matt Stone mit ihren respektlos anarchischen Grotesken gerade nicht nur die Trump-Administration derbe der Lächerlichkeit preisgeben, sondern damit auch Zuschauerrekorde einfahren und zumindest bislang keinen Repressionen ausgesetzt sind. Dabei läuft die Animationsserie sogar auf Paramount. Und "Paramount hat angeblich unter Druck von Trump unter anderem Steven Colberts 'Late Night Show' abgesetzt. Mit Trey Parker und Matt Stone ... unterzeichnete Paramount erst in diesem Frühsommer einen Fünfjahresvertrag über 1,25 Milliarden Dollar. ... Der Erfolg von 'South Park' ist der Grund, warum Trump es unterlässt, sich dagegen zu wehren. Er würde den Sendungsmachern bloß noch mehr Aufmerksamkeit bescheren. Einzig zu Beginn von Saison 27 gab das Weiße Haus ein laues Statement ab, die Show sei seit zwanzig Jahren irrelevant und buhle verzweifelt um Aufmerksamkeit. Seither kam nichts mehr."

Weiteres: Die Agenturen melden, dass beim Filmfestival Max Ophüls Preis in Saarbrücken Ben Voits Berlin-Film "Gropiusstadt Supernova" den Hauptpreis gewonnen hat (hier Ausschnitte aus dem Film sowie ein Gespräch mit den Machern). Sophia Zessnik sorgt sich in ihrer taz-Kolumne um den Fortbestand der Kinos in den Großstädten. Geschichtslehrern, die ihren Schülern die DDR vermitteln wollen, rät Michael Pilz in der Welt dazu, für ihren Unterricht auf Frank Beyers Film "Spur der Steine" zurückzugreifen, der seinerzeit rasch im Giftschrank der SED verschwand. In der FAZ gratuliert Andreas Kilb dem Drehbuchautor und Regisseur Christopher Hampton zum 80. Geburtstag. Besprochen wird die HBO-Serie "The Pitt" (NZZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.01.2026 - Film

Beklemmende Ambivalenzen: "White Snails" von Elsa Kremser und Levin Peter

Das deutsch-österreichische Regieduo Elsa Kremser und Levin Peter war bislang vor allem für dokumentarische Arbeiten bekannt. Diese sind "Kunstwerke einer marginalen Sensibilität, eines dezidierten Gegenblicks zu panoptischer Überwachung und Panoramen der Macht", schreibt Bert Rebhandl im Standard. Ihr neuer Film "White Snails" ist zwar fiktiv, aber dokumentarisch grundiert und erzählt von einem Model und einem Bestattungsarbeiter in Belarus. Was auf den ersten Blick nicht sonderlich politisch wirkt, offenbart sich bei genauerem Hinsehen dann aber doch als genau das: Es "ist eine Geschichte, die alles Offizielle, Institutionelle meidet, und die nach einem Bereich sucht, der eben nicht einfach das Private ist, sondern etwas Größeres: etwas Persönliches, das auch latent subversiv ist." Es geht "um einen entscheidenden, auch politischen Aspekt des heutigen Belarus - um die Frage, ob man in diesem Land (noch) leben kann. Masha ist dabei die gefährdetere der beiden, bei ihr haben Ideen von Weggehen eine beklemmende Ambivalenz."

"Hollywood belohnt wieder ernsthaftes, politisches Kino", jubelt Tobias Sedlmaier in der NZZ angesichts der sechzehn, respektive dreizehn Oscarnominierungen für Ryan Cooglers "Blood & Sinners" (unser Resümee) und Paul Thomas Andersons "One Battle After Another" (unsere Kritik). Denn: Beide Filme "sind vielschichtige Spiegel des Zeitgeschehens". Doch Vorsicht, sagt der Perlentaucher: Man hat auch schon zweistellig nominierte Filme gesehen, die am Ende leer ausgegangen sind. Mladen Gladic von der Welt sieht in den beiden Filmen nur die prominentesten Beispiele eines sich formierenden Gegenwartskinos, das "als Allegorie dessen, was alles falsch läuft in den USA ... verstanden werden" kann. Zu einem ähnlichen Schluss kommt die darüber hocherfreute FAZ-Kritikerin Sandra Kegel, die im übrigen auch Mascha Schilinskis "In die Sonne schauen" (unsere Kritik), der es nun doch nicht in die Nominierungen geschafft hat, keine Träne nachweint: "Die Kunstanstrengung steht in den drei Filmstunden herum wie ein Grabstein, der nicht verwittert."

