9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Gesellschaft

2694 Presseschau-Absätze - Seite 17 von 270

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.06.2025 - Gesellschaft

In der FAZ stellt Thomas Thiel eine Studie des Islamtheologen Mouhanad Khorchide von der Universität Münster vor, die belegt, "dass ein Fünftel der hierzulande lebenden rund 5,5 Millionen Muslime mit Migrationshintergrund ein Kränkungsgefühl habe, das sie emotional anfällig für radikale Ansichten mache". Anfällig heißt nicht, dass sie tatsächlich radikal würden, betonte Khorchide bei der Vorstellung der Studie. Er "warb für Fördermaßnahmen, die das Bild der Gesellschaft zum Positiven verändern. Er nahm dafür die Moscheegemeinden in die Pflicht. Die Mitautorin Sarah Demmrich fügte hinzu, die meisten Muslime hierzulande hätten ohnehin ein positives Bild der Gesellschaft. 85 Prozent befürworteten die Demokratie, 73 Prozent wollten sich integrieren. Schön wäre es gewesen, dies anhand der Studie nachvollziehen zu können. Die will man aber erst im August veröffentlichen. Bis dahin werden Medienvertreter mit Häppchen abgespeist, was angesichts des brisanten Themas nicht gerade zur Deradikalisierung beiträgt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.06.2025 - Gesellschaft

Bestellen Sie bei eichendorff21!
Die Einsamkeit in der Gesellschaft nimmt zu, erklärt die Soziologin Claudia Neu in der SZ, befragt von Peter Laudenbach. In ihrem Buch untersucht Neu den Zusammenhang zwischen Einsamkeit und Rechtspopulismus: "Einsame Menschen sind auf der Suche nach Anschluss, nach Kontakt und Gemeinschaft. Sie erleben vielleicht, dass der Versuch, auf andere zuzugehen, nicht auf Resonanz stößt. Das sind schmerzhafte Erfahrungen der Abwertung. Um das zu kompensieren und sich selbst aufzuwerten und zu stabilisieren, können einsame Menschen dazu neigen, ihrerseits andere abzuwerten. Dieser Zusammenhang ist zum Beispiel in der Mitte-Studie empirisch gut untersucht worden. Rechtsextreme und Rechtspopulisten machen nicht nur Gemeinschaftsangebote, sie machen auch Aufwertungsangebote: Du gehörst zur stolzen völkischen Gemeinschaft und kannst andere, die nicht dazugehören, verachten. Das kann für Menschen, die unter Einsamkeit leiden, sehr attraktiv sein."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.06.2025 - Gesellschaft

Alle, die das fünfeinhalbstündige Tennismatch von Carlos Alcaraz und Jannik Sinner in Roland-Garros gesehen haben, sind sich einig: Es war eines der großartigesten Spiele in der Geschichte dieses Sports, und überdies waren die Spieler äußerst fair und konzedierten einander strittige Punkte. Matthias Alexander singt in der FAZ auch eine kleine Hymne auf einen bekannte Figur am Rande: "Wie sich die Kommentatoren Matthias Stach und Boris Becker entspannt die Bälle zuspielten, kontrastierte auf das Schönste mit dem Geschehen auf dem Platz. Die Übertragung des Spiels auf Eurosport geriet zu einem fünfeinhalbstündigen Glanzstück des Sportfernsehens. Die beiden informierten über taktische Feinheiten in einer auch für den Laien verständlichen Sprache. Sie ließen aussagekräftige Statistiken zum richtigen Zeitpunkt einblenden. Sie zeigten ein feines Gespür für jene Augenblicke, in denen sich das Momentum im Spiel wieder einmal verschob."

