Magazinrundschau - Archiv

The New Statesman

196 Presseschau-Absätze - Seite 2 von 20

Magazinrundschau vom 15.09.2025 - New Statesman

Die entscheidenden Revolten dieser Tage, ist sich der franzöisische Geograf Christophe Guilluy sicher, gehen nicht von den Großstädten aus, vielmehr beginnen sie im ländlichen Raum. Die Unterscheidung zwischen frivoler "Metropolia" und ernsthafter "Périphéria", auf der seine Argumentation basiert, mag, zumindest in der journalistischen Kurzfassung, grobschlächtig und reduktionistisch wirken. Aber bezogen auf konkrete Protestbewegungen, zum Beispiel auf die jüngsten "Bloquons tout"-Demonstrationen am 10.9. diesen Jahres, sind seine Ausführungen lesenswert: "Die Bewegung der Gelbwesten begann an Schwung und öffentlicher Unterstützung zu verlieren, als sich die Demonstrationen auf die großen Städte konzentrierten. Die Logik ist unerbittlich: Zuerst übernahm die extreme Linke in den urbanen Zentren die Bewegung und machte sie gewalttätig. Dann setzten Meinungsmacher - Akademiker und Meinungsforscher - ein Narrativ durch, das darauf abzielte, eine tatsächlich von der Bevölkerungsmehrheit unterstützte Bewegung unsichtbar zu machen. Dies führte zu einer Fokussierung auf Minderheitssegmente und zur Darstellung eines fragmentierten Frankreichs - sehr zum Vorteil der Machthabenden. Am 10. September wirkte der erstickende Effekt der Metropolen noch schneller: Die mélenchonistische Wiederbelebung - die Bewegung hinter 'La France Insoumise' - und die politischen Kommentatoren ließen keinerlei Raum für Spontaneität. Aus Sicht der Metropolen existiert die gewöhnliche Mehrheit nicht. Die französische Gesellschaft wird auf Werbetafeln reduziert, auf Kategorien, die sich perfekt für den neoliberalen Markt eignen, und letztlich auf englische Schlagworte: 'Eat the rich', 'Free Palestine', 'ACAB', 'Let's block'… Die metropolitane Blase isoliert ihre Bewohner kulturell und politisch. Letztlich erstickt sie Politik und Denken: Soziale Bewegungen sind zu bloßen Spektakeln geworden."

Magazinrundschau vom 09.09.2025 - New Statesman

Die antiwestliche Rhetorik autokratischer Regime in Asien ist nicht neu, erläutert Katie Stallard, mit Blick auf den Schulterschluss zwischen Wladimir Putin, Xi Jinping und Kim Jong-Un anlässlich einer Militärparade in Beijing am 3. September diesen Jahres. In Zeiten von Trump und dessen erratischer Politik fällt sie jedoch auf zunehmend fruchtbaren Boden und wird zur Grundlage einer strategischen Allianz antiliberaler Mächte. Dabei setzt insbesondere der chinesische Staatschef auf Friedens- und Sicherheitsversprechen: "In seiner Rede vor den Mitgliedern des Gipfels der Shanghai Cooperation Summit (SCO) am 2. September bezog sich Xi auf die 'tiefgreifenden Lehren aus dem Fluch zweier Weltkriege' und auf die vermeintlichen 'historischen Trends' von Frieden, Entwicklung und Kooperation in den 80 Jahren seither. Doch er warnte, dass die 'Mentalität des Kalten Krieges, Hegemonialstreben und Protektionismus die Welt weiterhin heimsuchen', während wir in eine 'neue Phase der Turbulenzen und des Wandels' eintreten. Die USA nannte er dabei nicht namentlich - das war auch nicht nötig. Die Antwort, sagte er, liege in einem 'gerechteren und ausgewogeneren System globaler Regierungsführung', das den Stimmen der Entwicklungsländer und den Bedürfnissen der globalen Mehrheit mehr Aufmerksamkeit schenkt - anstelle einer privilegierten Minderheit. Ähnliche Töne hört man von Xi seit über einem Jahrzehnt, doch da Trump nun die Rolle des unberechenbaren globalen Hegemons verkörpert, vor dem Xi lange gewarnt hat, finden diese Klagen zunehmend Gehör."