Weiteres: Tobias Sedlmaier porträtiert in der NZZ die Schweizer Schauspielerin Luna Wedler, die aktuell in Ildikó Enyedis "Silent Friend" (unser Resümee) zu sehen ist. Agententhriller aus Hollywood zeichnen ein völlig falsches Bild beruflichen Alltag eines Spions, erklärt Clara Nack in der taz.

Besprochen werden Chloé Zhaos "Hamnet" (dieser Film "gibt dem wabernd überwältigend Menschlichen eine ästhetische Form", schreibt Kathleen Hildebrand in der SZ, mehr zum Film hier), Simon Verhoevens Verfilmung von Joachim Meyerhoffs autobiografischem Roman "Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke" (WamS, FAS), Timur Bekmambetows Science-Fiction-Film "Mery" mit Chris Pratt (Standard) und Nicole Schergs vorerst nur in Österreich startender Dokumentarfilm "Wise Women" (Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.01.2026 - Film

16 Nominierungen für "Blood & Sinners" - Rekord!

Die Oscarnominierungen sind bekannt gegeben. Ryan Cooglers antirassistischer Splatter-Horror-Western "Blood & Sinners" (unser Resümee) bricht mit 16 Nominierungen alle Rekorde, dicht auf den Fersen ist ihm Paul Thomas Andersons "One Battle After Another" (unsere Kritik) mit 13 Nominierungen. "Dass die beiden Favoriten ausgerechnet von Warner Bros. produziert wurden, ist eine pikante Pointe", stellt Andreas Busche im Tagesspiegel fest. "Um das Traditionsstudio ist in den vergangenen Monaten ein unerbittlicher Bieterstreit zwischen Netflix und Paramount entbrannt. In puncto Dominanz von Box-Office, Streamingmarkt und jetzt auch Oscars könnte sich der Warner-Deal für die Netflix-Bilanz als wegweisend herausstellen. Denn in einem Kinojahr, das stärker denn je von Franchises dominiert war, ist die Anerkennung von singulären Filmen wie 'Blood & Sinners' und 'One Battle After Another' ohne eine angehängte Verwertungskette zumindest ein kleiner Hoffnungsschimmer."

Die deutsche Oscarhoffnung, Mascha Schilinskis "In die Sonne schauen" (unsere Kritik), hat es derweil nicht bis in die finalen Nominierungen für den besten internationalen Film geschafft. Das braucht sich die Regisseurin "aber nicht allzu sehr zu Herzen zu nehmen", tröstet David Steinitz in der SZ, "denn so hart wie diesmal war die Konkurrenz in dieser Kategorie selten. In die Endauswahl geschafft haben es der brasilianische Thriller 'The Secret Agent' mit 'Narcos'-Star Wagner Moura, die iranische Tragikomödie 'Ein einfacher Unfall' (die durch Frankreich eingereicht wurde, weil der Regisseur Jafar Panahi in seiner Heimat politisch verfolgt wird), das gefeierte spanisch-französische Drama 'Sirāt', das Gaza-Drama 'Die Stimme von Hind Rajab' und die norwegische Familientragikomödie 'Sentimental Value'." Außer "Hind Rajab" hatten alle Filme in Cannes Weltpremiere: Sie "unterstreichen mal wieder mehr als deutlich den Ruf der Croisette als bedeutendstes Filmfestival der Welt."

