9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturmarkt

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.10.2025 - Kulturmarkt

Der katholisch fundamentalistische und rechtsextreme französische Tycoon Vincent Bolloré hat neben vielen anderen Häusern jetzt auch den renommierten Buchverlag Fayard unter seine Herrschaft gebracht, wo von nun ab rechtsextreme Poitiker ihre Bücher veröffentlichen, berichtet Marc Zitzmann in der FAZ. Chefin ist dort jetzt die berüchtigte Verlegerin Lise Boëll - renommierte Autoren und Mitarbeiter verlassen den Verlag in Scharen. "Bolloré bringt Fayard mit denselben Methoden auf Linie, mit denen er zuvor den Radiosender Europe 1, den Fernsehkanal CNews und das Sonntagsblatt Le Journal du dimanche gleichgeschaltet hatte. Er wendet die hierzulande sattsam bekannte 'stratégie du putois' an, die daran besteht, den betreffenden Mitarbeitern als Chef ein 'Stinktier' vor die Nase zu setzen, um all jene wegzuekeln, bei denen die neue olfaktorische Signatur des Hauses Übelkeit erzeugt."
Stichwörter: Bollore, Vincent

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.10.2025 - Kulturmarkt

Die Buchmesse beginnt. Im Börsenverein der Buchhandels wechselt die Leitung. Karin Schmidt-Friderichs tritt turnusgemäß ab, es folgt der Kleinverleger Sebastian Guggolz. Ein Zeichen, findet Andreas Platthaus im Leitartikel der FAZ zur Lage der Branche. Die Kleinverlage übernehmen inhaltlich immer mehr die Arbeit größerer Häuser - und können doch immer seltener eigenständig existieren. Dass der Berenbeg Verlag schließt, ist ebenfalls ein Zeichen. Andere Probleme kommen hinzu. Der Gewinner des Deutschen Buchpreises, Dorothee Elmigers Roman "Die Holländerinnen", "ist seit Wochen nicht lieferbar, weil es selbst einem vergleichsweise so großen Verlag wie Hanser nicht gelingt, Nachauflagen drucken zu lassen. Das ist geschäftsschädigend für den Buchhandel, dem der Trubel um die Preisverleihung gewöhnlich sichere Umsätze garantiert. Mit der Buchherstellungsinfrastruktur liegt also erkennbar etwas im Argen. Auch das wird die diesjährige Buchmesse umtreiben." Mehr über den Buchpreis im heutigen Efeu.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.08.2025 - Kulturmarkt

Dank Genres wie "Young Adult" oder "Romantasy" lesen junge Menschen wieder mehr - damit das so bleibt, müssen Bücher bezahlbar werden, schreibt Jonas Kähler, der in der taz den Beschluss der dänischen Regierung, die Mehrwertsteuer auf Bücher abzuschaffen, lobt. Zudem müsse es weiterhin Orte des "physischen Entdeckens" geben, aber: "Die Zahl der Buchhandlungen sank von rund 7.600 im Jahr 2000 auf 4.500 im Jahr 2025. Knapp 2.000 öffentliche Bibliotheken mussten in den vergangenen 15 Jahren schließen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.08.2025 - Kulturmarkt

Das Buch will einfach nicht sterben, egal, wie oft es tot gesagt wird, schreibt die SZ. So sei es vor allem die Altersgruppe der 15-26jährigen, die den Buchmarkt beleben. Dabei scheint der Inhalt aber weniger relevant. "Denn die visuell herausstechende Buchgestaltung wird auch in anderen Marktsegmenten als Mittel erkannt, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. 'Vor ein paar Jahren waren ja noch Foto-Buchcover im Trend. Leise Cover, die sehr laut sagen: Hallo, ich bin Literatur', erzählt Tanja Raich, die sich als Programmleiterin für Literatur und Kinderbücher in dem kleinen, österreichischem Verlag Leykam schon lange Gedanken über eine ausgefallene Gestaltung ihrer Bücher macht. Leise sollen sie jedenfalls nicht herüberkommen. Raich schwärmt am Telefon vom strukturierten UV-Lack in Lippenstift-Optik auf dem Cover des neuen Romans 'Hotel Love' ihrer Autorin Petra Piuk und von anderen Überraschungseffekten: 'Meine Hoffnung ist: Wenn wir das Buch wieder sexy machen, wird es auch wieder relevanter', schließt Raich. Auch wenn der Trend natürlich die Gefahr birgt, dass es zwischen so vielen auffälligen Büchern schwieriger wird herauszustechen."
Stichwörter: Buchmarkt, Booktok, Buchcover