Tanjil Raschid kann kaum fassen, wie schnell sich in Britannien die Einstellung zu Massenabschiebungen verändert hat: "Es ist kaum ein Jahr vergangen ist, seit der radikal rechte Parlamentarier Rupert Lowe wegen seines Vorschlags von Massenabschiebungen aus seiner Partei, den Konservativen, ausgeschlossen wurde. Nigel Farage versuchte damals noch das Image seiner Partei Reform UK zu mäßigen. 'Es ist politisch unmöglich, Hunderttausende von Menschen abzuschieben', betonte Farage im September 2024 mit einer Schärfe, die selbst die Labour-Partei heute nicht mehr aufbringen würde. 'Wir können das einfach nicht tun.' Inzwischen versuchen die Konservativen Farage zu übertrumpfen, und die Labour Partei "befindet sich heute dort, wo die Reformpartei vor einem Jahr stand: Sie behauptet, die Vorschläge seien lediglich undurchführbar und nicht unfair. ... Dieses Zeitalter der Abschiebung ist ein globales. Das ist ein Paradoxon: Die brutale Verfestigung nationaler Grenzen durch Abschiebungen ist heute ein durch und durch globalisiertes Phänomen. Das Abschiebungsprojekt der Reformpartei ist nach eigenen Angaben 'Trump 2.0'. Das zeigt, wohin die Reise kurzfristig geht. Aber seine Pläne spiegeln auch das Muster der Abschiebungen wider, das derzeit in vielen ehemaligen Kolonien Großbritanniens, wie beispielsweise Indien, weit verbreitet ist und möglicherweise die Richtung für die langfristige Entwicklung vorgibt. Die aufkommende Hektik, illegale Migranten aus England auszuweisen, ist in Indien bereits weit fortgeschritten. In den letzten Monaten wurden Hunderte von indischen Staatsbürgern bengalischer Herkunft wegen des Verdachts der illegalen Einwanderung festgenommen und über die Grenze nach Bangladesch abgeschoben. In der Provinz Assam wurden bis zu vier Millionen bengalische Inder ihrer Staatsbürgerschaft beraubt: man beschuldigte sie, illegale Einwanderer aus Bangladesch zu sein, wo ihre Vorfahren vor Generationen ihren Ursprung hatten. Sie vegetieren in aufwendig gebauten Haftanstalten dahin, gefangen in einem bürokratischen Albtraum. Es ist nicht abwegig, darin Vorzeichen für die Zukunft Großbritanniens zu sehen."

Magazinrundschau vom 13.05.2025 - New Statesman

Larry Elliott glaubt nicht, dass die Linke in Großbritannien gut beraten ist, auf eine Wiederannäherung des Landes an die EU oder gar eine erneute Mitgliedschaft hinzuarbeiten. Mehr noch als in Großbritannien sind in der EU rechte, anti-europäische Kräfte auf dem Vormarsch, glaubt er (was angesichts des erneuten Erfolges von Nigel Farage einigermaßen illusionär klingt). Außerdem mangele es schlicht an guten Argumenten pro Europa: "Während des Brexit-Referendums wurden praktisch keine positiven Argumente für den Verbleib in der EU vorgebracht. Stattdessen stützte man sich auf das sogenannte 'Projekt Angst': das angebliche wirtschaftliche Armageddon, das Großbritannien im Falle eines Brexit bevorstehen würde. Der neueste negative Grund für die Unterstützung der EU besteht darin, dass sie nicht Donald Trumps Amerika ist. Ein weiteres Referendum über die EU-Mitgliedschaft im Vereinigten Königreich wird in naher Zukunft nicht stattfinden. Aber falls doch eines angesetzt würde, wäre es faszinierend zu sehen, wie sich die beiden Seiten positionieren würden. Die Brexiteers würden sagen, dass das vergangene Jahrzehnt eine willkommene Wiedergeburt des Nationalstaates als Zentrum der Politikgestaltung hervorgebracht habe, wobei die Schwächen, die durch die Covid-Pandemie offenbart wurden, das Interesse nicht nur an aktiver Industriepolitik, sondern auch an Maßnahmen zur Kontrolle von Kapital und Handel neu entfacht hätten. Es gab immer ein linksgerichtetes Argument für den Brexit, und seine Zeit ist gekommen."

