
Eine Allegorie auf das zwanzigste Jahrhundert, die ganze Tragödie der mitteleuropäischen Länder und Völker
liest Karl Orend in
Josef Skvoreckys Roman "Ordinary Lives". Protagonist des Buches ist erneut der Tscheche Danny Smiricky; Dreh- und Angelpunkt der Handlung sind die
Klassentreffen seiner Abschlussklasse. Von hier aus wirft
Skvorecky einen Blick auf Smirickys Biographie und die seiner Mitschüler, auf jene titelgebenden "gewöhnlichen Leben" unter nationalsozialistischem und kommunistischen Terror. "
'Ordinary Lives' enthüllt den Horror, der
Leben im Totalitarismus innewohnt. Schulkinder, die in einer Zeit leben, als 'wenige Menschen eine Vorstellung hatten vom bodenlosen Übel Hitler', werden in Nazi-Ideologie geschult. Manche besuchen Sommerlager, um ihr Deutsch zu verbessern. Neunzig Prozent von ihnen sind Juden. Neunzig Prozent enden als Asche. (...)
Eugenik ist Schicksal. Ein Student mit einem tschechischen Namen wird als Volksdeutscher klassiert. Er landet in Stalingrad. Verwundet, hat er Angst in Kostelec zu bleiben, er glaubt, dass seine Nachbarn in umbringen werden, wenn der Krieg vorbei ist. Madeleines und Tee rufen keine Proust'schen Erinnerungen wach. Jedes Mal, wenn Smiricky eine
Schmeißfliege sieht, wird er an jene Schwärme erinnert, die von den Gräbern deutscher Soldaten, die von Partisanen totgeschlagen worden waren, auf seine Stadt niedergingen." (Hier nochmal der Link zu Randy Boyagodas
Gespräch mit Skvorecky im
Walrus Magazine)
Paul Gifford
bedauert es ein wenig, dass in Michel Jarretys 1500-seitiger
Biografie Paul Valerys nur das Leben des Lyrikers und Philosophen im Mittelpunkt steht und nicht die Wechselwirkung zwischen Vita und Werk. Dafür hat er Anekdotisches gelernt, etwa zu den permanenten "
Geldsorgen" des Porträtierten: "Sein Bedauern den Nobelpreis 'verpasst' zu haben betraf das Preisgeld von 70.000 Francs: der Preis des
Geschwaders von Sekretären, die er nie hatte, und des Autos, das er niemals besaß."