Außer Atem: Das Berlinale Blog

Stichwort: Texas - 7 Artikel

Transportiert ein gewisses Männerideal: David Gordon Greens 'Prince Avalanche' (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 14.02.2013 Es heißt ja, der diesjährige Wettbewerb sei einer voller "Frauenfilme" (was immer das sein mag). "Prince Avalanche" von David Gordon Green ist nun endlich ein Männerfilm – ein richtig großartiger. Alvin (Paul Rudd mit hochgezogenen Tennissocken und Tom-Selleck-Schnurrbart) und Lance (Emile Hirsch, der hier an Jack Black erinnert) verbringen den Sommer 1988 als Straßenarbeiter in einem Waldgebiet in Texas, das vor kurzem von einer Feuerkatastrophe heimgesucht wurde. Nie sah Texas untexanischer aus: statt Sonne, Öl und Cowboys gibt es halbverkokelten Laubmischwald, kleine Tümpel mit schmutzig-braunem Wasser und gelbe Blumen, die an Mitteleuropa erinnern. Ziemlich unpittoresk. Auch die Arbeit ist monoton: kilometerweit müssen Alvin und Lance gelbe Fahrbahnmarkierungen auf die Straße malen und Reflektorenposten aufstellen. Ganz genau nimmt "Prince Avalanche" das dafür nötige Gerät und die Handgriffe in den Blick, zeigt die zähe Textur der dickflüssigen Farbe auf dem Asphalt. Banales und Bodenständiges, in Großaufnahme. Von Elena Meilicke

Wildeste Gedanken- und Bildersprünge: Shirley Clarkes 'Ornette' (Forum)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 17.02.2012 "Not to make music, but to imitate music": so beschreibt Ornette Coleman seinen eigenen Anspruch an seine künstlerische Praxis an einer Stelle in Shirley Clarkes Dokumentarfilm über den Jazz-Musiker "Ornette: Made in America". Dieses Zitat gibt die Richtung dieses Films aus dem Jahr 1988 vor, er bezeichnet das spezifische Interesse, das er am Jazz hat: es geht ihm nicht (oder nur am Rande, in kurzen, wunderschönen Spielszenen, die einige wenige Szenen aus Colemans Jugend nachstellen, vor einer dröhnenden Industriekulisse) um dessen Herkunft, um seine sozialen oder musikhistorischen Wurzeln in schwarzer amerikanischer Kultur. Ganz im Gegenteil interessiert sich der Film für das Moment am Jazz, das identitäre Zuschreibungen (von Kreativität auf Personen, von rhythmischen Formen auf Menschengruppen etc) zu durchbrechen in der Lage ist. Von Lukas Foerster

Neigt zur Makellosigkeit: 'True Grit' von den Coen-Brüdern

Außer Atem: Das Berlinale Blog 11.02.2011 Ist "True Grit", der Eröffnungsfilm der Berlinale, nun ein Remake von "True Grit" (1969), Henry Hathaways spätem Hollywoodwestern mit einem 62-jährigen John Wayne, der für diese Rolle mit dem einzigen Oscar seines Lebens ausgezeichnet wurde, oder eine weitere Verfilmung des beiden Filmen zu Grunde liegenden Romans von Charles Portis? Für die Coen-Brüder, die mit "True Grit" gerade den größten kommerziellen Erfolg ihrer bisherigen Karriere feiern, liegt die Antwort klar auf der Hand: Mehrfach betonen sie auf der Pressekonferenz, dass der John-Wayne-Western für sie nur eine blasse Kindheitserinnerung darstelle, der Roman sie aber sehr fasziniert und gereizt habe. Und dennoch, stets aufs Neue, die Fragen nach ihm, dem einzigen, dem großen: John Wayne. Wie man sich in dessen Fußstapfen fühle, was er für das heutige Kino bedeute, wie man denn persönlich zu ihm stehe und was nicht noch. Es ist eine sonderbare Pressekonferenz: Enorm gute Stimmung auf dem Podium (mit 10 Oscarnominierungen locker leistbar), dann wieder ausweichende Antworten, allgemeine Verwirrung, manche Fragen werden gar nicht erst beantwortet und um jede Ecke lugt John Wayne. Von Thomas Groh