Der
Autor T.C. Boyle hat in Deutschland mehr Erfolg als in den USA. Der
Hanser-Verlag wird nun nicht mehr nur die deutschen Rechte auf seine Romane erwerben, sondern ihn auch zugleich
auf Englisch herausbringen. Hintergrund ist die Globalisierung des Buchmarkts, erklärt Verleger
Jo Lendle im Gespräch mit Adam Soboczynski in der
Zeit: "Im Buchladen standen die englischsprachigen Bände früher in einem versteckten Regal, heute liegen sie auf dem Tisch am Eingang. Sally Rooney verkauft sich hierzulande besser auf Englisch als auf Deutsch. Von Boyles vorigem Roman 'Blue Skies' haben wir 120.000 Exemplare in Dirk van Gunsterens brillanter Übersetzung verkauft, vom Original wurden im deutschsprachigen Raum immerhin 25.000 Bände abgesetzt. Das hat uns angestachelt, etwas Neues zu probieren - warum drucken wir nicht eine eigene englischsprachige Ausgabe und vertreiben sie in ganz Europa?" Dass er damit englischsprachigen Verlagen
Konkurrenz macht, verschweigt Lendle nicht. Auf die Frage, weshalb US-amerikanische Verlage Interesse daran haben sollten, Hanser die Europa-Rechte ihrer englischsprachigen Ausgaben zu überlassen, antwortet Lendle: "Die haben überhaupt kein Interesse daran. Wir schließen die Verträge aber auch nicht mit den Verlagen, sondern mit den
Agenturen der Autoren. Bevor wir ins Straucheln geraten wie die niederländischen und skandinavischen Verlage, die mit ihren Übersetzungen überhaupt nicht mehr gegen die Originale ankommen, beugen wir lieber vor."