Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Musik

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.03.2026 - Musik

Hingerissen berichtet Gregor Dotzauer im Tagesspiegel vom Auftritt Meredith Monks bei der MaerzMusik in Berlin. Das ist so viel mehr als Vokalakrobatik, findet er: "Es ist ein theatralisches Ereignis, das jeden Ton an eine Gebärde, eine Geste, eine Schrittfolge oder eine Körperhaltung knüpft, und sei es nur, indem die Handflächen wie kleine Segel agieren. Meredith Monks Verständnis von Musik als Bewegung und Bewegung als Musik wird getragen von einem Sinn für den Atem, der schon im rhythmischen Hecheln alles ermöglicht, was die Stimmbänder passiert. Es lebt, jenseits von Zwerchfell und Kehlkopf, von einer Faszination für die Mundraumhöhle, die ihr etwa im 'Click Song' ein mit Schnalz- und Schmatzakzenten versehenes Duett für eine Sängerin erlaubt." Auch taz-Kritikerin Sophie Jung ist begeistert: Die Auszeichnung Monks mit dem Großen Berliner Kunstpreis findet sie mehr als verdient, schade nur, dass der Berliner Senat zuvor die Hälfte - insgesamt 22.500 Euro - des Preisgeldes gestrichen hat.

Hier ein Click-Song von Monks Album "Cellular Songs":



Weiteres: Der Standard berichtet über Reaktionen auf die Missbrauchsvorwürfen gegen Musiker Christoph Seiler, der sich jetzt entschuldigt haben soll. Besprochen werden das neue Album von das bisschen Totschlag "0dB Headroom" (taz) und eine Aufnahme von Reinhard Lakomys Elektronik-Konzert 1983 im Palast der Republik (BlZ). Wir hören rein:

Stichwörter: Monk, Meredith, Maerzmusik

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.03.2026 - Musik

Wolfram Weimer stiftet mit dem "Polyton" einen neuen Musikpreis, die verleihende "Akademie für Popmusik" könnte einen wichtigen Faktor in den Debatten bilden, die zwischen Musikern und Streamingdiensten geführt werden, eruiert Elena Witzeck für die FAS im Gespräch mit der Akademiesprecherin Balbina. Zu hoffen ist, "dass die Akademie-Mitglieder zu einer politischen Größe heranwachsen, die irgendwann wirklich in der Lage ist, sich gegen die Zumutungen der Gegenwart und die Bedrohungen der Zukunft zu wehren. Die nächste Welle rollt nämlich schon heran. In ihrem Wohnzimmer in Marzahn spielt Balbina von ihrem Handy einen Song ab, der sehr gut klingt. (...) Das ist die Zukunft. 'Weil da Musik drin ist von Menschen, die keine Kohle kriegen dafür.' Die Entscheidung, die Plattformen dafür nicht in die Verantwortung zu nehmen, ist schon ein paar Jahre her. Jetzt ist die KI trainiert, sind die Daten hochgeladen. Sich dagegen zu wappnen, was kommt, dafür braucht es jede Menge Musikschaffende, die zusammenstehen."

Weiteres: Josef Wirnshofer begleitet Sebastian Krummbiegel mehrere Monate für die SZ. Ulrich Gutmair interviewt Nina Hagen in der taz zu ihrem neuen Gospel-Album "Highway to Heaven", für den Tagesspiegel spricht Gunda Bartels mit ihr. Die pakistanische Konzertpianist Usman Anees gibt sein internationales Debüt in Dubai, Thilo Komma-Pöllath lauscht dem virtuosen Spiel gebannt für die FAS. Für den Tagesspiegel interviewt Christiane Peitz Igor Levit, der demnächst alle Klavierkonzerte von Sergei Prokofjew in der Berliner Philharmonie spielt. Die Geigerin Hillary Hahn tritt in der Tonhalle Zürich auf, in der NZZ fehlt Thomas Schacher bei den Klängen von Prokofjews 1. Violinkonzert ein wenig die Emotion.

