Auflösungsprozesse Intervention 27.08.2021 Für autoritäre Mächte wie Russland und China ist der Rückzug der westlichen Länder aus Afghanistan ein riesiger Triumph. Sehen sie sich dadurch doch in ihrer Propaganda bestätigt, nach der die westlichen Werte nichts als pure Heuchelei und die Zukunftsversprechen der liberalen Demokratien bloße Trugbilder seien. Es wäre richtig gewesen, in Afghanistan zu bleiben. Nun steht als nächstes wohl das demokratische Taiwan zu Disposition. Von Richard Herzinger
Mit Sonnenaufgang und Everglades Intervention 16.08.2021 Anna Zohra Berracheds Film "Die Welt wird eine andere sein" wurde von NDR und Arte subventioniert, erhielt Filmförderung, lief auf der Berlinale und wurde von der Presse als ein erfrischend inkorrektes Drama freundlich begrüßt. Dabei ist er in seiner Verkitschung des 11. September als bloßer Kulisse eines romantischen Liebesdramas nur der Beweis für die Tendenz unserer Gesellschaft, den politischen Islam zu verharmlosen . Von Peter Mathews
Blumen an Stalins Grab Intervention 22.07.2021 "Patria y vida" (Vaterland und Leben) ruft die neue Protestbewegung in Kuba und trifft das "Patria o Muerte" der versteinerten kubanischen Revolution ins Herz. Die allseits beliebte Kuba-Folklore kaschiert nun schon seit Jahrzehnten den menschenverachtenden Charakter dieses Regimes. Eine große Chance hat die Protestbewegung wohl leider nicht. Von Richard Herzinger
Ein politischer Glaubenskern Intervention 02.07.2021 In deutscher Politik werden "Dialog" und Entspannungspolitik glorifiziert. Selbst die zunehmend massive Bedrohung durch autoritäre Mächte wie Russland und China kann diesem quasireligiösen Prinzip bisher nichts anhaben. Weitgehend verdrängt wird, dass der Mauerfall nicht durch Entspannungspolitik möglich wurde. Von Richard Herzinger
Der Kampf des Narrativs gegen die Geschichte Intervention 07.06.2021 Jedes Ereignis ist singulär, nur beim Holocaust wird die Singularität in Frage gestellt. Bei jedem Ereignis dienen Vergleiche dazu, die Singularität herauszuarbeiten, aber auch Verbindungen zu anderen Ereignissen offenzulegen. Am Ende bleiben einige Besonderheiten, sonst wäre das Ereignis keins. Warum ich nicht an A. Dirk Moses' alternativen Katechismus glaube. Von Thierry Chervel
Der Aufstieg des religiösen Extremismus Intervention 27.05.2021 Der Nahostkonflikt wird unter dem Einfluss des Irans und der Hamas immer mehr unter religiösen Vorzeichen gesehen. Aber Religion unterminiert in allen Weltreligionen immer aggressiver die Ideen der Aufklärung und der Demokratie. Auch die demokratischen Länder selbst sind von dieser Erosion der Rationalität betroffen. Von Richard Herzinger
Sogar des Kommunismus fähig Intervention 15.04.2021 In einem Punkt herrscht zwischen den meisten rechts- und linksradikalen Parteien in Europa nahtlose Übereinstimmung: in ihrer unterwürfigen Nähe zu Putins Russland. Diese Affinität hat eine lange Tradition in Deutschland. Erinnerung an den Politiker und Publizisten Ernst Niekisch. Von Richard Herzinger
Aber irgendwie doch Intervention 30.03.2021 Den AutorInnen der "Jerusalem Declaration on Antisemitism" geht es nicht um eine Präzisierung der Antisemitismus-Definition der IHRA, sondern um die Freisprechung vom Antisemitismusverdacht, sofern es um Äußerungen oder Aktionen gegen Israel geht. Sie wollen einen Freibrief für israelbezogenen Antisemitismus. Von Matthias Küntzel
Nun ist es an den Europäern Intervention 25.03.2021 Die Biden-Regierung steht nicht nur vor der Aufgabe, der amerikanischen Führungsrolle in der Welt neue Geltung zu verschaffen, sondern auch, der Idee der Demokratie insgesamt auf der globalpolitischen Bühne wieder eine mächtige Stimme zu verleihen. Die kommenden Jahren werden entscheidend dafür sein, ob die demokratische Welt die Tendenz zur Dominanz autoritärer Mächte in der Weltpolitik noch einmal umkehren kann. Einige außenpolitische Akzentsetzungen Bidens sind richtig. Von Richard Herzinger
Schopenhauers Stachelschweine Intervention 11.03.2021 Möglichst große Nähe zwischen den Menschen gilt heute als Synonym für "soziale Wärme" und damit als humaner Idealzustand. Doch das Gebot, sich so nahe wie möglich zu kommen, senkt auch die Hemmung, anderen zu nahe zu treten und sich in ihre Angelegenheiten einzumischen. Vielleicht lehrt uns die Corona-Pandemie wieder das richtige Maß. Von Richard Herzinger
Rot an der Ampel Intervention 12.02.2021 Die populäre Philosophin Svenia Flaßpöhler hat bei "Markus Lanz" leichtfertig behauptet, unsere Gesellschaft würde in der Coronakrise in Zustände regredieren, die an Hobbes' "Leviathan" erinnern. Das ist Unsinn. Ich muss mich in Pandemiezeiten nicht vor dem Anderen als Menschen - mit diesen oder jenen Eigenschaften, Absichten oder Befugnissen - schützen, sondern vor seiner potenziellen Virenlast. Von Daniele Dell'Agli
Weit verbreitete Fehldarstellungen Intervention 11.02.2021 Die Nicht-Intervention in Syrien hat inzwischen wesentlich mehr Tote gefordert als die Intervention im Irak, die heute weitgehend als ein einziges Desaster gilt. Unendlich viel lief dort falsch, gewiss. Doch dem Horror der Saddam-Herrschaft sind die heutigen Verhältnisse im Irak allemal vorzuziehen. Von Richard Herzinger