Redaktionsblog - Im Ententeich

Aktualität: 01.02.2009 bis 03.03.2009

Börsenverein hackt Kindle?

Redaktionsblog - Im Ententeich 02.03.2009 Ist es noch vor der deutschen Markteinführung des Amazon Kindle gelungen, das von dem US-amerikanischen Online-Buchhändler entwickelte E-Book-Lesegerät zu hacken? Das könnte man bei der Lektüre einer in der FAZ veröffentlichten dpa-Meldung meinen. Auf der vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels initiierten Online-Plattform libreka, so heißt es dort, sollen ab März 2009 100.000 Bücher zur Verfügung stehen, welche "direkt auf die gängigen E-Book-Lesegeräte 'Kindle' oder 'Reader' heruntergeladen werden können. Welcher "Reader" auch immer gemeint sein mag (der Adobe Reader? Sonys Reader Digital Book, das erst im März erhältlich sein soll?) - das "Kindle" ist jedenfalls dafür bekannt, dass darauf bislang nur solche E-Books angezeigt werden können, die der Kunde bei Amazon gekauft hat - ein Geschäftsmodell, das wegen seiner quasi-monopolistischen Struktur vielfach kritisiert worden ist (siehe auch). Sollte es den libreka-Machern etwa gelungen sein, das Amazon-Gerät zu hacken? Das wäre erstaunlich, setzt der Börsenverein sich sonst doch für ein "zivilisiertes Internet" ein, bekundet Sympathien für das französische Olivennes-Modell und verklagt gerade die Universität Würzburg, weil diese ihren Studierenden Lehrmaterial an Leseplätzen zugänglich gemacht hat. Oder strebt man mit Amazon, immerhin einem der größten Konkurrenten des… Von Ilja Braun

Zeitungskrise und kein Ende

Redaktionsblog - Im Ententeich 27.02.2009 Droht den Zeitungen eine Knebelung durch Amazon wie die Musikindustrie sie durch Apple hinnehmen musste? Ausgelöst durch die Horrormeldungen über bankrotte Zeitungen kochte in den USA in den letzten zwei Monaten die Debatte um die Zukunft des Journalismus hoch. Den Anfang machte Joel Brinkley von der Stanford University, der vorschlug, die Zeitungskonzerne sollten sich zusammenschließen und alle für ihre Inhalte Geld verlangen. Hier die wesentlichen Argumente und Vorschläge in der Debatte (eine detailliertere Zusammenfassung mit Links zu allen Artikeln findet man bei Printed Matters): Von Anja Seeliger

Warnung vor dem Artikel

Redaktionsblog - Im Ententeich 26.02.2009 Ob im Archiv der FAZ wohl noch mit Karteikarte und Zettelkasten gearbeitet wird? Wert gelegt wird hier jedenfalls auf ursprüngliche Erzeugnisse aus Papier und Tinte: Wer im (digitalen) Archiv der Frankfurter Allgemeinen Zeitung einen alten Artikel lesen möchte und auch noch bereit ist hierfür zu bezahlen, hat noch lange nicht das Recht den Text auch auf seinem Rechner abzuspeichern. Gemäß der Geschäftsbedingungen darf der Nutzer den Artikel nämlich nur ausdrucken. Auf der Festplatte sichern hingegen ist verboten. (Gut also, dass sich das E-Book bisher als Rohrkrepierer erwiesen hat, es würde ja alles aus dem Ruder laufen!) Von Frauke Fentloh

Rettet den Journalismus, nicht die Presse

Redaktionsblog - Im Ententeich 26.02.2009 Der Journalist und Hochschullehrer Daniel Sinker ist nicht beeindruckt von den Vorschlägen zur Rettung des Journalismus, die er auf einer Konferenz in Chicago zu hören bekam. Vor allem, weil es dabei nicht um die Zukunft des Journalismus, sondern um die Zukunft des verlegerischen Establishments ging, schreibt er in der Huffington Post. Dieses Establishment will sich mit einem an iTunes angelehnten Modell für Zeitungsartikel retten. Von Anja Seeliger

Börse für Copyrights

Redaktionsblog - Im Ententeich 25.02.2009 Paul Spinrad, zur Zeit Gastblogger bei BoingBoing, hat eine interessante Idee zum Copyright. Er schlägt eine Börse vor, an der die Rechte an Kulturprodukten gehandelt werden: "Eine Rechte-Börse würde es nicht nur erleichtern, Rechte für die aktuelle Nutzung zu erwerben, sie würde auch die Spekulation unterstützen. Wenn ihr ein vergessenes, aber aufregendes Musikstück oder einen Film kennt, von dem ihr überzeugt seid, dass andere Leute es wiederveröffentlichen, sampeln oder was auch immer wollen - bestens, kauft es oder bildet einen Einkaufspool mit anderen, die ein Stück davon wollen. Von Anja Seeliger

Damals gab es gar keine Berliner Zeitung!

Redaktionsblog - Im Ententeich 12.02.2009 Mit einem bedauernswerten Mangel an Subtilität nimmt Henryk Broder in der Achse des Guten Stellung zu einem Einwand des bekannten Kulturkritikers Rudolf Walther gegen Necla Kelek, welche gerade Frank Schirrmacher (denn er ist der einzige Journalist, bei dem jedes Mal eine neue Ära anbricht, wenn er einen Artikel schreibt) mit dem Börne-Preis bedachte. Die Islamkritikerin Kelek, so Walther in der Berliner Zeitung, vergesse darauf hinzuweisen, dass auch der europäische Hochadel jahrhundertelang Zwangsheirat und Ehrenmord praktiziert habe. Broder meint dazu: "der europäische Hochadel hat nicht nur lange vor den Moslems den 'Ehrenmord' praktiziert, er hat auch Jahrhunderte lang in die Ecken geschissen und zum Abwis Von Thierry Chervel

Die Negationisten und der Papst - französische Journalistinnen dementieren

Redaktionsblog - Im Ententeich 05.02.2009 Wie kam es eigentlich dazu, dass das schwedische Fernsehen die negationistischen Äußerungen des Lefebvre-Bischofs Williamson genau an dem Tag sendete, an dem bekannt wurde, dass Papst Benedikt die Exkommunikation der vier Bischöfe aufhebt, dem 21. Januar (hier das Video)? Im Vatikan, berichtet heute die FAZ unter Berufung auf die NZZ (hier, noch genauer ist aber ein Artikel in der katholischen Tagespost), kursiert ein Papier, das die Journalistinnen Caroline Fourest und ihre Lebensgefährtin Fiammetta Venner beschuldigt, die Abfolge der Ereignisse mit konspirativer Energie arrangiert zu haben. Von Thierry Chervel

Woraus wir leben

Redaktionsblog - Im Ententeich 04.02.2009 "Wie gut, dass es im allgemeinen Drunter und Drüber des aus allen Fugen geratenen Medienbetriebs noch aufmerksame Beobachter gibt, die unverzichtbare Standards öffentlicher 'Diskurskultur' auch dann noch verteidigen, wenn deren Protagonisten sie leichthin aufgeben", schreibt Heribert Seifert in Eigentümlich frei über den bedeutendsten Hort journalistischer Ethik in Deutschland, das FAZ-Feuilleton. Streng objektiv berichtet es zum Beispiel über die Präsientschaftskandidatin der SPD, Gesine Schwan. Mindestens so streng wie Jürgen Kocka im Merkur über Doktorarbeiten, die er selbst betreute... Von Thierry Chervel