Besprochen wird: Das neue Album "Arirang" der K-Pop-Band BTS (Zeit).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.03.2026 - Musik

Der queere US-Gitarrist Kid Congo Powers spricht im Interview mit der taz über seine Musik im Besonderen und Latino-Musiker im Allgemeinen: "Bad Bunny ist spitze. Ich finde es toll, dass er dafür ausgewählt wurde, und mir gefällt besonders, dass er die MAGA-Typen und deren konservatives Weltbild angepisst hat. Außerdem ist Bad Bunny ein Geschenk für alle Latinos: Erst in dem Moment, in dem du so herausgestellt wirst, wird dir klar, wie unterrepräsentiert du eigentlich bist. Das war schon eine große Sache, auf die auch ich stolz war. Es ist verrückt, wie Bad Bunny Menschen gegen sich aufbringt. Er ist US-Amerikaner mit Wurzeln in Puerto Rico. Das ist der identitätspolitische Bullshit, mit dem ich mich schon mein ganzes Leben herumplagen muss."

Besprochen werden Mitskis Album "Nothing's About to Happen to Me" (taz), ein Konzert des Ensemble Modern mit Zenders "Winterreise" in der Alten Oper Frankfurt (FR) und ein Konzert des Quartetts Kapa Tult im Frankfurter Mousonturm (FR).
Stichwörter: Powers, Kid Congo

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.03.2026 - Musik

Gestern morgen waren es noch eher unbestätigte Anzeichen auf Facebook, heute ist es gewiss: Bettina Köster, die in den frühen Achtzigern mit Bands wie Mania D und Malaria die hiesige Postpunk-Szene mitgeprägt hatte, ist im Alter von 66 Jahren gestorben. "1981 rief der britische Radio-DJ John Peel vier Tage vor der Hochzeit von Lady Diana Spencer und Prince Charles die Berlinerinnen von Mania D zu 'Queens of Noise' aus", erinnert Robert Mießner in der taz. Und Malaria "sollte Aura und Klang des Westberliner 'Geniale Dilettanten'-Mythos maßgeblich prägen. Dass von dieser Stilistik Sinnlichkeit nicht zu trennen ist, bleibt eines der Verdienste von Malaria! und mit ihnen Bettina Kösters" - nicht zuletzt wegen ihrer "souveränen Stimme". Einen weiteren Nachruf schreibt Nadine Lange im Tagesspiegel. Im Archivfundus des Dlf kann man Lorenz Schröters 2020 entstandenes Feature über Mania D noch immer nachhören.



Weiteres: Samir H. Köck plaudert für die Presse mit Voodoo Jürgen über dessen neues, im Standard besprochenes Album. Besprochen werden ein Konzert des Ensembles United Berlin unter Vladmir Jurowski in Berlin (NMZ) und Nils Keppels "Super Sonic Youth" (Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.03.2026 - Musik

Arne Löffel plaudert in der FR mit Romano über dessen neues Album. Und: Auf Facebook mehren sich die Hinweise, dass Bettina Köster von den deutschen Punk-Urgesteinen Mania D und Malaria gestorben sein soll.

Besprochen werden neue Rap-Veröffentlichungen von Fakemink und Xaviersobased (taz) sowie die Soli-Compilation "Help (2)" zugunsten von Kindern in Not (SZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.03.2026 - Musik

Julian Weber berichtet in der taz von dem Fall, dass der US-Jazzpianist Jason Moran mit einem Mal damit konfrontiert war, dass auf Spotify Musik von ihm auftauchte, die gar nicht von ihm stammte. Bis der Streamer handelte, musste Moran aber ziemlich hartnäckig nachbohren. "Spotify kümmert anscheinend weniger, wer Fake-Accounts betreibt und die Plattform hat auch anonyme Komponist:innen mit Auftragswerken für Ghost-Artist-Playlists beauftragt. Mehr Interesse hat der Big-Brother-Konzern daran, zu erfahren, wer seine User:innen sind, welche Tagesabläufe sie haben, wohin sie reisen und mit wem sie auf Social Media befreundet sind. ... Unklar ist, wie hoch der Urheberrechtsschaden beziffert wird, der damit angerichtet wurde und wer den Fake-Account eigentlich betrieben hatte. Sobald Moran das falsche Spotify-Konto unter seinem Namen öffentlich gemacht hatte, berichteten Wegbegleiter:innen wie US-Jazzsängerin Gretchen Parlato von ähnlichen Vorkommnissen."

