Die Buchmacher

Größe ist nicht alles

Ein Blick in die Branchenblätter der Buch- und Verlagswelt. Jeden Montag ab 12 Uhr.
27.10.2007. Warum Größe im Buchhandel nicht alles ist. Wer Weltbild ausgestochen hat. Welchen Buchhandlungen es 2006 besonders schlecht ging. Und wem Neil Youngs "We?re all just pissing in the wind" als Lebensmotto am besten gefällt.

buchreport.express

buchreport legt den jährlich erscheinenden Filialatlas vor, eine Karte, die zeigt, welcher Filialist in welcher Stadt präsent ist (die Karte ist im buchreport.magazin November erschienen). "2007 hat die Buchhandels-Filialfläche in Deutschland durch Neueröffnungen, Erweiterungen sowie durch Übernahmen bis dato selbstständiger Sortimente um 45.000 qm zugelegt gegenüber knapp 30000 qm im Vorjahr", analysiert buchreport. Die Gesamtfläche des Filialbuchhandels (insgesamt 893 Sortimente in 329 Städten) sei damit um 12,5 Prozent auf jetzt knapp 405.000 Quadratmetern gewachsen. Bereits heute seien fürs kommende Jahr neue Filialen mit einer Gesamtfläche von 38.000 Quadratmetern projektiert. Im Kommentar geißelt Thomas Wilking die "Flächenvermehrung ohne die Perspektive echter Markterweiterung". Der Flächenzuwachs erhöhe den Druck, auf den Zusatzflächen durch Zusatzsortimente auch zusätzliche Umsätze zu generieren und die Spannen noch weiter auszureizen."

Tchibo bietet in Kooperation mit dem Münchner Unternehmen PersonalNovel einen personalisierten Roman zum Einheitspreis von 19,99 Euro an. Wie buchreport berichtet, können Kunden im Internet und in den deutschlandweit rund 1000 Filialen zwischen drei Romanen wählen: Krimi, Liebesroman und Jugendbuch mit je 112 Seiten. Dabei seien die Namen der Protagonisten sowie deren Aussehen und weitere Details wie eine Widmung frei bestimmbar. Das Buch werde innerhalb von zehn Werktagen versandt.

Der Marktführer unter den Rackjobbern, Buchpartner AG, hat Goliath Weltbild in den HIT-Verbrauchermärkten der Dohle-Gruppe ausgestochen - dabei ging es zunächst nur um fünf Testflächen, die bislang von den Augsburgern, künftig aber von Buchpartner mit Büchern bestückt werden; die Kooperation soll auf alle 80 HIT-Märkte ausgebaut werden.

Weitere Themen: Hugendubel eröffnet eine neue Depandance in Amberg. Der von Suhrkamp jüngst vermeldete Strafbefehl gegen die Investoren Claus Grossner und Hans Barlach (bei einer Geldstrafe von 150000 bzw. 60.000 Euro) war eine Falschmeldung - Suhrkamp-Anwalt Heinrich Lübbert hatte sich laut buchreport verlesen. Tandem-Verleger Herbert Ullmann hat 36 Prozent von seinem bisherigen Partner Hermann Rauers übernommen und ist somit Mehrheitsgesellschafter. Lese-Tipp aus dem aktuellen buchreport.magazin: Zum zehnjährigen Bestehen des KulturKaufhauses Dussmann in Berlin interviewt buchreport den Geschäftsführer Hartwig Schulte-Loh. Darin erklärt der zurückgekehrte Gründungsgeschäftsführer, dass Kunden des "systemischen Handels" überdrüssig seien, was ein Ansatzpunkt auch für kleinere Buchhändler sei. Außerdem ein Interview mit dem Verleger Manuel Herder über die Perspektive seines Verlags nach dem Kauf von Dornier (hier).
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Christina Schulte stellt den Betriebsvergleich 2006 vor, nach dem der stationäre Buchhandel 2006 weniger erfreulich ein Minus von 1,2 Prozent erwirtschaftet hat. Nur den Buchhandlungen mit zwei bis drei Beschäftigten sei es gelungen, ihre Umsätze zu steigern - plus 0,5 Prozent. Die höchsten Einbußen hätten Betriebe mit 21 bis 50 Mitarbeitern (minus 4,4 Prozent) verzeichnet (hier der Bericht). Im Kommentar ahnt die Autorin, dass der Konzentrationsprozess bei dieser wirtschaftlichen Entwicklung weiter an Fahrt gewinnen werde. "Zwar sind angeschlagene Buchhandlungen kein bevorzugtes Übernahmeobjekt, unter Umständen können sie unter dem Dach eines Großen aber zu neuem Leben erwachen. Und weil sie aus der Not heraus meist günstig zu haben sind, werden sich die Filialisten vielerorts nicht lange bitten lassen."

Nur Online kommentiert Holger Heimann die neue Liason von Klett und Tropen: Die Geschäftsführer des Tropen Verlags, Michael Zöllner und Tom Kraushaar, erhalten eine Beteiligung und übernehmen ab November die verlegerische Geschäftsführung von Klett-Cotta. "Eine reizvollere, apartere Kombination lässt sich schwer finden. Dass sich die zwei trauen, ist ein großer Coup und eine kleine Sensation. Allein schon der Mut beider Partner verdient Applaus", schreibt Heimann.

Rainer Moritz erinnert sich an seine liebsten Messe-Szenen 2007 - wie Volker Weidermann, Redakteur der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", erregt die handgeschriebenen Messeaufzeichnungen des Verlegers Michael Krüger in Empfang genommen oder er beim Suhrkamp-Kritikerempfang dem dänischen Autor Knud Romer als Erstes ein Glas Rotwein übers blütenweiße Hemd gegossen habe. Oder er verzweifelt neue Schnürsenkel gesucht habe. Soso.

Die Campus-Rechtemanagerin Franziska Hildebrandt erklärt im Interview mit Eckart Baier, dass das Geschäft mit E-Books im Bereich Belletristik und Sachbuch nur langsam in Schwung kommt- - "wer will schon einen 1000-Seiten-Roman am PC lesen. Die geeigneten E-Book-Lesegeräte sind zudem noch teuer und daher nicht sehr weit verbreitet." Außerdem erklärt Hildebrandt, dass Campus bis zum Jahr 2016 zehn Prozent am Gesamtumsatz mit elektronischen Publikationen erreichen will.

Weitere Themen: Wolfgang Schneider porträtiert den Münchner Zoologen und Sachbuchautor Josef H. Reichholf. Urs Widmer lobt seine Lieblingsbuchhandlung am Hottingerplatz in Zürich. Den Fragebogen hat der Verleger Stefan Weidle ausgefüllt (Lebensmotto: "We?re all just pissing in the wind", Neil Young)
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