Francesca Rigotti

Philosophie in der Küche

Kleine Kritik der kulinarischen Vernunft
C. H. Beck Verlag, München 2002
ISBN 9783406489778
Gebunden, 126 Seiten, 14,90 EUR

Klappentext

Francesca Rigotti nimmt den Leser mit in ein Labor der kulinarischen Philosophie - aber auch in eine philosophische Küche, wo die beiden Welten plötzlich zusammentreffen: Wir essen Oliven und Feigen mit Aristoteles, sitzen mit Kant zu Tisch, picknicken mit Kierkegaard, verbringen unsere Zeit mit Sartre in einem der Rive gauche-Restaurants in Paris, schälen Kartoffeln mit Wittgenstein und schmecken so die Ideen, ja noch mehr die kulturelle Prägnanz der Speisen, die auf unseren Tisch kommen. Es geht also um die Beziehung von Philosophieren und Kochen, beides uralte menschliche Tätigkeiten, die sich dennoch häufig fremd geblieben sind. Und doch sind Wissen und Essen Kinder derselben Mutter: Kinder des Hungers. Zahlreiche Metaphern wie Erkenntnishunger, Wissensdurst, Informationsgier, aber auch Redensarten bezeugen die nahe Verwandtschaft: Ein Buch verschlingen, ein Konzept verdauen, nach Erkenntnis lechzen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.03.2002

Rezensent Gerhard Neumann ist nicht besonders überzeugt von Francesca Rigottis "Philosophieren in der Küche". Auch ist er sich nicht sicher über die Intention des Buches. Soll es nun ein "kulinarischer" Erfahrungsbericht" Rigottis sein, oder doch eher eine "Philosophie des Kulinarischen" im zeitgenössischen kulturellen Verständnis. In beiden Fällen kommt das Werk nicht besonders gut weg. Soll es sich um ersteres handeln, so der Rezensent, dann zieht er doch lieber die Texte der Fachmagazine vor, die ihre Texte "an Finesse und Kenntnissen weit übertreffen". Im zweiten Fall, also im philosophischen Kontext, vermutet Gerhard Neumann, dass das Wissen der Autorin in punkto "Essensforschung" eher lückenhaft ist. Außerdem sei die Untersuchung dieses Themas seit Barthes' Überlegungen am ehesten über die "Semiologie" sinnvoll und nicht im Kontext der Frage "Physiologie oder Philosophie", kritisiert der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.03.2002

Was hat uns die italienische Philosophin Francesca Rigotti mit ihrer "Kritik der kulinarischen Vernunft" da aufgetischt? Ein "leicht bekömmliches Gericht", freut sich der Rezensent Manfred Geier, "das seine Leser auf den philosophischen Geschmack kommen lässt". Gegen die von Platon herkommende philosophische Abwertung von Kochkunst und Gaumenfreuden gerichtet, vollzieht Rigottis "Philosophie in der Küche" laut Geier endlich die "fällige Umwertung der Werte" im Bereich des Philosophisch-Kulinarischen. Rigottis Zubereitung der intimen Zusammenhänge zwischen Philosophieren und Kochen hat dem Rezensenten außerordentlich gut geschmeckt. Der Leibgebundenheit aller Erkenntnis werde wieder zu ihrem Recht verholfen. Insbesondere das Kapitel über den "Appetit der Philosophen" von Platon bis Wittgenstein macht Geier Lust auf einen Nachschlag. Insgesamt nur Lob also für dieses "kleine philosophische Kunststück".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.03.2002

Halb im Scherz hatte einst schon Kant in heiterer Stimmung eine "Kleine Kritik" der "kulinarischen Vernunft" angekündigt. Daraus wurde damals nichts, die italienische Philosophin Francesca Rigotti holt das Versäumte nun, halb im Ernst, nach. Um ein streng gedachtes Werk handelt es sich zwar offensichtlich nicht, aber mehr als eine "oberflächliche Anekdotensammlung" ist der Band, wie der Rezensent (Kürzel upj.) betont, allemal. Zwar gibt es interessante Informationen zu Kants Speiseplan und zu Wittgensteins Gedanken über Kuchen und Rosinen - aber auch aufschlussreiche Überlegungen zum "Verhältnis von Gefräßigkeit und Geschwätzigkeit", die immerhin an den Philosophen Isidor von Sevilla aus dem 7. Jahrhundert n.Chr. anschließen.