Außerdem: John Gray liest Curzio Malaparte als Proust der Gewalt.

Magazinrundschau vom 06.05.2025 - New Statesman

William Davies zeichnet am Beispiel von Britannien nach, wie die Bürokratie zu einem zentralen Feindbild praktisch aller politischer Lager wurde. Auch die bei den jüngsten Lokalwahlen schwer gebeutelte Labour-Regierung springt auf den Zug auf, möchte (moderat) Stellen im öffentlichen Dienst abbauen und mehr tech-affine junge Leute aus den Universitäten und der Privatwirtschaft in die Strukturen integrieren. Ob das ausreicht? Davies ist skeptisch: "Downing Street möchte, dass solche Maßnahmen als disruptiv und radikal wahrgenommen werden. Gespräche in Labour-Kreisen über eine sogenannte 'Operation Kettensäge' (eine Anspielung auf das Werkzeug, das Argentiniens Präsident Javier Milei und später auch Elon Musk als Symbol ihres regierungsfeindlichen Eifers schwangen) sind ein eher wenig überzeugender Versuch, die Reformagenda an den libertären Zeitgeist anzupassen. Sollte sich diese Agenda jedoch lediglich als eine weitere Runde von New Public Management (NPM), eine etwas härtere Personalpolitik und Einstellungen einiger Physikabsolventen in Kapuzenpullis entpuppen, wird sie kaum auf Resonanz stoßen - und die weit verbreitete Frustration und Desillusionierung nicht aufhalten. Die derzeitige Sorge ist, dass eine Alternative bereits in den Startlöchern steht, eine, die weniger mit einer neuen Art von Management oder Prozessen zu tun hat, sondern vielmehr mit ungezügelter politischer Aggression. Das Modell Doge und Trump verabschiedet sich vollständig von der Logik der Bürokratie. Wie der Soziologe Dylan Riley bereits 2018 feststellte, ist Trump eine Ausprägung dessen, was Max Weber als 'patrimoniale' Herrschaft bezeichnete - eine Herrschaftsform, die die Trennung von 'Privatleben' und 'Amt' aufhebt, das Amt zur persönlichen Bereicherung nutzt und Macht über persönliche Loyalität und Rache ausübt. Zu den Fragen, die Doge-Mitarbeitern vor ihrer Einstellung gestellt wurden, gehörte, wie sie 2024 gewählt hatten. Einige vermuten, dass Doges eigentliche Funktion darin besteht, möglichst viele unregulierte Räume für die Nutzung von KI in den kommenden Jahren zu schaffen - nicht nur, um bestehende Systeme effizienter zu machen, sondern um ganz von vorne zu beginnen."

Magazinrundschau vom 29.04.2025 - New Statesman

Die USA hat den Machtkampf um die globale Vorherrschaft schon fast verloren, glaubt Andrew Marr. China wird über kurz oder lang die Nase vorn haben. Und zwar Dank KI, einer nach wie vor unterschätzten Technologie, die die Menschheit bereits an der Rande der technologischen Singularität gebracht hat. Marr ist sich sicher: "Die Nation, die künstliche Intelligenz zuerst mit voller Kraft und effektiv einsetzt, wird gegenüber jedem Rivalen einen enormen Anfangsvorteil haben. Die militärischen Institutionen der relevanten rivalisierender Staaten glauben, dass ASI (Artificial Superintelligence) alles verändern kann - von Logistik über Raketensteuerung und Drohneneinsätzen bis hin zu biologischen Waffen. Ob es die Akademie der Militärwissenschaften in Peking oder das Pentagon ist, das bei der militärischen Nutzung von KI die Führung übernimmt, wird die Konfrontation zwischen den Supermächten entscheidend beeinflussen. Und genau deshalb sind Handelsfragen relevant. Das Weiße Haus hat verzweifelt versucht, den Technologietransfer modernster KI-Technologien nach China zu verhindern, insbesondere mit Blick auf Grafikprozessoren (GPUs), die einen Großteil der Rechenlast tragen. Doch wie der Start der chinesischen KI DeepSeek im Januar zeigte, könnte es bereits jetzt unmöglich sein, China aufzuhalten. Trump bezeichnete den DeepSeek-Launch als einen 'Weckruf für Amerika'. Als Antwort auf frühere Handelsbeschränkungen hat er den Export von H20-GPUs - entwickelt von Nvidia, dem weltweit größten Halbleiterunternehmen - für den chinesischen Markt eingeschränkt. Jensen Huang, der taiwanesisch-amerikanische Chef von Nvidia, eilte am 17. April nach Shanghai, um zu besprechen, wie es weitergehen soll. Angesichts der tiefen Verflechtungen der Technologie-Lieferketten und Chinas bereits erreichtem Fortschritt erscheint es unwahrscheinlich, dass die USA Chinas Vormarsch zur mächtigsten KI-Nation noch lange aufhalten können."