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.08.2025 - Kulturmarkt

Das Raubkopieren kehrt zurück, berichtet Martin Seng in der FAS: "Allein 2023 wurden auf Seiten für illegale Downloads etwa 104 Milliarden Suchen nach Serien registriert, bei Filmen waren es knapp 30 Milliarden. Parallel dazu verzeichnen die Streaminganbieter einen drastischen Rückgang der Abozahlen. Disney+ etwa zählte 2019 innerhalb von zwölf Monaten einen Zuwachs von 87 Millionen Abonnenten und Ende 2022 über 164 Millionen zahlende Kunden. Doch nun liegt deren Zahl konstant bei 126 Millionen - ein Debakel für das auf Wachstum ausgelegte Geschäftsmodell."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.06.2025 - Kulturmarkt

Christiane Knödler greift in der SZ eine Debatte auf, die der Autor und Illustrator Michael Mantel angestoßen hat: Dieser hatte bemerkt, dass sich bei Amazon, aber auch in den Online-Shops von großen Buchhandlungen viele Kinderbücher fanden, die offensichtlich KI-generiert waren - die Inhalte ähnelten sich, waren ziemlich flach, die Autorennamen ließen sich nicht zurückverfolgen. Mit bestimmten Techniken kann man die Bücher weit oben auf Bestsellerlisten erscheinen lassen, so Knödler, wo sie dann scheinbar gleichrangig neben Klassikern stehen. Grund zur Panik sei das aber nicht: "Der Umgang mit KI in der Literatur ist eine Herausforderung. Im besten Fall führt sie zur Rückbesinnung auf Qualität. Dann stärkt sie die Rolle der Experten, die Qualität erkennen und vermitteln, die der Bibliothekare, Buchhändlerinnen, Kritiker und Kritikerinnen. Und sie stärkt die Rolle der Verlage. Schließlich nehmen die für sich in Anspruch, Gatekeeper zu sein, Wertvolles von Schlechtem zu trennen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.02.2025 - Kulturmarkt

Von den zahlreichen Dekreten und Verordnungen Donald Trumps zielen einige auch auf Kulturinstitutionen. Trump hat das Ende der staatlichen Förderung von Inklusionsmaßnahmen verkündet. Öffentliche Sender haben mit Bedauern die Schließung der vom Staat geförderten entsprechenden Abteilungen bekanntgegeben, berichtet Sebastian Mollin in der wochentaz. "Eigenartig still blieb es derweil im Verlagswesen, obwohl die US-amerikanischen Buchverlage im Sog der Ermordung von George Floyd und dem Wiederaufblühen der Black-Lives-Matter-Bewegung sehr aggressiv ihre Diversitätsanstrengungen vorangetrieben hatten. Es gab keine Bekanntmachung der 'Big Five'-Verlage zu einer neuen Linie oder eine Stellungnahme zu Trumps Verordnung. In der Branchenpresse war nichts zu dem Thema zu lesen. Von etwaigen internen Memos wurde auch nichts bekannt. Dan Sinykin, der an der Emory University von Atlanta über das Verlagswesen forscht, sprach von einer gespenstischen Stille... Wie bei vielen Kultureinrichtungen ist im Verlagswesen der Inklusionsenthusiasmus, der nach 2020 um sich griff, in eine Art Verdruss umgeschlagen. Insbesondere die Verlage haben längst ihre Praktiken reduziert, ohne von Trump dazu gezwungen zu werden."
Stichwörter: Verlagswesen, Inklusion, USA

