Die Buchmacher

Kollektives Krumenpicken

Ein Blick in die Branchenblätter der Buch- und Verlagswelt. Jeden Montag ab 12 Uhr.
21.01.2008. Wo die Preisbindung wieder auf der Kippe steht. Weshalb die Hörbuch-Branche nicht mehr euphorisch ist. Warum die kleinen Verleger-Nager in Zukunft nur noch gemeinsam ein paar Krumen picken können. Und mit welchen Hilfen zwei Ex-Suhrkampianer in die Selbstständigkeit starten.

buchreport.express

Das Grundgesetz der deutschen Buchbranche bleibt auch im neuen Jahr das Lieblingsthema der Branchenpresse. Anlass der Berichterstattung: Das österreichische Preisbindungsgesetz aus dem Jahr 2000 kommt auf den Prüfstand des Europäischen Gerichtshofes, weil der wegen einer Preisunterbietung abgemahnte Filialist Libro durch die Instanzen geht - und der Oberste Gerichtshof laut buchreport überraschend Bedarf sieht, eine Gesetzesklausel auf Kompatibilität mit EU-Recht zu überprüfen (hier der Artikel). Während sich die überraschten Verbände in Deutschland und dem Alpenland für eine Abwehrstrategie rüsten, sind aus der Schweiz ebenfalls überraschende Töne zu hören. Nach Einschätzung von eidgenössischen Buchhändlern - die im Vorfeld der Aufhebung der fixen Preise mächtig gegen die Aufhebung der Preisvereinbarung gewettert hatten - habe sich die Aufhebung der Preisbindung "positiv aufs Weihnachtsgeschäft" ausgewirkt. "Auf die Entwicklung der Buchpreise scheint die Preisfreiheit keinen besonderen Einfluss zu haben", schreiben die Dortmunder: Das Schweizer Bundesamt für Statistik habe einen Preisanstieg von 1,4 Prozent gemessen, was exakt der von buchreport im deutschen Markt gemessenen Preisentwicklung entspreche.

Von Krise keine Spur, von einem Boom jedoch auch nicht: Nach der Analyse von buchreport ist der im Buchhandel erwirtschaftete Umsatz der Hörbuchverlage 2007 um 6,3 Prozent gestiegen - nach einem Vorjahresplus von 6,4 Prozent; am gesamten Buchhandelsumsatz habe das Hörbuch jedoch nur einen Anteil von 3,3 Prozent. "Nachdem die erste große Euphorie auf dem Markt vorbei ist, geht es für die Hörbuchverlage darum, für die Zukunft gerüstet zu sein", zitiert buchreport Peter Bosnic, kaufmännischer Verlagsleiter von Steinbach Sprechende Bücher. Nach der Statistik der Marktanteile von Verlagen im stationären Buchhandel von buchreport teilen sich Random House Audio und der Hörverlag (je elf Prozent) die Führung, gefolgt von Argon und Lübbe Audio (beide sieben Prozent).


Weitere Themen: Talia ist im Geschäftsjahr 2006/2007 zwar insgesamt um 26 Prozent gewachsen, flächenbereinigt stieg der Umsatz jedoch nur um 1,6 Prozent (Vorjahr: 2,5 Prozent). Zweitausendeins will bis 2010 rund 30 Shops innerhalb von Buchhandlungen eröffnen; als nächstes soll bei Osiander in Tübingen ein Zweitausendeins-Sortiment aufgebaut werden. Die Zeit und Brockhaus bringen Ende Januar den "Großen ,Zeit’-Kulturführer’" auf den Markt, für den die Wochenzeitung einen sechsstelligen Marketing-Etat ausgeben will. Die österreichische Buchbranche hat 2007 ein Umsatzplus von 3,8 Prozent (stationär und im Internet) erwirtschaftet. Hier das Inhaltsverzeichnis und hier die Bestsellerlisten.

Börsenblatt

Der Berliner Verleger Jörg Sundermeier spricht sich im Gastkommentar für die Gründung einer Allianz der Independent-Verlage nach dem Vorbild der Swiss Independent Publishers aus. Noch beherrschten die Großfilialisten DBH, Mayersche und Thalia den deutschen Buchmarkt zwar nicht zur Gänze, und noch sei es im Buchhandel unüblich, Verlage auszulisten - doch es sei abzusehen, dass die Filialisten weiter an Macht gewinnen, Verlage auch in Deutschland bald für Platzierungen werden zahlen müssten und "dass der größere Teil des unabhängigen Buchhandels die Moden mitmacht und dennoch eingeht, und dass die kleinen Nager bald kaum noch ihre Krumen finden." Im Kommentar zum Kommentar erinnert der Verleger Matthias Ulmer an die Erfahrungen der UTB als Kooperation von knapp 20 Verlagen. "Hier ist es gelungen, das Angebot von 20 Verlagen so zu bündeln, dass ein Programm entstanden ist, um das eine größere Buchhandlung nicht herum kommt. Und es ist nachweisbar, dass die Umsatzrendite in der Kooperation um mindestens 3 Prozent steigt durch effizientere Logistik, Werbung und Konditionen." Dies sei jedoch nur möglich, wenn die Verlage eine gemeinsame Marke an Stelle ihrer Verlagsmarken setzten.

Ziemlich cool präsentieren sich die Weissbooks-Verlagsgründer Rainer Weiss und Anya Schutzbach im Interview mit Holger Heimann - mit kühlem Blick und dunkler Kluft auf dem Foto zumindest. 13 Gesellschafter haben die Ex-Suhrkampianer als Unterstützer gewonnen. Ehrgeiziges Ziel des Duos: Am Ende des zweiten Jahres sollen schwarze Zahlen geschrieben werde; dazu sollen die Kosten klein gehalten werden, pro Programm mindestens eine Cash-Cow. Weitere avisierte Hürden: Jahresumsatz zum Start: 2 bis 2,5 Millionen Euro; 2010 sollen 18 Titel pro Jahr verlegt werden. Interessant ist die Aufmachung der Bücher (hier zu sehen): eine rein typografische Lösung, bei der der Verlagsname größer als der Titel und Autor erscheint und die die vom schweizerischen Gestalter Fritz Gottschalk entworfen wurde - Gottschalk hat auch den Schweizer Pass gestaltet.

Weitere Themen: Passend zum Kommentar stellt Holger Ehling eine Kooperation von britischen Independent-Verlagen vor: Sieben unabhängige Verlage, darunter Faber & Faber, treten als "Independent Alliance" auf, um es bei den Bücherketten überhaupt ins Regal zu schaffen. Stephan Eppinger schickt aus Düsseldorf einen Bericht über die Wettbewerbssituation der Buchhandlungen - sowohl Thalia als auch die Mayersche wollen dort neue Filialen eröffnen. Das Börsenblatt vermeldet für das vergangenen Jahr für eine Umsatzwachstumsspanne von 0,5 Prozent (Kölner Institut für Handelsforschung, nur stationärer Buchhandel) und 3,9 Prozent (Media Control GfK, mit Online und Warenhäuser). Holger Heimann porträtiert den Frankfurter Autor Matthias Altenburg, der seinen dritten Krimi vorlegt. Rainer Groothuis hat den Fragebogen - endlich mal inspirierend - ausgefüllt (er würde gerne ein Buch gegen "Bedenkenträgerei und Entscheidungsscheu, die Befindlichkeitskultur und die allgefallsüchtige Konsenssuche im Mittelmaß" schreiben). Hier das Inhaltsverzeichnis.

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Stichwörter: Buchmarkt, Faber