9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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1332 Presseschau-Absätze - Seite 6 von 134

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.08.2024 - Internet

Telegram-Chef Pawel Durow wurde in Paris festgenommen, berichtet unter anderem Daniél Kretschmar in der taz. Durow, erzählt er, ist inzwischen auch französischer Staatsbürger, und hatte bisher alle Zusammenarbeit mit Behörden, gar aus EU-Ländern verweigert. "Durow und Telegram vertreten ... eine Ideologie maximaler Redefreiheit und verweigern jegliche Moderation oder Einflussnahme auf die Inhalte der offenen Kanäle." Interessant ist laut Kretschmar, dass Durow von russischer Seite konsularische Hilfe angeboten wurde. Auch in Russland war Telegram bekämpft worden. Aber "seit einigen Jahren wird der Messenger außerordentlich wirksam vom russischen Propagandaapparat funktionalisiert.  Nachdem die Versuche, Telegram dort zu sperren, wiederholt scheiterten, folgte ein Strategiewechsel." Die Frage ist nun, wie ernst es die französischen Behörden meinen: "Sollte ein französisches Gericht ihn der Vorwürfe der Billigung und Förderung von Straftaten wie Hassrede und Gewaltaufrufen für schuldig befinden, drohen Durow bis zu zwanzig Jahre hinter Gefängnismauern. "

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.07.2024 - Internet

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Was passiert, wenn die USA kippen - und eine antidemokratische Regierung zunehmende Kontrolle über die digitalen Medien erlangt, fragt in der SZ der Medienwissenschaftler Martin Andree, der vergangenes Jahr das Buch "Big Tech muss weg!" veröffentlicht hat. Andree fordert erneut eine Abschaffung der digitalen Monopole: "Obwohl Medienmonopole verfassungswidrig sind, haben wir seit Jahren widerstandslos hingenommen, dass alle demokratierelevanten digitalen Mediengattungen in der Hand der US-Monopolisten sind: Suchmaschinen (88 Prozent Google), Gratisvideo (78 Prozent Youtube), Social Media (85 Prozent Facebook und Instagram). Wir sind weitgehend abhängig von den US-Plattformen. Schon jetzt haben die Rechtsextremen in Europa das (ursprünglich linke) Ideologem der vermeintlichen 'Netzfreiheit' erfolgreich für sich gekapert."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.07.2024 - Internet

Im Moment sind KI-Anfragen im Netz oft nützlicher als Suchanfragen bei Google (man probiere es etwa bei perplexity.ai). Aber wie lange wird das dauern, fragt Svenja Bergt in der taz: Die Frage stellt sich, weil immer mehr Texte im Netz inzwischen selbst KI-produziert sind und das "könnte zu einer paradoxen Situation führen. Denn die neuen KI-Funktionen in Suchmaschinen oder auch ChatGPT brauchen für das Training ihrer dahinter liegenden Sprachmodelle große Mengen Text. Den ziehen sie vor allem aus dem Internet. Nimmt die Menge an KI-generierten Inhalten dort zu, werden auch die Sprachmodelle vermehrt damit trainiert werden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.07.2024 - Internet

"Die Tatsache, dass Assange nicht an die USA ausgeliefert wurde, dass er lebt und seine Arbeit als Aufklärer weiterführen kann, bedeutet einen Sieg für die Pressefreiheit", sagt Günter Wallraff im FR-Gespräch: "Wenn man einem jahrelang Inhaftierten die Freiheit gegen ein Teilschuldeingeständnis in Aussicht stellt, würde sich fast jeder darauf einlassen - aber doch nicht aus freien Stücken oder innerer Überzeugung. Da ging es letztendlich um Leben oder Tod. So wurde öffentlich, dass der damalige CIA-Direktor Mike Pompeo plante, Assange entführen zu lassen oder eine - im CIA-Sprech - extralegale Tötung zu organisieren. ... Der Deal war eine Erpressung, damit die Verantwortlichen ihr Gesicht wahren können."

