Außer Atem: Das Berlinale Blog
Stichwort: Forum 2017 - 12 Artikel
Außer Atem: Das Berlinale Blog 16.02.2017
Die Flucht sehen wir nicht, nur die Ankunft: Die Tunesierin Samia hat es nach Paris geschafft. Sie wohnt - wie einige andere Illegale auch - bei Imed, einem Bekannten aus Tunesien. Imed arbeitet in einer Bar, er hat Arbeit, eine Wohnung, Geld - kurz, er kennt sich aus. Er hat aber auch einen dominierenden Charakter. Er weiß ganz genau, was gut für den Neuankömmling ist und was nicht. Samia lässt sich das nicht lange gefallen, schnell hat sie sich freigemacht und zieht zu Madame Berteau, einer wohlhabenden Witwe, die Hilfe braucht beim Sortieren des Nachlasses ihres Ehemannes. Unten vor der Tür steht bald Imed, der Samias Unabhängigkeit nicht akzeptieren will. Von Anja Seeliger
Außer Atem: Das Berlinale Blog 14.02.2017
Es gibt auf der Berlinale einige Filme, die Fluchten aus der Tradition zeigen.
Die 16-jährige Khadija zum Beispiel, die in Tala Hadids Film "House in the Fields" von dem letzten gemeinsamen Sommer mit ihrer 19-jährigen Schwester Fatima erzählt, bevor Fatima verheiratet wird. Von Anja Seeliger
Außer Atem: Das Berlinale Blog 14.02.2017
Manana will nicht feiern. Warum, sagt sie nicht. Sie presst nur die Lippen zusammen und schüttelt den Kopf, während ihre Mutter unablässig auf sie einredet. Was werden die Nachbarn sagen, die Freunde? Am Ende gibt es natürlich doch eine Geburtstagsparty, nur Manana kommt nicht dazu. Von Anja Seeliger
Außer Atem: Das Berlinale Blog 12.02.2017 Unerheblich, aber angenehm nett: In Alex Ross Perrys "Golden Exits" geben sich die Stars die Türklinke hat und betrachten auf 16mm ihren Nabel. Das Brooklyner Frühlingslicht strahlt dazu in schönen Farben.
Von Thomas Groh
Außer Atem: Das Berlinale Blog 12.02.2017 Nicolas Wackerbarts "Casting" ist ein brillante Reflexion über die Machtverhältnisse bei Fernsehen und Film in Deutschland. Und über unsere Existenz als ältliche Zwerge auf den Schultern des ewig jungen Riesen Fassbinder. Von Anja Seeliger
Außer Atem: Das Berlinale Blog 11.02.2017 Die Geduld der Welt und der Zusammenhang zwischen Filmmaterial und Katzenfell. René Frölkes "Aus einem Jahr der Nichtereignisse" feiert aquarellartiges Licht und beobachtet die Sturheit eines alten Bauern.
Von Lukas Foerster
Außer Atem: Das Berlinale Blog 11.02.2017
In Tschiatura, einer Stadt in den Bergen Westgeorgiens, wurde bis in die neunziger Jahre Mangan abgebaut. Vor dem Ersten Weltkrieg, als die Minen zumeist deutschen Firmen wie der Oberhausener Gutehoffnungshütte, der Friedrich Krupp AG, dem Schalker Gruben- und Hüttenverein, der Gelsenkirchener Bergwerks-Aktien-Gesellschaft und dem Hamburger Kaukasische Grubenverein gehörten, betrug der Anteil Tschiaturas am Manganaufkommen der Welt fast 40 Prozent. Inzwischen sind die Minen erschöpft. Das weiß ich aus der Wikipedia, Rati Onelis Doku über Tschiatura, "City of the Sun", erzählt es nicht. Mit Fakten hat es der Film leider nicht so, er setzt mehr auf Atmosphäre. Die erzählt einem aber auch einiges. Von Anja Seeliger
Außer Atem: Das Berlinale Blog 11.02.2017
Diese Geschichte ist schnell erzählt: Ein Familienvater verliert Frau und Kind, weil er nachts Pferde stiehlt. Nicht um sie zu verkaufen, sondern um sie zu reiten. Das ist selbst im Kirgisistan des 21. Jahrhunderts nicht zu akzeptieren: Vor schneebedeckten Wipfeln wird die Hauptfigur zur Beute von neuen Kapitalisten, neuen Islamisten und traditionellen Richtern, die ihm zur Strafe eine Reise nach Mekka aufbrummen, um ihn nicht ins Gefängnis werfen zu müssen. Von Anja Seeliger
Außer Atem: Das Berlinale Blog 11.02.2017 Männer am Strand: "El mar nos mira de lejos" raunt viel beim Beobachten des rieselnden Sandes. Tartesso, wie bist Du doch ferne.
Von Thomas Groh
Außer Atem: Das Berlinale Blog 10.02.2017
Das indische Kino bringt oft seine ganz eigenen wunderbaren Spielarten hervor. Amit V. Masurkars "Newton" erzählt eine Dschungel-Geschichte. In diesem noch nicht ganz etablierten Genre geht es um das Drama der Demokratie, die Heirat aus Liebe und um Dschombies. Dieses rätselhafte Wesen lebt im Inneren des Landes, und seine Konturen werden zumindest im Laufe des Films in Ansätzen erkennbarer. Dschungel-Stories werden bestimmt ein ganz großes Ding, denn gerade in Indien haben Wahlen besonders viel Charme. Von Thekla Dannenberg
Außer Atem: Das Berlinale Blog 10.02.2017
Zwei Junkies in einer mittelgroßen kanadischen Stadt, im Methadon-Programm. Sie hausen in einem Trailer, für ein paar Dollar mähen sie mit einem Rasenmäher die Vorgärten derjenigen, die sich von der Erscheinung nicht von vornherein abgeschreckt zeigen. Das Gerät ziehen sie hinter sich her, das dafür nötige Benzin wird per Schlauch und Ansaugen aus Autos geklaut. Eigentlich wollen die beiden weg von hier, das Methadon-Programm, bei dem sie Schulden haben, bindet sie jedoch. Er, Blaise (Andrew Gillis), ist der aggressivere der beiden, formuliert Ansprüche, will entgegenkommendes Verhalten erzwingen - Süchtigenverhalten eben. Sie, Nessa (Bhreagh MacNeil), wagt zaghafte Schritten aus dem Süchtigenleben Richung Konsolidierung. Ihre Betreuerin rät ihr, Blaise aus ihrem Leben zu streichen. Von Thomas Groh
Außer Atem: Das Berlinale Blog 09.02.2017 Ein Ungetüm, ein Monster, eine Wiederentdeckung des Forums aus den siebziger Jahren: Fast drei Stunden dauert der über zehn Jahre erstellte Experimentalfilm ORG von Fernando Birri. Eine lohnenswerte Zumutung, deren anarchische Kraft auch heute noch vital wirkt. Von Thomas Groh