Im Interview mit der
SZ macht sich der österreichische
Datenschützer Max Schrems große Sorgen über die
Abhängigkeit der Europäer von amerikanischen Cloud-Servern: "Mitunter gibt es viele Softwareprodukte nur noch als Cloud-Lösung, was generell ein Problem ist. Auch aus Kartellsicht. Praktisch sagen US-Anbieter wie
Microsoft, dass man ihre völlig dominante Software nur nutzen kann, wenn man auch gleich den Server und alles andere von ihnen mitkauft. Den eigenen Server oder einen EU-Anbieter darf man nicht mehr benutzen. Das ist so, als ob VW Autos nur noch mit 'VW-Benzin' oder 'VW-Strom' verkaufen würde. Selbst größte Player wie Großbanken oder Staaten können sich hier nicht gegen Microsoft durchsetzen." Und das hat Folgen, so Schrems: "Wenn die USA ein Embargo verhängen, dann müssten etwa Amazon, Google oder Microsoft morgen alle Dienste in der EU abschalten. Unternehmen und Behörden könnten dann nicht mehr auf
ihre Dokumente,
E-
Mails oder sonstige Systeme zugreifen. Damit kann eine Wirtschaft heutzutage
praktisch abgeschaltet werden."
Doch die Politik nutzt immer noch am liebsten amerikanische Software. So wollen einige Bundesländer auf die Überwachungssoftware aus dem Hause
Palantir des amerikanischen Software-Milliardärs Peter Thiel setzen,
berichtet Gareth Joswig in der
taz. Thiels antidemokratische Bestrebungen sind bekannt.
Martin Thüne,
Professor für Kriminologie und Polizeiwissenschaften, mit dem Joswig gesprochen hat, fragt, ob Palantir dann auf die Daten deutscher Behörden zuzugreifen kann: "Grundsätzlicher Vorteil der Palantir-Software sei, dass sie verschiedene und oft inkompatible behördliche Datensammlungen
übergreifend durchsuchbar mache. Ähnlich einer Google-Suche ließen sich Daten analysieren, sodass Profile und Muster erkennbar würden und auch gewisse Prognosen ableitbar seien, erklärt Thüne. Offenbar sei Palantir technisch
gut gemacht, sagt der Polizeiwissenschaftler, das liege aber ganz wesentlich daran, dass es aus einem Umfeld komme, in dem Datenschutz kaum eine Rolle spiele."
"'Das
Informationsfreiheitsgesetz in der bisherigen Form wollen wir hingegen
abschaffen.' Das steht blau und in eckigen Klammern in einem
Verhandlungspapier von CDU, CSU und SPD zu den Themen Bürokratierückbau, Staatsmodernisierung und Moderne Justiz",
informiert uns Meike Laaf auf
Zeit online und fragt: Warum ausgerechnet dieses Gesetz? "Das Informationsfreiheitsgesetz ermöglicht es Bürgerinnen und Journalisten,
Einsicht in staatliche Verträge und Behördenabläufe des Bundes zu bekommen. Mit seiner Hilfe können sie darauf drängen, dass Kommunikation und Dokumente veröffentlicht werden müssen, die öffentliche Stellen nicht freiwillig publik machen. ... Ist es wirklich eine so kühne Idee, von staatlichen Behörden zu verlangen, dass sie Bürgerinnen und Bürgern auf Anfrage zeigen,
was sie tun? Und das im Idealfall auch noch zu erklären? Braucht es genau das heute nicht dringender denn je?"
"Für die ohnehin schon angeschlagene Demokratie hierzulande wäre das fatal", meint auch Benjamin Stibi in der
Welt zu einer möglichen Abschaffung des IFG. "Würde Journalisten die Möglichkeit genommen, Akteneinsicht zu beantragen, würden
gute Beziehungen zu Regierungsmitarbeitern wieder wichtiger. Nur wer brisante Dokumente auf irregulärem Wege zugespielt bekäme, hätte eine Chance auf eine Enthüllung. Das ist nicht im Sinne der Öffentlichkeit, die zurecht einen Journalismus verlangt, der die Distanz zu Regierungsstellen wahrt. ... Die Union täte gut daran, sich zu erinnern, dass sie in der letzten Legislaturperiode immer wieder Erkenntnisse, die Journalisten aus IFG-Anfragen gewonnen haben, genutzt hat, um die Ampel vor sich herzutreiben und sich als kritische Oppositionspartei zu profilieren. Und wer
als Bürger nicht stillschweigend hinnehmen möchte, dass seine Rechte in paternalistischer Weise beschränkt werden, sollte umgehend
Kontakt zu seinen Unions-
oder SPD-
Abgeordneten aufnehmen."