Hier nur ein kleiner Ballwechsel:

Stichwörter: Tennis, Becker, Boris

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.06.2025 - Gesellschaft

Auf den Seiten der antiisraelischen Organisation Amnesty International rufen eine Reihe deutscher Prominenter, darunter Sandra Hüller, Luisa Neubauer, Fatih Akin, Axel Prahl, Aleida Assmann, die Foroutans, Bjarne Mädel und Harald Welzer die Bundesregierung zu Maßnahmen gegen Israel auf. Wie viele israelkritische Akteure sahen die Autoren die Gefahr eines Völkermords bereits in den Tagen unmittelbar nach dem 7.Oktober gegeben, noch bevor Israel überhaupt agiert hatte - und als sei dies Israel gewissermaßen eingeschrieben: "International renommierte Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen warnen bereits seit dem 15. Oktober 2023 vor einem möglichen Genozid - und zwar auf Basis dokumentierter höchstgerichtlich fixierter Aussagen der israelischen Regierung und Armeeführung. Seitdem hat sich die Katastrophe vor den Augen der Weltöffentlichkeit und der deutschen Politik immer weiter verschärft. Die Verantwortung, trotz dieser eindringlichen Warnungen nicht den völkerrechtlichen Verpflichtungen zur Verhinderung eines Völkermordes nachgekommen zu sein, wiegt schwer." Die eigentliche genozidale Tat in dem Kontext, die Pogrome vom 7.Oktober, wird dagegen zu "Kriegsverbrechen des 7. Oktober 2023" herabgestuft. Die historische Schuld der Deutschen gegenüber den Juden führe zu einer besonderen Verantwortung für das Recht des palästinensischen Volkes auf Selbstbestimmung.


Die israelische Armee hat die Leichen der Geiseln Gadi und Judi Weinstein-Haggai gefunden und konnte sie repatriieren, berichtet Serena Bilanceri in der taz: "Gadi Haggai war zum Zeitpunkt des Todes 72 Jahre alt, Judi Weinstein-Haggai 70. Der Kibbuz Nir Oz schreibt, das Ehepaar habe vier Kinder und sieben Enkelkinder. Gadi sei ein aufgeweckter Mann gewesen sowie ein talentierter Blechbläser. Im Alter von drei Jahren habe er mit der Musik angefangen. Er ernährte sich vegan und hatte eine Leidenschaft für die Natur, das Kochen und den Sport. Judi Weinstein-Haggai war Englischlehrerin, spezialisiert auf Kindern mit Förderbedarf und Aufmerksamkeitsdefiziten."

Der Antisemitismus hat sich unterdessen eingepegelt, wenn auch auf einem seit dem 7.Oktober sehr viel höheren Niveau, konstatiert Ronen Steinke im Leitartikel der SZ und er nennt zwei Taten, die hierzulande kaum wahrgenommen wurden: "In den USA werden Juden, die in einer Fußgängerzone an die armen Hamas-Geiseln erinnern, von einem Mann mit einem Flammenwerfer attackiert, so geschehen am Sonntag. In Deutschland sticht ein Mann auf einen Besucher des Holocaust-Mahnmals in Berlin ein, sein Ziel nach eigenen Angaben: 'Juden töten'. So geschehen im Februar."

In Israel ist alles politisch, schreibt Richard C. Schneider in der NZZ, selbst die Wahl des Supermarkts, vom Militärdienst ganz zu schweigen: "Die Armee ist der Ort, wo politische Identitäten geschmiedet oder intensiviert werden. In welcher Einheit man dient, wird zur politischen Visitenkarte. Ebenso wie die Weigerung des ultraorthodoxen Sektors, Militärdienst zu leisten. Auch das ist eine politische Aussage, die von den meisten israelischen Regierungen bislang hingenommen wurde, weil man die Frommen als Koalitionspartner brauchte. Diese Verweigerungshaltung schürt nun die Wut der Dienenden in diesem nicht enden wollenden Krieg noch mehr als sonst und spiegelt die tiefe Zerrissenheit der israelischen Gesellschaft. ... Europa, das aus seinem Dornröschenschlaf derzeit brutal erwacht, sollte genau hinschauen, wie die Menschen in Israel mit dem schwankenden Boden unter ihren Füßen umzugehen versuchen. Es könnte, im Guten wie im Schlechten, der Blueprint für die Zukunft des alten Kontinents werden."

