
Der Philosoph
Gáspár Miklós Tamás beschreibt die aussichtslose, weil bereits verlorene Auseinandersetzung der grünen Linken mit der "unteren Mittelschicht", ihrer früheren Basis. "Jede Antwort auf den
Klimawandel geht mit Verzicht, aber auch mit Verarmung der reicheren Ländern und reicheren gesellschaftlichen Schichten einher, mit Einschränkungen von Annehmlichkeiten (Autos und Flugzeugen), mit schmerzhaften Veränderungen der Landwirtschaft (und damit des Essens). Grüne Initiativen zur
Selbstbegrenzung stützen sich nicht auf die
demokratisch-
hedonistische Öffentlichkeit, sondern auf die Erkenntnisse (und Diskussionen!) der Wissenschaft, deren Prestige ziemlich begrenzt ist, sonst wäre zum Beispiel in Ungarn die Zerstörung der Akademie der Wissenschaften, der Universitäten, der öffentlichen Sammlungen und des Denkmalschutzes sowie die Verbreitung von Aberglauben mit staatlicher Hilfe nicht möglich gewesen. Die
angebliche moralische Überheblichkeit der Grünen, ihre rational-hochmütige Attitüde, die sich um die angeblichen Interessen des 'Durchschnittsmenschen' nicht kümmert - wie wir dies in der äußerst hässlichen, an Ost-Europa erinnernden 'Wahlkampagne' in Deutschland sehen können - steht dem 'traditionellen' auf Wettbewerb, Konsum oder Konservatismus ausgerichteten Ethos gegenüber, und darum gelten sie zunehmend als volksfeindlich, denn heutzutage ist das Volk
die Mittelschicht, der autofahrende, fleischessende, biertrinkende, am Meer urlaubende, fußballbegeisterte, serienabhängige 'Durchschnittsmensch'."