Weitere Artikel: In seiner "Cinema Moralia"-Glosse auf Artechock ärgert sich Rüdiger Suchsland unter anderem über eine "geschwätzige" Pressemitteilung der Europäischen Filmakadamie, die für die ganze Welt Empathie aufbringt, nur nicht für die Opfer und Hinterbliebenen des 7. Oktobers. Patrich Heidmann spricht für epdFilm mit Chloé Zhao über deren "Hamnet"-Film. Gerhard Midding versenkt sich für epdFilm in die düsteren Soundtrackwelten von Hildur Guðnadóttir. Dunja Bialas verzweifelt auf Artechock, dass das vor einem Jahr geschlossene Münchner Traditionskino am Sendlinger Tor unter dem Titel "Das neue Dings" als Eventlocation wiedereröffnet wird, in der nur äußerst ausnahmsweise auch mal ein Film gezeigt wird. Jörg Taszman resümiert im Filmdienst die Verleihung des Europäischen Filmpreises. Rumeysa Ceylan blickt für die taz auf den Social-Media-Hype insbesondere unter Frauen um die HBO-Serie "Heated Rivalry", in der es um schwule Eishockeyspieler geht. In der FAZ legt uns Wiebke Hüster das filmische Begleitprogramm der Hamburger Ausstellung "Die Botschaft der Wildtiere" ans Herz.

Besprochen werden Kaouther Ben Hanias "Die Stimme von Hind Rajab" (critic.de, Artechock, epdFilm, mehr dazu bereits hier), Leela Vargheses und Emma Hough Hobbs' Animationsfilm "Lesbian Space Princess" (FAZ, unsere Kritik), Timur Bekmambetovs "Mercy" (Artechock), Vinciane Millereaus "Die progressiven Nostalgiker" (Artechock), Tim Dünschedes "Die Drei ??? - Toteninsel" (Artechock) und die Amazon-Serie "Steal" (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.01.2026 - Film

Szene aus Kaouther Ben Hanias "Die Stimme von Hind Rajab"

Kaouther Ben Hanias "Die Stimme von Hind Rajab" wurde schon bei der Weltpremiere bei den Filmfestspielen in Venedig sowohl gefeiert, aber auch kontrovers diskutiert (unsere Resümees). Der Film erzählt anhand von Tonaufzeichnungen aus Perspektive einer Notruf-Einsatzzentrale von den letzten Lebensminuten des palästinensischen Mädchens Hind Rajab, das bei einem israelischen Angriff auf Gaza-Stadt getötet wurde und per Telefon um Hilfe rief. Dass dieser Fall schrecklich ist, steht für Menschen mit Empathievermögen unabhängig von politischer Positionierung völlig außer Frage, schreibt Chris Schinke in der taz. Aber er stellt sich auf Fragen zum Gestus und ob es richtig ist, das Massaker vom 7. Oktober als Kontext auszublenden. Es "ist ein Film, der vehement emotionalisieren, der wachrütteln, der erschüttern soll. Ein erzählerisch grobschlächtiger, beinahe schon erpresserischer Gestus." Zwar "darf ein Film radikal einseitig, durchaus auch parteiisch sein. Die Frage ist vielmehr, ob die erzählerisch-ästhetischen Setzungen bei Zuschauern zu einer vielversprechenden Auseinandersetzung führen. 'The Voice of Hind Rajab' lässt mit seinem Überwältigungsgestus eine solche kaum zu, sondern erzielt seinen emotionalen Effekt auf Kosten des Originalmaterials, bei dem sich die Frage stellt, ob die Stimme eines toten Mädchens instrumentell zum Gegenstand von Dramatisierung werden sollte."

FR-Kritiker Daniel Kothenschulte sah den Film völlig anders, widerspricht sich aber auch ein wenig selbst: "Beim Filmfestival Venedig versetzte die Regisseurin das Premierenpublikum in gebannte Anspannung, die sich in den angeblich längsten dokumentierten Ovationen der Festivalgeschichte von 23 Minuten entlud." Doch gibt es laut Kothenschulte "keine unangemessene Emotionalisierung, nichts wird einer dramaturgischen Zuspitzung oder einer Spannungsdramaturgie untergeordnet." Was denn nun?

