Herausgegeben von Eberhard Ortland. Sechsmal las Theodor W. Adorno zwischen 1950 und 1968 in Frankfurt über Ästhetik. Die Vorlesungen aus dem Wintersemester 1958/59 und aus dem Jahr 1961/62 ließ er aufnehmen, und die Transkriptionen dienten ihm als Grundlage für seine Arbeit an der Ästhetischen Theorie, die zu den prägenden philosophischen Büchern des 20. Jahrhunderts gehört. Mit der Edition der Vorlesung von 1958/59 wird eine wichtige Quelle zur Entwicklung der tragenden Konzepte in Adornos Denken über Kunst und Ästhetik nun erstmals zugänglich gemacht. In Auseinandersetzung mit Platon und Aristoteles, Kant und Hegel, Schopenhauer und Kierkegaard, Lukacs und Benjamin erörtert Adorno hier die Erfahrung des Schönen, das Verhältnis von Kunst und Natur, den Rätselcharakter der Kunstwerke und die Spannung zwischen den Forderungen des "Ausdrucks" und der Konstruktion im Kunstwerk.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 13.03.2010
Freudig begrüßt der hier rezensierende Frankfurter Philosophiprofessor Martin Seel die von Theodor W. Adorno im Wintersemester 1958/59 gehaltene Vorlesung über Ästhetik, die nun im Rahmen der Nachgelassenen Schriften des Philosophen erschienen ist. Der Text, eine Abschrift von Tonband-Mitschnitten, unterscheidet sich für ihn im Ton erheblich von den offiziellen Texten Adornos, scheint ihm weniger dicht, verschachtelt, hermetisch als diese, bietet mitunter Anekdoten und auch "kabarettistische Einlagen". Auch wenn Adorno zeitlebens viel über Kunst und Ästhetik geschrieben hat, findet Seel in der Ästhetik-Vorlesung einige Überraschungen. Bemerkenswert erscheint ihm der "pädagogischen Eros", mit dem Adorno seinen Studenten ästhetische Theorie nahe bringt. Er unterstreicht die faire Auseinandersetzung mit konkurrierenden Theorien, stößt auf Motive und Vorstellung der 1970 postum erschienenen "Ästhetischen Theorie" und Passagen, die ihn wie eine "Predigt wider die politische Erstarrung in der deutschen Bundesrepublik der fünfziger Jahre" anmuten. Besonders hebt Seel Adornos Ausführungen über Platons "Phaidros" und über Kompositionen John Cales hervor sowie seine moderne Lehre vom Schönen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.03.2010
Wolfgang Matz wird ganz neidisch auf die Studenten, die Adorno noch live erleben durften. Ein guter Ersatz scheint ihm dieser Band zu sein, der die Vorlesungen des Wintersemesters 1958/59 enthält und in dem er mehr sieht als eine archivalische Pflichtübung. Für Matz lässt sich anhand ihrer nichts weniger verfolgen als die Entstehung von Adornos "Ästhetischer Theorie" in der öffentlichen Reflexion, erstmals als systematische Befassung mit ästhetischer Theorie. Die sprachliche Unmittelbarkeit bewirkt dabei laut Matz einen ganz eigenen Duktus. Reizvoll ist für den Rezensenten auch der ständig mitlaufende Bezug zur Kunst der 50er Jahre, zu Picasso, Boulez, Cage, Joyce u.a., die ihm hier als lebendige, polarisierende Gegenwart erscheinen.
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