Chris Norman, Suzi Quatro, Bonnie Tyler, Chris de Burgh: Joachim Hentschel blickt in der SZ auf das Phänomen, dass einige britische und amerikanische Acts in ihrer Heimat längst nicht mehr populär sind, wenn sie dort überhaupt je einmal angesagt waren, aber in Deutschland große Hallen füllen und dort vor "Oldiefreunden an der Mosel, Bravo-Sammlerinnen aus Eimsbüttel, Rock-Rentnern aus dem Jagsttal" spielen. "Die Symptome einer sogenannten Leitkultur sucht man sonst ja eher im Volkstümlichen, in den regionalen Bieranstichen. Doch wenn es so etwas wie einen typisch deutschen Geschmack geben sollte, womöglich ein typisch deutsches Wesen: Vielleicht kann man es noch kontrastreicher daran ablesen, welche britischen oder amerikanischen Stars wir mehr lieben, als die Briten und Amerikaner es je taten."

Chris de Burgh in Deutschland, das ist vor allem auch deutsche Fernsehgeschichte. Das war sein zweiter Auftritt in "Wetten dass?": 

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.03.2026 - Musik

Jerrit Schloßer berichtet im Wirtschaftsteil der SZ von seinen Recherchen zu den geschäftlichen Umtrieben Felix Blumes, der vor einigen Jahren unter seinem mittlerweile abgelegten Künstlernamen Kollegah antisemitische Texte im Gangsta-Rap installierte, mittlerweile nach eigener Aussage "Patrioten-Rap" macht und auf seinem letzten Album 2025 erneut zahlreiche Verschwörungstheorien platzierte. Blume betreibt nun ein Fitness-Studio - gemeinsam mit einem gewissen Heidrich Kopelke, der laut Schloßer wohl der Sohn des Mitgründer der in rechtsextremen Kreisen sehr beliebten Kleidungsmarke "Thor Steinar" ist: "Wer etwas tiefer gräbt, stößt auf Fotos vom rechtspopulistischen 'Neuen Hambacher Fest' aus dem Jahr 2018, auf denen Heidrich Kopelke auftaucht. Zudem kommentiert Landogar Höcke, Sohn des AfD-Politikers Björn Höcke, regelmäßig unter Heidrich Kopelkes Beiträgen in den sozialen Medien. Julian Walder, Vorstand der Jungen Alternative in Leipzig und Mitglied der rechtsextremen Identitären Bewegung, ist ebenfalls sein Follower. Zudem bewegt sich Heidrich Kopelke in der rechten Szene: Ein Besucher etwa, der auf dem Geheimtreffen von Rechtsextremisten in Potsdam Ende 2023 nachweislich anwesend war, versichert der SZ an Eides statt, Heidrich Kopelke zusammen mit seinem Vater Axel Kopelke dort gesehen zu haben."

Weiteres: Marco Schreuder plaudert für den Standard mit Cosmó, der Österreich beim ESC vertritt. Besprochen werden Mary Ochers neues Album "Weimar" ("ein schön verspulter Kessel Buntes", meint Stephanie Grimm in der taz) und das neue Album "Crooked Stile" von Crooked Man, der darauf House und Northern Soul miteinander vermählt (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.03.2026 - Musik

Für die taz unterhält sich Henrik von Holtum mit dem bayerischen Indie-Urgestein The Notwist, das mit "News from Planet Zombie" gerade sein erstes reguläres Studioalbum seit 2021 veröffentlicht hat. Markus Achter von der Band erzählt, dass er "für die Songs eine Form gefunden" hat, "um die Situation, in der wir momentan leben, zu beschreiben. Auf eine Art, die nicht einfach nur realistisch erzählt ist, sondern mit Bildern und Assoziationen arbeitet. ... Ich habe öfter geträumt, dass man entweder an einem Ort herumläuft und nicht reinkommt oder eben drin ist und nicht rauskommt. Und dieses Bild steckt in allen Songs des neuen Albums." Diese Klaustrophobie "hat sicher mit der Weltlage zu tun, die gerade besonders desolat ist, extrem schrecklich und zugleich skurril. Wenn es ein Film wäre, würde man sagen, da ist zu viel reingepackt ins Drehbuch, es ist ein ganz schlechter B-Movie."