Auch SZ-Kritiker Moritz Baumstieger fragt sich, ob "man stundenlange Aufzeichnungen eines fünfjährigen Kindes nutzen darf, um einen emotionalen Effekt zu erzielen", wischt diese Bedenken aber schnell weg, denn schließlich haben die Eltern ihr Okay gegeben. Dass der Film keinen Kontext liefert, hält er derweil für einen Vorteil, so werde wenigstens niemand "dämonisiert. ... Dass bei dieser Herangehensweise kein ausgewogener Film mit Informationscharakter herauskommt, ... ist logisch." Zwar "kann man es falsch finden, in Zeiten von KI-Fakes und allgemeiner Verwirrung mutwillig Fakten und Fiktion zu vermischen. Doch jedem, den das stört, steht es frei, sofort nach dem Abspann wieder von Emotion auf Ratio zu schalten."

Weitere Artikel: Die Deutsche Kinemathek eröffnet ihr auf zehn Jahre (und womöglich länger) angelegtes Provisorium im Berliner E-Werk, berichtet Michael Meyns in der taz. Daniel Kothenschulte spricht in der FR mit Chloé Zhao über ihr Shakespeare-Drama "Hamnet". Katja Nicodemus sendet in der Zeit eine Notiz von Rosa von Praunheims Beerdigung.

Besprochen werden Leela Vargheses und Emma Hough Hobbs' Animationsfilm "Lesbian Space Princess" (Perlentaucher, Tsp), die DVD-Ausgabe von Francis Lawrences Stephen-King-Adaption "The Long Walk" (taz), Tim Dünschedes neuer "Die Drei ???"-Film (Welt), Ildikó Enyedis "Silent Friend" (Jungle World, mehr zum Film hier), Paul Feigs "The Housemaid" (NZZ, unsere Kritik) und Ronja von Rönnes und Thilo Mischkes ZDF-Doku "German Guilt" über die Suche in den eigenen Familien nach NS-Tätern (Welt).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.01.2026 - Film

Die Berlinale hat ihr Programm bekannt gegeben. Es ist der zweite Jahrgang unter der neuen Leiterin Tricia Tuttle. "Die ganz großen Spitzentitel des anstehenden Kinojahres, um die sich die drei großen europäischen Festivals traditionell reißen", sind nach mittlerweile alter Sitte auch in diesem Jahr mal wieder nicht dabei, seufzt David Steinitz in der SZ. "Regieprominenz" vom Kaliber eines Richard Linklaters, den Tuttle 2025 nach Berlin locken konnte, fehlt tatsächlich, stellt tazler Tim Caspar Boehme fest, aber immerhin sind ein paar Namen dabei, die engagierte Beobachter des internationalen Autorenkinos auf dem Zettel haben können. Aus Deutschland sind Ilker Çatak, Angela Schanelec und Eva Trobisch im Wettbewerb. Doch wächst der Zweifel, ob jene, "die einen stetigen Bedeutungsverlust der Berlinale im Vergleich mit ... Cannes und Venedig beklagen, nicht doch recht haben könnten".

Im Tagesspiegel beschleicht Andreas Busche zunehmend der Eindruck, dass auch Tuttle "gegen die Markt-Konzentration im internationalen Festivalzirkus machtlos ist. Das relativiert ein wenig die Kritik an ihrem Vorgänger, dem gelegentlich eine 'Verzwergung' der Berlinale vorgeworfen worden war." Carlo Chatrian wurde ja recht unschön von der Kulturpolitik und unter Applaus von Teilen der Presse abgesägt, unter anderem, weil er angeblich zu wenig Stars auf den Roten Teppich gebracht habe. Stimmt also wenigstens die Star-Power? Mit einer kleinen Handvoll Stars - die meisten im Herbst ihrer Karrieren - ist zwar zu rechnen, meldet Jörg Gerle im Filmdienst, aber nur abseits des Wettbewerbs. "Das Kino, das Tuttle und ihr Team für ihren Wettbewerb präferieren, ist dagegen eher unglamourös: An der Spree glüht man für das Kino mit Anspruch."

