Außer Atem: Das Berlinale Blog
Stichwort: Berlinale 2019 - 31 Artikel - Seite 2 von 3
Außer Atem: Das Berlinale Blog 13.02.2019
Oje, diesen Film hätte man so auch in Hollywood drehen können. Claudio Giovannesi hat mit "Piranhas" einen Roman von Roberto Saviano verfilmt, den "Clan der Kinder". Er erzählt vom Aufstieg der Bande des 15-jährigen Nicolas, die in Neapel von Kleinganoven zu Dealern für die Camorra, Schutzgeldeintreibern und schließlich Chefs eines eigenen Viertels aufsteigen. Von Anja Seeliger
Außer Atem: Das Berlinale Blog 12.02.2019 Es kann sein, dass dieser Film ein Meisterwerk ist. Jedenfalls beschleicht mich beim Sehen das Gefühl, dass er eines sein möchte. Vielleicht ist es aber auch so, dass man als ein über Sechzigjähriger nicht über einen solchen Film schreiben sollte. Es bedrängen einen zu viele Referenzen, die vielleicht nicht mal gemeint sind: Der Esel am Anfang, der mit der späteren Handlung nichts zu tun hat, das ist doch Bresson, oder? Die tonlos von Schülern vorgetragenen "Hamlet"-Szenen erinnern mich an Stunden der Qual mit Straub und Huillet. Die Schauspieler, die sich ins Gestrüpp legen, als sei es das eigentlich ersehnte Bett: ganz klar Tarkowski, nur dass er die entsprechenden Bilder aparter Weise am liebsten bei Schneeregen arrangierte. Die Tonnen des Ungesagten: Antonionis incommunicalibità. Von Thierry Chervel
Außer Atem: Das Berlinale Blog 12.02.2019
Es vergeht im Grunde keine Berlinale, in der nicht ein elegischer türkischer Autorenfilm vor Bergkulisse die archaischen Verhältnisse in Zentralanatolien anprangert. Auch "Kiz Kardesler" (Tale of Three Sisters) ist so ein Film, der mit den Lebensverhältnissen von 99 Prozent der Kinogänger nichts zu tun hat - was ja nichts Schlechtes sein muss. Gleich vorn im Vorspann prangen auch die Signets von ZDF und Arte. Die Allgemeinmenschlichkeit solcher Sujets ist immer bestens kompatibel mit den Förderkriterien. Fast fragt man sich, ob eine urbane Komödie das größere politische Risiko wäre. Von Thierry Chervel
Außer Atem: Das Berlinale Blog 12.02.2019
Jemand hätte diesem Regisseur sagen sollen, dass er besser zuhören soll, statt seinen Film so wie er ist ins Forum zu hieven.
Lei Lei, 1985 in Nanchang, China, geboren, arbeitet seit 2017 am California Institute of the Arts (CalArts) im Bereich Experimental Animation, informiert das Programmheft. Von Anja Seeliger
Außer Atem: Das Berlinale Blog 12.02.2019 Carlo Chatrian zieht mit seinem Locarno-Team nach Berlin um, meldet Variety. Zhang Yimous Wettbewerbsfilm "One Second" wurde überraschend aus dem Programm genommen - chinesische Zensur, fragt sich der Tagesspiegel. Ästhetisch reizvoll, aber doch begähnenswert: Denis Côtés "Ghost Town Anthology" im Wettbewerb. Und beim Porträtfilm "What She Said" über die Filmkritikerin Pauline Kael trauert die Filmkritik den alten Zeiten nach. Der fünfte Berlinale-Tag im Rückblick. Von Thomas Groh
Außer Atem: Das Berlinale Blog 11.02.2019
Eine winterliche Landschaft, im Vordergrund eine Art Baustelle, auf der zwei Bagger stehen. Dann hört man ein Auto, das schnell näher kommt, und das ist es, rast von hinten ins Bild, macht eine kurze scharfe Kurve nach links und knallt mit voller Geschwindigkeit in die kleine Steinmauer. Stille. Die Kamera wandert um das Autor, dann auf zwei Beine, die herbei rennen, und dann sieht man zwei kleine Gestalten mit grauen Halloween-Masken auf dem Gesicht, die auf das Auto starren. Von Anja Seeliger
Außer Atem: Das Berlinale Blog 11.02.2019
Keine andere Filmkritikerin wurde so verehrt und so gehasst wie Pauline Kael.