Der britische Computerwissenschafter Stuart Russel hat bereits 2020 in seinem Buch "Human Compatible" vor Künstlicher Intelligenz gewarnt. Eine Machtübernahme durch KI würden wir zunächst gar nicht bemerken, ein leistungfsfähiges KI-System könnte seine Pläne verbergen, "bis es sich seines Erfolges sicher ist", prophezeit er im Tsp-Gespräch: "Wir statten große Sprachmodelle wie ChatGPT bereits mit der Fähigkeit aus, langfristige Pläne zu erstellen und umzusetzen, und auch mit den Mitteln, um in der realen Welt Bankkonten, Kreditkarten, E-Mail- und Social-Media-Konten zu unterhalten. Solche Systeme können Menschen dafür bezahlen, Dinge zu tun, und könnten schon bald mit robotischen Erweiterungen ausgestattet werden, um direkt in der physischen Welt Dinge verrichten zu können."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.07.2024 - Internet

Die Welt befindet sich gerade in der Zeit des Datenkolonialismus, ruft uns SZ-Digitalexperte Andrian Kreye unter Berufung auf die amerikanischen Kommunikationswissenschaftler Nick Couldry und Ulises Mejias zu. Unsere Daten seien für die "Kolonialmächte" Amerika und China, und ihren KI-Systemen, rund um die Uhr abrufbar, ohne dass die europäischen Regierungen "den Grundgedanken des Datenkolonialismus infrage stellen. Es geht nicht darum, die Expansion und Ausbeutung abzuschaffen, sondern, sich vor der Konkurrenz zu schützen. An keiner Stelle wird infrage gestellt, ob künstliche Intelligenz die Zukunft der Wirtschaft und Gesellschaft ist oder eben nicht. Warum sich nicht nur die EU, sondern die meisten Menschen kaum Gedanken dazu machen? 'Der Kolonialismus behauptete, dass er der Weg zum Fortschritt und in die Moderne ist. Heute sagt man uns, KI wird Wohlstand und Frieden bringen, Krankheiten heilen, den Weltraum erobern, uns helfen, unsere Potenziale auszuschöpfen. Wir müssen deshalb zulassen, dass die Modelle mit unseren Daten ohne unsere direkte Zustimmung trainiert werden. Das sind alles Mythen, die auch in Formen des Kolonialismus verwendet wurden.' (Nick Couldry)".

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.06.2024 - Internet

In der SZ erklärt die Juristin Anja Brauneck, wie der "EU AI Act" die Werke von Kunstschaffenden vor datenhungrigen KI-Modellen in Zukunft schützen soll. "Die 'alten' Trainingsdaten bleiben mit hoher Wahrscheinlichkeit für die Urheber verloren. Von einer KI noch unentdeckte sowie neu erschaffene Werke werden aber unter deutlich verbesserten Vorzeichen an den Start gehen. Rechtsvorbehalte müssen respektiert und umgesetzt werden. Das wird sich auswirken. Das Internet haben die KI-Modelle zwar erst einmal 'leer' gelesen. Sie benötigen aber laufend neue Inhalte, und die müssen von guter Qualität sein, damit sich die Modelle weiter optimieren können. Ansonsten sinkt die Qualität. Rein synthetisch erzeugte Daten werden hier nur begrenzt aushelfen können. Die nicht ersetzbare Kreativität von Urhebern und Künstlern wird also mehr denn je gebraucht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.04.2024 - Internet

Der Politikwissenschaftler Marcus Bösch lobt im Zeit Online-Interview mit Constanze Kainz den Digital Services Act (Unsere Resümees) der EU und kommt auf den Jugendschutz bei TikTok zu sprechen: "Natürlich ist es lobenswert, dass mit aller Härte aus der europäischen Sichtweise auf die Apps geschaut wird. Ich würde mir aber wünschen, dass dieses Prüfen informiert erfolgt. Gerade der Aspekt Jugendschutz hat oft etwas Paternalistisches: Da diskutiert man, wie man Kinder und Jugendliche als vulnerable Gruppen schützen kann, während zum einen die Nutzerschaft von TikTok älter geworden ist und zum anderen nicht minder geschützt werden muss. Denn die TikTok-Kompetenz ist bei jungen Leuten, die diese App auch regelmäßig nutzen, oft höher als beispielsweise bei Lehrerinnen und Lehrern. Das heißt, die Debatte um Datensicherheit lediglich auf Kinder und Jugendliche zu fokussieren, greift ein wenig zu kurz."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.04.2024 - Internet