Außerdem: Bert Rebhandl ist im Standard überzeugt, dass Jessie Buckley mit ihrer Rolle in Chloé Zhaos (in taz, Standard und FAZ besprochenem) Shakespeare-Drama "Hamnet" den Oscar schon gewonnen hat. Der Filmdienst meldet die Nominierten für den Preis der deutschen Filmkritik. In der FAZ gratuliert Maria Wiesner Geena Davis zum 70. Geburtstag. Besprochen wird Joe Carnahans Netflix-Thriller "The Rip" mit Ben Affleck und Matt Damon (Standard),

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.01.2026 - Film

Besprochen werden Chloe Zhaos Shakespeare-Drama "Hamnet" (NZZ, mehr dazu bereits hier),  Alexe Poukines "Madame Kika" (Standard), das "Game of Thrones"-Spinoff "A Knight of the Seven Kingdoms" (Welt) und Nia DaCostas Horrorfilm "28 Years Later: The Bone Temple" (SZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.01.2026 - Film

Noch bis zum 25. Januar läuft im Berliner Zeughauskino das Nachspiel einiger Filme der von Tilman Schumacher (der auch für den Perlentaucher als Kritiker tätig ist) ursprünglich für DOK Leipzig kuratierten Reihe "Un-American Activities" (unser Resümee) mit us-amerikanischen Filmen, die zur Zeit der DDR bei DOK Leipzig im Programm liefen. Aus diesem Anlass hat Cargo Schumachers großen Essay zur Reihe online freigeschaltet. "Was ist es, was die Filme enthüllen? Ich denke, sie treibt vor allem die Offenlegung einer sehr amerikanischen Rhetorik der Macht um. De Antonios Filme kreisen um medial vermittelte Mechanismen des Machterhalts und -missbrauchs. Dialog- und Monologexzesse wie 'Point of Order' (1964) und 'Milhouse - A White Comedy' (1971) sind Found-Footage-Montagen, die nicht weniger als eine Demontage der schillernden Führungsfiguren des ultrakonservativen Amerikas zum Ziel haben. De Antonios Filme sind scharf, kantig, ätzend; es sind persönliche Feldzüge, ohne Rücksicht auf Verluste." Doch "handelsübliche Agitprop war ... eher die Ausnahme als die Regel." Diese Filme "gehen in Konfrontation mit dem eigenen Land, dessen Versprechen sie nicht eingelöst sehen. Sie haben die Hoffnung auf die USA - trotz allem - noch nicht aufgegeben."

Weitere Artikel: Mit Ausnahme von Jafar Panahis Rede und eines Seitenhiebs Richtung Donald Trump war die Verleihung des Eurpäischen Filmpreises, bei der Joachim Triers "Sentimental Value" als bester Film ausgezeichnet wurde, ein "eher unpolitischer Abend", berichtet Jenni Zylka in der taz. Für den Standard resümiert Valerie Dirk den Abend. Denis Sasse widmet sich im Filmdienst Patchwork-Family-Filmen. Besprochen werden Chloé Zhaos Shakespeare-Drama "Hamnet" (Tsp, mehr dazu bereits hier) und Wilfried Haukes mit Spielszenen angereicherte Kinodoku "Astrid Lindgren - Die Menschheit hat den Verstand verloren" (SZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.01.2026 - Film

