
Wer direkt aus Rom mehr über die
Schlacht im Konklave erfahren will, dem sei die
Titelgeschichte des
Espresso-Sonderbeauftragten für Vatikanfragen Sandro Magister empfohlen. Und es kommt, ungewöhnlich in diesen Tagen, aber vielleicht nicht ungewöhnlich für den
Espresso, ein Kritiker des Papstes und der katholischen Religion im Allgemeinen zu Wort. Dem
Philosophen Umberto Galimberti ist der Aufruhr der vergangenen Tage im Interview mit Enrico Arosio
ein wenig unheimlich: "Ich habe immer gewusst, dass Italien im Wesentlichen der Vatikan ist, dass die grundlegende Struktur, die Psychologie des Italieners eine religiöse ist. Deshalb sind wir nicht wirklich Demokraten, uns gefallen die
Faschismen, die Figuren die sie repräsentieren. Unsere anthropologische Matrix ist durch und durch religiös. Aber es ist eine kindliche, projizierende, mythische Religiosität. Man braucht den
großen Mann, die große Persönlichkeit um sich rühren zu lassen. Ich sehe einige Ähnlichkeiten zwischen dem massenhaften Erscheinen auf einem Konzert mit
Vasco Rossi und den Versammlungen auf dem Petersplatz mit den
Papa-Boys."
Weitere Artikel: Zu
Umberto Ecos Jugendzeiten musste man sich entscheiden, ob man für
Emilio Salgari (
mehr) oder sein franzöisches Pendant
Jules Verne (
hier eine umfangreiche Seite mit Originaltexten in mehreren Sprachen) war. Eco war patriotischer
Salgari-Fan, wechselte dann aber die Fronten und
beschreibt in einem unendlichen Satz, von dem hier nur die Hälfte zitiert wird, was ihn an den Verneschen Abenteuer heute vor allem fasziniert: die
Illustrationen. "Es sind Bilder, die immer vor einem dunklen Hintergrund ins Licht treten, liniert mit dünnen schwarzen Strichen, die von weißlichen Schnitten unterbrochen werden, eine Welt
bar jeder chromatischen Zonen, eine Vision aus Schraffuren, Strichelungen, blendenden Reflexionen, eine Welt, gesehen von einem Tier mit seiner ganz eigenen Netzhaut, vielleicht sehen so die Ochsen und die Hunde, oder die Eidechsen, eine nächtliche Welt, betrachtet durch eine
Jalousie mit feinsten Lamellen, ein immer dunkles und quasi untergetauchtes Territorium - selbst unter klarem Himmel - aus Körnern und Radierungen, die Licht nur da zulassen, wo das
Instrument des Kupferstechers die Oberfläche abgetragen hat."