
Anlässlich des jährlich stattfindenden
Schriftstellertreffens in Tokaj beschrieb am 19. August der Publizist
János Csontos in der regierungsnahen Tageszeitung
Magyar Nemzet die Entstehung des "neuen literarischen Kanons" der Wende und griff dabei direkt und namentlich die Schriftsteller
Péter Nádas,
Péter Esterházy und
Lajos Parti Nagy an. Csontos warf ihnen vor, dass sie einen
Pakt mit dem Chefideologen Kadars,
György Aczél, eingegangen wären und dafür Publikationsmöglichkeiten und Geld erhalten hätten. Dafür sollten sie die "politisch wirklich unangenehmen" Schriftsteller an die Peripherie zu drängen.
Peter Esterházy meint dazu gewohnt ironisch: "Wir müssen dankbar sein für die beflügelte Formulierung von Csontos. Dieser hat die träge Erinnerung bewegt. Ansonsten hätte ich gesagt, ich hatte mich nie mit Aczél getroffen, ich sah ihn in der Zeitung, im Fernsehen, doch so kommt die Erinnerung wieder, wie ich mich mit Nádas und Parti Nagy (von ihnen distanziere ich mich in aller Deutlichkeit) in einer Hütte traf, doch darüber möchte ich nicht weiter reden."
Und
Peter Nádas schreibt: "Man kann über mich viel Schlechtes reden, und wenn jemand bei der Aufzählung nicht weiterkommen sollte, dann bin ich
gerne behilflich. Aber mit gutem Herzen kann nicht wirklich gesagt werden, dass ich in irgendeinem System Kollaborateur gewesen wäre. Ich war ein freier Mensch und ich blieb ein freier Mensch. Csontos behauptet das Gegenteil. (...) Man kann nur
wirkliche Ereignisse rekonstruieren. Wann hat uns Aczél zu sich gerufen? Und sind wir gemeinsam hingegangen oder getrennt? Denn soweit ich weiß, hat Esterházy Aczél nie getroffen, von Parti Nagy weiß ich es nicht (er war aber zu der Zeit auf dem Gymnasium). Was ich aber weiß ist, dass wir gemeinsam nirgendwo hingegangen sind. Wir hätten ja gehen können, jetzt bedauere ich es, das wir
nicht einmal ins Freudenhaus gemeinsam gegangen sind, aber wir sind es nicht."