Viet Thanh Nguyen

Der Sympathisant

Roman
Cover: Der Sympathisant
Karl Blessing Verlag, München 2017
ISBN 9783896675965
Gebunden, 528 Seiten, 24,99 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Wolfgang Müller. April 1975 wird eine Gruppe südvietnamesischer Offiziere unter dramatischen Bedingungen aus Saigon in die USA geflogen. Darunter ein als Adjutant getarnter kommunistischer Spion. In Los Angeles soll er weiterhin ein Auge auf die politischen Gegner haben, ringt jedoch immer mehr mit seinem Doppelleben, den Absurditäten des Spionagewesens, der Konsumgesellschaft und seiner eigenen Identität: "Ich bin ein Spion, ein Schläfer, ein Maulwurf, ein Mann mit zwei Gesichtern. Da ist es vielleicht kein Wunder, dass ich auch ein Mann mit zwei Seelen bin.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 12.08.2017

Der vietnamesische Autor Viet Thanh Nguyen floh als Kind mit seiner Familie aus Saigon, sein nun auch auf Deutsch erschienener Roman über den Vietnamkrieg ist aber keineswegs eine Autobiografie, lernt Rezensent Wieland Freund am Rande seiner Begegnung mit dem Autor. Vielmehr liest der Kritiker eine Mischung aus Thriller, Satire und Schelmenroman, in deren Mittelpunkt ein kommunistischer Agent steht. Gebannt folgt Freund der Geschichte um den namenlosen Erzähler, der in einer winzigen Gefängniszelle seine Lebensbeichte ablegt und von vietnamesischen Straflagern ebenso zu berichten weiß wie von den Dreharbeiten zu Francis Ford Coppolas "Apocalypse Now". Ein gelungener Versuch, die amerikanische Wahrnehmung von Vietnamesen und Asiaten zu verändern, urteilt der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 10.08.2017

Rezensentin Marie Schmidt trifft sich mit dem vietnamesisch-amerikanischen Literaturprofessor und Schriftsteller Viet Thanh Nguyen auf einen Kaffee in Paris und lässt eine anerkennende Besprechung seines Spionagethrillers "Der Sympathisant" folgen. Die an den vietnamesischen Meisterspion Pham Xuan An angelehnte Geschichte um einen namenlosen Doppelagenten, der während des Vietnamkriegs für die Amerikaner arbeitet, die Kommunisten mit Informationen versorgt und schließlich an allen schuldig wird, will nicht weniger als das amerikanische Narrativ vom Vietnamkrieg umschreiben, informiert die Kritikerin. Dabei gelinge es dem Autor, in "süffigem" Ton Thesen der "postkolonialen Theorie" einzubinden, ohne den Erzählfluss zu behindern, fährt die Rezensentin fort, die sich während der Lektüre bestens amüsiert hat, etwa wenn Nguyen den Dreh von "Apocalypse Now" persifliert, mit dem  laut Nguyen Hollywood als "Teil des militärisch-industriellen Komplexes" die Erinnerung an den Krieg als amerikanische Version festgeschrieben hat.