Magazinrundschau vom 04.02.2025 - New Statesman

Will Dunn stellt einen Vergleich an zwischen Bill Gates und Ren Zhengfei, den Gründer des Telekommunikationsausrüsters Huawei. Beides Menschen, die es nach oben geschafft haben - bei denkbar unterschiedlichen Ausgangssituationen: "Um ein erfolgreicher Unternehmer zu werden, bedarf es einer außergewöhnlichen Risikobereitschaft. Eine Möglichkeit, diese zu erlangen, besteht darin, mit ihr geboren zu werden - genug Wohlstand zu besitzen, sodass Misserfolge keine echten Konsequenzen hat. Auf diesem Modell beruhen die frühen Karrieren Donald Trumps und Elon Musks, und es gab Bill Gates - dessen Urgroßvater eine der größten Banken Seattles gründete - das Selbstvertrauen und die Sicherheit, Microsoft zu etablieren. Der andere Weg besteht darin, so wenig zu haben, dass die Welt ohnehin mit deinem Scheitern rechnet; es könnte die Dinge kaum noch schlimmer machen. Unter solchen Bedingungen gründete Ren Zhengfei Huawei, ein Unternehmen, das zum weltweit größten Anbieter von Telekommunikationsausrüstung werden sollte. Trotz ihrer sehr unterschiedlichen Hintergründe sind Gates und Ren beide Produkte der Systeme, die sie umgaben. Gates wuchs im Nachkriegsamerika auf, einem Land, das seiner Meinung nach für seine Generation neu aufgebaut wurde - und speziell für diejenigen seiner Generation, die mit seiner Kombination aus Intellekt, Neugier und Gier ausgerüstet sind. Ren wurde in einer kommunistischen Diktatur geboren, in der er Pragmatismus und politisches Geschick erlernte."

Magazinrundschau vom 27.01.2025 - New Statesman

Francisco Garcia besucht ein serbisches Dorf, das sich, inzwischen im Rahmen einer nationalen Protestbewegung, gegen den Plan eines internationalen Konzerns wehrt, in der Gegend Lithium abzubauen. Lithiumbatterien, die unter anderem in E-Autos eingebaut werden, sind ein zentrales Element des Wandels hin zu einer vermeintlich grüneren Wirtschaft. Die ökologischen Folgeschäden von Lithium-Minen allerdings sind ein nicht nur in Serbien ungelöstes Problem: "Es ist für viele Serben - ganz zu schweigen von Ghanaern, Bolivianern, Portugiesen oder Menschen anderer Nationen, die den zweifelhaften Segen bedeutender Lithiumvorkommen kennengelernt haben -  äußerst schwierig, die Unternehmensrhetorik über die zentrale Rolle dieser Substanz in der bevorstehenden großen globalen grünen Wende mit der weitaus unmittelbareren, lokalen Umweltzerstörung, die der Abbau mit sich bringen wird, in Einklang zu bringen. Aktivisten und Experten, mit denen ich in Serbien und sprach, sagten mir oft, dass es so etwas wie nachhaltigen Bergbau einfach nicht gibt. 'Das ist ein Oxymoron', sagte mir Stevan Filipović. 'Lithium an sich ist nicht grün, es kann nicht grün sein, wegen der Chemikalien, die man verwenden muss, um es zu extrahieren, und der Menge an Wasser, die man für diesen Prozess benötigt.' Das Jadar-Projekt soll eine Lebensdauer von 40 Jahren haben. Wenn dieser der Zeitraum, den (das Unternehmen) Rio Tinto als profitabel betrachtet, vorbei ist, was passiert dann? Wenn die Erde und das umliegende Land bis zur Unkenntlichkeit vernarbt sind und kaum Hoffnung auf eine Rückkehr zur Landwirtschaft besteht? Eine zufriedenstellende Antwort gibt es bisher nicht. 'Seien wir ehrlich', sagte Marija Alimpić zu mir, 'Bergbau ist die zerstörerischste menschliche Aktivität auf diesem Planeten. Man kann ihn nicht 'grün' betreiben.'"
Stichwörter: Lithium, Serbien, Bergbau

