Redaktionsblog - Im Ententeich

Stichwort: Apple

Wer den Apfel küsst

Redaktionsblog - Im Ententeich 09.05.2012 In der FAZ am Sonntag schrieben Rainer Hank und Georg Meck vor einer Woche unter dem Titel "Wenn Kunst und Kommerz sich küssen" über "Geistiges Eigentum" und vertraten den üblichen Standpunkt. Was juckt mich gerade, auf diesen Artikel zu antworten? Nun ja, nicht dass er so originell, sondern dass er so typisch ist. Und dass er von Hank ist, dessen liberale Einschätzungen gerade in Wirtschaftsdingen ich in vielen andern Themen schätze und teile. Und doch habe ich hier einen diametral entgegengesetzten Standpunkt. Ich knüpfe an meinen Artikel "Diesen Kuss der ganzen Welt" vom 16. Februar an. Von Thierry Chervel

Deutsche Zeitungen stehen kaum noch online

Redaktionsblog - Im Ententeich 04.10.2011 Anders als es die Zeitungen bei Online-Relaunches verlautbaren, wird ihr Internetangebot immer knapper. Jedenfalls kann man nicht behaupten, dass es noch die Zeitungen seien, die online stehen. Die Schaufenster der ihrer Online-Ableger haben mit den Zeitungen selbst immer weniger zu tun. Jüngstes Beispiel für diese etwas vertrackte Tendenz ist der Relaunch des FAZ.Nets. Mag sein, dass die Online-Redakteure der FAZ manch neue Rubrik erfunden haben, obwohl die Selbstdarstellung in der heutigen FAZ (die auch online steht) eigentlich nichts dergleichen bemerkt und vor allem auf das neue Layout eingeht. Die eigentliche Zeitung wird hinter dem Online-Auftritt immer mehr versteckt. Von Thierry Chervel

Betonierung des status quo

Redaktionsblog - Im Ententeich 22.06.2011 Die FAZ und die SZ klagen ja schon seit Jahren kreuz und quer durch die Gegend - gegen alles, was ihnen im Internet nicht behagt, zuerst gegen den Perlentaucher (seit sechs Jahren dauert der Prozess und geht gerade von der höchsten Instanz zurück in die zweithöchste, mehr hier), aber sie bedrohen auch Studenten, die sich für ihre Leitartikel interessieren und darauf verlinken wollen. Bei allem, was sie in ihrer Herrlichkeit stört, rufen sie: "Ih, das lebt. Mach' tot, mach' tot." Nun klagen sie also, gemeinsam mit dem Springer-Verlag und anderen wichtigen Akteuren, gegen die Handy-App der Tagesschau. Von Thierry Chervel

Wie tot ist das Web?

Redaktionsblog - Im Ententeich 19.08.2010 Die amerikanischen Medien haben in den letzten Jahren so viele Leichen aus den eigenen Reihen beerdigt, dass eine Zeitschrift jetzt den Spieß umdreht: "Das Web ist tot", titelt Wired und führt damit total in die Irre. Gemeint ist nämlich: Für die Medien ist das Web gestorben. Michael Wolff, als Vanity-Fair-Autor, Murdoch-Biograf und Gründer des Internetmagazins Newser mit reichlich eigener Erfahrung ausgestattet, nennt den Grund, den jeder kennt: Im offenen Web zählt nur Masse in der Größenordnung von Googlenutzern. Von Anja Seeliger

Unbezahlbar zahlbar

Redaktionsblog - Im Ententeich 19.05.2010 Denkwürdig war der Frankfurter Kongress über "The Future Face of Media" (bei dem ich auch auf einem Podium gastieren durfte) natürlich vor allem wegen der großen Diskussion hochmögender internationaler Zeitungschefs. Die saßen da alle und freuten sich wie die Schneekönige über die Rückeroberung der Öffentlichkeit durch ihre angestammten Inhaber. Zwei Sätze bleiben aus diesem historischen Treffen in Erinnerung: "Engagement is King", sagte Rona Fairhead von der Financial Times. Von Thierry Chervel

