Die Buchmacher

Die Macht der Barsortimenter

Ein Blick in die Branchenblätter der Buch- und Verlagswelt. Jeden Montag ab 12 Uhr.
22.10.2007. Welches Fazit die Branchenakteure nach der Frankfurter Buchmesse ziehen. Wie Buchhändler die Macht der Barsortimente einschätzen. Und warum Fischer mit Julia Franck Rekorde feiert.

Börsenblatt

Über die Macht der Barsortimente, die Buchhändlern mit eigenen Warengruppenpaketen einen Teil der Arbeit abnehmen wollen, haben Manfred Keiper (Andere Buchhandlung, Rostock), Gaby Marx (Beratung für Sortimentsstrategie), Jochen Mende (Prolit) und Oliver Voerster (KNV) am Börsenblatt-Stand auf der Buchmesse diskutiert (hier der Artikel). Auf die Frage, ob ihm die Entwicklung Sorgen bereite, erklärt Keiper: "Ich finde bedenklich, dass uns Dinge abgenommen werden und nicht Systeme geschaffen werden, die uns die Arbeit erleichtern. Wer sich entmündigen lässt, ist selbst Schuld. Ich würde appellieren: Lassen Sie diesen Unsinn mit den Warengruppenpaketen. Sonst sind wir irgendwann keine Buchhändler mehr und die Barsortimente spielen die Rackjobber." Auch Mende findet es bedenklich, dass Buchhändler nicht mehr einkaufen sollen. "Viele Buchhändler sehen sich nur noch aus Auspacker, Wegweiser. Die Kompetenz für Beratung geht doch verloren, wenn man nicht mehr im Einkauf verhaftet ist. Wer seinem Monopollieferanten seine Daten liefert, ist doch wirklich mit dem Klammerbeutel gepudert."

Im Interview mit dem Börsenblatt erklärt S.Fischer-Verleger Jörg Bong, wie sich der Roman "Die Mittagsfrau" von Julia Franck nach dem Gewinn des Deutschen Buchpreises entwickelt hat: "Der Preis wurde um 19 Uhr am Montag vergeben. Bis 10 Uhr des darauffolgenden Tags hatten wir 37000 Bestellungen aus dem Buchhandel. Schon zuvor aber war das Buch in 27000 Exemplaren im Handel. Ich erinnere mich nicht, dass wir bei Fischer in so kurzer Zeit so viele Bestellungen hatten, auch nicht nach dem Nobelpreis."

Doris Lessing - eine würdige Nobelpreisträgerin, fragt das Börsenblatt. Für Sigrid Löffler ist die Entscheidung "matt" und "mutlos", für den Kritiker Jörg Drews "langweilig". Elmar Krekeler von der Welt hätte lieber John Updike oder Philip Roth vorne gesehen (hier weitere Stimmen aus den Feuilletons).
Weitere Themen: Hugendubel eröffnet Anfang Dezember in Amberg (hier), Weltbild.de bindet als erster Shopbetreiber im Internet das Volltextsuche-Angebot von libreka ein (hier). Die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerb mahnt Hugendubel wegen wettbewerbswidriger Werbung ab (hier). Die Hauptversammlung des Börsenvereins bestätigt den Vorstand der BAG auf seinem Kurs, das Abrechnungssystem zu erhalten (hier). Hier das Inhaltsverzeichnis.
Archiv: Börsenblatt

buchreport.express

Zu viele Bücher und zu wenig Orientierung bringende Information, bringt buchreport anlässlich der Frankfurter Buchmesse das Dilemma der Branche auf den Punkt (hier der Artikel). Zwei Ansätze zur Abhilfe seien in Frankfurt perspektivisch vorangetrieben worden: Die Erschließung des Buchangebots durch elektronisch recherchierbare Zusatzinformationen (Libreka & Co.) sowie die "intensivere Datenauswertung der Kassendaten für den effektiveren Einkauf". "Die dazu aktuell von Barsortimenten ins Spiel gebrachten Dienstleistungen rühren allerdings am Selbstverständnis vieler Buchhändler, die sich über den selbstbestimmten Einkauf definieren", schreiben die Dortmunder. Vor der Buchmesse sei KNV mit einer Dienstleistungsoffensive vorgeprescht, ganze Sortimentsbereiche von Buchhandlungen (inklusive Auswertung der Abverkaufsdaten) zu betreuen.

Weitere Messe-Impressionen (hier der gesamte Messe-Nachbericht):
"Geschäftig wie nie, intellektuell ansprechend, lebendig und fröhlich", zitiert buchreport Messe-Direktor Juergen Boos, der nach dem Ende der Messe euphorische Worte gefunden habe - zwar sei die Zahl der Besucher leicht gesunken, bei den Ausstellern habe der weltgrößte Branchentreff aber zulegen können. Weil bei den großen Publikusverlagen ein großer Andrang geherrscht habe, rechne Boos damit, dass sich die Messe im nächsten Jahr vergrößern werde: "Es gibt Verlage, die spontan gesagt haben, wir müssen uns vergrößern." Die Agenten waren einmal mehr unzufrieden, erst am Mittwoch Einlass ins Agentenzentrum bekommen zu haben - weshalb Agenten, Verleger und Lektoren auf ihre Hotels ausweichen mussten. "Sowohl im Hessischen Hof als auch im Frankfurter Hof herrschte in diesem Jahr am Montag und Dienstag der absolute Ausnahmezustand", berichtet das Branchenmagazin. Zufrieden waren die Agenten allerdings mit den Geschäften: "Die deutschen Verlage haben wieder starken Appetit auf internationale Bücher", so der Schweizer Agent Peter Fritz.

Weitere Themen: Libreka, die Börsenvereins-Volltextsuche, ist mit nur 2500 Titeln freigeschaltet worden. Gräfe und Unzer will zum 1. Dezember ein Kochbuchportal (kuechengoetter.de) starten, mit 10000 Rezepten aus dem eigenen Fundus sowie der Hilfe von Food-Bloggern wie Nicole Stich (deliciousdays.com). Die Umsatzkurve für den Hörbuchmarkt wird immer flacher: Seit Januar hat die Warengruppe im Buchhandel nach buchreport-Angaben nur um 5,9 Prozent zugelegt, nach zweistelligen Wachtumsraten in den vergangenen Jahren. Lübbe-Verleger Stefan Lübbe hat Verkaufsspekulationen zurückgewiesen: "Nur Ferrari fahren an der Côte d'Azur wäre langweilig!" Die WAZ-Mediengruppe hat den Essener Klartext-Verlag übernommen. Hier das Inhaltsverzeichnis und hier die Bestsellerlisten.
Stichwörter: Frankfurter Buchmesse