"Ein schnarrender Bass lädt zum Schunkeln ein, eine künstliche Flöte macht tüdelüüd, schließlich perlen glitzernde Synthie-Klänge empor, und die Nummer verwandelt sich in ein Eurodance-Stück", schreibt Jens Balzer in der Zeit zum neuen Hyperpop-Album "Cerulean"von Danny L Harle: "Wir machen wieder Party, als wäre es 1999." Längst ist der Hyperpop-Stil im Mainstream angekommen, dabei "begriffen sich die Hyperpop-Künstler ursprünglich als subversiver Kreis, der die kapitalistische Kulturindustrie mit ihren eigenen Mitteln zu schlagen gedachte. ... Was wie bei allen vorangehenden Avantgarde-Schulen, die so etwas auch schon einmal versuchten, natürlich lediglich dazu führte, dass die Kulturindustrie die Kritik an ihr inkorporierte und die ehemaligen Avantgardisten in den Rang gut bezahlter Zulieferer aufsteigen ließ. So auch hier. Man kann die neuen Lieder von Danny L Harle also als Dokument einer rückhaltlosen Kommerzialisierung und des künstlerischen Scheiterns anhören. Man kann sich aber auch an der detailfreudigen Modellierung der Musik freuen und an ihrem Humor."



Weitere Artikel: Thomas Winkler spricht in der taz mit Engin Devekiran von der Mannheimer Band Engin, der Deutschland zur Therapie rät. Christoph Irrgeher unterhält sich für den Standard mit der Pianistin Khatia BuniatishviliJan Delay und Benjamin von Stuckrad-Barre plaudern in der SZ mit Jakob Biazza über Udo Lindenberg, der im Mai 80 Jahre alt wird. Besprochen werden ein von Paavo Järvi dirigiertes Konzert des Tonhalle-Orchesters mit der Geigerin Janine Jensen (NZZ) und ein Konzert der Jazzpianistin Gee Hye Lee in Frankfurt (FR).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.03.2026 - Musik

Die feuilletonistische Popkritik sollte endlich mal wieder beherzter verreißen, findet taz-Musikredakteur Julian Weber. Dass seine Kollegen in anderen Blättern etwa über den "Erz-Langweiler" Harry Styles nur "burleskes Gestammel" brachten, zeige mal wieder: "Auch 40 Jahre nach Rave und 60 Jahre nach Punk wird im deutschen Feuilleton nach der Regel 'je kommerzieller, desto gesellschaftlich bedeutsamer' vorgegangen. Widerworte sind kaum geduldet. Höchstens als bornierter hochkultureller Abwehrreflex, wie nach der Pausenperformance von Bad Bunny im Super-Bowl-Finale. ... Weitermachen ist die einzige Option: antizyklisch denken und den unabhängigen Popdiskurs wieder auf Papier stattfinden lassen. Aus Köln kommt die frohe Kunde, dass das Netzmagazin 'für Insolvenz und Pop' Kaput im Mai den Schritt zur gedruckten Ausgabe wagt."

Außerdem: In der Zeit porträtiert Christian Bartlau den Wiener Musiker Voodoo Jürgens. Besprochen werden Stefan Hentz' Biografie über Miles Davis (FR) und Shabaka Hutchings' Album "Of the Earth" (taz).

Stichwörter: Popkritik, Musikkritik

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.03.2026 - Musik

Aida Baghernejad spricht für den Tagesspiegel mit Markus Acher von The Notwist, die dieser Tage ihr neues Album "News from Planet Zombie" veröffentlichen. Mit dem Erfolg von Bad Bunny ist auch der Salsa wieder da und dies "als Werkzeug des Maga-Widerstands und Ausdruck postkolonialer Awareness", freut sich Dorion Weickmann in der SZ. In der Zeit spricht Jens Balzer mit dem Graf von Unheilig über dessen Comeback, nachdem er 2014 noch sein Bühnen-Aus angekündigt hatte. Berit Dießelkämper spricht ebenfalls in der Zeit mit der Anglistikprofessorin Stephanie Burt, die ein Buch über Taylor Swift veröffentlicht hat. Urs Nagel schreibt im Tages-Anzeiger einen Nachruf auf den Boston-Sänger Tommy DeCarlo. Joachim Hentschel spricht für die SZ mit Kim Gordon, die ein neues Soloalbum veröffentlicht hat. Wir hören rein: 



Besprochen werden ein Boxset mit den Alben der 80s-Popband The Colourfield (Standard), ein Konzert des Wu-Tang Clan in Köln (FR) und ein Konzert von Alice Coote in Frankfurt (FR).