Auf den Seiten der antiisraelischen Organisation Amnesty International
rufen eine Reihe deutscher Prominenter, darunter
Sandra Hüller,
Luisa Neubauer,
Fatih Akin,
Axel Prahl,
Aleida Assmann, die
Foroutans,
Bjarne Mädel und
Harald Welzer die Bundesregierung zu Maßnahmen gegen Israel auf. Wie viele israelkritische Akteure sahen die Autoren die Gefahr eines Völkermords bereits in den Tagen
unmittelbar nach dem 7.Oktober gegeben, noch bevor Israel überhaupt agiert hatte - und als sei dies Israel gewissermaßen eingeschrieben: "International renommierte Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen warnen bereits
seit dem 15. Oktober 2023 vor einem möglichen Genozid - und zwar auf Basis dokumentierter höchstgerichtlich fixierter Aussagen der israelischen Regierung und Armeeführung. Seitdem hat sich die Katastrophe vor den Augen der Weltöffentlichkeit und der deutschen Politik immer weiter verschärft. Die Verantwortung, trotz dieser eindringlichen Warnungen nicht den völkerrechtlichen Verpflichtungen zur Verhinderung eines Völkermordes nachgekommen zu sein, wiegt schwer." Die
eigentliche genozidale Tat in dem Kontext, die Pogrome vom 7.Oktober, wird dagegen zu "
Kriegsverbrechen des 7. Oktober 2023" herabgestuft. Die historische Schuld der Deutschen gegenüber den Juden führe zu einer besonderen Verantwortung für das Recht des palästinensischen Volkes auf Selbstbestimmung.
Die israelische Armee hat die Leichen der Geiseln
Gadi und Judi Weinstein-Haggai gefunden und konnte sie repatriieren,
berichtet Serena Bilanceri in der
taz: "Gadi Haggai war zum Zeitpunkt des Todes 72 Jahre alt, Judi Weinstein-Haggai 70. Der Kibbuz Nir Oz schreibt, das Ehepaar habe vier Kinder und sieben Enkelkinder. Gadi sei ein aufgeweckter Mann gewesen sowie ein talentierter Blechbläser. Im Alter von drei Jahren habe er mit der Musik angefangen. Er ernährte sich vegan und hatte eine Leidenschaft für die Natur, das Kochen und den Sport. Judi Weinstein-Haggai war Englischlehrerin, spezialisiert auf Kindern mit Förderbedarf und Aufmerksamkeitsdefiziten."
Der
Antisemitismus hat sich unterdessen eingepegelt, wenn auch auf einem seit dem 7.Oktober sehr viel höheren Niveau, konstatiert Ronen Steinke im Leitartikel der
SZ und er nennt zwei Taten, die hierzulande kaum wahrgenommen wurden: "In den USA werden Juden, die in einer Fußgängerzone an die armen Hamas-Geiseln erinnern, von einem Mann mit einem
Flammenwerfer attackiert, so geschehen am Sonntag. In Deutschland sticht ein Mann auf einen Besucher des Holocaust-Mahnmals in Berlin ein, sein Ziel nach eigenen Angaben: '
Juden töten'. So geschehen im Februar."
In
Israel ist alles politisch,
schreibt Richard C. Schneider in der
NZZ, selbst die Wahl des
Supermarkts, vom Militärdienst ganz zu schweigen: "Die Armee ist der Ort, wo politische Identitäten geschmiedet oder intensiviert werden. In welcher Einheit man dient, wird zur politischen Visitenkarte. Ebenso wie die Weigerung des ultraorthodoxen Sektors, Militärdienst zu leisten. Auch das ist eine politische Aussage, die von den meisten israelischen Regierungen bislang hingenommen wurde, weil man die Frommen als Koalitionspartner brauchte. Diese Verweigerungshaltung schürt nun die
Wut der Dienenden in diesem nicht enden wollenden Krieg noch mehr als sonst und spiegelt die tiefe Zerrissenheit der israelischen Gesellschaft. ...
Europa, das aus seinem Dornröschenschlaf derzeit brutal erwacht, sollte genau hinschauen, wie die Menschen in Israel mit dem schwankenden Boden unter ihren Füßen umzugehen versuchen. Es könnte, im Guten wie im Schlechten, der
Blueprint für die Zukunft des alten Kontinents werden."
In
The Diasporist stimmt die österreichische Autorin
Eva Menasse eine
lange Klagearie darüber an, dass deutsche Feuilletons
Deborah Feldmans Attacke gegen Philipp Peyman Engel, den Chefredakteur der
Jüdischen Allgemeinen kritisiert haben. Feldman hatte behauptet, Engel sei nicht jüdisch, weil Angehörige seiner Familie mal zum Bahaitentum übergetreten seien (unsere Resümees
hier,
hier und
hier). Menasse findet die Sache zwar "ziemlich lächerlich", aber Engel solle sich mal nicht so haben: Er sei nämlich "einer der lautesten digitalen Radaubrüder eines so eindimensionalen wie folgenreichen Narrativs, in dem die deutschen Feuilletons mehrheitlich seit Jahren festhängen". Im
Tagesspiegel wiederum
fragt sich Debora Antmann, ob Feldman vielleicht unter einer
false flag segelt: "Engel und seine Mutter sind beide jüdisch geboren und Deborah Feldman ist wohlgemerkt die Person, die
Fabian Wolffs vollständig erlogene jüdische Identität nicht weiter dramatisch fand. Die Ironie: Weil Feldman ihre wilden Diffamierungseskapaden als linke Politikerin rahmt, spielt sie vor allem konservativen Kräften in die Hände und
schadet linker Bewegung. Bin ich die einzige, die sich insgeheim fragt, ob Feldman eine False-Flag-Operation durchzieht?"
In der
NZZ amüsiert sich Zelda Biller über
Greta Thunbergs messianische "Freedom Flotilla Coalition", die gerade Richtung Gaza segelt. Dass sie dort voraussichtlich nie ankommen werden, wissen sie selbst, aber das ganze wirft einfach unwiderstehliche Fotos für Instagram ab: "Thunberg gibt mit zitternder Stimme Interviews im Live-Stream, in denen sie stolz erklärt, dass sie gerade
ihr Leben riskiere und so schnell hintereinander Genozid, ethnische Säuberung und Besatzung sagt, dass sie sich verschluckt. Die anderen Crewmitglieder filmen sich währenddessen gegenseitig in 'I Love Gaza'-T-Shirts und fangen immer wieder an
zu weinen, wenn sie von ihrer unumgänglichen Mission erzählen, den Menschen in Gaza Solidarität und Liebe zu bringen. Außerdem gibt es stündliche Updates zu bedrohlichen Situationen. In dicke Rettungswesten gehüllt erzählen die Guerillakämpfer, dass sie seit Dienstagabend immer wieder von furchteinflößenden Drohnen umsurrt werden, und fordern panisch mehr mediale Aufmerksamkeit, weil das ihr
einziger Schutz vor den Israeli sei. Dabei wird ihr einziger Schutz am Ende vermutlich die sie sicher an Land begleitende israelische Küstenwache sein."