Vor Redaktionsschluss der
SZ war es noch nicht bestätigt, nun ist klar: Der
Suhrkamp-
Verlag hat einen neuen Eigentümer. Der Unternehmer
Dirk Möhrle, der von 1997 bis 2005 die familieneigene Baumarktkette Max Bahr leitete und zuletzt 39 Prozent der Suhrkamp-Anteile hielt, übernimmt zum 1. November die Aktien von
Ulla Unseld-
Berkéwicz und der Familie Ströher sowie den Anteil von Verleger und Geschäftsführer
Jonathan Landgrebe.
Zeit Online meldet: "Sein volles Vertrauen gelte dem Verleger Jonathan Landgrebe und der Geschäftsleitung mit Tanja Postpischil, wird Möhrle … zitiert. Ihnen, den Mitarbeitenden des Verlags und den Autorinnen und Autoren verspreche er, 'langfristig und mit vollem Engagement meine Ressourcen einzubringen, damit in diesem einzigartigen Verlag auch künftig in verlegerisch unabhängiger Arbeit, gute, schöne und bedeutende Bücher entstehen können'."
In der
FAZ kommentiert Sandra Kegel: "Möhrle hat sich als Fachfremder in den vergangenen zehn Jahren in die Belange des Verlags eingearbeitet. Er weiß also, was auf ihn zukommt und dass Bücher als Ware mit
Gartenstühlen nicht gleichzusetzen sind." Daran
meldet Roman Bucheli in der
NZZ zumindest leise Zweifel an: "In der Medienmitteilung des Verlags lässt sich Dirk Möhrle mit einer
kuriosen Aussage zitieren: 'In den vergangenen zehn Jahren meines Engagements für den Suhrkamp-Verlag habe ich
entdecken dürfen, welche Bedeutung diesem Verlag und seinen Autoren zu eigen ist.' Es ist schon fast ein
Kunststück, dass Möhrle erst Eigentümer dieses Verlags werden musste, um zu verstehen, dass er es mit einem
kulturellen Monument zu tun hat."
Mit "Suhrkamp in Not" eröffnet die
SZ heute ihr Feuilleton. Ein vierköpfiges Autorenteam blickt hinter die Kulissen und berichtet, dass die Lage bei Suhrkamp schon spätestens seit dem Frühjahr beunruhigend war: "Im Jahr 2022 rutschte er dann in die roten Zahlen, Jahresfehlbetrag
fast 270 000 Euro. Befürchtungen aus dem Jahr 2022, dass es im Jahr 2023 noch schlimmer kommen werde, bestätigten sich nach
SZ-Informationen inzwischen deutlich. Im Frühjahr 2024 wurde es dann offenbar richtig heikel. Aus Verlagskreisen ist zu hören: Ohne den zügigen Verkauf des Hauses an der Klettenbergstraße hätte für Suhrkamp im August viel auf dem Spiel gestanden." Es "fehlen die ganz großen Namen für den Umsatz bei Suhrkamp. Die Helden der viel zitierten Suhrkamp-Kultur sind tot oder weit in den Neunzigern:
Adorno,
Marcuse,
Kluge,
Habermas", schreiben die Autoren und zitieren aus dem Jahresabschlussbericht 2022: "'Tendenzen zu leichter, barrierearmer und in vielen Teilen rein
eskapistischer Lektüre' seien allerorten sichtbar. Ein bisschen klingt es so: Wir sind toll, aber die Leute draußen sind zu doof."