Magazinrundschau vom 07.01.2025 - New Statesman

Phil Tinline beschäftigt sich mit der Britannien-Obsession der amerikanischen Rechten. Die üblichen Verdächtigen um Gestalten wie Ted Cruz und Elon Musk schimpfen auf den vermeintlichen totalitären Nanny State jenseits des Ozeans und beschwören gar einen kommenden innerbritischen Bürgerkrieg herauf. Man könnte sich fast über derartigen Unsinn amüsieren, meint Tinline, würde derartige Rhetorik in seiner Heimat nicht auf fruchtbaren Boden stoßen: "Mit Abstand die krasseste Manifestation des Phänomens in unserer politischen Landschaft war ein blutrünstiger Wahlwerbeclip der Konservativen Susan Hall, die für das Londoner Bürgermeisteramt kandidiert. Sie spielte auf Statistiken zu Drogen- und Messerkriminalität an und nahm die Einführung der Ultra Low Emissions Zone (ULEZ) zum Anlass, die 'Sadiq-tatur' der Hauptstadt anzuprangern. 'In den Tiefen dieser engen Gassen', grollte eine Stimme im Hintergrund, 'patrouillieren Trupps von ULEZ-Vollstreckern, gekleidet in Schwarz, mit maskierten Gesichtern, die Gemeinden im Auftrag ihres Labour-Bürgermeister-Overlords terrorisieren, der eine Steuer auf das Autofahren eingeführt hat, um Menschen dazu zu zwingen, in ihren Häusern zu bleiben oder unter die Erde zu gehen. Es gibt mehrere Hinweise auf die intellektuelle Herkunft des Videos. Zum Beispiel die Erzählweise im Stil eines Hollywood-Trailers. Dann die Szene, in der Fahrgäste aus einer U-Bahn-Station fliehen, begleitet von der Aussage: 'Im Chaos suchen die Menschen verzweifelt nach Rettung' - sie musste entfernt werden, als sich herausstellte, dass es sich tatsächlich um Aufnahmen der Penn Station in Manhattan handelt. Die ganze Inszenierung basierte auf einer Idee, die auch in Tweets über die Unruhen zu finden war: dass Britannien mit seinen 'engen Gassen' in eine Tyrannei abdriftet, die nach amerikanischen Vorgaben definiert wird."