Zehn Jahre nachdem Mathias Döpfner in der FAZ einen offenen Brief an den damaligen Google-Vorstandsvorsitzenden Eric Schmidt geschrieben hat (Unser Resümee), in dem er die Marktmacht von Google im Werbemarkt kritisierte, macht er erneut eine Bestandsaufnahme und meint, alles ist viel schlimmer gekommen: "Das, was Harvard-Professorin Shoshana Zuboff 'Überwachungskapitalismus' nennt, hat sich weitgehend durchgesetzt. Google (beziehungsweise Alphabet) hat bei einer Marktkapitalisierung von knapp 2 Billionen Dollar das Geschäftsmodell und also die Umsätze der Verlage - und fast der gesamten 'Creative Industries'  - weitgehend aufgesaugt. (…) Der Kampf der Verlage um ein modernes, den digitalen Realitäten angepasstes Copyright war nach fünfzehn Jahren zur großen Überraschung aller wenigstens in der EU erfolgreich. Aber es war zu spät. Die meisten Verlage waren bereits wirtschaftlich sehr stark unter Druck und flüchteten sich in Einzelverträge mit Google statt in eine robuste kollektive Rechteverwertung, was den Niedergang beschleunigte."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.04.2024 - Internet

China hat seine digitalen Desinformationskampagnen zunehmend perfektioniert, weiß Kira Kramer in der FAZ. Seit 2017 fluten chinesische Akteure das Internet bereits mit Fake-Inhalten, von westlichen Beobachtern wurde die Operation "Spamouflage" getauft. Im US-Wahlkampf wird jetzt eine neue Strategie erprobt, so Kramer. Die "Spamouflage"-Akteure geben sich als amerikanische Patrioten aus, mit Amerikaflagge und Wappenadler im Profil, dazu häufig echte Videos von Trump, wie er tanzt, wie er redet. Und auf einmal stehen die Fake-Konten nicht mehr am Rand, sondern im Zentrum der Debatten. Erstmals führen die Beiträge der vermeintlichen Trump-Anhänger dazu, dass andere Nutzer die Konten des 'Spamouflage'-Netzwerks ernst nehmen. Als Fake sind sie nicht mehr ohne Weiteres zu erkennen. Mitunter haben sie fünfstellige Followerzahlen und das Zehnfache an Interaktionen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.04.2024 - Internet

Schön, dass es noch solche Meldungen gibt: Das Land Schleswig-Holstein steigt auf LibreOffice um und versucht sich zusehends von Microsoft-Systemen zu lösen, berichtet Martin Holland bei heise.de: "Für den Wechsel auf Open-Source-Software spricht laut der Landesregierung nicht nur das Ziel der digitalen Souveränität. Außerdem erwartet man sich eine verbesserte IT-Sicherheit, geringere Kosten, mehr Datenschutz und ein besseres Zusammenspiel unterschiedlicher Systeme. Das Land möchte sich an der Weiterentwicklung der Software beteiligen und Ergebnisse unter freien Lizenzen veröffentlichen. Der Wechsel zur LibreOffice als Office-Software in der Kommunikation zwischen Ministerien und Behörden soll jetzt kurzfristig erfolgen."

Allerdings sind auch Linux-Systeme angreifbar, berichten Patrick Beuth und Torsten Kleinz im Spiegel. Der Microsoft-Entwickler Andres Freund aus San Francisco machte die Entdeckung, dass eine Schadsoftware ein Programm zur Komprimierung von Daten angegriffen hat, das für viele Anwendungen weltweit entscheidend ist: "Die Software ist in den meisten Linux-Versionen enthalten. Auch wenn das offene Betriebssystem bei Privatnutzern kaum verbreitet ist, stellt es das Rückgrat des Internets dar. Viele Rechenzentren laufen auf Basis von Linux, genauso Android-Smartphones oder Kleingeräte wie Fritz!Box-Router. Hätte Freund den Schadcode nicht zufällig kurz nach Veröffentlichung entdeckt, wäre die Hintertür in immer mehr Systeme eingezogen."