Fantasie über die Zukunft des Schreibens

Redaktionsblog - Im Ententeich 14.03.2010 Am 14. März 2000 gründeten Anja Seeliger, Niclas Seeliger, Adam Cwientzek und ich bei einem Hamburger Notar die Perlentaucher Medien GmbH. Das Wetter habe ich als noch winterlich, aber nicht unfreundlich in Erinnerung. Am Tag darauf gingen wir mit der ersten Feuilletonrundschau online, die heute verloren ist, weil wir die Feuilletonrundschauen zunächst noch Tag für Tag überschrieben. Erst ab 2. April 2001 sind sie archiviert. Die erste Bücherschau des Tages lässt sich aber auf den 15. März 2000 datieren. Um nicht bei Null anzufangen hatten wir außerdem die Herbstbeilagen von 1999 ausgewertet. Das erste Buch in unserer Datenbank ist Michel Houellebecqs Roman "Elementarteilchen". FAZ-Literaturchef Thomas Steinfeld umkreist es wie eine scharfe Handgranate, ohne selbst Stellung zu beziehen, resümierten wir. Von Thierry Chervel

Hört nicht auf die Heidelberger Bocksgesänge

Redaktionsblog - Im Ententeich 05.07.2009 Neulich habe ich einen Artikel von Alain Finkielkraut über eines seiner Idole, den großen Schriftsteller Milan Kundera gelesen. Kundera hat in Frankreich einen Band mit neuen Aufsätzen publiziert, "Une rencontre". Dazu gehört ein Aufsatz über einen längst vergessenen Roman von Anatole France, "Les dieux ont soif", der von einem Maler zur Zeit der französischen Revolution handelt. Dieser Maler identifiziert sich mit dem Terror - und wird sich schuldig machen. Von Thierry Chervel

Wir alle sind auf dem Weg nach Tycho

Redaktionsblog - Im Ententeich 04.05.2009 Richard Stallman hat Dan Halberts Geschichte im Jahr 1997 geschrieben. Sie war schon damals keine reine Science fiction. In diesem Nachtrag aus dem Jahr 2007 zeigt Stallman, einer der Pioniere der Freien-Software-Bewegung, welche Zensurmechanismen inzwischen von Industrie und Regierungen verwirklicht wurden. Dan Halbert ist immer noch auf dem Weg nach Tycho. D.Red.

Nachtrag des Autors zu
"Dan Halberts Weg nach Tycho"

Der Kampf um das Recht zu lesen wird schon heute geführt. Es wird vielleicht noch 50 Jahre dauern, bis unsere heutige Lebensweise in Vergessenheit geraten ist, doch die meisten der oben beschriebenen Gesetze und Praktiken wurden bereits zur Diskussion gestellt; zum Teil sind sie in den USA und anderen Ländern schon heute geltendes Recht. In den USA hat der 1998 verabschiedete Digital Millenium Copyright Act (DMCA) die gesetzlichen Grundlagen dafür gelegt, das Lesen und Verleihen von digital verfügbaren Büchern (und anderen Werken) einzuschränken. Die Europäische Union hat mit einer 2001 verabschiedeten Copyright-Direktive ähnliche Einschränkungen ermöglicht. In Frankreich ist es aufgrund des 2006 beschlossenen DADVSI-Gesetzes bereits ein Verbrechen, das freie Programm DeCSS, das das Entschlüsseln von DVD-Videos ermöglicht, auch nur zu besitzen. Von Richard Stallman

Zeitungskrise und kein Ende

Redaktionsblog - Im Ententeich 27.02.2009 Droht den Zeitungen eine Knebelung durch Amazon wie die Musikindustrie sie durch Apple hinnehmen musste? Ausgelöst durch die Horrormeldungen über bankrotte Zeitungen kochte in den USA in den letzten zwei Monaten die Debatte um die Zukunft des Journalismus hoch. Den Anfang machte Joel Brinkley von der Stanford University, der vorschlug, die Zeitungskonzerne sollten sich zusammenschließen und alle für ihre Inhalte Geld verlangen. Hier die wesentlichen Argumente und Vorschläge in der Debatte (eine detailliertere Zusammenfassung mit Links zu allen Artikeln findet man bei Printed Matters): Von Anja Seeliger