In The Diasporist stimmt die österreichische Autorin Eva Menasse eine lange Klagearie darüber an, dass deutsche Feuilletons Deborah Feldmans Attacke gegen Philipp Peyman Engel, den Chefredakteur der Jüdischen Allgemeinen kritisiert haben. Feldman hatte behauptet, Engel sei nicht jüdisch, weil Angehörige seiner Familie mal zum Bahaitentum übergetreten seien (unsere Resümees hier, hier und hier). Menasse findet die Sache zwar "ziemlich lächerlich", aber Engel solle sich mal nicht so haben: Er sei nämlich "einer der lautesten digitalen Radaubrüder eines so eindimensionalen wie folgenreichen Narrativs, in dem die deutschen Feuilletons mehrheitlich seit Jahren festhängen". Im Tagesspiegel wiederum fragt sich Debora Antmann, ob Feldman vielleicht unter einer false flag segelt: "Engel und seine Mutter sind beide jüdisch geboren und Deborah Feldman ist wohlgemerkt die Person, die Fabian Wolffs vollständig erlogene jüdische Identität nicht weiter dramatisch fand. Die Ironie: Weil Feldman ihre wilden Diffamierungseskapaden als linke Politikerin rahmt, spielt sie vor allem konservativen Kräften in die Hände und schadet linker Bewegung. Bin ich die einzige, die sich insgeheim fragt, ob Feldman eine False-Flag-Operation durchzieht?"

In der NZZ amüsiert sich Zelda Biller über Greta Thunbergs messianische "Freedom Flotilla Coalition", die gerade Richtung Gaza segelt. Dass sie dort voraussichtlich nie ankommen werden, wissen sie selbst, aber das ganze wirft einfach unwiderstehliche Fotos für Instagram ab: "Thunberg gibt mit zitternder Stimme Interviews im Live-Stream, in denen sie stolz erklärt, dass sie gerade ihr Leben riskiere und so schnell hintereinander Genozid, ethnische Säuberung und Besatzung sagt, dass sie sich verschluckt. Die anderen Crewmitglieder filmen sich währenddessen gegenseitig in 'I Love Gaza'-T-Shirts und fangen immer wieder an zu weinen, wenn sie von ihrer unumgänglichen Mission erzählen, den Menschen in Gaza Solidarität und Liebe zu bringen. Außerdem gibt es stündliche Updates zu bedrohlichen Situationen. In dicke Rettungswesten gehüllt erzählen die Guerillakämpfer, dass sie seit Dienstagabend immer wieder von furchteinflößenden Drohnen umsurrt werden, und fordern panisch mehr mediale Aufmerksamkeit, weil das ihr einziger Schutz vor den Israeli sei. Dabei wird ihr einziger Schutz am Ende vermutlich die sie sicher an Land begleitende israelische Küstenwache sein."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.06.2025 - Gesellschaft

Integrationskurse in Deutschland sind oft ein potemkinsches Dorf, schreibt in der FAZ Lolita Deriabina, die selbst als Lehrkraft für solche Kurse in Hannover arbeitet. "Viele von uns erleben dasselbe: Teilnehmende, die zwar formell eingeschrieben sind, aber kaum anwesend; solche, die regelmäßig zu spät kommen oder früh gehen - nicht aus Not, sondern weil das System keine Grenzen setzt. Und das System ist erstaunlich duldsam. Denn solange ein Name als 'anwesend' geführt wird, fließt Geld. Erst wenn jemand nicht mehr auftaucht, endet die Finanzierung."

Es gibt in Frankreich sehr viel "Islamophobie", behauptet Marc Zitzmann in der FAZ. Auch den Regierungsbericht über die massive Einflussnahme der Muslimbrüder (unser Resümee) scheint er in diese Kategorie einzustufen: "Der Kampf gegen die 'Brüder' und ganz allgemein gegen alle Strenggläubigen, die laut offizieller Lesart 'Separatismus' und 'Entrismus' betreiben, ja im Namen einer geheimen Agenda Wühlarbeit leisten, ist das Steckenpferd der stramm Rechten, die in Frankreichs Regierung zunehmend das Sagen haben."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.06.2025 - Gesellschaft

