Die Buchmacher

Stiefmütterliche Feuilletons

Ein Blick in die Branchenblätter der Buch- und Verlagswelt. Jeden Montag ab 12 Uhr.
04.02.2008. Warum um Open-Access nicht mehr so scharf gestritten wird. Inwiefern der Wettstreit der Filialisten um Flächen dafür umso schärfer wird. Wieso "ThaliaPreise" verboten sind. Und wer sich darüber ärgert, dass Feuilletons zweite Bücher stiefmütterlich behandeln.

Börsenblatt

Nachdem das Landgericht Frankfurt Thalia dazu verdonnert hat, preisgebundene Bücher nicht mehr dem Zusatz "ThaliaPreis" zu bewerben - die Werbung sei geeignet, den Verbraucher in die Irre zu führen und den Wettbewerb "nicht unerheblich" zu beeinflussen (hier die Meldung) -, kommentiert Eckart Baier: "Es fällt auf, dass Thalia, Hugendubel oder Der Club immer aggressiver mit dem Preisargument punkten wollen. Buchhändler, die darüber schimpfen, sollten aber zunächst ihr eigenes Ver­halten prüfen: Billigbücher ganz nach vorn, heißt vieler­orts die Devise - was das Preisbewusstsein beim Kunden genauso unterhöhlt."

Rainer Moritz, Chef des Hamburger Literaturhauses, beklagt sich im Gastkommentar darüber, dass Feuilletons zweite Bücher stiefmütterlich behandeln. Hintergrund: Während die Erstlinge sich oft "durch schönste Unbekümmertheit" auszeichneten, seien zweite Bücher nicht selten eine schwierige Geburt. "Die Literaturkritik trägt in letzter Zeit selten dazu bei, zweite Bücher angemessen zu begleiten", moniert Moritz und führt die Autoren Franziska Gerstenberg und Egon Gramer als Leidensgenossen ins Feld. "Ihres Nachrichten- und Sensationswertes - da die recht junge, da der recht alte Debütant - beraubt, wurden Gerstenberg und Gramer von den meisten Literaturredaktionen auf die Seite geschoben, als gälte es, jedes Frühjahr und jeden Herbst partout neue Säue durchs Dorf zu treiben."

Im Interview mit hh rekapituliert der Luchterhand-Lektor Klaus Siblewski das dritte Treffen der angestellten Lektoren in Hildesheim. Für ihn persönlich sei interessant gewesen, sich zu vergewissern, dass auch seine Kollegen während der Arbeit am Manuskript verschiedene Phasen durchleben: von "großer Zuneigung bis zu enormen Widerständen".

Ein Artikel mit Geschmäckle: Max Florian Kühlem porträtiert auf drei Magazin-Seiten den Bücherregale-Bauer Jan Paschen. Tenor: Der Unternehmer baut mit Leidenschaft Bücherregale, stammt aus einer bildungsbürgerlichen Familie - und sieht mit aufgeknöpftem Hemd und dicker Holzkette überdies auch noch cool aus. Der fade Beigeschmack entsteht dadurch, dass Paschen, der (O-Ton des Artikels) "umtriebige Unternehmer mit Visionen und Gewinnzielen", auf Wunsch des Börsenvereins in den kommenden drei Jahren den Deutschen Buchpreis mit 300.000 Euro unterstützt (hier die Meldung). Über das Medienecho, zitiert der Autor den Regalbauer, erhoffe er sich "natürlich auch einen Imagegewinn für die Firma" - den Grundstein hat das Börsenblatt für die Verbandsmutter nun gelegt.