Magazinrundschau vom 17.12.2024 - New Statesman

Die Aufarbeitung der Schrecken des Assad-Regimes in Syrien steht erst ganz am Anfang. Cian Ward berichtet über die verzweifelten Versuche, zumindest die Toten, die in den berüchtigten Foltergefängnissen starben, zu identifizieren. Angehörige haben sich zu den Gefängnissen aufgemacht, auf der Suche nach Spuren der Vermissten. "Mitten im Chaos eilen die weißen Gestalten eines überarbeiteten Krankenhausteams umher. Maskiert, mit Kapuzen und in Schutzanzügen gehüllt, kämpfen sie darum, Ordnung in die Anarchie zu bringen. Ihre Aufgabe ist es, die Opfer zu kategorisieren und zu identifizieren, in der Hoffnung, den Familien endlich Frieden zu verschaffen. 'Wir nehmen ihren Zahnabdruck und überprüfen dann sekundäre Merkmale wie Tattoos oder Operationsnarben', erklärt Dr. Yasser Al Kassem, der stellvertretende Leiter der forensischen Abteilung des Krankenhauses. 'Diese Informationen werden protokolliert und verarbeitet. Suchende Familien werden gebeten, ein ähnliches Formular auszufüllen, um zu sehen, ob es Übereinstimmungen bei solchen Merkmalen gibt ... Außerdem bitten wir die Familien um ein Foto ihres Angehörigen, vorzugsweise mit einem klaren Lächeln, da es uns die Identifizierung erleichtert.' Dieses Identifizierungsverfahren wird angewandt, weil die Opfer aufgrund ihrer verwesenden Haut, die ihre Wangen strafft, ausschauen, als würden sie grinsen. Das Team gibt sein Bestes, um die Leichen zu konservieren, scheint jedoch den Wettlauf gegen die Zeit zu verlieren. 'Wir tun unser Möglichstes', sagt Al Kassem, 'aber wir haben nicht genug Kapazitäten. Die Verwesung hat bei vielen bereits ein fortgeschrittenes Stadium erreicht, was auf Misshandlung hindeutet; es ist offensichtlich, dass sie vor ihrem Tod nicht ausreichend ernährt wurden.'"

Magazinrundschau vom 10.12.2024 - New Statesman

Anders als die erste Wahl Donald Trumps zum Präsidenten ist die zweite weniger ein politisches als ein soziales Erdbeben, argumentiert Christopher Caldwell - und sieht das Ende der Wokeness-Ära heraufziehen. Letztlich geht es, ist Caldwell überzeugt, um einen Generationenwechsel. Als Beispiel führt er unter anderem Trumps erfolgreiches Werben um Wähler unter Podcast-Hörern und Fans der Mixed-Martial-Arts-Liga UFC mithilfe von Statements an, die Transaktivisten kritisieren: "In diesem jüngeren Amerika kann ein vage 'gangsta'-artiger Politiker in einer Diskussion über Menschenrechte glaubwürdiger wirken als die linke Anwältin Harris. Es liegt nicht daran, dass UFC-Zuschauer Transaktivismus politisch ablehnen - auch wenn die meisten von ihnen das wahrscheinlich tun. Es liegt vielmehr daran, dass die woke Vision der Vereinigten Staaten - in der eine Monokultur heterosexueller weißer Männer ihre 'Privilegien' über alle anderen ausspielt - nicht mit ihrer Lebensrealität übereinstimmt. In den letzten drei Jahren waren 51 Prozent der in den USA geborenen Babys nicht-hispanische Weiße. Selbst wenn es so etwas wie 'weiße Privilegien' gibt, sind sie ein Problem, das der demografische Wandel wahrscheinlich lösen wird. Trump gewann 21 Prozent der Stimmen schwarzer Männer - das Doppelte seines vorherigen Anteils und das beste Ergebnis eines Republikaners seit 1972. Trotz all der akademischen Diskussionen war die Wahl 2024 die am wenigsten ethnisch polarisierte der Post-Bürgerrechtsära. Es gibt gute historische Analogien dafür, wo sich die Vereinigten Staaten jetzt befinden. Die Wahl Franklin Roosevelts im Jahr 1932 war der Moment, als die damaligen europäischen 'ethnischen' Einwanderer endlich ihre Präsenz an den Urnen bemerkbar machten und in 'gewöhnliche' Amerikaner umgewandelt wurden. Für eine erstaunlich lange Zeit hatten sich die Amerikaner - mit wenigen Ausnahmen - für eine Ansammlung von Übersee-Engländern gehalten. Diese Ausnahmen wurden 1932 zur Mehrheit. Vielleicht war 2024 die Wahl, in der die nächste Welle von Einwanderern - Lateinamerikaner, Asiaten und andere - diesen Prozess beginnt."
Stichwörter: Trump, Donald, Woke, Wokeness