Sehr eindringlich beschreibt die Studentin Selma Schiller in der FAZ, was es heißt, als "ausländische Studentin" der mäandernden und extrem xenophoben Politik der Trump-Regierung ausgesetzt zu sein. Sie hätte ein sehr attraktives Stipendium in Saint Louis bekommen können und hat dafür einen (arg teuren) Platz in Oxford abgelehnt. Und nun? "Während ich in meiner Hamburger Studentenwohnung saß, nicht wusste, ob und bis wann ich diese kündigen sollte, nicht wusste, ob ich mich nun für weitere Universitäten in Deutschland bewerben sollte (den Studienplatz in Oxford hatte ich in der Zwischenzeit ja schon abgesagt), nicht wusste, wie nun meine Zukunft verlaufen würde, wusste ich zumindest eines: Weder die Verantwortlichen an den amerikanischen Universitäten noch meine Professoren vor Ort, geschweige denn meine amerikanischen oder internationalen Kommilitonen an den US-Unis wussten besser Bescheid als ich."

Der Harvard-Historiker Derek Penslar war Teil einer Taskforce zur Aufarbeitung von Antisemitismus-Vorfällen. Im SZ-Interview, befragt von Boris Herrmann, erklärt er, dass Antisemitismus ein Problem darstellt, aber kein unlösbares: "Es ist ein bisschen wie bei einem Arzt, der dem Patienten sagt, er habe eine Geschwulst an der Leber und das sei ein ernstes Problem. Der Arzt sagt einem nicht, dass Gallenblase, Bauchspeicheldrüse und Herz in Ordnung sind. Wir stellten in bestimmten Bereichen der Universität ernsthafte Probleme fest, da geht es vielleicht um ein halbes Dutzend Kurse. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass es in Harvard mehr als 2.000 Professoren und rund 22.000 Studenten gibt. Wir müssen auch die Universität als Ganzes betrachten." Trumps Feldzug gegen Harvard habe nichts mit Antisemitismus zu tun: "Wenn ihnen Antisemitismus wirklich am Herzen läge, würden sie wissen wollen, was wir tun, um die Lage zu verbessern. Sie tun nichts, was zu einem konstruktiven Ergebnis im Hinblick auf die Reduzierung von Antisemitismus oder antiarabischen Vorurteilen in Harvard führen würde. Sie richten nur Zerstörung an."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.05.2025 - Gesellschaft

Die amerikanischen Universitäten verdienen uneingeschränkte Solidarität gegen den Übergriff der Trump-Administration, schreibt Claus Leggewie in der FR. Aber sie haben auch mitgewirkt "an der Ausbreitung der epistemischen Krise", meint er: "Mit einem überschießenden Konstruktivismus, einem angeblich diversitätsfördernden Kulturrelativismus und der gleichermaßen ausgerichteten Kritik 'westlicher Werte'". Nun befinden sie sich "in der unangenehmen Lage, dass ihnen dies seitens weißer Suprematisten in hanebüchener Travestie zurückgespiegelt wird. Das sollte sie nicht hindern, vielmehr animieren, die epistemische Krise zu bearbeiten, also empirische Evidenz, politische Urteilskraft und humanitäre, andere Wesen einschließende Moral zu verteidigen. Dazu gehört, die selbstquälende Pauschalkritik der Eliten aufzugeben, statt selbstbewusst als eine solche zu agieren, die sich der zerstörerischen Anti-Eliten-Elite der republikanischen Rechten entgegenstellt."

Bestellen Sie bei eichendorff21!
In ihrer FAS-Kolumne rät Ronya Othmann mit Blick auf den Antisemitismus "propalästinensischer Aktivisten" Theodor W. Adornos Vortrag mit dem Titel "Zur Bekämpfung des Antisemitismus heute" zu lesen: "Dem Antisemitismus mit Argumenten (oder mit Dialog und offenen Debattenräumen, wie es heute gerne heißt) zu begegnen, hält er darin für zwecklos, da der Antisemitismus, das 'Gerücht über die Juden', nicht auf Tatsachen beruhe oder rational begründet sei. Zwar ließe sich im frühkindlichen Alter noch einiges mit pädagogischen Mitteln machen. Später sei es schon schwerer. 'Diesen Menschen gegenüber, die im Prinzip selber auf Autorität ansprechen und die sich in ihrem Autoritätsglauben auch nur schwer erschüttern lassen, darf auf Autorität auch nicht verzichtet werden', schreibt er."