Weitere Themen: Michael Roesler Graichen untersucht den Trend, dass Verlage ihre Bildungsdienstleistungen ausbauen - weil das Schulbuchgeschäft stagniere - und porträtiert in einem zweiten Artikel den Stuttgarter Kohlhammer-Verlag (500 Mitarbeiter, 3000 Backlist-Titel, Umsatz 2006: 38 Millionen Euro, inklusive aller Betriebe wie Druck 92 Millionen Euro). Nils Kahlefendt stellt den Dresdner Buchhändler Thorsten Tonndorf vor. Den Fragebogen hat der Autor Marcus Braun ausgefüllt (Lebensmotto: "Die Leber ist an sich ein sehr gutmütiges Organ"). Hier das Inhaltsverzeichnis.
Archiv: Börsenblatt
Stichwörter: Deutscher Buchpreis, Tenor

buchreport.express

Im Aufmacherartikel analysiert buchreport anlässlich der internationalen Berliner Konferenz Academic Publishing in Europe (APE) die Entwicklung des Open-Access-Publizierens, des freien Zugangs zu wissenschaftlichen Informationen. Die Auseinandersetzungen zwischen Verlagen, die ihr Geschäft bedroht sehen, und Institutionen, die zu Verlagen werden, seien nicht mehr so konfrontativ wie noch vor Jahren. "Es entwickeln sich Parallelwelten des Wissens mit einem Nebeneinander von Open-Access-Modellen: So kooperierten beispielsweise Non-Profit-Organisationen wie Forschungsgemeinschaften zunehmend mit Verlagen. "Die Verlage organisieren weiterhin den Publikationsprozess und besitzen die Zeitschriftenmarken, sie werden jedoch nicht mehr vom Leser/Nutzer, sondern von Autoren bzw. von deren wissenschaftlichen Institutionen bezahlt." Außerdem werde Open Access als Angebot ins Verlagsprogramm integriert. "Die einstige interneteuphorische Vision, dass Open Access im gehobenen Stil des populären Mitmach-Webs 2.0 als kostenloses Publizieren öffentliche Budgets schonen könnte, verblasst jedenfalls zusehends. Die Existenzberechtigung der Verlage wird nicht mehr offensiv in Frage gestellt", bilanziert buchreport.

Till Spielmann kommentiert den Wettstreit der Filialisten um Flächen. Nach dem rasanten Wachstum der vergangenen Jahre sei bald mit einer Sättigung zu rechnen - die Verdrängung mit großen, kostspieligen Flächen werde immer teurer erkauft, der Druck auf die vorgefundenen Standortbuchhändler massiv erhöht. Als Beispiel zur Diagnose führt buchreport den Kampf von Thalia und der Mayerschen Buchhandlung um Wuppertal an (hier der Artikel).

Das Börsenvereins-Poral libreka will noch in diesem Jahr Modelle für den Vertrieb von E-Books an den Start schieben. Spätestens bis zur Leipziger Buchmesse, so buchreport, soll ein Strategiepapier zu den verschiedenen Möglichkeiten des E-Commerce erstellt werden - die Palette reiche vom einfachen Download bis hin zum kostenpflichtigen Online-Zugriff auf die Bücher über das libreka-Portal. Besonders beim Digital Rights Managemet sieht buchreport Konfliktstoff. "Die Auseinandersetzungen in der Musik- und Hörbuchbranche haben gezeigt, dass die Meinungen zum Schutz der Titel weit auseinandergehen. Grundsätzlich gilt: je sicherer, desto nutzerunfreundlicher der Schutz." Außerdem müssten nachträglich Verträge mit den Verlagen zum Vertrieb der E-Books aufgesetzt werden.

Weitere Themen: Suhrkamp will die fiktionale Biografie des DDR-Dissidenten Robert Havemann, die gleich sieben anwaltliche Abmahnungen wegen angeblicher Verletzung des Persönlichkeitsrechts geerntet hat, im Internet kostenpflichtig zum Download anbieten - als Vorläufer einer zweiten Auflage. "Wir wollen nicht in eine gedruckte Auflage investieren, die wir zwei Tage später einstampfen müssen", zitiert buchreport Suhrkamp-Chef Philip Roeder. Der Börsenverein hat 2007 2,6 Prozent seine Mitglieder veroren - besonders die Zahl der Buchhandlungen ist stark rückläufig. Gallimard hat im vergangenen Jahr in Frankreich abgeräumt: Die drei erfolgreichsten Titel des Jahres stammen von dem Verlag, darunter der siebte Potter. Hier das Inhaltsverzeichnis und hier die Bestsellerlisten.