
Die antiwestliche Rhetorik autokratischer Regime in Asien ist nicht neu,
erläutert Katie Stallard, mit Blick auf den Schulterschluss zwischen
Wladimir Putin, Xi Jinping und Kim Jong-Un anlässlich einer Militärparade in Beijing am 3. September diesen Jahres. In Zeiten von Trump und dessen erratischer Politik fällt sie jedoch auf zunehmend fruchtbaren Boden und wird zur Grundlage einer strategischen Allianz antiliberaler Mächte. Dabei setzt insbesondere der chinesische Staatschef auf Friedens- und Sicherheitsversprechen: "In seiner Rede vor den Mitgliedern des Gipfels der Shanghai Cooperation Summit (SCO) am 2. September bezog sich Xi auf die 'tiefgreifenden Lehren aus dem
Fluch zweier Weltkriege' und auf die vermeintlichen 'historischen Trends' von Frieden, Entwicklung und Kooperation in den 80 Jahren seither. Doch er warnte, dass die 'Mentalität des Kalten Krieges, Hegemonialstreben und Protektionismus die Welt weiterhin heimsuchen', während wir in eine 'neue Phase der Turbulenzen und des Wandels' eintreten. Die USA nannte er dabei nicht namentlich - das war auch nicht nötig. Die Antwort, sagte er, liege in einem 'gerechteren und
ausgewogeneren System globaler Regierungsführung', das den Stimmen der Entwicklungsländer und den Bedürfnissen der globalen Mehrheit mehr Aufmerksamkeit schenkt - anstelle einer privilegierten Minderheit. Ähnliche Töne hört man von Xi seit über einem Jahrzehnt, doch da Trump nun die Rolle des unberechenbaren globalen Hegemons verkörpert, vor dem Xi lange gewarnt hat, finden diese Klagen
zunehmend Gehör."
Tanjil Raschid kann
kaum fassen, wie schnell sich in Britannien die Einstellung zu
Massenabschiebungen verändert hat: "Es ist kaum ein Jahr vergangen ist, seit der radikal rechte Parlamentarier
Rupert Lowe wegen seines Vorschlags von Massenabschiebungen aus seiner Partei, den Konservativen, ausgeschlossen wurde. Nigel Farage versuchte damals noch das Image seiner Partei
Reform UK zu mäßigen. 'Es ist politisch unmöglich, Hunderttausende von Menschen abzuschieben', betonte Farage im September 2024 mit einer Schärfe, die selbst die Labour-Partei heute nicht mehr aufbringen würde. 'Wir können das einfach nicht tun.' Inzwischen versuchen die Konservativen Farage zu übertrumpfen, und die Labour Partei "befindet sich heute dort, wo die Reformpartei vor einem Jahr stand: Sie behauptet, die Vorschläge seien
lediglich undurchführbar und nicht unfair. ... Dieses Zeitalter der Abschiebung ist ein globales. Das ist ein Paradoxon: Die brutale Verfestigung nationaler Grenzen durch Abschiebungen ist heute ein durch und durch
globalisiertes Phänomen. Das Abschiebungsprojekt der Reformpartei ist nach eigenen Angaben 'Trump 2.0'. Das zeigt, wohin die Reise kurzfristig geht. Aber seine Pläne spiegeln auch das Muster der Abschiebungen wider, das derzeit
in vielen ehemaligen Kolonien Großbritanniens, wie beispielsweise Indien, weit verbreitet ist und möglicherweise die Richtung für die langfristige Entwicklung vorgibt. Die aufkommende Hektik, illegale Migranten aus England auszuweisen, ist in Indien bereits weit fortgeschritten. In den letzten Monaten wurden Hunderte von
indischen Staatsbürgern bengalischer Herkunft wegen des Verdachts der illegalen Einwanderung festgenommen und über die Grenze nach Bangladesch abgeschoben. In der Provinz Assam wurden bis zu vier Millionen bengalische Inder ihrer Staatsbürgerschaft beraubt: man beschuldigte sie, illegale Einwanderer aus Bangladesch zu sein, wo ihre Vorfahren vor Generationen ihren Ursprung hatten. Sie vegetieren in aufwendig gebauten Haftanstalten dahin, gefangen in einem bürokratischen Albtraum. Es ist nicht abwegig, darin Vorzeichen für die
Zukunft Großbritanniens zu sehen."