Weitere Artikel: Ausladungen sind für die Politologin Saba-Nur Cheema und Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, in ihren jeweiligen Communities keine Seltenheit, wie sie in ihrer FAZ-Kolumne berichten: "Oft reicht schon eine vorsichtig formulierte Kritik an der eigenen Mannschaft, dass man dem Vorwurf des Verrats ausgesetzt wird."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.05.2025 - Gesellschaft

Sich für die jesidische Sache einzusetzen, ist nicht immer einfach, sagt die bekannte Aktivistin Düzen Tekkal im Gespräch mit Ninve Ermagan von der FAZ, auch wegen Vorurteilen unter Migranten. Nur eins ist noch schwieriger: "Immer dann, wenn ich offen über Antisemitismus spreche - genau dann werde ich am meisten angefeindet. Gegen Antisemitismus zu kämpfen, ist heute nichts mehr für schwache Nerven. Ich verstehe es, wenn Menschen sich für Gaza einsetzen wollen. Was in Gaza gerade stattfindet, ist unmenschlich. Aber ich verstehe bis heute nicht, warum ich angegriffen werde, obwohl ich es immer wieder benenne. Da waren die Hetzer sehr erfolgreich."

Manchmal ist es auch interessant, den Wirtschaftsteil der FAZ zu lesen. Der Bund will für die Bahn richtig Geld in die Hand nehmen, heißt es ja. Eine Studie, über die Patrick Welter berichtet, zeigt jetzt, wo es versiegt: "2018 etwa erneuerte oder reparierte die Bahn 247 Kilometer Oberleitung und gab dafür 203 Millionen Euro aus. Im vergangenen Jahr waren es 248 Kilometer für 519 Millionen Euro. Von der Bahn erneuerte Oberleitungen sind demnach seit 2018 um rund 150 Prozent teurer geworden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.05.2025 - Gesellschaft

"Gerüchte zu verbreiten, ist eine der ekelhaftesten und gefährlichsten Methoden, einen Menschen zu beschädigen", betont Michel Friedman in der Zeit mit Blick auf Deborah Feldmans Behauptung, Philipp Peyman Engel sei nicht jüdisch (unser Resümee): "Deborah Feldman bleibt selbst nach Tagen jeden Beweis schuldig. Es ist nämlich nicht die Aufgabe des Verleumdeten klarzustellen, dass eine Verleumdung infam ist, sondern schwerwiegende Anschuldigungen müssen von dem bewiesen werden, der sie in die Welt setzt. (...) Der Schriftstellerin Deborah Feldman mag Engels Argumentation über Israels Rolle im Gazakrieg nicht gefallen und vielleicht noch einiges mehr. Das gibt ihr aber nicht das Recht (Wer ist sie eigentlich? Rabbinerin? Mitglied einer Inquisitionsbehörde?), einem anderen Menschen sein Jüdischsein an- oder abzuerkennen. Dass nun der Verleger der Berliner Zeitung, der zugleich der Verleger der Weltbühne ist, so etwas abdruckt, stellt auch ihm ein erbärmliches Zeugnis aus."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.05.2025 - Gesellschaft

In Chemnitz erinnert ein neues Dokumentationszentrum an die lange von Behörden und Medien missdeuteten Terrortaten des NSU. Der Ort soll mehr sein als ein Museum, erzählen Michael Bartsch und Frederik Eikmanns in der taz: "Ein offizieller Gedenkort, eine Dokumentation der rechten Gewalt, ein Aufarbeitungsprojekt und ein Symbol. Maßgeblich vorangetrieben wurde es vom Chemnitzer Verein ASA-FF, der Opferberatungsstelle RAA und der Initiative 'Offene Gesellschaft'. Die Stadt, das Land Sachsen und der Bund tragen gemeinsam die Kosten von rund 4 Millionen Euro." Auffällig sei allerdings gewesen, wer bei der Eröffnung nicht sprach: "Michael Kretschmer, Sachsens CDU-Ministerpräsident, ist nicht nach Chemnitz gekommen. Er weiht zeitgleich eine Bundesstraße ein."

In der SZ macht sich der britische Schriftsteller John Niven Gedanken darüber, warum viele männliche Teenager toxische Männer wie Donald Trump oder Andrew Tate als Vorbild empfinden.