Dominik Johnson
kommt in der
taz auf
Messermorde wie den von Aschaffenburg oder Southport zurück, die nicht islamistisch motiviert waren. Die Täter waren von den Konflikten in ihren Heimatländern
traumatisiert, so Johnson, auch in der zweiten Generation. "Wie geht in einem indifferenten Umfeld ein ruandisches Kind aus einer Familie von Völkermordüberlebenden mit traumatischen Erinnerungen seiner Angehörigen um? Wie verarbeitet ein desertierter Assad-Soldat seine Taten? Wie bewältigen Flüchtende aus Sudan, Somalia oder Eritrea den Horror, den sie womöglich auf ihrer Odyssee aus Afrika nach Europa erlebt haben? Die kurze Antwort: Sie bewältigen es ganz oft nicht. Sie werden davon heimgesucht. Der britische Flüchtlingsrat hat ermittelt, dass
61 Prozent aller Asylsuchenden schwere psychische Belastungen aufweisen. In Deutschland ergaben Studien, ein Drittel aller Flüchtlinge weise eine
posttraumatische Belastungsstörung auf. Aber kein Land geht adäquat mit Traumatisierung unter Geflüchteten um."
35 Jahre nach der
Wiedervereinigung wirft eine Soziologengruppe in der
FAZ einen Blick auf die Unterschiede zwischen Ost und West bei der
Erwerbstätigkeit und der Bezahlung von Frauen, die bis heute prägen. Während in Westdeutschland das Alleinverdienermodell vorherrschte, war der Anteil berufstätiger Frauen in der DDR wesentlich höher. Aber "auch das wird klar: An der Norm, dass Frauen in erster Linie für
Hausarbeit und Kindererziehung zuständig sind, wurde auch in der DDR nicht gerüttelt. In beiden Gesellschaften waren Frauen für den Großteil der Hausarbeit verantwortlich. Im Osten war dies sogar institutionalisiert, da vollbeschäftigte und verheiratete Frauen mit Kindern einmal im Monat einen "Haushaltstag" erhielten. Die in der DDR aufgewachsene Autorin Kathrin Aehnlich formulierte die faktische Geschlechterverhältnisse treffend mit den Worten: 'Bei uns endete die Gleichberechtigung an der Wohnungstür.'"
In einem sehr langen Text, der leider zum Schluss hin etwas ausläppert, denkt Johannes Böhme auf
Zeit online über den
Erfolg des Rechtspopulismus nach. Er hat dafür auch einige Studien gelesen, die interessante Erkenntnisse bieten, und lernt dabei: Erstens,
Menschen sind "
missgünstig bis hin zur kompletten Destruktivität. Es gibt haufenweise Beispiele, in denen Menschen große Anstrengungen auf sich genommen haben, keine Kosten und Mühen gescheut haben, um
anderen weh zu tun, um sie kleinzuhalten, sie zu bestrafen. Der Philosoph und Biologe
Patrick Forber von der Tufts Universität in Boston setzt das Ultimatum-Game ein, um zu verstehen, was solch destruktives Verhalten begünstigt. Er hat dabei herausgefunden, dass dies meistens im Kampf um sozialen Status passiert. Wenn sich der Wettkampf um Plätze in der sozialen Hierarchie intensiviert, versuchen die Zurückgelassenen anderen zu schaden, um
ihren Platz in der Rangordnung wiederherzustellen". Interessant ist aber auch, dass die
Zunahme an Flüchtlingen nicht zwangsläufig zu einem Rechtsruck führt - jedenfalls nicht dort, wo diese Flüchtlinge leben, lernt Böhme in einer Studie von
Marco Giesselmann von der Universität Zürich: "Ausgerechnet jene Landkreise, die viele Flüchtlinge aufgenommen hatten, widersetzten sich dem Trend. Der Rechtsruck war dort sehr viel kleiner ausgefallen als anderswo. ... Es waren vor allem diejenigen, die die Flüchtlinge
nur aus der Ferne sahen - durch Bilder und Video-Ausschnitte in den Nachrichten und in sozialen Medien - die besonders stark nach rechts rückten."