Alain Resnais ist im Alter von 91 Jahren gestorben, schreibt die Pariser Zeitung Libération, die sich auf eine Pressemitteilung seines Produzenten bezieht. Lukas Foerster hat bei der Berlinale seinen letzten Film "Aimer, boire et chanter" besprochen - ein besserer Titel ist für einen letzten Film kaum denkbar, finden wir.

Einige Nachrufe: In der taz würdigt Dominik Kamalzadeh den Rive-Gauche-Regisseur als Spielmeister filmischer Formenexperimente. Doch war für ihn "weniger der Bruch mit Konventionen entscheidend, sondern das, was aus der fragmentierten Form heraus neu entstehen kann. Nicht länger lösen sich Szenen in den darauffolgenden auf, vielmehr beharren die Bilder auf ihrer Besonderheit. Die Krise im Erzählen besteht darin, dass wir nicht mit Gewissheit sagen können, warum das eine auf das andere folgt. Resnais stellt dies nicht einfach dar, er überwindet es auch gleich, indem er eine Vielzahl anderer, ebenso plausibler Verbindungen von Bildern und Tönen aufzeigt."

In eine ähnliche Richtung geht Gerhard Midding in der Berliner Zeitung: "Immer leichtfüßiger gelang es diesem altgedienten Avantgardisten dabei mit den Jahren, die Konventionen neu zu arrangieren. Seit seinen Welterfolgen 'Hiroshima, mon Amour' und 'Letztes Jahr in Marienbad' war jeder seiner Filme ein erzählerisches Labyrinth. Das Imaginäre schmuggelte er in eine größtmöglich alltägliche Atmosphäre hinein. So entstand ein trotz aller ästhetischen Experimente überaus zugängliches Kino, dem alles Trocken-Akademische fremd war."

In der NZZ führt Patrick Straumann durch einige Klassiker des Auteurs. Sein Fazit: "Trotz aller Virtuosität – der Regisseur hatte es stets seiner Formgestaltung überlassen, beim Publikum Emotionen zu wecken –, resultierte die seinen Werken innewohnende Faszinationskraft auch aus der Tatsache, dass sie das Scheitern der filmischen Auflösung jeweils voraus zu nehmen schienen."

Im Tagesspiegel bewundert Christiane Peitz die Freiheiten, die sich Resnais stets nahm: Er "ein Genie des Konjunktivs, des Möglichkeitssinns, der imaginierten, verworfenen, vergeblichen Existenz. Nicht nur in seinen boulevardesken Stücken (...). Sondern auch im Frühwerk, in dem die Erinnerung gleichsam Regie führte und Resnais das Versatzstückwerk der Vergangenheit in Szene setzte, das Memento Mori des Zeitreisenden, die Surrealismen dessen, der von Reminiszenzen heimgesucht wird – meist in präzise abgezirkelten, artifiziellen Dekors."

Außerdem: Einen ersten Überblick über internationale Stimmen bringt David Hudson bei Keyframe Daily. Das Blog Film Studies for Free sammelt Links zu frei zugänglichen filmwissenschaftlichen Arbeiten über Resnais. Die Berliner Retrospektive im Jahr 2012 begleitete critic.de mit einem ausführlichen Special.

Hier binden wir einen der bekanntesten Filme Resnais' ein, "Mon oncle d'Amérique" aus dem Jahr 1980 mit einem noch recht jungen Gérard Depardieu. Wer auf den "CC"-Button klickt, kann englische Untertitel hinzuschalten.