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.01.2025 - Kulturmarkt

Der Autor T.C. Boyle hat in Deutschland mehr Erfolg als in den USA. Der Hanser-Verlag wird nun nicht mehr nur die deutschen Rechte auf seine Romane erwerben, sondern ihn auch zugleich auf Englisch herausbringen. Hintergrund ist die Globalisierung des Buchmarkts, erklärt Verleger Jo Lendle im Gespräch mit Adam Soboczynski in der Zeit: "Im Buchladen standen die englischsprachigen Bände früher in einem versteckten Regal, heute liegen sie auf dem Tisch am Eingang. Sally Rooney verkauft sich hierzulande besser auf Englisch als auf Deutsch. Von Boyles vorigem Roman 'Blue Skies' haben wir 120.000 Exemplare in Dirk van Gunsterens brillanter Übersetzung verkauft, vom Original wurden im deutschsprachigen Raum immerhin 25.000 Bände abgesetzt. Das hat uns angestachelt, etwas Neues zu probieren - warum drucken wir nicht eine eigene englischsprachige Ausgabe und vertreiben sie in ganz Europa?" Dass er damit englischsprachigen Verlagen Konkurrenz macht, verschweigt Lendle nicht. Auf die Frage, weshalb US-amerikanische Verlage Interesse daran haben sollten, Hanser die Europa-Rechte ihrer englischsprachigen Ausgaben zu überlassen, antwortet Lendle: "Die haben überhaupt kein Interesse daran. Wir schließen die Verträge aber auch nicht mit den Verlagen, sondern mit den Agenturen der Autoren. Bevor wir ins Straucheln geraten wie die niederländischen und skandinavischen Verlage, die mit ihren Übersetzungen überhaupt nicht mehr gegen die Originale ankommen, beugen wir lieber vor."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.01.2025 - Kulturmarkt

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Es gibt in Russland keine offizielle Zensurbehörde mehr, und der Buchmarkt ist schwer zu kontrollieren, erzählt Norma Schneider in der taz. Manches kann Erstaunliches erscheinen, etwa Natalja Kljutscharjowas "Tagebuch vom Ende der Welt" (das zuerst in Deutschland erschien). Aber die Verlage arbeiten unter Risiko: "Um Verbote und Strafen zu vermeiden, veröffentlichen viele Verlage keine Bücher mehr, die Anstoß erregen könnten, oder tilgen heikle Passagen aus den Manuskripten. Die Verlagsgruppe AST nahm im April den aktuellen Roman des bekannten oppositionellen Schriftstellers Vladimir Sorokin aus dem Verkauf, nachdem ein Expertengutachten zu dem Schluss kam, dass er verbotene Inhalte enthalte. Genutzt hat die Maßnahme wenig: Im November wurde der Roman offiziell verboten - angeblich wegen Pornografie -, und für die Veröffentlichung müssen sich Verlag und Druckerei eine Geldstrafe von vier Millionen Rubel (knapp 40.000 Euro) teilen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.01.2025 - Kulturmarkt

Nicht zuletzt dank der Merkel-Memoiren fällt die Bilanz des Börsenvereins zum Umsatz im deutschen Buchhandel 2024 positiv aus. "Es lohnt sich allerdings, genauer hinzusehen, denn die Zahl der verkauften Bücher ging im selben Zeitraum zurück, um 1,7 Prozent", bemerkt Jens-Christian Rabe in der SZ: "Für das positive Ergebnis sorgten gestiegene Buchpreise, im Schnitt waren sie um 2,6 Prozent höher als zuvor. Das sogenannte stationäre Buch-Geschäft im Laden um die Ecke schloss sogar mit einem Umsatzplus von 0,9 Prozent, verzeichnete aber auch ein höheres Absatzminus von 2,2 Prozent. (…) Das meistverkaufte Hardcover-Buch 2024 war laut Media Control und Börsenverein Elke Heidenreichs Essay 'Altern', vor Sebastian Fitzeks 'Kalendermädchen' und 'Freiheit' von Angela Merkel und Beate Baumann. Während sich belletristische Bücher um 4,1 Prozent besser verkauften als noch 2023, betrug der Umsatzzuwachs bei Sachbüchern sogar 7,7 Prozent."
Stichwörter: Merkel, Angela