"Hamnet" von Chloé Zhao

Mit ihrem bei den Golden Globes bereits als bestes Drama gewürdigten Shakespearefilm "Hamnet" ist Regisseurin Chloé Zhao "eine Art naturmystischer Kontrapunkt zu dem romantisch-komödiantischem 'Shakespeare in Love'" geglückt, freut sich Hanns-Georg Rodek in der Welt. Der Film stellt sich die Frage, ob Shakespeare mit seinem "Hamlet" den frühen Tod seines einzigen Sohnes Hamnet verarbeitet hat - dies aber nicht im Modus eines Kostümschinkens, sondern mit sehr gegenwärtigen Mitteln: "Fast glaubt man sich in einem Terrence-Malick-Film, wo immer die Schönheit der Natur mit den Schrecken menschlicher Tragödien koexistiert und tiefere Bedeutung suggeriert. ... Man müsste lange nach einem Film suchen, der die Trauer um den Verlust eines Menschen derart spürbar macht." In der FAZ erzählt Bert Rebhandl von seiner Begegnung mit der Regisseurin, mit der sich offenbar trefflich über westliche und östliche Philosophie sprechen lässt.

Weiteres: Josef Schnelle würdigt im Filmdienst die Filme und Bücher von Dietrich Brüggemann. Der Filmhistoriker Rainer Rother widmet sich in "Bilder und Zeiten" der FAZ der Rolle, die das Essen in den Filmen von Jean Renoir spielt. Besprochen werden Nia DaCostas Horrorfilm "28 Days Later: Bone Temple" (SZ), Joe Carnahans Netflix-Thriller "The Rip" mit Ben Affleck und Matt Damon (SZ) sowie das "Game of Thrones"-Prequel "A Knight of Seven Kingdoms" (WamS).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.01.2026 - Film

"Mother's Baby" von Johanna Moder

Im Titel des Mutterschaftsdrama "Mother's Baby" der österreichischen Regisseurin Johanna Moder klingt nicht umsonst Polanskis "Rosemarys Baby" an, schreibt Benjamin Moldenhauer im Perlentaucher. Doch Moders Film über eine Mutter, der eine postnatale Depression wohl eher untergejubelt als attestiert wird und die sich von ihrem jungen Kind zusehends entfremdet fühlt, zielt nicht auf übernatürlichen Horror. Es sind die "mit mikrosoziologischer Genauigkeit eingefangenen Interaktionen, anhand derer 'Mother's Baby' ein Bild von Mutterschaft als Zustand der Ungewissheit, Entfremdung und des Selbstverlustes zeichnet. Ein Zustand, der nicht individualpsychologisch und schon gar nicht biologisch erklärt werden kann, sondern das Ergebnis einer sozialen Konstellation ist, innerhalb derer die Frau, als Mutter, vom Subjekt zum Objekt degradiert wird." Artechock-Kritiker Rüdiger Suchsland hält den Film ebenfalls für gelungen und durchaus klug, allerdings ist in seinen Augen "die hier implizit formulierte Kritik an der Reproduktionsmedizin und ihren Versprechen ein bisschen schlicht".

Weitere Artikel: Pavao Vlajcic erinnert sich auf critic.de an zwei filmische Offenbarungen, die ihm der kürzlich verstorbene Béla Tarr bescherte. Marisa Buovolo erinnert in der NZZ an David Lynch, der vor einem Jahr gestorben ist und der am 20. Januar 80 Jahre alt geworden wäre.

Besprochen werden Ildikó Enyedis Baumdrama "Silent Friend" (Artechock, unser Resümee), Paul Feigs Erotikthriller "The Housemaid" mit Sydney Sweeney (Artechock, Standard, unsere Kritik), Nia DaCostas Horrorfilm "28 Days Later 2" (Zeit Online), Hille Nordens "Smalltown Girl" (Artechock), Alexe Poukines "Madame Kika" (Artechock, critic.de), Carmen Emmis "Plainclothes" (critic.de), Marcus H. Rosenmüllers Komödie "Extrawurst" mit Hape Kerkeling (Artechock, SZ) und Thomas Imbachs vorerst nur in der Schweiz startender Film "Nacktgeld" (NZZ).