Das liegt bestimmt in erster Linie daran, dass sie in den fünfziger Jahren, als sie zu schreiben begann, überhaupt die einzige Kritikerin war, die einzige Frau in einem reinen Männerverein. Von Thekla Dannenberg
Außer Atem: Das Berlinale Blog 11.02.2019
Von der ersten Sekunde an weiß man, woran man bei Mark Jenkin ist: Sein Schwarzweiß-Film, in 16-Millimeter gedreht und von Hand entwickelt, lässt an Cornwalls Küste nicht sanft den britischen Spirit von 1945 durchs Bild wehen, der Film ist sozialrealistisches Kino reinsten Wassers: Keine Inszenierung, keine langen Einstellungen, keine Kamerabewegung. Stattdessen Nahaufnahmen und suggestive Montagen. So viel Offenheit ist selten. Von Thekla Dannenberg
Außer Atem: Das Berlinale Blog 11.02.2019 Der Brite Gareth Jones gehört zu jenen Figuren der Weltgeschichte, die in Vergessenheit gerieten, weil sie für alle Seiten so unbequem sind. Er arbeitete zunächst als Journalist in Berlin, hatte gute Kontakte zu Hitler und Goebbels und wurde, als er nach London zurückkehrte, außenpolitischer Berater von Premierminister Lloyd George. Von Thekla Dannenberg
Außer Atem: Das Berlinale Blog 11.02.2019 Ein echtes Highlight findet sich in der Perspektive Deutsches Kino: Maryam Zarees "Born in Evin" arbeitet die Grausamkeiten des iranischen Regimes auf. Im Wettbewerb läuft derweil politisches Kino. Sehr zu Recht außer Konkurrenz: Die Mossad-Räuberpistole "The Operative", über den sich die taz die Haare rauft. Der vierte Berlinale-Tag im Rückblick. Von Thomas Groh
Außer Atem: Das Berlinale Blog 10.02.2019
Fatih Akin hat ganze Arbeit geleistet. "Der Goldene Handschuh" ist ein monströser Film. Eine Art Ekel-Horror-Comic, grotesk und grell überzeichnet. Schon in der ersten Szene beginnt Fritz Honka, der Hamburger Frauenmörder, sein perverses Werk: In seiner stinkigen, mit Porno-Bildern tapezierten Wohnung in St. Pauli schnürt er den wuchtig-wabbeligen Leib einer Frauenleiche zusammen, verpackt ihn in Plastiksäcke, bekommt ihn nicht weg gewuchtet, dann schleppt er den Sack wieder die Treppe bis zu seiner Mansarde hoch und beginnt die Leiche zu zersägen. Was in den Koffer passt, wird auf den Sperrmüll geworfen, der Rest landet, klatsch, im Wandschrank. Dazu läuft Adamos Schlager "Es geht eine Träne auf Reisen". Um den Lärm zu übertönen, aber auch weil es einen krassen Effekt setzt. Von Thekla Dannenberg
Außer Atem: Das Berlinale Blog 09.02.2019
Würden heute noch Western gedreht werden - der schwedische Schauspieler Stellan Skarsgård wäre ihr Held. Er ist vielleicht der letzte männliche Schauspieler, den man noch an seiner Haltung und seinem Gang erkennt. Auch kann er sich jederzeit ganz in sich zurückziehen, so dass nur noch eine Außenhülle zurückzubleiben scheint. Das alles kommt ihm auch in dieser Rolle eines alten Mannes zurück, der fühlt, dass sein Leben zu Ende geht und der sich in ein kleines Dorf an der norwegisch-schwedischen Grenze zurückzieht. Trond, so heißt der Mann, hat hier den letzten Sommer allein mit seinem Vater verbracht, der die Familie dann aus Liebe zur Nachbarsfrau verließ. Ein Verlust, den der Junge auch als alter Mann offenbar nie verwunden hat. Von Anja Seeliger